Weltbilder und „Pizza“

Wie man sich denken kann geht es hier nicht wirklich um Pizza an sich, sondern um den neuen Track der von mir heißgeliebten Antilopen Gang.(Antilopen Gang – „Pizza“) Viele reagierten darauf als sei es ein reiner Spaßtrack ohne wirklichen Inhalt. Meiner Meinung nach setzt er sich aber durchaus ernsthaft mir verkürzten Weltbildern auseinander, wofür auch diverse Anspielungen im Video sprechen. Das Symbol der „heiligen Pizza“ ähnelt extrem dem der Church of Scientology, Koljah tritt am Anfang als Jonathan Frakes auf und der Pizza wird praktisch die Allmacht zugesprochen. Auch die Heilungsszene mit den „italienischen Oblaten“ deutet auf Sekten hin.

Was hier spaßeshalber mit Pizzen gemacht wird ist typisch für Menschen die die ganze Welt auf eine Kausalität reduzieren wollen. Ob Freimaurer, Illuminaten, das Weltjudentum, sie alle unterscheiden sich nennenswert von dem Thema des Tracks, sie besitzen nämlich jeden Einfluß und können die Welt retten oder zerstören, je nach Lust und Laune. Wer der Antilopen Gang Kommerzialisierung vorwirft versteht nicht, dass sie als mittlerweile bekannte Band auch andere Bilder verwenden müssen, zumindest ist es schlau das zu tun. Denn diese versteckte Bedeutung zeigt, dass mehr in ihrem neuen Album steckt als der partymäßige Klang erwarten lässt. Schon auf ihrem vorher veröffentlichten Track „Das trojanische Pferd“ spielen sie deutlich auf Verschwörungstheorien an, indem sie sich selbst als Metapher verwenden. Statt freimaurerischer Infiltrierung des Staates steht hier die Machtübernahme der Hörnergang.

All das scheint darauf hinzudeuten dass sich der Fokus des neuen Albums weniger auf die plumpen rechten Schreier sondern die pseudoaufgeklärten Neurechten richtet und gegen diese schießt. Gerade Koljah hat sich bereits oft diesem Thema gewidmet, so zum Beispiel in seinem Part des Tracks „Beate Zschäpe hört U2,“ in dem er allerdings sehr viel deutlichere Worte findet … das löste eine Welle des Internet-hates aus, dem man dieses mal dadurch entging, dass die Botschaft sehr viel verschlüsselter verpackt wurde. Nichtsdestotrotz zeigt auch „Pizza“ sehr deutlich, wie lächerlich es ist, Problemlösungsstrategien und Kausalitäten so simpel zu gestalten.

Nicht nur gegen die Verschwörungstheoretiker schießt der Track, sondern auch gegen jene, die nur ein Mittel kennen, um die „Welt zu retten.“ Diejenigen, die bei jedem Schlagloch, das nicht gestopft wurde, gleich rufen, dass die Flüchtlinge und deren Kosten Schuld daran sind, merken gar nicht, wie albern ihre monokausale Weltsicht ist. „Pizza“ ist sicherlich eine interessante Art, sich mit diesem Realitätssinn humorvoll auseinander zu setzen. Sehr schön und überraschend ist es, dass sich trotz des „Ankommens im Mainstream“ keine Tendenz zu weniger Biss und Scharfsinnigkeit abzeichnet. Darum ein großes Lob an die Antilopen.

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Die falschen Freunde Israels

Die neue Rechte, die sich als patriotisch und ethnopluralistisch versteht (ein Euphemismus für „Rassenhygiene“), bekennt sich in nicht unerheblichen Teilen als pro-israelisch, besonders die stark antimuslimisch und rassistisch ausgerichteten Aktivisten. Ihre angebliche Freundschaft zu Juden ist aber mehr Produkt der Selbstvergewisserung, kein „Nazi“ sein zu wollen, als wirkliche Kritik des Antisemitismus. Eine kurze Beschreibung des Auftritts eines Israeli bei Pegida auf der rechtspopulistischen Seite PI-News zeigt dabei vor allem die Bestrebung, sich von der eigenen Geschichte reinwaschen zu wollen. [1] Um ihr eigenes Selbstbild zu stärken, zitieren sie folgenden Teil aus der Rede von Dr. Rotem Avituv:

„Ich bin Jude, meine Familie lebte 700 Jahre in Deutschland und ich sage euch, ich sehe hier keine Nazis. Die Nazis sind die Linken. Hier sehe ich nur Patrioten, die dieses Land lieben und es schützen wollen vor dem Islam, der Deutschland übernehmen will, eure Traditionen, euren Glauben, … aber wir werden das nicht zulassen. Wir sind Deutsche, wir sind stolz auf unser Erbe, wir haben ein schönes Land.“ Und er sagt: „Wir vergeben euch.““

Bei sehr rechtslastigen Bewegungen fällt auf, dass sie sich schon als Nazi diskriminiert fühlen, bevor irgendjemand etwas sagen konnte. Die Parallele zum NS ist vermutlich schon darum unangenehm, weil sie das makellose Deutschlandbild der Patrioten beschmutzt. Sie wollen den NS nicht als Teil der deutschen Geschichte. Nicht weil sie ihn schlimm fanden, eher, weil er nicht erfolgreich war. Um sich distanzieren zu können wird die Solidarität mit den früheren Feinden vor sich als Monstranz hergetragen, die jüdischen Israelis werden dadurch zum Objekt der Befreiung von Schuld.

Natürlich lösen sich Ressentiments nicht in Luft auf. Sie zeigen sich nur in neuer Form, wie dem Antiamerikanismus, besonders aber einem irrationalen Ressentiment gegen die Politik, die für sie durchweg von Korruption und hinterlistigen Verschwörungen beherrscht ist. Die Auflistung der Eigenschaften der Politiker ähnelt dabei dem klassischen Antisemitismus, Gier, Unehrlichkeit, Hinterlist. Sie paktieren mit dem Großkapital, um dem „deutschen Volk“ zu schaden und es zu schwächen. Ebenso werden auch die Medien regelmäßig als Schuldige benannt, die die Katastrophen und Krisen der Gegenwart verschleiern und mit den Eliten zusammenarbeiten.

Während sich vor allem die extreme Rechte sehr stark gegen Israel und die USA richtet, müssen diese Elemente beim bürgerlichen Rechtspopulismus nicht mehr gegeben sein. Dieser wahrt sein bürgerlich-demokratisches Profil und neigt wegen seiner demokratischen Gesinnung automatisch zur Verneinung des Individuums. [2] Also werden auch die Juden zu einem Kollektiv. Eine Gruppe von Menschen, die auch als Kollektiv angegriffen wird, muss in deren Augen auch eine einheitliche Meinung zur richtigen Lösung und Antwort auf diese Angriffe haben.

Die freundschaftlichen Bande zu den Juden und Israel bekommen aber sehr schnell Risse, wenn bspw. der Zentralrat der Juden Entscheidungen trifft, die nicht dem Weltbild rechtspopulistischer oder rechtsradikaler Fanatiker entsprechen, oder diesem sogar klar widersprechen. Wer sich von den verbalen Entgleisungen der „besorgten Bürger“ eine kleine Geschmacksprobe antun möchte, der kann unter diesem ausgezeichnet recherchierten und beneidenswert neutral formulierten kleinen Text die Kommentare durchlesen. [3] (Zur Erinnerung, das sind die Menschen, die von der „Lügenpresse“ objektivere Berichte fordern)

Dort schreibt auch eine Person, die mit einem beneidenswerten fehlenden Wissen gesegnet ist und sich dabei amüsanterweise „Kulturhistoriker“ nennt:

„Was machen die juden, wenn es eines tages/bald kein
deutsches Volk
mehr gibt?“ (Ohne Korrekturen übernommen)

Wieder offenbart sich das Selbstbild der radikalen Rechten. Sie halten sich für den Stern am Himmel der Zivilisation und gehen davon aus, dass die Europäer kultiviert sind. Das deutsche Volk sei das Einzige, dass die Juden schützen könne, ohne Deutschland wären sie hilflos (wie uns die Geschichte lehrt). Das Judentum und Israel sind für sie nicht mehr als Projektionsfläche, mit deren Hilfe sie die Nationalsozialisten aus dem Rechtsradikalen ausschließen, um sich für deren Taten nicht mehr rechtfertigen zu müssen.

 

[1] http://www.pi-news.net/2015/01/httpwww-pi-news-netp445629/

[2] Demokratie und Nationalismus

[3] http://www.pi-news.net/2015/06/zentralrat-der-juden-ehrt-gruenen-paederastenfreund-volker-beck/

Libertäre Staatskritik und Verschwörungstheorien

Auch wenn ich mich selbst als libertär definiere, kann ich dennoch nicht jede Staatskritik, eher Staatsdämonisierung stehen lassen. Gerade die rechtslibertäre Szene neigt zu einer Weltbildreduktion, die im Staat nicht nur das sieht, was er ist, ein Gewaltmonopol, dass gesellschaftliche Konventionen festschreibt und deren Einhaltung erzwingt. Oliver Janich dürfte hierbei vermutlich jedem ein Begriff sein, der sich mit der Verschwörungsszene und deren Theorien auskennt, als populärster Rechtslibertärer Deutschlands kann man ihn auch für die Analyse heranziehen. Hierzu ein Artikel über die noch aktuellen Anschläge in Brüssel:

„Die Anschläge in Belgien waren auf jeden Fall Terror unter falscher Flagge, schon alleine aus diesem Grund:

Ohne die hochkriminelle Politik hätten sie gar nicht stattgefunden. Selbst wenn ausnahmsweise echte Terroristen die Anschläge durchgeführt hätten, so sind sie von der Machtelite bewusst herbeigeführt worden.

Wenn die Elite mit Frau Merkel als ihrer obersten Dienerin tausende von IS-Kämpfern nach Europa schleust, indem man nicht einmal mehr die Papiere kontrolliert, sind solche Anschläge die logische und unvermeidbare Folge.

Die Bevölkerung soll in Angst und Schrecken versetzt werden, damit sie einen totalitären Überwachungsstaat, die sogenannte Neue Weltordnung akzeptiert.“

– Oliver Janich; Brüssel: Terror unter falscher Flagge [1] –

Die äußerst inkonsistente Begründung bleibt wage, die Vorwürfe werden auch nicht näher beleuchtet. Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge habe ich auch schon in einem anderen Text behandelt und bin der Meinung, sie damit widerlegt zu haben. [2] Mangelnde Kontrolle ist auch eher auf die Überforderung der Grenzbehörden mit der schieren Größe der Menge der Flüchtlinge zurückzuführen als auf heimliche Pläne der Machteliten. Durch die Wortwahl verrät Janich aber sein äußerst unkomplexes Weltbild. Selbst wenn der Staat nicht dahintersteht, ist er dennoch schuldig. Ähnlich wie radikale Kommunisten jeden gesellschaftlichen Missstand auf den Kapitalismus reduzieren, reduzieren viele Libertäre jeden Missstand auf den staatlichen Eingriff in den freien Markt.

In meinem vorigen Text analysierte ich den Nutzen, den Regierungen aus Anschlägen und Terror ziehen können. [3] Dieser ist nicht wegzudiskutieren. Doch findet sich hier der typische Fehler der meisten Verschwörungstheoretiker, das typische Cui-Bono. Wer profitiert, der ist auch Urheber, selbst wenn er es gar nicht gewesen sein konnte. Diese Analyse schließt Fehler vollkommen aus. Auch wenn eine Seite, in dem Fall der Staat, besser organisiert ist, kann ein weniger professioneller Gegner dennoch diesen überlisten. Um das in eine Analogie zu verpacken: Wenn ich als begeisterter Schachspieler gegen einen Großmeister spiele, würde ich für gewöhnlich immer verlieren. Allerdings gibt es Spiele, bei denen ein Spieler gegen mehrere gleichzeitig spielt, so wie der Staat viele Bedrohungen abwehren muss. Unter diesen Bedingungen kann mein Gegner durchaus einen Fehler machen, da er viele Spiele hintereinander analysieren muss. So kann dann doch ein Gewinn für den Underdog folgen.

Libertäre sehen meist im Staat nicht nur das, was er nicht ist, sondern eine Personifizierung eines Dämons. Er erscheint allwissend, bewusst böse und durchweg hinterhältig. Die Fehler des Staates werden dabei wieder nicht aus dem Wesen der Institutionen abgeleitet, sondern wieder vermenschlicht und biologisiert. So kommt auch die regelmäßige Vermischung von okkulter Symbolik, Verschwörungstheorien, antistaatlicher Paranoia und antisemitischen Elementen:

„Wenn man weiss, dass die Elite von Numerologie besessen ist, dann ergeben sich schon aus dem Datum erste Hinweise. 3/22, wie das Datum im Amerikanischen geschrieben wird, sind beispielsweise die Zahlen der Geheimgesellschaft Skull & Bones. Die Quersumme ergibt Sieben, die des gesamten Datums (2016/3/22) ergibt 16, also auch wieder die Sieben. Die Zahl Sieben ist ja laut IWF-Chefin Lagarde eine „magische Nummer“. Eine Bombe in der Metro soll nach ersten Berichten um 9 Uhr 11 (also 9/11) hochgegangen sein.“

„Ich bin aber relativ sicher, dass wir in den kommenden Tagen noch Hinweise auf eine False Flag-Aktion sehen werden. Konsultiert dazu bitte die einschlägigen Truther-Seiten und prüft die Quellen auf Plausibilität.“[1]

Was sich hier noch kritisch nennt, zeigt nur, dass man schon gar nicht mehr nach anderen Schuldigen sucht. Angebliche Beweise werden zuerst präsentiert, daraufhin zwischen den Zeilen zugegeben, dass es nicht im Ansatz irgendetwas beweist, aber sicher bald Belege für die schon lange gefasst Meinung gefunden werden. Selbst wenn es sich als False-Flag herausstellt, ist damit vielleicht ihre Aussage belegt, widerlegt ist aber die Selbstbezeichnung als journalistisch und skeptisch.

 

 

[1] http://www.oliverjanich.de/bruessel-terror-unter-falscher-flagge

[2] Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge

[3] Der “Nutzen” des Terrors

Liberales Waffenrecht

Je stärker das Vertrauen in den Staat, desto stärker ist auch der Wunsch nach Entwaffnung der Bevölkerung. Diese Regel kann man vielleicht nicht unbedingt verallgemeinern, doch macht sie historisch und auch logisch sind. Im dritten Reich [1] und in der UDSSR [2] war das Waffenrecht streng und das Volk weitestgehend entwaffnet. Nur für Parteiangehörige war der Waffenbesitz liberaler geregelt.

Wer in den guten Willen des Staates vertraut und ihn als notwendig erachtet, muss dafür voraussetzen, dass der Mensch selbst „sein eigener Wolf sei.“ Also müssen Institutionen (aus Menschen) diesen Zustand der gegenseitigen Übervorteilung und Unterdrückung verhindern und durch Zwang beenden. Dabei geht man davon aus, dass der Staat durch Gewaltenteilung nicht zum eigenen Wohl handelt, sondern jede Behörde durch das Misstrauen gegen die anderen verhindert, dass diese profitieren. Dieser Gedanke schließt aber vollkommen aus, dass so vielleicht der Profit einer Behörde auf Kosten einer anderen weitestgehend ausgeschlossen wird, nicht aber der Machtgewinn des Staates auf das beherrschte Individuum. Was stünde dem im Wege? Ein bürgerliches Individuum, dass sich vor staatlichem Eingriff verteidigen kann. Es ist dabei weniger staatliche Verschwörung als das typische Denken der dominierenden politischen Richtungen Deutschlands. Diese sind erstarrt in einem unreflektierten Staatsbegriff. Wirklich überzeugte Etatisten gibt es kaum, die meisten dachten noch nie darüber nach, ob man ihn in Frage stellen könnte. So ist Deutschland in einem Zustand des unreflektierten Hinnehmens. Die Wut auf Steuerhinterzieher und reiche Menschen, die weniger Steuern zahlen hat auch wenig mit Gerechtigkeitssinn zu tun, es wird nicht einmal beklagt, dass das Handeln falsch wäre, weil der Solidargemeinschaft etwas fehle, was aus sozialistischer Perspektive durchaus noch Sinn machen würde, sondern, dass der Staat beraubt würde. Der Staat hat also Anspruch auf mein Geld.

Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch ohne Staat nicht existieren kann, so muss man auch davon ausgehen, dass die Begründung ist, dass ohne diesen absolutes Chaos die Folge wäre. Die Macht muss in den Händen des Staates konzentriert sein, damit er Freiheit und Sicherheit garantieren kann. Wer diesem Denkmuster folgt, der wird nur durch Überlegung zum Schluss kommen, dass ein strenges Waffenrecht weniger Tote, Morde und eine insgesamt friedlichere Gesellschaft zur Folge hat. Die Tatsache, dass dem nicht so ist, widerlegt den etatistischen Gedanken aber von Grund auf. [3]

Die Studien, die das angebliche Gegenteil behaupten, betrachten häufig Nebensächlichkeiten nicht. So werden auch Selbstmorde als Straftaten mit Schusswaffengebrauch gelistet. In einem Land wie Deutschland greifen Selbstmörder dann aber eben auf Züge oder Medikamentenüberdosen zurück. In einem Text, der sich sogar gegen liberales Waffenrecht wettert, wird diese Tatsache sogar zugegeben. [4]

„An dem Beispiel 9 der Städte Washington D.C. und der auf der anderen Seite des Potomac River angesiedelten Stadt Arlington wird dies besonders deutlich. In Washington D.C. ist die Mordrate etwa zehnmal so hoch wie im waffenrechtlich liberalen Arlington.“ [3]

Die USA gelten als rabenschwarzes Beispiel (wie immer) gegen einen freieren Zugang zu Waffen. Liest man die deutschen antiamerikanischen Hetzblätter, dann wird dort erzählt, dass man in den USA keine Straße überqueren könne, ohne sofort von waffengeilen Amis über den Haufen geschossen zu werden. Amüsanterweise fast nur in Staaten mit rigidem Waffenrecht. (Ausnahmen gibt es allerdings, so z. B. Texas, das recht hoch gelistet ist.)

Der logische Fehler der Antiliberalen ist auch hier, dass sie denken, Verbote und Prohibition würden den Handel einschränken. So blüht eben der Schwarzmarkt. Schon die  Drogenprohibition hat gezeigt, dass Verbote nur dafür sorgen, dass der Markt intransparenter wird und nicht kleiner.

 

[1] http://www.stephenhalbrook.com/law_review_articles/entwaffnung.pdf

[2] http://www.gunboard.de/topic/15875-waffenrecht-in-der-sowjetunion/

[3] http://www.dsb.de/media/PDF/Recht/Waffenrecht/Aktuelles/Positionspapier.pdf

[4] http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/morde-unfaelle-selbsttoetung-schon-147-tote-durch-schusswaffen-in-amerika-allein-in-diesem-jahr-14000042.html

Antipopulistischer Populismus

Nicht erst seit gestern versuchen viele (Staats-)Linke, den aggressiven und menschenverachtenden Rassismus von AfD und Pegida mit einer Feindbildverschiebung zu bekämpfen. Ebenso zeigt sich ihr Hang zu Bevormundung und antiindividualistischem Gedankengut. Wunderbar konnte man das an einigen typisch linkspopulistischen „Aktion“ sehen. [1] [2] [3] [4] [5] [6] Auf dem Plakat steht:

„Macht kaputt, was euch kaputt macht. Fackel die Bank ab, nicht das Flüchtlingsheim.“ – Dies Irae, Künstler(*in) –

Erster Aufkleber: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße.“

Antwort von „Barbara.““Ohne deinen scheiß Aufkleber wäre Deutschland ein kleines Stück weniger mies.“ – Barbara, Künstler(*in) –

„Weil sie uns nur auf der Tasche liegen, haut endlich ab! Gemeint sind selbstverständlich die schlimmen Flüchtlinge, die Steuerflüchtlinge.“ – Dies Irae –

„Weil ihre Tricks immer dreister werden! Grenzen schließen für Steuerflüchtlinge.“

– Dies Irae –

„Welche Sanktionen hat Europa eigentlich gegen die USA verhängt, als die in den Irak einmarschiert sind? Und wegen den Drohnen und NSA und so …“

– Barbara, Reaktion auf die Krimkrise –

„Chrystal Meth und Kokain, Crack, Speed und auch Heroin, Machen dich rasant kaputt, Lebenstrümmer, alles Schutt. Alles dreht sich nur ums Eine, hast du Drogen oder keine, Seele, Hirn und Herz verbogen, Finger weg von harten Drogen.“ – Barbara, des Öfteren auch Propagandist(-in) von Cannabis- und Alkoholkonsum* –

*Alkohol und Tabak zählen zu den gefährlichsten Drogen. Wer gesund bleiben möchte, wäre mit Chrystal, Shore, Codein und Kokain viel besser bedient,  da diese Substanzen aber verboten sind und das Achten deutscher Gesetze stets oberste Priorität bleiben sollte, werden natürlich weder die Leser*innen noch ich diesem abstrusen Gedanken folgen.

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-05/drogenbericht-dhs-drogen-konsum-deutschland

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/drogen-studie-alkohol-gefaehrlicher-als-heroin-und-crack-1.1018201

Diese Aussagen sind zwar thematisch verschieden, lassen aber eine Verknüpfung zu und zeigen kompakt das Weltbild etatistischer Linker auf. Ein starker Staat, der die moralische Konformität einzelner Individuen garantieren soll, die Gesundheit des Volkes und der dem Ausland zeigt, wie richtige Politik zu gehen hat. Zusätzlich ein antiamerikanischer und antikapitalistischer Populismus, in dem lächerlichen Vergleich von „Steuerflüchtlingen“ wird auch deutlich, dass der Dienst am Staat ein höheres Gut als das individuelle Wohl ist. Zusätzlich zum Antiindividualismus passt auch sehr gut der Relativismus. Wer keine Individuen kennt, kennt auch keine Vorgeschichte des Einzelnen und kann nur den Status Quo bewerten. Was zuerst fair und neutral wirkt, entpuppt sich als Verharmlosung und Gleichmacherei. Die Rolle der USA im Irak-Krieg kann natürlich mit der russischen Rolle bei der Krim-Annexion verglichen werden, wenn man genügend Parameter wegkürzt und ignoriert. Diese Form der Argumentation wird stets auf das größte allgemeine Abstraktum hinauslaufen und auf einen moralischen Nihilismus, der auch das Selbst in sich auflöst.

Nun nimmt gerade der antirassistische Populismus scheußliche Ausmaße an. Die Ermordung von Bankern wird angemahnt, oder zumindest deren Verfolgung. Es ist auch wieder eine kollektiv geäußertes Ressentiment, sie alle wären Ausbeuter, kaltherzige Egoisten, die am liebsten arme Menschen ausnehmen. Das Finanzkapital ist schuld an der Flüchtlingskrise (anders ist dieses neue Feindbild nicht zu erklären) und muss damit selbst beseitigt werden, damit endlich keine Flüchtlinge mehr kommen. Nationalistisches Gedankengut unter anderen Vorzeichen also. Die Flüchtlinge nehmen wir schon auf, aber tun alles, damit bloß keine mehr kommen. Das Kalkül ist wieder eine geschlossene Gesellschaft, die das Internationale verdammt, mit einem starken Staat und einer Gemeinschaft der Gleichen.

 

[1] Facebook-Eintrag 1

[2] Facebook-Eintrag 2

[3] Facebook-Eintrag 3

[4] Facebook-Eintrag 4

[5] Facebook-Eintrag 5

[6] Facebook-Eintrag 6

Antiamerikanismus und Trump

Donald Trump hat sich dem europäischen Antiamerikanismus des Establishments angeboten, hätte es ihn nicht gegeben, müssten sie ihn erfinden. Da es kein Revolverblatt gibt, dass die antiamerikanische Tradition europäischer Eliten schöner in intellektuell verklärende Wortgirlanden fasst, die in angeblicher Sachlichkeit letztlich nur Ressentiments verstärken (sollen), als die Süddeutsche, zuerst einmal ein Zitat aus einem dort veröffentlichten Artikel [1]:

„Dieser Populismus ist die vielleicht größte Gefahr für westliche Demokratien. Überall in Westeuropa nagt er an den Systemen – in Frankreich durch eine Marine Le Pen, in Deutschland durch eine AfD. Nirgendwo aber kommt er so nackt und brutal daher wie in den USA, wo das demokratische System allemal härter austeilt und einsteckt, …“

„2016 wird diese Toleranz auf die Probe gestellt. Polarisierung, Skandalisierung und Wut beherrschen den Wahlkampf. Die Populisten spielen mit der Angst und dem Zorn, was einen wichtigen Wesenszug vieler Amerikaner trifft: Angst schweißt das Land zusammen, verschafft ihm einen gemeinsamen Feind, verleitet zu Höchstleistungen. Angst treibt die Menschen zu Hamsterkäufen in die Supermärkte, wenn 70 Zentimeter Schnee fallen, Angst macht aus dem Land ein gewaltiges Waffenlager. Die Angst vor Immigranten, Terroristen, der Welt da draußen und dem wirtschaftlichen Absturz führt sie nun zu Donald Trump.“

Interessant ist die Einschätzung, der amerikanische Populismus wäre aggressiver als der europäische. Flüchtlingskinder vor der Grenze zu erschießen oder Gerede vom afrikanischen Ausbreitungstyp ist keineswegs gutbürgerlich-zivilisierter Populismus, sondern blanker Rassismus und Menschenverachtung. Diejenigen, die hierzulande diese Äußerungen tätigten waren auch nicht irgendwelche Nonames auf einer Pegida-Demo, sondern Beatrix von Storch und Björn Höcke, wichtige und einflussreiche Mitglieder der AfD. Das soll nicht bedeuten, dass Trump’s Populismus nicht aggressiv wäre, sondern eher, dass er sich von der Substanz nur wenig von dem europäischen unterscheidet.

Eine zweite Einschätzung zeigt fast schon projektiven Charakter. Die Amerikaner wären ein ängstliches Volk, dass darum so anfällig für Populismus wäre. So richtig es auch sein mag, diese Kritik aus einem Land, dass nach Silvester befürchtete, solche Vorfälle würden fortan alltäglich sein und Flüchtlinge würden Kinder essen, ist albern und der arrogante Ton verkennt den alarmistischen Charakter unter anderem der eigenen Zeitung. So sind deren Beiträge zu CETA/TTIP ebenso populistisch und ängsteschürend. [2] Die Aufzählung von Dingen und Vorfällen, die „den Amerikaner“ als durch die Bank dumm, ängstlich und unfähig darstellen, sollen dabei auch vertuschen, dass Europa gerade den selben unrühmlichen Weg des Populismus geht, der in Amerika durch Trump und Sanders vorangetrieben wird.

Aber nicht nur das Flaggschiff des verzerrenden Qualitätsjournalismus kann mit derartig selbstgerechten Moral-Predigten aufwarten, auch die Frankfurter Rundschau leistet sich einen großartigen Beweis naiv-jovialer Belehrungen [3]:

„Die meisten ökonomischen Eliten in Europa und in den USA sind sich eigentlich recht einig. Sie wollen den gleichen Kurs: einen neoliberalen Kurs. Politisch wird diese Hegemonie stabilisiert. Denn linksliberale Reformpolitik gegen die Hegemonie des angelsächsischen Finanzkapitalismus kann man weder in Europa noch in den USA wirklich identifizieren. Gegen diesen neoliberalen Kurs gibt es in der Zivilgesellschaft in Europa Protest, allerdings bewirkt auch dieser Protest in Europa noch nicht viel, weil er weder von einer breiten Masse der Bevölkerung getragen wird, noch in der Regierung wirklich gehört wird. Die Zivilgesellschaft in den USA hingegen ist erodiert, deswegen gibt es dort wenig Protest.“

„Somit kann die USA von Europa vielleicht den republikanischen Demokratiegeist lernen. Die USA braucht das. Denn was für die überwiegende Anzahl der US-Wähler heute zählt, sind ihre eigenen Interessen und nicht die Interessen des Gemeinwohls. Die derzeitige Elektrisierung des US-Vorwahlkampfes durch Donald Trump ist dafür ein Sinnbild. Trump symbolisiert den Egoismus und den damit oft verbundenen Hass auf das Gemeinwohl in Extremform. Und Trump ist beliebt. Warum? Weil der Neoliberalismus den Egoismus seit nun mehr drei Jahrzehnten predigt. Die Egomaschine hat sich seit Ronald Reagan zum Zentrum des politischen Glaubens entwickelt.“

Hier wird auch wieder sehr schön der manichäische Gegensatz des sozialen Europäers gegen den egoistischen Amerikaner aufgebaut. Der Artikel stammt aus diesem Jahr (Februar 2016), in dem der nationalistische Egoismus Europas einfach nicht mehr zu übersehen ist. Dennoch wird hier weiterhin das Bild des „besseren Europas“ dargestellt. Ob das antiindividualistische „Das wir entscheidet“ überhaupt besser ist, sei mal dahingestellt, meiner Meinung nach ganz im Gegenteil.

Sehr schön herausgearbeitet ist auch das strukturell antisemitische Stereotyp des „angelsächsischen Finanzkapitalismus,“ eine „neoliberale“ und zutiefst egoistische Ideologie aus den USA, die den europäischen Altruismus unterwandert und droht, ihn gar in die „böse amerikanische“ Seele zu verwandeln.

Die AfD und die Linke führen ihren Wahlkampf auch mit Hass. Sie kommen zusammen (und alleine) auf einen nicht unerheblichen Wähleranteil. Dennoch wird unseriöser Wahlkampf, Populismus und eine dumme Wählerschaft regelmäßig als rein amerikanischen Problem abgetan. Trump wirkt hier als hervorragende Projektionsfläche für den obsessiven Wunsch, eigene Unfähigkeiten nicht mehr wahrnehmen zu müssen und sie auf den amerikanischen „Partner“ zu projizieren.

 

 

[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-die-macht-der-zornigen-1.2842745-2

[2] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ttip-aal-beeren-und-chlor-1.2874629?reduced=true

[3] http://www.fr-online.de/gastbeitraege/gastbeitrag-was-die-usa-von-europa-lernen-koennen,29976308,33713008.html

Wagenknecht und Querfront

Sahra Wagenknecht machte schon häufig mit Äußerungen auf sich aufmerksam, die populistisch, antiamerikanisch und stalinistisch waren. Angesichts der Tatsache, dass ihr großer Hype mittlerweile in der Rechten und nicht der Linken stattfindet, dachte ich, ein ausführlicherer Text über diese Politikerin wäre einmal angebracht.  Weiterlesen „Wagenknecht und Querfront“