Die Klimalüge der Klimaleugner

Ich bewege mich selbst in eher libertär orientierten Kreisen und habe darum auch oft Erfahrungen gemacht mit sogenannten Skeptikern, die den derzeitigen Klimawandel als nicht menschengemacht ablehnen. Der Markt und der Mensch sollte frei von Regulierungen bleiben, weswegen viele den Klimawandel für eine staatliche Lüge halten, der als weiterer Grund für sinnlose Vorschriften dienen soll. Das wäre zwar durchaus ein möglicher Grund für eine Erfindung des Klimawandels, beweist aber gar nicht, dass er überhaupt erfunden wurde. Um dem auf den Grund zu gehen möchte ich mich mit den Hauptargumenten der Klimaskeptiker auseinandersetzen.

Zuerst muss man aber unterscheiden. Wie auch beim Kreationismus gibt es nicht nur eine Gruppe, sondern viele verschiedene Motivationen und Ansätze. Die einen sehen lediglich die Faktenlage zu einem menschengemachten Klimawandel skeptisch, die anderen aber leugnen die menschliche Beteiligung und Verantwortung komplett und sind auch meist in einem verschwörungstheoretischen Netz verfangen, dass aus Weltbildimmunisierung und narzisstischem Selbstverständnis besteht, wie es für Verschwörungsglauben typisch ist. Vor allem mit den Argumenten Letzterer möchte ich mich hier auseinandersetzen.

Hierzu habe ich einen sehr ausführlichen klimaskeptischen Artikel aus dem Internet verwendet, der die meisten Argumente dieser Szene gut zusammenfasst und mir damit auch eine gute Grundlage zur Widerlegung bietet. (Mit dieser Einstellung sollte man natürlich nie an die Sache rangehen. Es gilt auch hier wie immer, objektiv zu bleiben. Die Formulierung habe ich nachträglich eingebaut, das soll hier nur Erwähnung finden um dem Vorwurf meiner eigenen Ideologisiertheit zuvor zu kommen.)

Der Artikel beginnt erst einmal damit, zu sagen, dass es bei der Klimalüge nur um Selbstbereicherung der Eliten geht und zudem wird ein Strohmannargument exekutiert. Meines Wissens hat kein Mensch, wie im Artikel behauptet, dass Schmelzen der Polkappen als Beweis für eine menschengemachte Klimaerwärmung angegeben. Vielmehr ist es eine Folge des Klimawandels und damit wirklich ein Beleg für eine faktische Erwärmung, aber an sich natürlich nicht dafür, dass sie durch Menschen verursacht wurde. Allerdings konnte ich auch keinen Artikel finden, der das behauptet.

Zum ersten, der angebliche „Beweis,“ dass Menschen mit dem Klimawandel Geschäfte machen, ist kein Beweis. Viele Unternehmen müssen schließlich auch Vorkehrungen treffen und damit mehr Geld aufwenden, z. B. ist die gesamte Automobilindustrie betroffen, die bekanntermaßen eine sehr starke Lobby besitzt. Man kann also kaum davon ausgehen, dass die Interessen/die Lobby der wenigen Unternehmen, die von einer „Klimalüge“ profitieren würden, mehr ins Gewicht fallen als diejenigen, die mehr Ausgaben haben.

Weiter gehts, zum einen behauptet der Autor, die CO2-Messungen am Mauna Loa, einem aktiven Vulkan, seien wohl kaum aussagekräftig, was die Konzentration von Kohlenstoffdioxid angehe. Gehen wir spaßeshalber davon aus, dass die Wahl der genauen Platzierung der Messstation das nicht berücksichtigt hat und einen Bereich wählte, der von den Emissionen direkt betroffen ist … selbst dann zeigt die ansteigende CO2-Kurve, bei einem seit Jahren gleichmäßig aktiven Vulkan dennoch, dass das CO2 auch in der umgebenden Atmosphäre eine höhere Konzentration erreicht und dies passiert seit Jahren. Außerdem besteht MLO nicht nur aus einer Messstation, sondern aus fünf verschiedenen, die mehrere Kilometer auseinanderliegen und deren Ergebnisse in einem Durchschnittswert berücksichtigt werden. Insofern kann man diesen Einwand getrost vergessen.

Amüsanterweise widerspricht der Einwand, dass die Messungen sowieso nichts aussagen in Gänze der restlichen Argumentation des Autors, die aussagt, dass es zu einer Temperatursenkung käme, trotz des hohen CO2-Gehalts der Luft. Wenn die Messungen sowieso erlogen sind, dann ist seine Theorie damit selbst hinfällig. Denn zuerst sagt er, das CO2 würde nicht zur Klimaerwärmung führen und dann, dass das CO2 der Vulkane dafür verantwortlich sei. (de facto entsprechen die vulkanischen Emissionen weniger als einem Prozent der menschlichen)

Das Missverständnis vieler ist, dass der menschliche Anteil am Klimawandel gering sei, weil der Mensch lediglich 3% der CO2-Emissionen zu verantworten hat … doch ein Baum, der bei seinem Verfaulungsprozess dieses freisetzt hat es zum Wachsen benötigt, produziert also nichts „zusätzlich,“ wohingegen menschliche Emissionen nicht ausgeglichen werden. Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung der Meere usw. Ein Brunnen, der eigenes Wasser hochpumpt und dieses ablaufen lässt, läuft nicht über, gießt man aber regelmäßig nur ein kleines Glas Wasser hinein, so läuft er doch über, auch wenn der eigene Anteil verschwindend gering ist.

Nun könnte man argumentieren, der Mensch würde auch kein zusätzliches CO2 produzieren, er bedient sich ja der Naturstoffe. Allerdings greift er ganz massiv in die Teile des Ökosystems ein, die das CO2 binden. Abholzungen des Regenwaldes und Vergiftung der Meere sind Fakten, die auch Klimaleugner nicht bestreiten werden. es kommt also nicht nur darauf an, wie viel CO2 der Mensch produziert, sondern auch darauf, wie er die Ressourcen zur Neutralisierung vernichtet.

Ich hätte gerne etwas zur beschriebenen Graphik verfasst, aber hab eine vergleichbare auch mit deren Quellen nicht finden können. Falls jemand diese kennt oder eine spezifische Quelle nennen kann/eine bestimmte Frage hat, kann ich gerne nochmal nachrecherchieren und den Artikel erweitern.

Allerdings konnte ich hier eine gute Zusammenfassung finden, die den Zusammenhang zwischen CO2 und Klima nahelegt. Die Konzentration in der Atmosphäre ist auch nicht, wie oft behauptet, der einzige Faktor einer Klimaerwärmung. Denn auch die Intensität der Sonneneinstrahlung ändert sich, die geologischen Gegebenheiten sowieso, denn der Mensch ist mittlerweile als geologischer Faktor anzusehen. Wenn zu Zeiten der Dinosaurier die Region der heutigen Niederlande überflutet wurde, dann interessierte das keinen, eine Klimaveränderung heutzutage hätte allerdings katastrophalere Folgen.

Der Autor widerspricht sich wieder, als er weiter behauptet, dass Polareis würde stabil sein oder sogar „wachsen.“ Wieso dann zuvor die Rechtfertigung, der Mensch habe kaum Einfluß auf die CO2-Konzentration, wenn steigende Werte keinen Einfluß auf das Klima haben? Aber dies nur am Rande. Ich selbst habe bei meiner Recherche, auch zu der Entwicklung der letzten Jahrzehnte nur Quellen gefunden, die einen steigenden Meeresspiegel belegen (woher, wenn nicht durch Abschmelzung der Pole, soll eine solche Menge Wasser kommen?), wie zum Beispiel hier, wobei auch hingewießen wird auf Schwankungen im Meeresspiegel. Das heißt, dass in einem Jahr das Eis tatsächlich stabiler wird oder sogar zunimmt, auf Dauer, über einen langen Zeitraum hinweg aber in der Tendenz abnimmt. Damit ist der Vergleich von lediglich zwei Jahren, wie er im hier besprochenen Artikel vorgenommen wird, wenig aussagekräftig. Zusätzlich als geeignet erschienen mir noch zwei Artikel der „Lügenpresse“ zur Widerlegung, einerseits von der deutschen Welle und andererseits vom bayrischen Rundfunk.

Die beiden Bilder der Radarstation DYE3 sagen wieder relativ wenig aus. Zum einen ist lediglich bei einem angegeben, wann genau es aufgenommen wurde, zum anderen sind es Momentaufnahmen, die momentane Wetterlage und ähnliches komplett außer Acht lassen. Der Klimawandel ist kein linear verlaufendes Ereignis, extreme Schwankungen sind sogar eher ein Beleg für ein aus dem Gleichgewicht geratenes Verhältnis. Die Tendenz zu einer Erwärmung ist gegeben, das heißt nicht, dass es keine Kaltwetterperioden gibt.

Das nächste Argument ist in meinen Augen mehr als fadenscheinig:

Früher waren die Gletscher hellweiss und haben die Strahlung besser reflektiert. Guckt euch an wie schwarz die heute sind.
Das Resulat der Studie passte aber den Auftraggebern überhaupt nicht und wurde nicht veröffentlicht, weil sie als Antwort das CO2 als Schuldigen hören wollten. Sie verschwand in der Schublade. Man hätte ja was tun müssen und sich mit einer starken Lobby angelegt. Ausserdem wird die Verschmutzung grossteils aus den Nachbarländern rein geweht.

Dass die Gletscher wegen abgelagerten Rußpartikeln die Einstrahlung der Sonne weniger stark reflektieren und diese dadurch schneller Abschmelzen ist durchaus vorstellbar, klingt auch ziemlich logisch. Allerdings ist der Fakt, dass auch andere Faktoren für die massive Zerstörung der Gletscher verantwortlich sind kein Gegenbeleg für eine Klimaerwärmung durch CO2. Es ist, als würde man behaupten, in Spanien sei es wärmer als in Deutschland wegen der häufigeren Waldbrände.

Einer der wichtigsten Argumente der Klimahysteriker ist, durch die Klimaerwärmung befindet sich mehr Energie in der Atmosphäre und im Meer, deshalb wird es weltweit mehr Stürme und zerstörerische Hurrikane geben, welche Milliarden an Schäden verursachen werden.

Mit dieser Behauptung greift der Autor nicht nur die Vertreter der (von den meisten Wissenschaftlern vertretenen) Theorie des menschengemachten Klimawandels an, sondern auch jene, die nur sagen, dass es eine Klimaerwärmung an sich gibt. Nun sind aber nicht nur die Stürme, sondern an und für sich Wetterextreme angenommene Belege für die Klimaerwärmung und Schäden durch Extremwetterlagen haben seit 1980 zugenommen. Auch hier gilt wieder, eine nicht-lineare Zunahme ist nicht bewertbar anhand so kurzer Intervalle. Auch Modellrechnungen legen nahe, dass nicht die Anzahl der Stürme steigt (sie sinkt möglicherweise sogar leicht), sondern vor allem die Heftigkeit der Stürme zunimmt. Man sollte die „Klimahysteriker“ richtig zitieren, bevor man sich über sie lustig macht, allerdings soll die aufgesetzte Arroganz des Autors hier nicht erwidert werden.

Im nächsten Argument geht es wieder darum, dass eine einzelne Statistik aus einem Teilgebiet mit einem Vergleich eines Intervalls von etwa dreißig Jahren natürlich sämtliche anderen Statistiken widerlegt. Zugegebenermaßen ist mir hier schon fast die Lust vergangen, diese Studie noch anzuschauen, aber Objektivität ist wichtig und darum soll dieser Aussage wieder eine Chance gegeben werden. Es ist eine Statistik der Temperaturen im Great Barrier Reef Marine Park, die sogar eine leichte Abkühlung der Wassertemperaturen zeigen soll. Nun könnte man im Gegenzug fragen, wieso die australische Regierung zugunsten des Tourismus Passagen aus einem UN-Bericht streichen lies, der von massiver Korallenbleiche dort berichtete, wegen der Klimaerwärmung. Scheinbar wird die „Propaganda zur Klimaerwärmung“ doch nicht so exzessiv betrieben, wenn Staaten aktiv die Aufklärung darüber verhindern. Die verwendete Statistik ist also faktisch gefälscht und von der australischen Regierung schöngeredet, um Einbußen im Bereich der Touristik zu verhindern.

Weiter geht es damit, dass behauptet wird, zwischen CO2 und Temperatur gäbe es keinen Zusammenhang. Der „Beweis“ ist, dass der CO2-Gehalt stark schwankte, die Temperatur aber relativ konstant blieb. Die Statistik berücksichtigt die durchschnittliche Temperatur auf der Erde, aber nicht den Aufbau der Atmossphäre, zudem gab es Zeiten auf der Erde mit um die 50 °C, die hier aber seltsamerweise nicht dargestellt werden (auch wenn sie nichts mit dem CO2-Gehalt zu tun hatten), was die Graphik fragwürdig erscheinen lässt. Auch tauchen die Eiszeiten nicht wirklich auf.

Natürlich muss man klar sagen, CO2 ist nicht der einzige Schadstoff, schon gar nicht der zerstörerischste, der von den modernen Industrienationen in die Atmossphäre geschickt wird. Moleküle wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe u. A. greifen das Ozon an und entfalten destruktive Wirkung. Wenn man den Fehler macht, wie auch viele, die den menschenbeförderten Klimawandel als richtig akzeptieren, und alles nur auf den CO2-Ausstoß reduziert, dann wird man den ganzen menschlichen Einfluß nur schwer nachvollziehen können. Die Behauptung des Autors, für eine Verbindung zwischen CO2 und dem Klima gäbe es keinen Beleg, ist grundsätzlich falsch, doch er weißt auch auf etwas hin, das vielen leider nicht so klar ist, wie es sein sollte. CO2 ist NICHT der einzige Faktor in der Entstehung des Klimas, es ist ein unglaublich komplexes System.

Uns sollte dabei allen klar sein, in hochkomplexen Systemen können kleine Änderungen große Konsequenzen mit sich bringen. Die Gegner der Anschauung eines menschengemachten oder zumindest beförderten Klimawandels brauchen sich also nicht zu früh freuen. Das wir lediglich 3% des CO2’s „verursachen“ heißt keineswegs, dass unser Anteil am Klimawandel auch nur 3% beträgt.

Auch wenn in diesem Artikel einiges stand, dem ich auch zustimmen konnte, so ruiniert der  Autor alles mit diesem „Fazit.“

Fazit: Wir sehen, unseren Planeten geht es gut, alles ist normal, das Klima und alle damit verbundenen Parameter verlaufen stabil, keine alarmierender Trend in Sicht. Das heisst nicht, wir können die Sau raus lassen, sondern es heisst was uns die Alarmisten erzählen ist falsch und gelogen.

Die Argumente der Vertreter der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung sind somit widerlegt. Erstens findet schon seit 10 Jahren keine Erwärmung statt, das CO2 hat deshalb gar nichts mit dem Klima zu tun, und die gerne immer wieder als Beispiel gebrachten Behauptungen über das Abschmelzen der Polkappen und der Gletscher in Grönland stimmen nicht mit dem was wirklich passiert überein.
Es wird uns durch Horrorbilder in den Filmen und TV-Berichten ein Katastrophenszenario vorgespielt, welches nichts mit der Realität zu tun hat. Alles eine Manipulation zur Meinungssteuerung um uns Angst zu machen, damit wir ein schlechtes Gewissen haben, uns schuldig fühlen, deshalb bereit sind für die Sünde zu büßen und zu zahlen.

Bei dem derzeitigen Artensterben, der sehr wohl vorhandenen Klimaerwärmung, dem Absterben von Korallenriffen, das in der vom Autor verwendeten Studie herausgestrichen wurde und Vergiftung der Natur durch Stoffe, die weitaus toxischer sind als das CO2 und die von den Menschen produziert werden ist dieses Fazit ein absoluter Witz. Der angeblich kritische Geist hat sich noch viel mehr auf das CO2 fixiert als die „Klimahysteriker,“ denen er ja ach so überlegen ist. Man könnte nun in gleicher unterstellender Art fragen, ob er nicht vielleicht von Konzernen bezahlt wird, um implizit andere toxische Stoffe auszuklammern und zu verschweigen, aber hier sollten zumindest alle wissen, dass das albern ist. Ja, glaubt nicht alles automatisch eins zu eins, wie es euch vorgegeben wird, vollkommen richtig. Doch wieso erwartet der Autor das von seinen Lesern?

Auch erklärt hier nichts, wieso der Mensch für seinen angeblich so geringen Anteil nicht dennoch Verantwortung übernehmen soll? Wenn wir die einzigen „Tiere“ sind, die ihr Handeln so reflektieren können, weswegen sollten wir diese Gabe ignorieren? Mit dem kindischen Hinweis, der Vulkan explodiert auch einfach so, also warum nicht mit 200 km/h über die Autobahn brettern?

Klimaskeptiker werden sich sicher angegriffen fühlen, doch das hier ist kein Angriff. Es ist ein Appell an ihre eigenen Werte, nämlich die des Hinterfragens von Daten und angeblichen Tatsachen. Das Hinterfragen ist ein Wert des Bewusstseins, Bewusstsein ist Verantwortung und Verantwortung bedeutet auch, dass man für das eigene Handeln gerade steht und es positiver gestaltet. Selbst wenn der menschliche Anteil gering sein soll, so ist das kein Grund, ihn noch auszubauen.

Advertisements

Sozialdarwinismus und Evolution

Viele religiöse Kritiker der Evolutionstheorie erheben den Anspruch darauf, selbst moralisch überlegen zu sein und sagen, aus der natürlichen Selektion als Kern der Evolution müsse man folgern, dass der Mensch ausschließlich egoistisch handeln dürfe, da er sonst inkonsequent handeln würde. Dass diese These falsch ist, soll hier anhand mehrerer Punkte logisch dargelegt werden.

  1. Wenn wir die Resultate einer Gesellschaft betrachten würden, die auf ausschließlichem Egoismus basiert (nicht zu verwechseln mit dem libertären Modell von Vertragsfreiheiten), dann würde man sehen, dass es ausschließlich zu kontraproduktivem Verhalten führen kann. Die menschlichen Gehirnleistung hat vieles ermöglicht, als einen Seiteneffekt auch, dass sich alle Menschen gegenseitig derartig effektiv blockieren könnten, dass sie sich ausrotten würden. In freier Wildbahn mit wenigen Exemplaren ist das Verhalten des Egoismus absolut sinnvoll, unser Verstand hat aber begriffen, dass in einer hochkomplexen Gesellschaft, wie sie z. B. auch bei Ameisen vorhanden ist, die Zusammenarbeit zu besseren Ergebnissen auch für die Einzelnen führt.
  2. Altruismus könnte man auch als eine Form der Partnerwerbung betrachten. Durch eine solche Form der Eigenwerbung zeigt man auch seinen Besitz, wer zum Beispiel Geld spendet kann ja nicht komplett mittellos sein.
  3. Das zweite Argument lässt sich auch verallgemeinernd auf die gesamte Gesellschaft ausweiten. Wer spendet oder eigene Stiftungen eröffnet zeigt damit seinen Besitz, sichert sich Loyalitäten, Bewunderung und einen sicheren Status. Bei größeren Unternehmen dient es auch der Absatzwerbung und einem verbesserten Image, was potentielle Kunden auch überzeugt, mit ihrem Kauf etwas Gutes zu tun.
  4. Kein wirkliches Argument, weswegen Altruismus der Evolution nicht widerspricht ist das Folgende, allerdings erklärt es, warum die Moral der Gläubigen ebensowenig eine wirklich feste moralische Basis hat. Denn ein Gott, der die Grundregeln der Moral determiniert, ist allmächtig, nach der Definition der meisten Gläubigen zumindest. Allmacht impliziert auch die Möglichkeit zu Reflexion seines eigenen Wortes und auch die Möglichkeit, eigene Entscheidungen rückgängig zu machen, es sich also praktisch „anders zu überlegen.“ Spricht man ihm diese ab indem man sich auf sein Versprechen stützt, die eigene Meinung nicht zu ändern, dann beraubt man ihn auch seiner Allmacht. Was allgegenwärtig ist muss nicht allmächtig sein, aber was allmächtig ist muss auch allgegenwärtig sein, womit Gott mit dem Verlust seiner Allmacht auch nicht mehr das große Ganze darstellen würde, dass zum Aufstellen einer Moral ohne Lücken unerlässlich ist.

Der Tumor des Verschwörungsglaubens

Wer sich von der Überschrift getriggert gefühlt hat, hat damit auch durchaus recht. Er bedient abstrahiert gesehen eine antisemitische Vorstellung, die gewisse Teile der Gesellschaft als krankhaft und ausselektierenswert betrachtet. Versteht man es dagegen eher bezogen auf das Wachstum, so wird auch klar, weswegen der moderne Verschwörungsglaube tatsächlich einem Tumor gleichkommt, er verbreitet sich aggressiv und schnell und lässt vom ursprünglichen „Gewebe“ nichts übrig. Denn bei Verschwörungstheorien handelt es sich genauso wie beim religiösen Fanatismus nicht um eine Meinung, sondern ein abgeschlossenes und pathologisches Weltbild (hiermit ist natürlich nicht jeder Esoteriker usw. gemeint, sondern wirkliche verbohrte Härtefälle). Einem Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen würde keiner eine wirkliche Meinung unterstellen, denn dieser ist de facto nicht in der Lage, seine Weltsicht zu überdenken, er hat sie auch nie angezweifelt.

Man tut diesen Menschen keinen Gefallen, wenn man sie unter dem Deckmäntelchen der Demokratie einfach Spinner sein lässt die man hin und wieder argumentativ abfertigen kann um der Welt zu demonstrieren wie gebildet und intellektuell man ist. Religiöser Wahn z. B. ist eine anerkannte Erkrankung und Richard Dawkins nannte eines seiner lehrreichen und interessanten Bücher nicht umsonst „The god delusion“ ( http://amzn.to/2mt4q6F ). In diesem Buch legt er das in sich selbst abgeschlossene und unwiderlegbare Weltbild religiöser Fundamentalisten dar und damit nicht nur die Grundlagen des Glaubens, sondern auch das Weltbild der Verschwörungstheoretiker. Ob es nun Freimaurer, Satanisten, Juden, Reptiloiden usw. sind, im Zentrum steht immer diese eine Macht, die alles kontrolliert. Also den ersten wichtigen Punkt des monotheistischen Glaubens, eine Konzentration aller Macht und allen Einflußes auf eine einzelne Kausalität.

Während Dawkins aus der fundamentalistisch-religiösen Sicht auf die Welt ihre Form der Immunisierung herausarbeitet, „die Wege des Herrn sind unergründlich“ und „Gott gehorcht keiner irdischen Logik“, so findet man diese in anderer Form auch wieder in Verschwörungstheorien. Hier verschleiern die Verantwortlichen durch grenzenlose Macht über die Medien und teilweise sogar Manipulation und Gedankenkontrolle (Das Gefühl nicht Herr der eigenen Gedanken zu sein ist oftmals Symptom einer paranoiden Schizophrenie) ihre Untaten und belügen die dumme Masse. Wieder sind die Ähnlichkeiten zwischen den Gedankensystemen bestechend und oftmals überschneiden sie sich auch. Vor allem im amerikanischen Raum besteht zwischen Evangelikalen und Verschwörungsgläubigen eine große Schnittmenge, beispielhaft könnte man Ron Paul und Alex Jones nennen, die einen großen Einfluß auf die dortige „Truther“-Bewegung haben.

Weswegen zog ich nun aber die Analogie zu einem Tumor? Die „Truther“-Bewegung und fanatische religiöse (monotheistische) Bewegungen haben eines gemeinsam: Ihren Anspruch, die alleinige Wahrheit zu vertreten und andere Ansichten zu verdrängen. Die verschwörungsgläubigen Weltbilder beruhen meist auf einer angenommenen Verschwörung gegen die breite Masse, die dem Untergang geweiht ist, falls sie nicht umkehrt, die Wahrheit erkennt und gegen „das Böse“ rebelliert. Jede entgegengesetzte Meinung wird darum nicht akzeptiert und KANN auch nicht akzeptiert werden, denn sie führt nach dieser Logik dazu, dass Millionen ins Verderben gestürzt werden. So gilt es auch im religiösen Weltbild. Der Tumor verdrängt gesundes Gewebe und setzt auf Ausbreitung ohne Rücksicht auf Verluste (die Analogie unterstellt einem reelen Tumor natürlich keinen bösen Willen), so auch der Verschwörungsglauben. Breitet er sich nicht aus, sondern trifft stattdessen auf Skeptiker, merkt der „Gläubige,“ dass er nicht als Retter gefeiert sondern als Spinner verlacht wird, so wird das Ganze gefährlich. Denn der Wahn, wirklich etwas Gutes zu tun und gegen reeles Unrecht vorzugehen macht sämtliche gesellschaftlichen Vorstellungen von moralischem und ethischem Miteinander zunichte. Die Vereinsamung radikalisiert, das Unverständnis verbittert … verschwörungstheoretische Überzeugungen können tatsächlich eine bloße Meinung sein, doch sie kippt leicht ins Pathologische. Eine Haltung, die sich jeder Diskussion enthält und allen „einfach ihre Meinung lässt“ kann in solchen Fällen dazu führen, dass ganze Leben zerstört werden.

Weltbilder und „Pizza“

Wie man sich denken kann geht es hier nicht wirklich um Pizza an sich, sondern um den neuen Track der von mir heißgeliebten Antilopen Gang.(Antilopen Gang – „Pizza“) Viele reagierten darauf als sei es ein reiner Spaßtrack ohne wirklichen Inhalt. Meiner Meinung nach setzt er sich aber durchaus ernsthaft mir verkürzten Weltbildern auseinander, wofür auch diverse Anspielungen im Video sprechen. Das Symbol der „heiligen Pizza“ ähnelt extrem dem der Church of Scientology, Koljah tritt am Anfang als Jonathan Frakes auf und der Pizza wird praktisch die Allmacht zugesprochen. Auch die Heilungsszene mit den „italienischen Oblaten“ deutet auf Sekten hin.

Was hier spaßeshalber mit Pizzen gemacht wird ist typisch für Menschen die die ganze Welt auf eine Kausalität reduzieren wollen. Ob Freimaurer, Illuminaten, das Weltjudentum, sie alle unterscheiden sich nennenswert von dem Thema des Tracks, sie besitzen nämlich jeden Einfluß und können die Welt retten oder zerstören, je nach Lust und Laune. Wer der Antilopen Gang Kommerzialisierung vorwirft versteht nicht, dass sie als mittlerweile bekannte Band auch andere Bilder verwenden müssen, zumindest ist es schlau das zu tun. Denn diese versteckte Bedeutung zeigt, dass mehr in ihrem neuen Album steckt als der partymäßige Klang erwarten lässt. Schon auf ihrem vorher veröffentlichten Track „Das trojanische Pferd“ spielen sie deutlich auf Verschwörungstheorien an, indem sie sich selbst als Metapher verwenden. Statt freimaurerischer Infiltrierung des Staates steht hier die Machtübernahme der Hörnergang.

All das scheint darauf hinzudeuten dass sich der Fokus des neuen Albums weniger auf die plumpen rechten Schreier sondern die pseudoaufgeklärten Neurechten richtet und gegen diese schießt. Gerade Koljah hat sich bereits oft diesem Thema gewidmet, so zum Beispiel in seinem Part des Tracks „Beate Zschäpe hört U2,“ in dem er allerdings sehr viel deutlichere Worte findet … das löste eine Welle des Internet-hates aus, dem man dieses mal dadurch entging, dass die Botschaft sehr viel verschlüsselter verpackt wurde. Nichtsdestotrotz zeigt auch „Pizza“ sehr deutlich, wie lächerlich es ist, Problemlösungsstrategien und Kausalitäten so simpel zu gestalten.

Nicht nur gegen die Verschwörungstheoretiker schießt der Track, sondern auch gegen jene, die nur ein Mittel kennen, um die „Welt zu retten.“ Diejenigen, die bei jedem Schlagloch, das nicht gestopft wurde, gleich rufen, dass die Flüchtlinge und deren Kosten Schuld daran sind, merken gar nicht, wie albern ihre monokausale Weltsicht ist. „Pizza“ ist sicherlich eine interessante Art, sich mit diesem Realitätssinn humorvoll auseinander zu setzen. Sehr schön und überraschend ist es, dass sich trotz des „Ankommens im Mainstream“ keine Tendenz zu weniger Biss und Scharfsinnigkeit abzeichnet. Darum ein großes Lob an die Antilopen.

Fußball-Nationalismus

Seit die EM angefangen hat, gab es wohl keinen Tag, an dem man nicht mit dem Thema Fußball konfrontiert wurde. Was für Fußball-Hasser (wie mich) zuerst einfach nur nervig ist, wird mit der Zeit auch zu einer aggressiven nationalistischen Grundhaltung der Fans. So wird erwartet, dass man sich mit „seinem“ Land identifiziert und ein Interesse daran besteht, dieses als Sieger zu sehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht gerade wenige Fans sogar wütend und aggressiv werden, wenn man als Landsmann dennoch für die „gegnerische“ Mannschaft ist oder kein Interesse daran zeigt.

Das Feiern ist dabei nichts anderes als ein Moment der großen nationalen Einheit, in der sogar nur Sympathien für andere Gruppen oder das Desinteresse am Kollektiv schon als Verrat an der Gemeinschaft gedeutet wird. Dieses Gefühl überflügelt sogar die Ansprüche der kapitalistischen Logik und Unternehmer, Lehrer, Arbeitskollegen, sie alle akzeptieren Müdigkeit und fehlende Leistungsbereitschaft, da man ja am Vortag durch das Einschalten und Mitfiebern nur seinen großen Dienst an der Nation tat. Dem Individuum vor dem Fernseher ist nicht einmal wirklich klar, dass er für das Spiel keinen Beitrag leistet, seine Freude irrelevanter nicht sein könnte und seine Trauer höchstens den Effekt hat, dass sie einigen Fußball-Hassern den Tag versüßt. Trotzdem gilt es als Bekenntnis der Nation und wird wie ein Grundbedürfnis behandelt, es stellt sogar ein solches dar. Durch das Gemeinschaftsgefühl und die allseitige Anerkennung des Zujubelns als eine Leistung werden diejenigen in der Gesellschaft, die eigentlich nichts leisten und damit dem sozialen Anspruch nicht genügen, zu nützlichen Mitgliedern des Kollektivs, sie verlieren damit ihre eigene Identität und werden zu denen, die auf dem Platz etwas leisten.

Durch die Adaption von Leistungen der Sportler durch die Zuschauer wird die ganze Nation (in deren Augen auch nur diejenigen dazugehören, die sich freiwillig das Spektakel antun) zu der einen Gruppe auf dem Platz. Die Aggression gegen andere kommt daher, dass es tatsächlich als eigener Kampf wahrgenommen wird. Denn wenn sich das Individuum vor dem Bildschirm auflöst und Teil der Mannschaft wird, so befindet es sich auch im direkten Wettstreit. Gleichzeitig aber wird der rein sportliche Siegeswille aber noch um die nationalistische Komponente erweitert, man verteidigt nicht die eigene, sondern die Ehre des Kollektivs, ist dabei aber befreit von individueller Ethik. Aus diesem Mix resultiert Aggression und Größenwahn. Fußball-Fans, die einen Sieg „ihrer“ Mannschaft gesehen haben (beigetragen haben sie ja nichts und vermutlich könnte auch keiner in der Realität einigermaßen mithalten), zeigen einen Chauvinismus, der sich für gewöhnlich auf eigene Leistung gründet, die Art der Arroganz eines Akademikers gegenüber einem Arbeitslosen mit Hauptschulabschluss. Natürlich trifft das nicht auf alle zu, es soll tatsächlich Menschen geben, die Fußball unterhaltend finden (den Unterton muss man nicht ernstnehmen) und die nach einem Sieg keinen Anlass sehen, die „Verlierer“ weiter zu demütigen, nur leider sind sie die Minderheit. Die Mehrheit stellt die kollektivistisch-nationalistische Gruppe, die die EM als Dienst am Vaterland betrachtet.

Libertäre Staatskritik und Verschwörungstheorien

Auch wenn ich mich selbst als libertär definiere, kann ich dennoch nicht jede Staatskritik, eher Staatsdämonisierung stehen lassen. Gerade die rechtslibertäre Szene neigt zu einer Weltbildreduktion, die im Staat nicht nur das sieht, was er ist, ein Gewaltmonopol, dass gesellschaftliche Konventionen festschreibt und deren Einhaltung erzwingt. Oliver Janich dürfte hierbei vermutlich jedem ein Begriff sein, der sich mit der Verschwörungsszene und deren Theorien auskennt, als populärster Rechtslibertärer Deutschlands kann man ihn auch für die Analyse heranziehen. Hierzu ein Artikel über die noch aktuellen Anschläge in Brüssel:

„Die Anschläge in Belgien waren auf jeden Fall Terror unter falscher Flagge, schon alleine aus diesem Grund:

Ohne die hochkriminelle Politik hätten sie gar nicht stattgefunden. Selbst wenn ausnahmsweise echte Terroristen die Anschläge durchgeführt hätten, so sind sie von der Machtelite bewusst herbeigeführt worden.

Wenn die Elite mit Frau Merkel als ihrer obersten Dienerin tausende von IS-Kämpfern nach Europa schleust, indem man nicht einmal mehr die Papiere kontrolliert, sind solche Anschläge die logische und unvermeidbare Folge.

Die Bevölkerung soll in Angst und Schrecken versetzt werden, damit sie einen totalitären Überwachungsstaat, die sogenannte Neue Weltordnung akzeptiert.“

– Oliver Janich; Brüssel: Terror unter falscher Flagge [1] –

Die äußerst inkonsistente Begründung bleibt wage, die Vorwürfe werden auch nicht näher beleuchtet. Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge habe ich auch schon in einem anderen Text behandelt und bin der Meinung, sie damit widerlegt zu haben. [2] Mangelnde Kontrolle ist auch eher auf die Überforderung der Grenzbehörden mit der schieren Größe der Menge der Flüchtlinge zurückzuführen als auf heimliche Pläne der Machteliten. Durch die Wortwahl verrät Janich aber sein äußerst unkomplexes Weltbild. Selbst wenn der Staat nicht dahintersteht, ist er dennoch schuldig. Ähnlich wie radikale Kommunisten jeden gesellschaftlichen Missstand auf den Kapitalismus reduzieren, reduzieren viele Libertäre jeden Missstand auf den staatlichen Eingriff in den freien Markt.

In meinem vorigen Text analysierte ich den Nutzen, den Regierungen aus Anschlägen und Terror ziehen können. [3] Dieser ist nicht wegzudiskutieren. Doch findet sich hier der typische Fehler der meisten Verschwörungstheoretiker, das typische Cui-Bono. Wer profitiert, der ist auch Urheber, selbst wenn er es gar nicht gewesen sein konnte. Diese Analyse schließt Fehler vollkommen aus. Auch wenn eine Seite, in dem Fall der Staat, besser organisiert ist, kann ein weniger professioneller Gegner dennoch diesen überlisten. Um das in eine Analogie zu verpacken: Wenn ich als begeisterter Schachspieler gegen einen Großmeister spiele, würde ich für gewöhnlich immer verlieren. Allerdings gibt es Spiele, bei denen ein Spieler gegen mehrere gleichzeitig spielt, so wie der Staat viele Bedrohungen abwehren muss. Unter diesen Bedingungen kann mein Gegner durchaus einen Fehler machen, da er viele Spiele hintereinander analysieren muss. So kann dann doch ein Gewinn für den Underdog folgen.

Libertäre sehen meist im Staat nicht nur das, was er nicht ist, sondern eine Personifizierung eines Dämons. Er erscheint allwissend, bewusst böse und durchweg hinterhältig. Die Fehler des Staates werden dabei wieder nicht aus dem Wesen der Institutionen abgeleitet, sondern wieder vermenschlicht und biologisiert. So kommt auch die regelmäßige Vermischung von okkulter Symbolik, Verschwörungstheorien, antistaatlicher Paranoia und antisemitischen Elementen:

„Wenn man weiss, dass die Elite von Numerologie besessen ist, dann ergeben sich schon aus dem Datum erste Hinweise. 3/22, wie das Datum im Amerikanischen geschrieben wird, sind beispielsweise die Zahlen der Geheimgesellschaft Skull & Bones. Die Quersumme ergibt Sieben, die des gesamten Datums (2016/3/22) ergibt 16, also auch wieder die Sieben. Die Zahl Sieben ist ja laut IWF-Chefin Lagarde eine „magische Nummer“. Eine Bombe in der Metro soll nach ersten Berichten um 9 Uhr 11 (also 9/11) hochgegangen sein.“

„Ich bin aber relativ sicher, dass wir in den kommenden Tagen noch Hinweise auf eine False Flag-Aktion sehen werden. Konsultiert dazu bitte die einschlägigen Truther-Seiten und prüft die Quellen auf Plausibilität.“[1]

Was sich hier noch kritisch nennt, zeigt nur, dass man schon gar nicht mehr nach anderen Schuldigen sucht. Angebliche Beweise werden zuerst präsentiert, daraufhin zwischen den Zeilen zugegeben, dass es nicht im Ansatz irgendetwas beweist, aber sicher bald Belege für die schon lange gefasst Meinung gefunden werden. Selbst wenn es sich als False-Flag herausstellt, ist damit vielleicht ihre Aussage belegt, widerlegt ist aber die Selbstbezeichnung als journalistisch und skeptisch.

 

 

[1] http://www.oliverjanich.de/bruessel-terror-unter-falscher-flagge

[2] Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge

[3] Der “Nutzen” des Terrors

Ritalin-Kritik

Abseits der Ideologiekritik gibt es viele Verschwörungstheorien, denen man nicht mit logischer Kritik auf der Metaebene begegnen kann, sondern die in ihren Behauptungen widerlegt werden müssen. Ich selbst bin ADS-Patient und erhalte seit ca. einem 3/4 Jahr das Medikament Medikinet (der Wirkstoff „Methylphenidat“ ist die gemeinsame Basis von Medikinet und Ritalin). Aufgrund der Tatsache, dass es bei mir nur positive Effekte hat, war es zuerst eine große Überraschung, dass gerade dieser Wirkstoff so verteufelt wird.

Insofern lege ich den programmatischen Artikel der Seite Impfkritik zugrunde und möchte auf jede Behauptung eingehen. [1] Sie sind nicht durchweg falsch, die Schlüsse daraus sind es aber.

„Ritalin® ist eine Droge,

  • die nichts heilt.“

Das ist richtig. Methylphenidat heilt die Symptome tatsächlich nicht. Es handelt sich um (vermutlich) um eine Störung des Belohnungssystems und des Dopaminspiegels, also ein hormonelles Problem. [2] Der Logik der Ritalin-„Kritiker“ folgend müsste es aber auch bedeuten, dass bei Diabetes das Spritzen von Insulin falsch wäre, schließlich heilt es ja nicht, sondern muss regelmäßig nachdosiert werden. Wie ich später noch anhand einer Quelle nahegelegen möchte, gibt es aber Vermutungen, dass die Symptome des ADS durch langjährige Behandlung schwächer werden.

Und ja, Methylphenidat ist eine Droge. Wie jedes andere Medikament auch. Keiner würde die Wirksamkeit von Antitussiva wie Codein, Dextrometorphan oder Tillidin in Frage stellen, weil sie als Opiate missbraucht werden können. (allerdings sind Codein und Tillidin verschreibungspflichtig, wie Methylphenidat auch. Damit erkennt der Staat das Potential zum Missbrauch an. Ein Argument ist es dennoch nicht.) Lange Zeit wurde auch Heroin, Desomorphin (heute bekannt als „Krokodil“), LSD (in einigen Ländern wieder zugelassen) und MDMA (ebenfalls wieder in einigen Ländern zu Therapiezwecken zugelassen) in der Medizin eingesetzt. Die Unterscheidung von „Droge“ und „Medikament“ ist weitaus schwammiger als die meisten denken. Das unterscheidet Drogen auch von Homoöpathie, sie enthalten einen Wirkstoff.

„An der Hersteller wie Händler gewaltig verdienen.“

Ist auch eine große Frechheit, dass im Kapitalismus auf Gewinn und nicht auf Wohltätigkeit produziert werden kann. Hier handelt es sich wieder um kein wirkliches Argument, sondern eine reine Floskel. Bei der Recherche konnte ich keine Quellen für den realen Gewinn bei dem Verkauf von Methylphenidat-Medikamenten finden, weswegen sich mir die Frage stellt, woher die „Kritiker“ die Gewinnspanne kennen.

Einige Preise sind hier in der Liste enthalten:
[4] [5]
Ritalin LA 20mg 30 Kapseln 28,00€ (36,10€ ¹)
Ritalin LA 20mg 60 Kapseln 52,82€ (69,98€ ¹)
Ritalin LA 20mg 100 Kapseln 90,75€ (120,38€ ¹)
Ritalin LA 30mg 30 Kapseln 38,09€ (51,99€ ¹)
Ritalin LA 30mg 60 Kapseln 76,56€ (106,18€ ¹)
Ritalin LA 40mg 30 Kapseln 48,34€ (68,53€ ¹)
Medikinet retard 50 Kapseln 10mg 26,10€ (31,62€ ²)
Medikinet retard 50 Kapseln 20mg 44,11€ (58,21€ ²)
Medikinet retard 50 Kapseln 30mg 63,08€ (87,37€ ²)
Medikinet retard 50 Kapseln 40mg 82,31€ (117,74€ ²)

Ich bin nicht unbedingt ein Experte, allerdings gibt es bei der Herstellung von Medikamenten viele Auflagen und die Edukte sind auch nicht die billigsten. Eine deutliche Gewinnspanne ist bestimmt vorhanden (wir leben immer noch im Kapitalismus, das ist nicht verwerflich), doch gibt es teurere Medikamente. Selbst wenn sie massiv überteuert wären, wäre es dennoch kein Beweis für eine angebliche Unwirksamkeit des Wirkstoffs, beide Parameter korrelieren nicht im Geringsten. Ritalinkritiker wie Hans Tolzin sind beruflich auch nicht tiefer in der Materie, ein Milchbauer wird genauso wenig über die Gewinnspanne wissen wie ich als Realschüler.

Die, wie Speed und Kokain, in den Dopamin- und Noradrenalinhaushalt eingreifen.“

Wieder zwei Schlagwörter, die Furcht verbreiten sollen und klarstellen, dass Methylphenidat eine gefährliche Droge sei, die nach einem mal nehmen schon das Leben des Patienten zugrunde richten. Dabei wurde und wird (wenn auch selten) Kokain als Medizin verwendet und macht, wie jede Droge der Welt, nach dem ersten mal nicht abhängig. [5] Speed ist ein Oberbegriff für Amphetamine, die illegal gehandelt werden, insofern ist Kokain als Droge auch „Speed“ (Speed ist meist ein Verschnitt aus verschiedenen Wirkstoffen und Streckmitteln) und die Aufzählung kann man sich sparen.[6]

„Die auf das Bewusstsein wirkt und geistige Verbesserung absperrt.“

„Die Symptome von geistiger Krankheit erzeugt.“

„Die Sucht und Abhängigkeit erzeugen kann.“

Es gibt Momente, in denen mir Sachlichkeit schwer fällt. Dieser ist so einer.

  1. Natürlich wirkt es auf das „Bewusstsein,“ sonst könnte man sich das Medikament auch sparen. Es ist Sinn der Sache, dass eine Veränderung herbeigeführt wird, weil der Ist-Zustand schlechter ist!
  2. Wenn man ADS hat und keine Medikamente erhält, dann entwickelt man im Ideal-Fall Methoden, um mit der Erkrankung umzugehen und kann sich so „bessern.“ Bei mir selbst trat der Effekt trotz mehrjähriger Behandlung z. B. aber nicht ein. (Einzelfälle sind nicht verallgemeinerbar, allerdings widerlegen sie die allgemeine Aussage, keine Medikamente wären IMMER besser) Im bereits verlinkten Artikel [2] wird erwähnt, dass Menschen mit ADS dazu neigen, Arbeiten unmotiviert angehen, wenn sie keine direkte Belohnung nach sich ziehen. Da die Erlernung solcher Methoden langwierig ist, ist es unwahrscheinlich, dass viele Erkrankte diesen Weg gehen.
  3. Was sind Symptome geistiger Krankheit? Die Behauptung ist nicht falsch, weil sie inhaltslos ist. Seit Freud ist bekannt, dass „krank“ nicht exakt definiert ist, sondern auch sozialen Normen folgt.
  4. Suchterkrankungen sind nicht nur nicht erhöht, sie sind sogar seltener. Methylphenidat-Patienten greifen seltener zu illegalen (und legalen) Drogen. [7] Diese Behauptung kommt entweder aus dem Missverständnis, nur weil Methylphenidat als Medikament eine Droge ist, müsse sie auch abhängig machen. Der Irrtum über angebliche Einstiegsdrogen spielt vermutlich mit hinein
  • „die, wie jede andere Droge, im Körper in den Zellen eingelagert wird und noch über viele Jahre nach Absetzen auf den Verstand und damit auf geistige Prozesse wirkt.“

Tatsächlich setzen sich Drogen in Körperzellen ab, so kann THC auch noch nach Jahren in den Haaren nachgewiesen werden. Dennoch wirkt es nicht mehr auf den Organismus. Wer einmal gekifft hat, kann bezeugen, dass er nach einem halben Jahr nicht immer noch high ist. Was man schon öfter bemängeln kann, kann auch hier bemängelt werden, es gibt keinen Beleg für diese Behauptung. Der Autor, Helmut Kaeding, ist bekennender Scientologe und Softwareentwickler, dass er Zugang zu medizinischen Quellen hat, die andere Fachfremde nicht auch haben, ist recht unwahrscheinlich. Allerdings gibt in dieser Quelle eine Beteiligte an einer (damals) noch nicht abgeschlossenen Studie an, dass Methylphenidat als Langzeitwirkung keine, oder eher eine Normalisierung des Gehirns bedeutet. [8] Langzeitkonsum bedeutet, regelmäßige (in diesem Fall tägliche) Einnahme über Jahre hinweg. Mit der behaupteten Einlagerung, die einen wahrnehmbaren Effekt hätte, käme es aber auch ohne regelmäßige Einnahme dazu. Dieser Effekt tritt aber eben (soweit man weiß) nicht auf.

„Die beim Absetzten, heftige Reaktionen hervorrufen kann.“

„Die, wie jede Droge, Vitaminmangelzustände produziert. Das Entfernen der Substanz aus dem Kreislauf verbraucht Vitamine. Dies kann zu einem Mangel an Vitaminen führen. Dieser Vitaminmangel kann das Herz und das Herz-Kreislaufsystem schädigen. Methylphenidat steht im Verdacht Herzinfarkte, Schlaganfälle, Bluthochdruck, Atherosklerose und Herzschwäche zu verursachen.“

„Die die Fähigkeit einer Person grundsätzlich verringert.“

Heftige Reaktionen ist übertrieben. Der Patient verfällt in alte Muster zurück oder leidet einige Tage an Hyperaktivität. [9 – letzter Abschnitt von ‚Abhängigkeitsgefahr‘] Allerdings tritt dieser Effekt bei plötzlichem Absetzen, von einem Tag auf den anderen, auf. Da Medikamente für gewöhnlich „ausgeschlichen“ werden, also über einen gewissen Zeitraum die Dosis immer weiter reduziert wird, ist diese Behauptung für die angebliche Gefährlichkeit von Ritalin/Medikinet/Concerta unbrauchbar.

Die genannten Nebenwirkungen fallen fast ausschließlich in die Kategorie „selten“ bis „sehr selten.“Das heißt sie treten bei 0,1% – 0,001% der behandelten Patienten auf. [10] Sie sind zwar nicht erfunden, aber eben auch sehr selten. Bei ungefähr 600 000 Patienten in Deutschland heißt das, dass die Nebenwirkung des plötzlichen Herztodes bei ungefähr 6-60 Patienten auftritt. Daraus eine große Gefahr zu konstruieren ist etwas weit hergeholt.

Die Wirksamkeit ist sehr gut belegt. [11] [12] Da auch diese Behauptung wie immer unbelegt blieb, gehe ich davon aus, dass diese Aussage einfach frei erfunden wurde, um in das Weltbild zu passen. Stützen lässt sie sich jedenfalls nicht.

„Mit Drogen können Symptome behandelt werden, aber keine Ursachen in Ordnung gebracht werden. Im Falle von Ritalin® wird die Person einfach bewegungsärmer gemacht und ein bisschen betäubt (warum sonst sollte Ritalin® unter das Betäubungsmittelgesetz fallen?). Die eigentliche Ursache der Probleme bleibt bestehen.“

Seltsamerweise folgt aus dieser Aussage, dass Symptombekämpfung immer falsch wäre und ein wirkliches Medikament an die Ursache gehen müsse. Das Beispiel mit dem Insulin lässt sich auch hier wieder gut anwenden, die Krankheit KANN derzeit noch nicht in ihrer Ursache behandelt werden, Methylphenidat dient dazu, trotz dieser den Alltag bestreiten zu können. Die Unterscheidung zwischen Drogen und Medikamenten ist immer noch falsch. Keiner hat bestritten, dass Methylphenidat als Rauschmittel missbraucht werden kann, weswegen es auch nur gegen Rezept erworben werden darf. Amüsanterweise wirkt es nur bei ADS-Kranken beruhigend und fokussierend, bei „normalen“ Menschen dagegen aufputschend. Damit widerlegt der Autor aus Versehen einen weiteren Punkt seines Textes:

„Um es in aller Deutlichkeit zu sagen:

  1. es gibt ein gesellschaftliches Phänomen (Hyperaktivität etc.)“

So,so. Wenn es ein rein gesellschaftliches Phänomen wäre, dann dürfte das Medikament gar nicht anders wirken. Daraus kann man nun einen Placebo-Effekt als Erklärung stricken, der dann aber bedeuten würde, dass überhaupt kein Wirkstoff existent wäre, woraus damit wieder folgt, dass es auch nicht schädlich ist.

 

[1] http://www.ritalin-kritik.de

[2] http://www.spektrum.de/news/die-transmitterchemie-stimmt-nicht/1007330

[3] http://www.onmeda.de/Medikament/Ritalin+LA+20+mg%7C+-30+mg%7C+-40+mg–packungsgroessen+preise.html

[4] http://www.onmeda.de/Medikament/Medikinet+adult+10mg%7C+-20mg–wirkung+dosierung.html

[5] http://symptomat.de/Kokain

[6] http://www.drug-infopool.de/rauschmittel/amphetamine.html

[7] http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002733

[8] https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-sind-die-langzeitfolgen-von-ritalin

[9] http://www.chemie.de/lexikon/Methylphenidat.html

[10] http://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Nebenwirkungen-Wie-haeufig-ist-haeufig-7852.html

[11] http://www.adhs.org/therapie/

[12] http://www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/nervenheilkunde/inhalt/archiv/issue/648/manuscript/2041.html