Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge

In der rechtsextremen und rechtspopulistischen Szene hat sich die Verschwörungstheorie etabliert, Flüchtlinge würden durch gezielte US-Intervention „produziert“ und damit würden sie eine Destabilisierung Europas herbeiführen. Attraktiv ist dabei, dass man ein xenophobes Weltbild mit dem typischen Feindbild, die USA und nicht selten auch Israel/“Zionisten,“ verknüpfen kann. Querfront-Linke nutzen das Feindbild zur „Aufklärung“ aus, um den „wahren Schuldigen“ aufzudecken und pflichten damit indirekt dieser Theorie bei. Weiterlesen „Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge“

Islamophobie – Wo der Rassismus beginnt

In der als „antideutsch“ bezeichneten Linken wittern viele Kritiker einen antimuslimischen Rassismus. Auch wenn ich persönlich diese Kategorie für Unsinn halte, da der Islam keine Rasse darstellt, so nimmt die Islamkritik häufig die Funktion der Rasse im biologistischen Weltbild der Rechtsextremen ein. Da offener Rassismus gesellschaftlich verpönt ist, erklärt man kurzerhand alle Araber zu Muslimen (was an sich schon falsch ist) und behauptet, aus dieser Sozialisierung müsse logischerweise Frauenverachtung, Antisemitismus und Homophobie resultieren. Damit substituiert das neue Merkmal die Alten, welche nicht mehr verwendet werden „dürfen.“

Nun wird der antideutschen Linken häufig vorgeworfen, kulturdeterministischen Rassismus (antimuslimisch halte ich für zu unpräzise) zu verbreiten und zu vertreten. Auf die meisten antideutschen Kritiker trifft das definitiv NICHT zu. Auch wenn Stephan Grigat und Justus Wertmüller aufgrund ihrer radikalen Islamkritik von der radikalen Rechten rezipiert werden (z.B. in dieser Verlinkung von Wertmüller durch PI-News, allerdings ist es eine reine Verlinkung des Vortrags ohne Text.  [1]) so überzeugt der Artikel in der Bahamas Nr. 71 „Nicht so bleiben, wie man ist“ vom Gegenteil. Zitat: „Leute, bei denen die Eisdiele frequentierende Asylbewerber bereits Bedrohungsgefühle auslösen, haben kein Interesse daran, junge Männer aus fremden Ländern aufzufordern, die Spielgeräte für ihre Kinder frei zu machen und ihre Zigaretten außerhalb zu rauchen – dazu tun sich Herr Rabe und „unsere deutschen Frauen“ nicht zusammen. Ihnen sind Recht und Gesetz genauso wie der sie angeblich verbürgende Konsens der Demokraten egal: Sie wollen den Ausnahmezustand, der erst nach erfolgter Massenabschiebung wieder aufgehoben werden kann.“ Diese Aussagen beziehen sich auf ein rassistisches Posting eines CDU-Politikers. Man merkt, dass Wertmüller eben keineswegs für Abschiebungen und Grenzen ist. Wer aber weitestgehend muslimische Menschen nicht abschieben möchte, sondern ausschließlich deren Sozialisierung kritisiert, der erfüllt schon einmal das zentrale Kennzeichnen des Rassismus nicht, die Abgrenzung.

Von den meisten Vordenkenkern und Theoretikern der Antideutschen kann man einen solchen nicht annehmen, ausgeprägt ist er bei keinem. Wohl aber finden sich zum Beispiel bei Horst Pankow (Bahamas, Jungle World) doch einige „Ausrutscher,“ die in dieser Form auch bei PI zu finden wären. In dem Artikel „Mit dem Kopftuch durch die Wand“ verwendet er Formulierungen wie diese:

„Das westliche Bedürfnis, sich an den Islam anzuschmiegen, wird freilich weiter akut bleiben. Betül Ulusoy könnte also noch ein weiteres Mal zur Domina deutscher Knechtsseelen aufsteigen.“ (Rechtschreibung übernommen)

Auch wenn seine Analyse über den fingierten Kopftuchskandal nicht falsch ist, so strotzt sie vor zynischen und abwertenden Begriffen, auch die Unterstellung einer deutschen Knechtseele ähnelt der Wut rechtspopulistischer Hetzer darüber, dass es zu keiner nationalen Revolution kommt. Die Behauptung, das deutsche Wesen wäre ein Unterwürfiges ist eine häufige Argumentation derer, die den Nationalsozialismus durch die Feigheit der Menschen erklären wollen, um eine Analyse der Gesellschaft in eine genehmere Richtung zu leiten.

Die Wortwahl der Domina behauptet auch einen islamischen Willen zur Unterwerfung der europäischen Freiheit. Dabei zeigen doch die Analysen der aktuellen Bahamas im Artikel „Eine Fatwa aus Pocking“ (leider nicht online), dass der Westen sich nicht dem Islam unterwirft, sondern dessen Identität übernimmt. Domina ist insofern richtig, da die Unterwerfung auf westlichen Wunsch vonstatten geht, aber der Islam (bzw. die meisten Flüchtlinge) kommt nicht mit dieser Intention her, sondern führt die antifreiheitliche Identität mit sich, eben weil der Westen sie selbst in sich trägt.

Als Fazit kann man äußern, dass es keinen ausgeprägten Rassismus innerhalb der antideutschen Linken gibt, aber durchaus Anknüpfungspunkte. Während Wertmüller, Grigat, Scheidt und die meisten anderen es schaffen, sich klar davon abzugrenzen, gibt es Menschen wie Pankow, die sich nicht wirklich von rassistischen Interpretationen distanzieren. Ihre Islamkritik wird häufiger zu einer Moslemkritik, die die Person hinter der Ideologie schärfer angreift als die Struktur und Aussage der Ideologie selbst.

 

[1] http://www.pi-news.net/2007/11/justus-wertmueller-ueber-die-radikalen-linken/

[2] http://jungle-world.com/artikel/2015/25/52149.html

Die Struktur des linken Antizionismus

In einem früheren Text bin ich bereits ein wenig auf meine eigenen Gedanken zwischen den Unterschieden und Gleichheiten des rechten, sowie des linken Antizionismus eingegangen, allerdings nicht sehr ausführlich. Dabei kann Augstein als Parade-Beispiel des links-reaktionären Lagers herhalten.

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Augstein, der linke Antizionist

Jakob Augstein ist bekannt für seine anti-israelische Demagogie und seine aggressive Bigotterie. Sein Antisemitismus, den man wohl getrost als solchen bezeichnen kann, ist dabei der typische „israelkritisch“ gewandte Judenhass, wie er vor allem im Bereich der links-bürgerlichen und alternativen Gruppen üblich ist. Im Gegensatz zum plumpen nationalsozialistischen Antisemitismus verzichtet man hierbei auf offenkundig einseitige Schuldzuschreibungen und Argumentationen über künstliche und natürliche Staaten.

Ich habe mir an dieser Stelle zufällig einen Artikel von Augstein zur Analyse herausgesucht. (es war erstaunlich schwer, einen Artikel zu finden, in dem Israel nicht erwähnt wird) Dabei handelt es sich um einen am 26.Juni 2014 veröffentlichten Text bei Spiegel-Online, in dem es um die Entführung dreier israelischer Jugendlicher geht, die den letzten Gaza-Krieg auslöste. [1]

„Seit dem 12. Juni werden drei israelische Jugendliche im Westjordanland vermisst. Einer konnte noch einen Anruf absetzen: „Ich bin entführt worden.“ Mehr weiß man nicht. Das wäre in jedem Land der Welt der Albtraum aller Eltern. Und überall würden die Menschen von Herzen Anteil nehmen. In Israel wird die persönliche Tragödie zur politischen Katastrophe. Die israelische Armee hat im Westjordanland die größte Militäraktion gegen die Hamas seit 2002 durchgeführt: 3000 Soldaten durchkämmten Städte und Dörfer. Mehr als 350 Palästinenser wurden verhaftet. Fünf wurden erschossen. Auf der Suche nach den jungen Leuten kümmert sich die israelische Regierung nicht um Maß oder Recht. Im Gegenteil: Benjamin Netanjahu nutzt die Gelegenheit für eine Abrechnung mit der Hamas.“

Zuerst schickt man das obligatorisch-joviale „Verständnis“ voraus, das letztlich nur dazu dient, danach umso ungehinderter hetzen zu können. Denn Augstein erweckt mit dem nachfolgenden Teil den Eindruck, es wären Einzeltäter gewesen und die palästinensische Seite würde sich sonst durch Friedlichkeit hervortun. Auch trennt er zwischen dem Kampf gegen die Hamas und dem ums Überleben der Entführten (zu diesem Zeitpunkt lebten sie wohl noch) als hätten sie nichts miteinander zu tun. Die Hamas bekannte sich im Übrigen später zu dieser Tat, [2] (was davor die meisten Realisten ohnehin annahmen) womit diese Doppelung sich als besonders falsch erweist.

Natürlich ist der Böse Benjamin Netanjahu. Dabei übersieht Augstein wieder einmal geflissentlich, dass die regelmäßigen Raketenangriffe auf Israel nur darum kein Aufsehen mehr erregen, weil sie schon alltäglich sind und die Hamas gezielt provozieren. Auch geht er gar nicht darauf ein, wer diese Palästinenser, die getötet wurden, waren. Selbst wenn die Hamas behaupten, es wären Zivilisten gewesen, so muss das nicht der Wahrheit entsprechen, da deren Zahlen meist manipuliert sind. [3]

„Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der israelischen Regierung vorgeworfen die Palästinenser in den besetzten Gebieten kollektiv zu bestrafen und die Maßnahmen aufgelistet: Auf der Suche nach den drei verschwundenen Jugendlichen wurde die Stadt Hebron abgeriegelt, 750.000 Palästinenser in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Der Verkehr von Personen und Gütern über die Grenze zum Gaza-Streifen sei reduziert worden. In den israelischen Gefängnissen sei den Häftlingen der Hamas der Kontakt zu ihren Familien erschwert worden. Und dann sind da noch die fünf Palästinenser, die getötet wurden.“

Typisch für den links-bürgerlichen Antisemitismus ist die subtile Forderung nach der Vernichtung Israels durch eine Verhinderung effektiver Selbstverteidigung. Der Kriegszustand ist immer paranoid, er kommt nicht ohne einen Generalverdacht aus. Das bei den Links-Bürgerlichen aber nicht bloß Naivität vorherrscht zeigt sich daran, dass sie Muslimen plötzlich das Recht zugestehen, alle Juden zu hassen oder zumindest Entschuldigungen zu finden, wo eigentlich keine mehr zu finden sind. Das bei einem Fall von Entführung Straßensperren eingerichtet werden ist übrigens nichts Besonderes, bei einfachen Fahndungen im kleineren Maßstab sogar schon Standard.

Während palästinensische Terrororganisationen Israelis dahinmetzeln dürfen und keine Kritik von der bürgerlichen Linken zu erwarten haben, muss Israel sich absurdeste Vorwürfe gefallen lassen. Im Angesicht der Entführung dreier Jugendlicher fällt Augstein nichts Besseres ein, als zu beklagen, dass inhaftierten Hamas-Kämpfern der Kontakt zu ihren Familien erschwert würde.

„Wird auf diese Weise das Leben von Ejal Jifrah, Gilad Schaaer und Naftali Fraenkel gerettet werden? Die Maßnahmen der israelischen Regierung, die inzwischen zurückgefahren werden sollen, richten sich gegen die Hamas. Israel werde die Mitgliedschaft in der Hamas in eine „Fahrkarte zur Hölle“ verwandeln, sagte Wirtschaftsminister Naftali Bennett. Denn sein Premier ist überzeugt: „Diejenigen, die die Entführung unserer Jungen durchgeführt haben, sind Hamas-Leute. Das wird schlimme Folgen haben.“ Beweise für diese Behauptung hat Netanjahu nicht vorgelegt.“

Ein weiteres typisches Manöver des linken Antizionismus ist die Übertragung der Verantwortung für Antisemitismus auf die israelische Politik. Eine solche kann man aus dem ersten Satz heraus lesen. Die antisemitische Attacke wird zwar verurteilt, allerdings wird die Verantwortung für deren Gelingen sofort auf die Israelis (vertreten durch Netanjahu und Bennett in diesem Fall) umgelenkt. Augstein versucht den Eindruck zu erwecken, als würden israelische Politiker gar nicht wollen, dass diese Taten verhindert werden, sondern diese erhoffen und dann ausnutzen, um einen Feldzug gegen die Hamas starten zu können. Diese Argumentation ist in den Kreisen der links-bürgerlich Geprägten häufig zu finden. Die israelische Regierung würde in einer Spirale der Gewalt Eskalationen absichtlich hervorrufen, um dann härter durchgreifen zu können. Durch den ganzen Text zieht sich das Verständnis der Hamas, sie seien eigentlich eine Bewegung für die Freiheit, denen man versucht, Schlechtes zu unterstellen.

Anhand dieser Textstellen kann man schon umreißen, was den links-bürgerlichen Antizionismus ausmacht. Er ist nicht explizit, sondern setzt sich aus Forderungen zusammen, die angeblich humanistisch sind, aber den Untergang Israels auf jeden Fall zur Folge haben müssen. Jeder Konflikt und jedes Misslingen von Friedensbemühungen wird dabei israelischen Politikern oder deren Verbündeten, den USA, angelastet. Falls das nicht möglich ist, wird die Aggression der Araber auf ökonomisches Elend und Unterdrückung zurückgeführt, die aber wiederum nur von diesem einen Staat ausgehen. Der linke Antizionismus ist weniger plump als der Rechte, der meistens klar nationalistische und antisemitische Vorurteile zum Ausdruck bringt, dadurch aber nicht weniger gefährlich, denn die Ideologie bleibt dieselbe.

 

[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-jakob-augstein-ueber-die-teenager-entfuehrung-a-977571.html

[2] http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-08/israel-hamas-westjordanland-toetung-israelische-jugendliche

[3] http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Wie-die-Hamas-Opferzahlen-manipuliert/story/26131024

Der kabarettistische Aluhut 5

Georg Schramm ist zwar schon länger nicht mehr aktiv, dennoch werden seine Auftritte weiterhin in sozialen Netzwerken geteilt und dort zur allumfassenden Wahrheit verklärt, was an sich schon ein Zeichen für querfrontlerische Realitätsverkürzungen ist. Er ist auch heute noch gewerkschaftsnah, jedoch kein Mitglied, teilt aber deren Ansichten eines sozialdemokratisch gezähmten Raubtierkapitalismus. [1]

Wenn er auch regelmäßig als Kapitalismuskritiker gehandelt und geadelt wird, so muss man klar sagen, dass er das nicht ist. In einem Programm zitiert er John Maynard Keynes und lobt auch dessen Werke. [2] Der Keynesianismus ist aber eine marktwirtschaftliche Schule, eine Kombination aus Erhaltung der menschlichen Unmündigkeit sowie eine Weiterführung der Verwertungslogik. Wie bereits erwähnt bekennt sich Schramm damit klar zu sozialdemokratischer Symptombekämpfung. (Was nicht bedeuten soll, dass Mindestlohn oder das BGE prinzipiell schlecht wären) Gleichzeitig macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass er Terrorismus und Gewalt gegen die reichen Eliten nicht nur nicht ablehnt, sondern auch befürwortet. In einem Interview mit der Taz sagt er aus, dass die Entführung eines Anlageberaters oder die Gewalttaten der RAF legitime Mittel des Widerstandes sind oder zumindest nicht falsch. [3] Dabei fällt wieder die gleiche verkürzte Kritik auf, die bei so vielen Kabarettisten zu finden ist. Schlechter Kapitalismus ist der Kapitalismus der Großkonzerne. Diese bilden zusammen mit (immer korrupter) Politik und den verschiedenen Medienkonzernen eine unheilige Allianz, der er z.B. auch die (angebliche) Verdummung der Menschen in Deutschland und die gezielte Züchtung einer Konsumentenklasse anlastet. [4]

Diese Ansichten sind verschwörungstheoretisch und strukturell antisemitisch. Die Tatsache, dass Medien im Kapitalismus zur schnellen und damit unsauberen Berichterstattung gezwungen sind, wenn sie weiterhin im Markt eine Bedeutung haben wollen, wird bei ihm wie bei vielen anderen ignoriert. Und das eine soziologische Analyse des Kapitalismus weniger Klicks einbringt als ein Video über Katzen, die in Badewannen fallen ist ebenso ein Faktum, dass eigentlich bekannt sein sollte. Strukturell antisemitisch sind diese Aussagen deswegen, weil es wieder nur eine Ursache und keine Zufälle gibt, des Weiteren auch keinen Platz für den Zufall, der bei so gut wie allen seinen Analysen keinen Platz findet. Dass er aber nicht nur den strukturellen, sondern auch den reinen Antisemitismus beherrscht, zeigt ein Auftritt von ihm in der Sendung „Neues aus der Anstalt,“ mit Urban Priol und Erwin Pelzig. (Das Datum der Sendung konnte ich nicht finden, da der Video-Upload aber im Jahre 2008 war und Ahmadinedschad diese Aussage Ende 2005 tätigte kann es nicht älter als 10-7 Jahre sein) [5]

Dort stellt Schramm die Behauptung auf, Israel und die USA würden einen Krieg gegen den Iran provozieren wollen und Ahmadinedschad hätte den Satz, er wolle Israel von der Karte radieren so nie gesagt. Unterstützt wird er dabei von Zeitungen wie der Süddeutschen Zeitung, die Ähnliches schrieb. Das Zitat sagte in der Tat „nur“ aus, dass zionistische Besatzungsregime müsse Geschichte werden. [6] Fakt sind aber zwei weitere Dinge: In der arabischen Welt gilt Israel selbst als das zionistische Besatzungsregime. Damit sind eben nicht die „besetzten“ Gebiete gemeint, sondern der Staat an sich. Und darüber hinaus wurde der Satz auf dem Forum „Welt ohne Zionismus“ geäußert. Wer dort eine Rede hält, der möchte keine Zwei-Staaten-Lösung, sondern eine endgültige Abschaffung Israels. Scheinbar kein Grund für Schramm, sie nicht dennoch zu unterstützen.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schramm#Leben

[2] https://www.youtube.com/watch?v=g2A4g93k0E8

[3] http://www.taz.de/!5061075/

[4] https://www.youtube.com/watch?v=RkNddCXSLvM

[5] https://www.youtube.com/watch?v=vMn4dN5_E1E

[6] http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333

Der kabarettistische Aluhut 4

Hagen Rether ist seit 2003 als Kabarettist aktiv und propagiert auf der Bühne sein Weltbild, das sich aus antiamerikanischen, antiindividualistischen, reaktionären und globalisierungskritischen Elementen zusammensetzt. Sein zentrales Programm heißt „Liebe,“ähnlich wie Volker Pispers‘ „Bis Neulich“ besteht es aus alten Texten und Aktualisierungen.

Bei Hagen Rether kann man getrost von einem Ökofaschisten sprechen, auch wenn diese Bezeichnung mehr demagogisch als inhaltlich präzise ist, denn bei seinen Auftritten ist vor allem das zynisch verkleidete schlechte Gewissen omnipräsent. So muss sich das Publikum schlimmste Anwürfe gefallen lassen, wenn es um Fleischkonsum und Konsumverhalten im Allgemeinen geht. So nennt er den Einkauf bei einem Metzger schon zynisch und scheint letztlich die Ungerechtigkeiten der Welt auf das Verhalten des Einzelnen zurück zu führen, ohne Systemzwänge wahrzunehmen. [1] Dazu passt auch, dass er Mitglied bei Attac ist, einer der größten Vereinigungen von Globalisierungskritikern in Deutschland, denn er wünscht sich keinen radikalen Kurswechsel, kein Wechsel des kapitalistischen Systems, sondern eine Veränderung des Menschen im gleichbleibenden Umfeld. Attac macht die Globalisierung und das Internationale für Ungerechtigkeiten verantwortlich. Sie verstehen die Lohnarbeit für einen internationalen Großkonzern als eine Ausbeutung, weil der Ausbeuter ein Anonymes und Dunkles bleibt, was den Unterschied zur Ausbeutung durch den sichtbaren Vorgesetzten macht. Auch bei Hagen Rether blitzt diese Einschätzung durch, wenn er Globalisierungskritiker mit Nike-Schuhen kritisiert und seine Kapitalismuskritik über Adidas und McDonalds nicht hinaus kommt. [2] [3]

Hagen Rether ist des Weiteren ein großer Freund des Islams, vielleicht sollte man sogar eher von Verharmlosung als von Rassismuskritik sprechen. Während jede Missetat der katholischen Kirche in seinen Programmen Aufmerksamkeit erhält und mit dem Katholizismus gleichgesetzt wird, so gibt es islamisch motivierte Gewalt in seinen Augen nicht. Auch betrachtet er Moslembashing scheinbar als deutschen Volkssport, [4] (zugegeben ist der Auftritt von 2007, doch änderte sich seine Haltung bis heute nicht nennenswert) obwohl bei keiner anderen Religion eine Debatte existierte, ob sie überhaupt kritisiert werden dürfe. Bis heute gilt Islamkritik als rassistische Haltung, weder Christentum, noch Hinduismus, nicht einmal das Judentum genießen solch einen Welpenschutz.

„Früher hieß das Spiel „Kanaken raus!“ und kam aus der Unterschicht, heute heißt das Islamkritik und kommt von ganz oben.“ -Hagen Rether, 29.12.2007 –

Diese Gleichsetzung von dumpfem Rassismus mit dezidierter Islamkritik hält nicht nur den Fakten nicht stand (in Teilen der radikalen Linken wird scharfe Islamkritik geübt, die nicht rassistisch ist), sie ist auch die Gleichsetzung eines Gedankensystems mit der eigenen Herkunft. Wie es bei Globalisierungskritikern nicht unüblich ist versteht er die Gesellschaft als Zwang und das Kollektiv als deterministische Sozialisierung. Die Globalisierung wird als feindselig wahrgenommen, weil sie Kollektive überflüssig macht und sogar aktiv aufbricht.

Hagen Rether nimmt die moderate Interpretation des Islam als den „wahren Islam,“ obwohl klar sein müsste, dass Wahhabismus und Salafismus genauso islamisch fundiert sind. Das Problem, nämlich die Möglichkeit der Interpretation nach eigenem Geschmack, spricht er nicht an. Anhand seiner Auftritte (die Verlinkten reichen für einen Überblick aus) kann man nachvollziehen, dass islamistische Gewalt für ihn letztlich die Schuld des Westens ist. Kann ein Anschlag nicht mehr kleingeredet werden, so ist die Intervention westlicher Staaten im Nahen Osten an der Gewalt mitschuldig und die Radikalisierung junger Menschen den schlechten Lebensbedingungen geschuldet. Diese führt er wiederum auf den (westlichen) Kapitalismus, US-Interventionen und die Globalisierung zurück.

Zusammengefasst ist er Vertreter eines autoritären Staates, wie an seiner Aufforderung zur Errichtung einer Ökodiktatur (!!) unschwer zu erkennen ist, sowie an seinen resigniert-verächtlichen Äußerungen zum Thema Freiheit. [5] Kapitalismuskritik kommt bei ihm, im Vergleich zur Globalisierungskritik, selten vor, meist bleibt es bei der Verdammung des Konsums und der Eliten. Alles in allem ist er mehr Konsum- als Kapitalismuskritiker, nicht die Verwertung des Menschen wird kritisiert, sondern die Möglichkeiten des Individuums, sich dieser zu entziehen.

 

 

[1] https://www.youtube.com/watch?v=sHNY1Xt-Y-o

[2] http://www.attac.de/was-ist-attac/prominente/hagen-rether/

[3] https://www.youtube.com/watch?v=-xF8oSppilg

[4] https://www.youtube.com/watch?v=QL65dcC_UNM

[5] https://www.youtube.com/watch?v=xnuIzO0dmec

Antizionismus und Antisemitismus

Häufig wird die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus kritisiert und auf den ersten Blick kann man sich wirklich fragen, weswegen eine Gleichheit bestehen sollte. In diesem Text möchte ich zwei Fragen beantworten, die sich ähneln. 1) Warum Antizionismus auch ohne Verwandtschaft zum Antisemitismus falsch ist. 2) Warum man beide Ideologien sehr wohl gleichsetzen kann.

1) Fasst man die Fakten zusammen, so ist Israel der einzige Staat, in dem Juden und Jüdinnen keine Verfolgung fürchten müssen und eine Schutzgarantie als Mehrheit haben, der einzige demokratische Rechtsstaat und der permanenten Bedrohung durch die arabische Liga ausgesetzt. Die Kriegshandlungen begannen mit dem Angriff der muslimischen Verbündeten (genauer Irak, Syrien, Libanon, Jordanien und Ägypten) auf den neu gegründeten Staat Israel. Der Zionismus ist die Ideologie des jüdischen Rechts auf einen eigenen Schutzraum, der als Lehre aus der Geschichte der jahrhundertelangen Judenverfolgung nötig wurde. Ein Antizionist ist also ein Mensch, der den Juden das Recht auf diesen Schutz vorenthalten möchte. Man könnte nun fragen, womit diese Ansicht begründet würde.

Also leugnet man also den Nutzen eines jüdischen Staates. Doch allein die Tatsache, dass seit der Existenz Israels keine weitere antisemitische Massenverfolgungen auftraten und Versuche der Holocaustwiederholung durch arabisch-islamistische Organisationen durch das israelische Militär verhindert wurden widerlegt dieses Argument. In den zwei verlinkten Artikeln wird einerseits die neue Bedrohung Israels sowie die rechtliche Legitimierung seiner Selbstverteidigung erläutert, in dem anderen zeigt sich, dass bislang kein Jahrhundert ohne Antisemitismus und Judenverfolgung verging, die Annahme einer gesellschaftlichen Integration aller Juden also vorerst illusionär bleibt. [1] [2]

Wenn man den Nutzen anerkennt, muss also daraus folgen, dass das Leid, das aus der Existenz Israels erwächst, größer als der Nutzen ist. Ergo folgt daraus eine Gleichsetzung der Situation der Palästinenser mit dem Holocaust und darüber hinaus die Fehleinschätzung, die Situation der Palästinenser sei in erster Linie auf Israel zurückzuführen. Beide Vorwürfe können angesichts der Faktenlage nicht aufrechterhalten werden, denn die Palästinenser erhalten internationale Hilfen, hatten schon mehrfach die Möglichkeit zur Gründung eines eigenen Staates und brachen selbst Friedensverhandlungen ab. [3] [4]

Antizionismus muss also eine andere Grundlage haben als die logischer Schlüsse aus objektiv richtiger Faktenlage. Damit wären wir beim zweiten Punkt, was Antizionismus mit Antisemitismus gemein hat:

2) Antizionismus richtet sich als solcher gegen einen einzigen Staat, der grob gesagt die (im Vergleich zu anderen Staaten besonderen) Eigenschaften, ein Jüdischer zu sein, künstlich und vor allem mit einem Ziel geschaffen zu sein. Israel wurde nicht gegründet, um Machtansprüche zu sichern, sondern um das Überleben der Juden zu garantieren. Da Antizionismus sich ausschließlich gegen diesen Staat richtet, muss es an einer dieser abweichenden Eigenschaften wirken. Ist die Begründung die jüdische Prägung, so muss der Antisemitismus nicht mehr hergeleitet werden, sondern er ist offenkundig. Ist es dagegen die künstliche Schaffung, dann ist man offenkundig Anhänger der Theorie, der Staat sei mehr als ein konstruierter Verwaltungsapparat, sondern er entstehe organisch. Nur folgt aus der Ansicht eines staatlichen Wesens logischerweise auch die Möglichkeit, als wachsendes Wesen zu erkranken und man muss trennen zwischen dem Gesunden und Kranken in der Gesellschaft. Also setzt diese Ablehnung des Zionismus voraus, dass man in völkischen Kategorien denkt und eine Volksgemeinschaft zugrunde legt. Die Volksgemeinschaft ist die homogenisierte Menge aller Individuen, die ihr Selbst aufgeben um für das große Ganze zu sein, Abweichungen, Aufklärung, kritisches Denken, all das ist nicht mehr erwünscht. So folgt aus der Volksgemeinschaft die Xenophobie und die Ablehnung von Eliten als verderbend.

Diese Kausalkette ist zugegebenermaßen lang und mag darum abwegig erscheinen, doch sind die Folgerungen logisch. Kurz zusammengefasst ist der offenkundige Zusammenhang auch schneller zu begreifen.

  1. Die Ablehnung erfolgt aus der „Künstlichkeit“ des Staates Israel.
  2. Ergo müssen die anderen Staaten „organisch“ sein und bilden mehr als eine konstruierte Hierarchie, also ein einheitliches Wesen, dass irgendwie zusammen gehört, geeinigt durch Kultur und Tradition.
  3. Ergo ist diese Gesellschaft als ein Einziges zu fassen. Jedes Individuum dient als Schraube im Gewinde, hat seine eigene Funktion ohne dabei ein Selbst zu haben.
  4. Als Resultat muss es aber auch Gruppen geben, die dem Ideal der Homogenität nicht entsprechen, da das Weltbild des Völkischen auf Kategorien beruht, die die Welt in einfachere Schubladen verteilt. Diese Gruppen werden als schädlich für den Volkskörper empfunden.
  5. Im Allgemeinen ist dieses Denken strukturell antisemitisch, da von Lenkungen und gezielten Angriffen auf die völkische Gemeinschaft ausgegangen wird.
  6. Im Falle des Antizionismus bezieht es sich dabei auf einen „störenden Fremdkörper,“ der jüdisch ist. Struktureller Antisemitismus bedeutet, gleiche Denkmuster wie der Antisemitismus zu bedienen. Beziehen diese Muster sich auf Juden, ist es natürlich nicht mehr nur strukturell, sondern vollkommen ausgeprägter Judenhass.

 

[1] http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/israels-selbstverteidigungsrecht-option-praeventivschlag-11712357.html

[2] http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37951/von-der-antike-bis-zur-neuzeit?p=0

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Palästinensisches_Flüchtlingsproblem

[4] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/RegionaleSchwerpunkte/NaherMittlererOsten/IsraelPalaestinensischeGebiete/geschichte-des-nofp_node.html