Was Drogen gefährlich macht

Drogen sind in unserer Gesellschaft per se böse, ein vernünftiger Umgang mit psychotropen Substanzen scheint den meisten ausgeschlossen. Das verrät aber mehr über unsere Gesellschaft, als über die verteufelten Stoffe.

Wir leben in einem Kollektiv der Schwarmintelligenz. 95% der Menschen hierzulande haben im Prinzip, von Details abgesehen, das gleiche Weltbild und sind in Summe staatsunkritisch. Sie mögen den Staat kritisieren, aber tun das, falls überhaupt meist anhand von Verschwörungstheorien (der gute Staat wurde von bösen Kräften übernommen) oder, indem sie sagen, er greife noch zu wenig ein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir für andere arbeiten müssen und gleichzeitig uns selbst noch permanent „verbessern“ wollen. Verbessern ist aber nicht Anpassung an das eigene Gefühl des Ich-Seins und die Verstärkung dieser Einheit, sondern eine Angleichung an die Ansprüche der Gesellschaft, um sich nach einem harten Arbeitstag noch für zwei Stunden auf die teure Designer-Couch zu schmeißen, teuren Wein zu trinken. Am nächsten Tag kommt dann die verdrängte Ernüchterung wieder auf.

Und dieser kollektive Zwang betrifft niemanden, keine Gruppe und kein Subkollektiv alleine. Er umspannt uns alle und macht uns zu Sklaven einer Vorstellung, die uns mit der Muttermilch eingeflößt wurde. Wir müssen funktionieren und uns verbessern. Aber nicht, dafür, dass wir mit uns zufrieden sind, sondern, dass es die anderen sind. Man redet sich ein, es für sich selbst zu tun, doch in Wahrheit möchte man seine Autonomie beweisen, die man aber nicht besitzt und doch glaubt, man würde sie besitzen.

Was hat das alles nun mit den bösen Drogen zu tun? Ganz einfach, die Gesellschaft ist deren Kraft nicht gewachsen, weil sie sie nicht versteht. Der Politiker, der sich für den Arbeitstag Meth gönnt, der Arbeiter, der Abends zum Einschlafen sein Bierchen braucht, sie benutzen die Stoffe nicht als Hilfsmittel, sondern lassen sie das Ruder komplett übernehmen. Der Moment des Loslassens, das Abgeben der täglichen Anstrengung auf jemand anderen sei ihnen allen gegönnt. Und er wäre auch nicht weiter schädlich, wenn sie uns nicht zeigen würden, dass mit ihrer Hilfe (vor allem bei Stimulantien) der gesellschaftliche Anspruch mit Leichtigkeit erfüllt werden kann.

Damit wird die „Droge“ zum Mittel, anderen zu entsprechen. Man gibt die Kontrolle darüber aus, konsumiert nicht mehr bewusst und lässt einen Reflex aufkommen, der Die Erwartungen der anderen mit dieser Substanz verbindet. Würde man dagegen konsumieren, um für sich selbst eine schöne Zeit zu haben und sich wirklich bewusst sein, was man tut, verlöre die Substanz schon bald an ihrem Schrecken. So aber scheint sie zuerst der Engel zu sein, der einen befreit aus dem Kampf, der Gesellschaft zu gefallen, da er „die Arbeit“ übernimmt.

Drogensucht ist ein Phänomen einer Gesellschaft, die nicht lebenswert ist. Dass die drei häufigsten legalen Substanzen Nikotin, Koffein (Stimulantien) und Alkohol (Downer) allesamt keine wirklich psychedelischen und entheogenen (Das „Göttliche“ erkennen, mit dem „Ich“ ist es weniger esoterisch beschrieben) „Drogen“ sind, weißt auch wieder darauf hin, dass wir konsumieren, um zu funktionieren. Mit diesem Anspruch hinter dem Konsum wird er auch immer gefährlich sein. Jeder Drogenuser, der einigermaßen informiert ist, wird wissen, was mit Safer Use gemeint ist. In der Szene der drogenmündigen Menschen ist es Konsens, dass Selbstmedikation (Die Entheogene wie DMT, LSD, Psilocybin usw. möchte ich hier vorerst ausklammern) gefährlich ist und die Suchtgefahr um ein Vielfaches steigert.

Doch auch für die Gesellschaft ist der Konsum gefährlich. Vor allem die Psychedelika haben das Potential, Menschen, die bisher gut funktionierten, diesen inneren Zwang ausschalten. Sie brechen bekannte Raster und Muster auf, weswegen sie auch für die Suchtmedizin geeignet scheinen oder die Psychotherapie. Unsere Gesellschaft basiert aber darauf, dass Bekanntes repetitiv ins Unterbewusstsein eingeht und dort die Person dirigiert. Es stehen auch keine geheimen Mächte dahinter, es ist ein Prozess marktwirtschaftlicher Eigendynamik, eine dauerhafte Selbstmanipulation, die uns unterbewusst gefangen und unfrei hält.

Je mehr Menschen beginnen, diese Eigendynamik zu hinterfragen, desto mehr kommt auch der gesellschaftliche Entwurf ins Wanken und verliert seine Alternativlosigkeit. Das ist die Ursache der Angst vor den meisten Substanzen. Denn auch wenn jeder an dieser gesellschaftlichen Struktur in gewisser Hinsicht leidet, weil er eine Funktion übernehmen muss und nicht primär nach eigenen Vorstellungen lebt, so verteidigen wir unbewusst diese Hierarchie und den Selbstbetrug. Würden wir ihn nicht verteidigen würden wir auch zugeben müssen, nicht für uns gelebt zu haben und nur eine Marionette der eigenen Zwänge darstellten.

Substanzen sind nicht an sich gefährlich, egal welcher Natur. Sie alle haben ihre positiven als auch negativen Seiten. Dass die Gesellschaft in diesem Fall wieder einen Sündenbock erschafft, der von Grund aus dunkel und bösartig sein soll, passt hervorragend in die Systematik. Leistung wird als gut und positiv gewertet, der Leistungsdruck aber so hoch gesetzt, dass (fast) kein Mensch diesen ganz ohne Rückgriffe auf Hilfsmittel aushalten kann. Nun werden diese „Rauschgifte“ plötzlich zum alltäglichen Helfer, um die positive Rolle in den Augen der Gesellschaft ausfüllen zu können. Der immer weiter steigende Leistungsdruck korreliert dabei auch mit der Verbreitung des Substanzmissbrauchs (zugegeben, das Wort ist schwer zu definieren, unter Missbrauch könnte man einen Umgang mit Substanzen subsummieren, der mit irreparablen Schäden an Geist und Gesundheit einhergeht oder mit einer vergleichsweise großen Wahrscheinlichkeit einhergeht).

Seit Jahrtausenden wurden viele dieser Substanzen oder pflanzliche Analoga zu diesen von den Menschen genutzt, ohne jegliche Scham und Verteufelung. Die Verwendungen von Psilocybin und DMT sind älter als das Christentum und sollen dennoch nicht zur Kultur gehören? Warum sollten sich diese Substanzen innerhalb von ein paar Jahrzehnten von Rauschmitteln, die niemals für nennenswerte Schäden in der Gesellschaft verantwortlich waren, in mörderische Gifte verwandelt haben? Der Grund ist ganz einfach. Die Substanzen haben sich nie geändert. Unsere Gesellschaft ist nur noch kränker und zerstörter geworden. Und die Entheogene, die ein Umdenken und Ausbrechen aus diesem selbstzerstörerischen Kreis ermöglichen könnten, werden dabei verbannt und kriminalisiert.

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Open Mind – Der Staat bekämpft den Safer Use!

Der Youtuber Open Mind lud heute (am 19.04.2017) ein Video hoch, in dem er erklärte, dass er vom Zollamt eine Vorladung vor Gericht bekam. Auch wenn bislang noch nichts weiteres bekannt ist, zeigt das wieder, dass der deutsche Staat extrem repressiv vorgeht und auch psychische Traumata verursachen kann. Durch das Video wird vielen, die eine solche Situation wohl noch nie erlebt haben, aufgezeigt, wie krass die psychische Belastung ist, die durch Strafverfolgung verursacht wird. Man muss es sich vor Augen halten, dass Menschen verfolgt, kriminalisiert, zerstört, traumatisiert und ausgegrenzt werden, weil sie Substanzen zu sich nehmen, die um ein Vielfaches gesellschaftsverträglicher sind als zum Beispiel Alkohol. Nicht nur das, selbst wenn sie viel schädlicher als Alkohol wären, so schadet man sich als Konsument ausschließlich SELBST (wenn man Safer Use berücksichtigt schadet man sich eigentlich gar nicht/nur in Ausnahmefällen)!

Dass es den Youtuber Open Mind trifft straft aber auch die Unionspolitiker Lügen, die behaupten, ihr oberstes Ziel wäre Aufklärung und Sensibilisierung, dass Jugendliche nicht zu Drogen greifen und die Hilfe und Vorbeugung bei Sucht und Ähnlichem, denn genau dafür steht sein Kanal. Er betreibt Aufklärung im Umgang mit gebräuchlichen Substanzen, rät von gefährlichen Stoffen wie den RC’s ab und hat bei einem jüngeren Publikum einen viel besseren Zugang als zum Beispiel die Politiker der Union (oder insgesamt alle Politiker).

Der Youtube-Kanal von Open Mind ist mit seiner Reichweite einer der größten Aufklärungskanäle im deutschsprachigen Raum. Er schafft es mit seinen Videos mehr der Menschen zu erreichen, die eigentlich erreicht werden sollen. Wenn die Polizei mal wieder ihre Antidrogenlitanei an Schulen herunterspult, die von jedem Freizeitkiffer auseinander genommen werden kann, dann erreicht sie eben nicht diejenigen, die dem Thema zugeneigt sind (diese sind meist ohnehin schon (zu Recht) polizeikritisch eingestellt) oder die Konsumenten selbst (diese wissen ja, dass die Fixierung auf negative Seiten nichts anderes ist als modernes Märchenerzählen, schließlich haben sie selbst erlebt, dass sie sich nach dem ersten Zug am Joint nicht gleich auf dem Strich verkaufen mussten um an neue Drogen zu kommen).

Wenn mit dem Kanal ein wichtiges Aufklärungsmedium wegfallen sollte oder die Politik vor lauter Angst vor der Aufklärung nun beginnt, Exempel zu statuieren und härter durchzugreifen, um die Legalisierung aller Drogen noch aufzuhalten, dann wird das ein großer Rückschlag für den bewussten und verantwortungsvollen Konsum mit Substanzen. Die Regierung, der Gesetzgeber, muss sich der Frage stellen: Will er eine unaufgeklärte, verdummte Bevölkerung, die blind Traditionen nachrennt, oder will er mündige, selbstverantwortliche Bürger, wie er immer behauptet?