Unser Schulsystem – Seelig sind die geistig Armen

Man muss gar nicht mit Statistiken um sich werfen um logisch zu erklären, warum unser Schulsystem nichts bringt. Wie erwähnt, es reicht, die gute alte Logik zu bemühen und ein anderes Fazit wird kaum zustande kommen. Aber genug der Polemik.

Stellen wir uns eine Person vor, die alles Wissen in sich vereint. Logische Schlüsse aus diesem Wissen kann er aber nicht ziehen und Verknüpfungen zwischen den Teilbereichen nicht knüpfen. Eine zweite Person kann nun in ihrem ganzen Leben niemals so viel Wissen anhäufen wie die andere, aber dafür Schlüsse ziehen und alles zu einem großen Ganzen verknüpfen. Würden Sie diese zweite Person nun zwingen, so viel wie möglich auswendig zu lernen, oder würden Sie ihr beibringen, wie man logisch schlussfolgert, aus bereitgestellten Daten einen Zusammenhang konstruiert und über das Bekannte hinausdenkt? Ich bin mir sicher, Sie würden die zweite Möglichkeit wählen.

In unserem Schulsystem läuft es nun aber andersrum. Wer auswendig lernen kann kommt weit, wohingegen Menschen, denen die Disziplin fehlt, stumpf Vokabellisten auswendig zu lernen (zum Beispiel ADS/ADHS-Erkrankte), regelmäßig schlecht abschneiden. Über die Intelligenz oder auch nur die wirklich erworbenen Fähigkeiten sagt das NICHTS aus.

Das es bei Sprachen auch ums Auswendig-Lernen geht ist nur logisch. Problematisch ist es aber, dass diese Mentalität auf Fächer wie Physik, Mathematik oder Ethik angewandt wird. Der Grund, dass Mathematik und Physik vielen schwerfällt ist, dass Formeln und Axiome auswendig gelernt werden, ohne zu verstehen WARUM sie funktionieren. Wie sehr sich zum Beispiel die Schulmathematik von der „richtigen“ Mathematik unterscheidet ist mir bewusst geworden, als ich begann, mich selbst in meiner Freizeit damit zu befassen.

Die Mathematik als aufeinander aufbauendes Gebäude KANN nur als solches verstanden werden. Was für einen Sinn ergibt es, Ableitungen zu erklären, wenn den Schülern noch nicht einmal klar gemacht wurde, was eine Funktion an sich überhaupt ist? Diese werden brav die Formel auswendig lernen, in der Klassenarbeit perfekt ableiten aber nicht wissen, was sie überhaupt gemacht haben. Jedes neue Themengebiet wird vermittelt, als wäre es etwas komplett anderes, als hätten Analysis und Geometrie nichts miteinander zu tun. Die Fähigkeit der Schüler Verknüpfungen herzustellen wird systematisch abgetötet.

Gerade im Bezug auf Mathematik erlebt man in der Schule eine Abkehr von Theorie und Abstraktheit. Alles muss praxisdienlich sein und kapitalistisch verwertbar. Genau wie schon das G8 ein Geschenk an die Industrie war, ist es die Verbannung von praktisch (noch) nicht verwertbarem Wissen. Die Gesellschaft ist mittlerweile so kapitalistisch geprägt, dass sie sofortige Ergebnisse fordert und „Effizienz“, die aber nur darin besteht, möglichst wenig Zeit aufzuwenden. Das Resultat ist, dass Wissen nicht verinnerlicht wird, sondern sofort durch den neuen Lernblock, der aufgetischt wird, verdrängt. Die Effizienz ist also auf lange Sicht ineffizient, denn das, was unser Bewusstsein ausmacht, assoziatives Denken, wird wegrationalisiert.

Das Schulsystem darf nicht nach den Maßstäben von Zeitersparnis und Rationalisierung ausgerichtet werden, wenn es wirklich Bildung vermitteln möchte. Das Bulimie-Lernen nutzt niemandem etwas, macht Abschlüsse wertlos und erschwert später den Einstieg in das Studium oder den Beruf, denn dort werden dann genau diese Kompetenzen gefordert, die zuvor wegrationalisiert wurden.

Ein weiterer großer Fehler des Systems ist, dass jede Leistung unbedingt verglichen werden muss. Pisa-Studien und Noten können höchstens näherungsweise bei der Leistungseinschätzung in einigen wenigen Disziplinen hilfreich sein. Auch hier wird aber wieder nur gemessen, was auch ein Computer leisten könnte. Jemand, der in sämtlichen abgefragten Bereichen der Mathematik gute Noten bekommt ist nicht automatisch ein guter Mathematiker. Euler, Gauß, Riemann, Cauchy, Ramanujan und andere große Mathematiker waren vor allem darum außergewöhnliche Wissenschaftler, weil sie Verknüpfungen herstellten und kreativ dachten. All das gilt auch für die anderen Wissenschaften. Das Problem ist für das System aber, dass kreatives Denken nicht in eine Zahl zu pressen ist. Mit dem Notensystem schaffte man die Grundlage einer angeblich objektiven Bewertung, darauf folgt aber, dass das wirklich Relevante verbannt werden muss, um „objektiv“ sein zu können.

Argumente gegen Legalisierung?

Ich bin durch einen Freund von dem ich sehr viel halte indirekt auf einen Artikel gestoßen, der mehrere Gegenargumente zur Legalisierung auflistet (den Artikel findet man hier). Recht überzeugen konnten mich die dort genannten Argumente allerdings nicht wirklich. Doch um fair zu bleiben, möchte ich sie hier noch einmal ausführlich diskutieren und einzig und alleine Belege und nachvollziehbare Logik sprechen lassen, ohne dabei provokant oder unsachlich zu werden.

Zuerst werden die möglichen Perspektiven zur Drogenpolitik unterschieden, in eine individuelle und eine gesellschaftliche.

aus der individuellen Perspektive gilt: Jeder Mensch muss selbst entscheiden, welche Drogen er konsumieren möchte. Kein außenstehender Mensch hat das Recht, diese Eigenverantwortung einzuschränken.

aus gesellschaftlicher Perspektive gilt: die Gesellschaft besteht aus einem recht engen Netzwerk. Wenn sich Personen absichtlich in Gefahr bringen und dies von der Gesellschaft „bezahlt“ werden muss, ist dies nicht akzeptabel. Jeder, dem schon einmal das Auto oder die Wohnung ausgeraubt wurde, oder der im Monat 1.000 DM an die Krankenkasse bezahlt (obwohl er immer kerngesund ist), wird dies spontan nachvollziehen können.

Es ist kein wirklich logischer Fehler, aber kritisieren möchte ich diese Anschauung dennoch. Denn „in Gefahr bringen“ ist relativ, wie schon in meinem vorigen Artikel angesprochen. Selbst wenn man mit diesem Argument Drogen wie Methamphetamin oder Alkohol verbieten könnte, so wäre es unlogisch, Reiten zu erlauben und MDMA zu verbieten (Siehe David Nutt, Equasy is more dangerous than Extasy). Die gesellschaftlichen Interessen sollten den elementaren Selbstbestimmungsrechten des Individuums auch niemals den Platz streitig machen, denn letztlich ist es das Individuum, dass das Funktionieren der Gesellschaft gewährleistet. Ein Individuum ist nicht gesellschaftsabhängig, andersrum gilt das schon.

Argument 1:
Die Zahl der Konsumenten würde steigen und damit auch die Zahl der Abhängigen.

Dieses Argument ist zumindest nach allen derzeitig verfügbaren Daten wirklich nur falsch. Zwar hat kein Land bisher alle Drogen LEGALISIERT, doch Portugal entkriminalisierte 2001 alle Drogen. Zuvor war Portugal der europäische Hardliner, vergleichbar mit den USA und hatte dadurch auch die meisten drogenbedingten AIDS-Todesfälle. Zudem war 1% der gesamten Bevölkerung heroinabhängig! (Siehe hier)

Nachdem man 2001 die Drogen entkriminalisierte, traten die Effekte ein, die im vorigen Link schon genauer erklärt wurden. Weniger Konsum, weniger Tote, weniger Süchtige, weniger HIV-Infektionen. Natürlich ging das mit anderen Veränderungen einher, z. B. einer besseren Aufklärung, doch die ließe sich ja gerade durch eine Legalisierung und damit weniger Polizeikosten/mehr Steuereinnahmen finanzieren.

Auch in den Niederlanden zeigen sich diese Effekte.

Argument 2:
Die kriminelle Szene würde weiter bestehen und möglicherweise stärker auf Einkommensquellen wie Kidnapping zurückgreifen.

Dieses Argument ist nicht ganz falsch, die allzu optimistische Ansicht, der Schwarzmarkt und die organisierte Kriminalität würden sich komplett auflösen, ist überzogen. Aber Kidnapping als Tagesgeschäft? Diese Vorstellung ist absurd, vor allem, da durch eine Legalisierung plötzlich eine große Menge von unnötiger Polizeiarbeit entfiele, die anderweitig solche Verbrechen effektiver verhindern und aufklären könnte. Durch Drogenhandel und den Handel mit Alkohol während der Prohibition ist die organisierte Kriminalität überhaupt erst groß geworden, die gesamten Kartelle in Mexiko und Südamerika existieren NUR deswegen. Klar, mit einer Legalisierung verschwinden diese Strukturen nicht, aber kein anderer Geschäftszweig ist ähnlich lukrativ wie der Handel mit verbotenen Substanzen. Wir haben es mit Gewinnspannen zu tun, die so hoch sind, dass es den Großdealern nichts ausmacht, wenn 10% ihrer Ware verloren geht!

Argument 3:
Die Kosten im Gesundheitssystem würden sich massiv erhöhen.

Da der Autor sich hier auf Argument 1 bezieht in dem behauptet wurde, der Konsum würde zunehmen, muss man hier nicht mehr weiter argumentieren, da die Basis falsch gelegt ist. Der Behauptung, dass bei mehr Menschen die konsumieren logischerweise auch mehr ein Problem damit bekämen ist aber auch davon unabhängig nicht richtig. Die Umstände eines Konsums unter legalen Bedingungen sind ganz andere und wie bei Alkohol und Tabak auch fällt problematischer Konsum dem Umfeld schneller auf. Aufklärung ist ohne Repressionen ebenso besser möglich.

Das mehr Menschen eine Therapie beginnen würden wenn Drogen legalisiert würden ist ein ziemlich wackliges Argument. Da der Konsum nicht unter Strafe steht gibt es auch unter repressiven Bedingungen für Konsumenten keinen Grund, nicht zu einer Therapie zu gehen, in solchen Fällen gibt es sogar meist Straffreiheit. Die größte Zahl der Abhängigen verteilt sich auf verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol und Tabak, die vergleichsweise wenigen Abhängigen von illegalen Substanzen werden kaum ins Gewicht fallen.

Argument 4:
Die Aufklärung würde nicht effektiver werden.

Als Beispiel müssen Tabak und Alkohol herhalten. Diese sind ja legal, darum müsste bei ihnen die Aufklärung besser funktionieren. Nun, bei Tabak tut es das auch. Die Zahl der Raucher ist rückläufig, denn hier wird auch aufgeklärt. Hinweise auf Verpackungen und Verkauf ab 18 Jahren, der zumindest einigermaßen gut funktioniert. Bei Alkohol dagegen haben wir eine Untergrenze von 16 Jahren und der Konsum darf in Fernsehen/Radio usw. grenzenlos beworben werden. Sogar viele der Aufklärungskampagnen behaupten, Alkohol gehöre auf Partys „schon irgendwie dazu“ (So erlebt bei einer „Aufklärung“ über Drogen UND Alkohol durch die Polizei. Selbst hartgesottene Legalisierungsgegner, die sich ein wenig informiert haben würden deren Äußerungen lachhaft finden). Hier wird kaum aufgeklärt, sondern eher traditionalisiert. Aufklärung funktioniert also, nur muss sie eben auch umgesetzt werden.

Argument 5:
Drogentourismus in Deutschland wäre die Folge und damit auch große Probleme.

Ja, nicht alle Menschen, die in die Niederlande zum Kiffen fahren sind freundliche Personen, die nur zum Eigenbedarf kaufen. Doch neben den Problemen profitieren viele eben auch von diesem Tourismus. Die dadurch importierte Kriminalität liegt weit unter der, die im eigenen Land „verloren geht“. Mit einfachen Regelungen, z. B. dem Vorzeigen eines Passes, der die Staatsbürgerschaft bestätigt, könnte man im schlimmsten Fall den Tourismus wieder eindämmen. Und ob man sich im eigenen oder im Ausland strafbar macht ist den (ausländischen) Kiffern vermutlich egal, die wenigsten würden so einen Aufwand also auf sich nehmen.

Argument 6:
Die Qualität der Substanzen muss nicht zwangsweise steigen.

Die genannten Beispiele überzeugen hier recht wenig. Ja, es gab Skandale wegen Rückständen in Nahrungsmitteln, Pestiziden, Antibiotika und vielem anderen. Aber diese Skandale wurden aufgedeckt, die Kontrollen verschärft und ein gewisses Maß an Kontrolle ist gegeben. Dass die Möglichkeit der Überprüfung nicht bei 100% sondern bei 80% liegt ist kein Argument, das Überprüfen sein zu lassen. Und bei schlechter Ware kann man bei einer Legalisierung den Verkäufer auf Schadensersatz verklagen und wird nicht noch weiter stigmatisiert und mit Problemen alleine gelassen. Die Qualität wird de facto steigen, sie wird nicht perfekt sein aber schon marginale Kontrollen verbessern sie im Vergleich zu gar keinen. Es ist wieder kein Argument gegen eine Legalisierung, sondern gegen zu viel Optimismus im Bezug auf diese.

Argument 7:
Eine Trennung der Märkte ist sinnlos.

Hier bezieht sich der Autor ausschließlich auf die Cannabis-Legalisierung. Und er hat Recht. Eine Legalisierung von Cannabis wird den Konsum „harter“ Drogen (was eine harte und eine weiche Droge sein soll konnte mir auch noch keiner definieren) nicht einschränken. Inwiefern das gegen eine Legalisierung spricht, wenn es weder Nach- noch Vorteile in diesem Bereich gibt, ist mir dabei schleierhaft. Eher hätte eine komplette Legalisierung Vorteile, weil der Dealer um die Ecke gar nichts mehr anbieten kann und der durchschnittliche Konsum sinkt.

Argument 8:
Die Politik würde durch eine Legalisierung nicht glaubwürdiger.

Auch hier geht’s nur um den Cannabis-Konsum. Ich erwähne das letzte Argument nur der Vollständigkeit halber, denn es ist irrelevant, ob die Politik glaubwürdiger wird oder nicht. Die Politik hat dafür zu sorgen, dass sie keinen unnötigen Schaden anrichtet und die Steuergelder sinnvoll investiert, ob es sie dabei glaubwürdiger macht oder nicht hat keine Bedeutung. Vor allem würde eine Legalisierung sie auch nicht unglaubwürdiger machen.

Fazit: Ich stimme dem Autor teilweise zwar zu, allerdings sprechen die Fakten meist nicht wirklich gegen eine Legalisierung. Einige Argumente ergeben zwar aus der Alltagslogik heraus Sinn, sind aber durch Beispiele in der Praxis vielfach widerlegt und die intuitive Logik versagt bei statistischen Aspekten ohnehin oft. Dennoch ist es gut, dass debattiert wird, je lebendiger eine Debatte, desto eher ist ein Fortschritt zu erwarten.

Der Fluch der Volksgesundheit

Wir leben in einer Gesellschaft, die das Streben nach dem Ideal der Schönheit, der Gesundheit und der Produktivität zum höchsten Gut erhoben hat. In einer Gesellschaft, die für die anderen „unproduktiv“ lebende Menschen nur Verachtung übrig hat. In einer Gesellschaft, in der man stolz darauf ist, sich ausbeuten zu lassen und sich nur dem anzupassen was die Mehrheit von einem verlangt. Wir opfern unsere Gesundheit dem Gesundheitswahn, unsere Freiheit dem aufgezwängten Wunsch nach Selbstständigkeit und unsere Bildung dem Wunsch nach akademischen Auszeichnungen.

Ich werde in anderen Texten auf das eingehen, was zusätzlich zum Gesundheitswahn genannt wurde und mich primär dem Thema der Gesundheit und dem Umgang damit in diesem Kollektiv widmen.

Mich stört schon lange die aggressive und ignorante Haltung, die gegenüber psychotropen Substanzen in nahezu jedem konservativen Hetzblatt (ausgenommen Alkohol, das ist schließlich ein „Genussmittel“, ein „Genussmittel“, dass eben gefährlicher ist als die bösen Drogen) propagiert und gepredigt wird. Auf diese Haltung möchte ich nicht weiter eingehen, dass das Drogenverbot falsch und schädlich ist haben diverse Artikel, Studien, Portugal usw. schon bewiesen. Nur ist diese Haltung nicht auf psychotrope Substanzen beschränkt, im Gegenteil, sie wird immer schlimmer!

Ich selbst bin Ex-Raucher und müsste darum, wenn es nach der Norm ginge arrogant auf die „dummen Raucher“ herabschauen, denen ja bloß die Disziplin fehlt, diesen zutiefst bösartigen Lebensstil hinter sich zu lassen. Ich hoffe, keiner hat geglaubt, dass dieser Satz gerade ernst gemeint war, doch schaut man sich an, wie mit Rauchern umgegangen wird, wird es sicher viele geben, die mir zugestimmt haben.

Gerade beim Rauchen ist es bemerkbar, wie Menschen, die eigentlich wenig Grund zur Arroganz haben auf Raucher herabschauen. „Wie dumm diese Menschen doch sind, die ruinieren sich ihre Gesundheit und ICH muss dann deren Kosten im Krankenhaus tragen.“ So viel ekelhafter Egoismus und so viel unbegründete Überheblichkeit in einem Satz, gepaart mit so wenig Ahnung von Suchtproblematiken ist typisch für die Vertreter dieser Richtung. Man gibt sich liberal und menschenfreundlich, spendet Almosen nach Afrika, möchte aber den Nachbarn an Lungenkrebs sterben lassen, da er selber Schuld sei, schließlich habe er einmal im Jahr an einer Zigarette gezogen.

Die Vertreter dieser Geistesrichtung, die schon lange die Köpfe der meisten erobert hat, merken meist nicht, dass ihre Ideologie an und für sich schon widersprüchlich ist. Man erhöht den Druck und den Zwang auf Individuen, sich der eigenen Gesundheit für die Gesellschaft zu widmen, aber spricht dann davon, dass man selbstverantwortlich sein soll. Sie sprechen sich für Drogenverbote aus, sagen aber, Drogenkonsumenten seien an möglichen Konsequenzen selbst Schuld. Im Umkehrschluss könnte man sagen, jeder Drogentote, der aufgrund von Streckmitteln starb müsste umgehend zu einer Anzeige wegen Totschlags bei den Gesundheitsfanatikern führen, die die repressive Politik wollen. Mir ist klar, dass das absurd ist, aber auf diesem argumentativen Level befinden wir uns derzeit. Mein Vorschlag ist nicht dümmer als der Vorschlag, Menschen zur Selbstverantwortung zu führen in dem man ihnen alles verbietet.

„Aber wer raucht/trinkt/whatever soll natürlich höhere Krankenkassenbeitrage zahlen!“ Was am Anfang wie ein guter Vorschlag klingt entpuppt sich schon bald als etwas, das in einem unübersichtlichen Bürokratie- und Überwachungsmonster mündet, welches die Kosten der Behandlung von Folgeschäden durch Übergewicht, Drogenkonsum oder was man eben sonst noch dämonisiert um ein Vielfaches übersteigen würde. Und wo zieht man die Grenze? Muss man sich nach jedem MCDonalds-Besuch für höhere Krankenkassenbeiträge registrieren? Muss man die Beiträge für Cannabis-Konsumenten ohne Veranlagungen zur Psychose senken, weil die gesundheitlichen Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen, wie bei vielen anderen Psychedelika auch? Nein, natürlich nicht, dass ginge schließlich jedem zu weit (zumindest hoffe ich das). Man kann jetzt einwenden, wie übertrieben diese Beispiele doch sind und dass keiner der Gesundheitsapostel so etwas jemals gefordert hat. Nur kann man bei einer Weltanschauung nicht postulieren, dass die logischen Konsequenzen nur bis zu einem gewissen Grad befolgt werden dürfen, denn dann ist das Weltbild inkonsistent und offenkundig ungeeignet für die Anwendung.

Diese kleine Ausführung legt nahe, was ohnehin jedem klar sein sollte … Das Weltbild des Gesundheitsfanatismus, der staatlich repressiv erzwungenen Volksgesundheit ist inkonsistent und nicht ansatzweise so rational wie es sich gibt. Viele nachweißlich schädlichen Verhaltensweisen werden nicht angegangen, da sie ja Tradition seien (und auch die größten Fanatiker nicht auf ihre eigenen Süchte und Räusche verzichten wollen) und eine Ausnahme nötig sei. Oder es wird eine angebliche Notwendigkeit postuliert, dass ein Stoff/eine Verhaltensweise „normal“/“unverzichtbar“ sei. In Wirklichkeit wird nur verleugnet, dass der Lebenswandel der größten Fürsprecher oftmals nicht gesünder ist als der des Normalverbrauchers.

Der Zweck ist auch hier wieder nur die Schaffung eines gesellschaftlichen Ideals. Durch permanente (Selbst-)Überwachung werden wir zu Gesundheitszombies gemacht. Gesundheit ist hier nur leider kein Selbstzweck, schließlich ist es nicht verwerflich, wenn man sich aus Gründen der Risikominimierung von psychotropen Substanzen, fettigem Essen usw. fernhält. Es ist zum Zwecke einer Gesellschaft, die die Lebensfreude des Individuums opfert zur Kostenminimierung, die den absoluten Egoismus und die Mitleidslosigkeit predigt und einen unmündigen Menschen schafft, der sich darin sonnt, angeblich selbstbestimmt zu sein, obwohl er unfrei ist.

Lasst euch Weed verschreiben!

Der provokative Titel mag vielleicht irre führen, hier geht es nicht darum, Ärzten Symptome vorzulügen um an medizinisches Cannabis zu kommen. Doch ist Cannabis bei vielen Krankheiten eine nebenwirkungsarme Alternative, eine gute Übersicht über mögliche Indikationen liefert hier der deutsche Hanfverband. Auch Symptome können durch regelmäßigen Cannabis-Konsum gelindert werden, wie zum Beispiel chronische Schmerzen oder Spasmen als Folge von neurodegenerativen oder Krebserkrankungen, im Gegensatz zu Opiaten/Opioiden/Benzodiazepine sind die Langzeitwirkungen schwächer.

Cannabis als Mittel gegen chronische Schmerzen bietet eine neue Substanzklasse in diesem Bereich. Da zwischen Opiaten und Opioiden eine Kreuztoleranz besteht ist es dringend notwendig, eine neue wirksame Stoffklasse anwenden zu können. Ärzte können bei diesen Schmerzen abwechselnd Schmerzmittel verschreiben, sodass auf Dauer keine große Toleranz aufgebaut und das Risiko einer Abhängigkeit vermindert wird.

Dass die Cannabis-Freigabe als Nebeneffekt sogar dafür sorgt, dass die Verschreibung von gefährlicheren Medikamenten abnimmt, ist übrigens an Colorado zu sehen. Auch nimmt die Zahl der Krankheitstage im Mittel ab, Cannabis scheint also allgemein gegen viele Zivilisationserkrankungen zu helfen. Dies ist in diesem Artikel nachzulesen. Eine Verschreibung von Cannabis wäre also sogar bei sonst gesunden Menschen vernünftig, da für die Krankenkassen sonstige Behandlungskosten wegfallen würden (Entzug bei Abhängigen von Opiaten und Benzodiazepinen, viele Schmerztherapien …). Da die Begründung des Verbots von Weed und anderen Drogen vom Bundesverfassungsgericht 1994 war, dass man die „Volksgesundheit“ schützen möchte, müsste man diesem logisch folgen und damit allen Menschen den Zugriff zu legalem Gras gewähren (das ist natürlich als Begründung für eine Legalisierung Blödsinn, aber recht lustig, was man aus juristischen Haarspaltereien alles ableiten kann. Eine Legalisierung ist aus ganz anderen Gründen angebracht als juristischen).

Doch warum sollte man sich jetzt primär Weed verschreiben lassen?

  1. Je mehr Menschen medizinisches Cannabis erhalten, desto mehr Ärzte merken auch, dass es sich hier um ein nebenswirkungsarmes und vielseitiges Medikament handelt. Damit steigert sich auch ihre Bereitschaft, es zu verschreiben, ebenso die der Krankenkassen, es zu genehmigen. Da derzeit viele Schwerkranke Menschen ihre hilfreiche Cannabis-Medizin nicht erhalten, weil noch viele Ärzte Vorurteile gegen sie haben und denken, die Nebenwirkungen wären unvertretbar, kann man seinen Anteil zu deren Hilfe leisten, indem man selbst für eine solche Medikation kämpft (natürlich nur, wenn man es wirklich sinnvoll gebrauchen kann). In Colorado (wie im vorher verlinkten Artikel zum Thema der Abnahme von Krankheitstagen usw. auch geschrieben wird) ist dieser Trend zu bemerken. Die dortigen Mediziner bevorzugen mittlerweile oft  Gras gegenüber den pharmazeutischen Stoffen.
  2. Je verbreiteter Weed ist, desto mehr wird auch in der Gesellschaft über wirkliche Gefahren bekannt. So wird eine esoterische Überbewertung von Cannabis ebenso unhaltbar, wie die Verteufelungen von CSU-Politikern ohne Faktenbasis oder einen Hauch von Ahnung. Für viele Jugendliche oder andere Konsumenten ist diese allgemeine Unwissenheit besonders gefährlich. Da mittlerweile den meisten bekannt ist, dass die Verteufelungen von Seiten der CSU und Co. mehr als übertrieben sind, ist auch die Bereitschaft groß, vom Gegenteil auszugehen. Auch wenn die meisten wissen, dass Cannabis nicht komplett ungefährlich ist, so wird durch mangelnde Aufklärung, Repression von Konsumenten und die offenkundige Lächerlichkeit vieler Gras-Mythen der Konsum von vielen unterschätzt. Eine realistische Gefahreneinschätzung wird nur durch mehr offenen Konsum (bzw. mehr Akzeptanz und damit auch mehr offene Diskussionen) und Aufklärung möglich.
  3. Weed hilft oft gegen mehrere Symptome und Krankheiten gleichzeitig. Ich möchte mir auch medizinisches Cannabis verschreiben lassen, da der große Vorteil für mich ist, gleich vier Symptome/Krankheiten auf einmal behandeln zu können. Sowohl gegen ADHS, Tics, Schlafstörungen und (regelmäßige) Kopfschmerzen würde es mir helfen. Momentan nehme ich Methylphenidat gegen ADHS und es hilft mir in den meisten Fällen sehr gut, jedoch haben meine Schlafstörungen und meine Tics eher zugenommen. Klar, von meinem Fall lässt sich nicht auf die Allgemeinheit schließen, aber da so viele Indikationen möglich sind (und weitere noch erforscht werden), ist es nicht unwahrscheinlich, in Zukunft nur noch ein Medikament schlucken zu müssen, dass zudem gut verträglich ist (in den meisten Fällen).

 

Die Pharmaindustrie bekämpft nachweißlich die Legalisierung von Cannabis, so werden Gegner einer Legalisierung, egal ob zum Freizeitkonsum- oder medizinischen Zwecken, von Pharmaunternehmen finanziert. In diesem Artikel wird das erläutert und nachgewiesen. Dies wird sicher nicht aus Interesse an einer Zunahme der gesunden Menschen in unserer Gesellschaft gemacht, an gesunden Menschen verdient man in diesem Bereich nämlich nicht. Es wird getan, weil Cannabis viele Medikamente zwar nicht überflüssig, aber dennoch weniger wichtig macht.

Es ist ein Mythos, dass Schmerzmittel und andere Stoffklassen komplett überflüssig würden, das sollte hier auch erwähnt werden. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Wenn jemand Weed nicht verträgt kann ihm ein pharmazeutisches Produkt durchaus besser bekommen. Aber Cannabis ist eine gute Alternative zu vielen dieser Produkten und eben hierfür sollte man es sich auch verschreiben lassen. Um eine etablierte Alternative zu vielen bekannten Stoffen auf dem Markt zu schaffen und die Pharmaindustrie zu zwingen, ihre Produkte zu verbessern.

1,3,7-Trimethylxanthin, die Horrordroge

Schon seit Längerem hat sich eine Stimulanz auf dem Markt etabliert. Sie fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und der Anteil an den jährlich konsumierten Drogen ist hoch und übertrifft in einigen Regionen schon den Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis. Dennoch sieht weder die Drogenbeauftragte noch sonst wer einen Grund zu handeln, obwohl TMX (abgekürzt = Trimethylxanthin) viele Nebenwirkungen aufweist, süchtig machen kann und von vielen regelmäßig konsumiert wird. Während Frau Mortler sonst den Konsum von Rauschgiften schnell eindämmt, scheint diese Substanz den wachsamen Augen der Drogenbehörden entgangen zu sein.

Was sind nun die Nebenwirkungen? Schon als Reinstoff ohne Streckmittel treten diese nicht zu knapp auf. Schon nach wenigen Tagen des Konsums kommt es zur Toleranzentwicklung, die Nervenzellen arbeiten immer langsamer und man wird müder. Diese Müdigkeit muss mit neuem Konsum bekämpft werden, wodurch der Drang zum Nachlegen entsteht. Im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Stimulanzien wie Amphetamin, Methamphetamin oder MPH kann TMX auch körperlich abhängig machen. Die körperlichen Entzugserscheinungen können bis zu neun Tage andauern. Sie beinhalten grippeähnliche Symptome, starke Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Depressionen, eine Veränderung der Theta-Wellen im Gehirn und Energieverlust. Eine Überdosierung kann zum Tod führen, bei Menschen mit Vorerkrankungen kann schon eine konsumübliche Dosis tödlich sein.

TMX ist mittlerweile zur am häufigsten konsumierten Stimulanz geworden. In Speed und Methamphetamin wird es oft als Streckmittel verwendet, da es günstig herzustellen und zu kaufen ist, eine ähnliche Farbe hat und nasal praktisch sofort wirksam ist.  Das schnelle Anfluten erhöht das Suchtpotential. TMX kann allerdings auch oral konsumiert werden und theoretisch auch gespritzt, diese Konsumform ist aber eher unüblich. Gefährlich ist auch, dass die Substanz so weit verbreitet ist. Da sie oft anderen Konsummitteln hinzugefügt wird, haben die meisten Menschen, oft auch ohne es zu wissen, Erfahrung mit ihr. TMX ist in allen gesellschaftlichen Schichten eine vielverwendete stimulative Substanz, nicht selten ist der Konsum täglich. Die Sucht beginnt schleichend und wird anfangs meist nicht bewusst erlebt. Wenn man die eigene Suchterkrankung erkennt ist sie meist schon weit fortgeschritten.

Auf Dauer steigt bei Konsum das Risiko für Diabetes-Typ-2. Das Psychoserisiko ist ebenso erhöht, auch können temporär Halluzination auftreten. Durch die stimulative Wirkung steigt der Blutdruck und die Herzfrequenz an. Der Körper wird in eine Flucht oder Kampf-Reaktion versetzt, also praktisch eine künstliche Panik, was auf Dauer sicher auch nicht gesund ist.

Dies ist ein Appell an Frau Mortler. Verbieten sie diese Substanz! Sie stellt ein ernstzunehmendes Risiko für die Sicherheit und die Volksgesundheit dar. Das Fremdschädigungspotential ist mit großer Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Ein Verbot ist hier definitiv die beste Lösung um den voranschreitenden Horror noch rechtzeitig aufzuhalten.

 

 

Nun fragt sich vermutlich der Leser, der andere meiner Beiträge zur Thematik der Drogenpolitik gelesen hat, weswegen dieser Meinungsumschwung? Ganz einfach, wer die Nebenwirkungen dieser Substanz kennt, kann nicht anders als sie verbieten zu wollen. Viele stimmen mir hier sicher zu. Und dann kann ich euch nur sagen: „Glückwunsch, sie haben grade Koffein verboten …“

 

Dieser Artikel sollte eines klarstellen … eine verkürzte Darstellung von Nebenwirkungen ohne das Aufzeigen von Differenzen der Dosierung, ohne die Erwähnung der positiven Effekte und mit einer scheinbar objektiven Ausdrucksweise, die alles ins falsche Licht rückt, lässt nahezu alles gefährlich wirken. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass Koffein eine relativ harmlose Alltagsdroge ist. Und das gilt für viele illegale Drogen genauso. Bei Cannabis, LSD, Pilzen, MDMA usw. ist es nur diese Form der Darstellung, die sie riskant erscheinen lässt. Sehr viel gefährlicher als Koffein sind diese Substanzen aber auch nicht.

Was Drogen gefährlich macht

Drogen sind in unserer Gesellschaft per se böse, ein vernünftiger Umgang mit psychotropen Substanzen scheint den meisten ausgeschlossen. Das verrät aber mehr über unsere Gesellschaft, als über die verteufelten Stoffe.

Wir leben in einem Kollektiv der Schwarmintelligenz. 95% der Menschen hierzulande haben im Prinzip, von Details abgesehen, das gleiche Weltbild und sind in Summe staatsunkritisch. Sie mögen den Staat kritisieren, aber tun das, falls überhaupt meist anhand von Verschwörungstheorien (der gute Staat wurde von bösen Kräften übernommen) oder, indem sie sagen, er greife noch zu wenig ein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir für andere arbeiten müssen und gleichzeitig uns selbst noch permanent „verbessern“ wollen. Verbessern ist aber nicht Anpassung an das eigene Gefühl des Ich-Seins und die Verstärkung dieser Einheit, sondern eine Angleichung an die Ansprüche der Gesellschaft, um sich nach einem harten Arbeitstag noch für zwei Stunden auf die teure Designer-Couch zu schmeißen, teuren Wein zu trinken. Am nächsten Tag kommt dann die verdrängte Ernüchterung wieder auf.

Und dieser kollektive Zwang betrifft niemanden, keine Gruppe und kein Subkollektiv alleine. Er umspannt uns alle und macht uns zu Sklaven einer Vorstellung, die uns mit der Muttermilch eingeflößt wurde. Wir müssen funktionieren und uns verbessern. Aber nicht, dafür, dass wir mit uns zufrieden sind, sondern, dass es die anderen sind. Man redet sich ein, es für sich selbst zu tun, doch in Wahrheit möchte man seine Autonomie beweisen, die man aber nicht besitzt und doch glaubt, man würde sie besitzen.

Was hat das alles nun mit den bösen Drogen zu tun? Ganz einfach, die Gesellschaft ist deren Kraft nicht gewachsen, weil sie sie nicht versteht. Der Politiker, der sich für den Arbeitstag Meth gönnt, der Arbeiter, der Abends zum Einschlafen sein Bierchen braucht, sie benutzen die Stoffe nicht als Hilfsmittel, sondern lassen sie das Ruder komplett übernehmen. Der Moment des Loslassens, das Abgeben der täglichen Anstrengung auf jemand anderen sei ihnen allen gegönnt. Und er wäre auch nicht weiter schädlich, wenn sie uns nicht zeigen würden, dass mit ihrer Hilfe (vor allem bei Stimulantien) der gesellschaftliche Anspruch mit Leichtigkeit erfüllt werden kann.

Damit wird die „Droge“ zum Mittel, anderen zu entsprechen. Man gibt die Kontrolle darüber aus, konsumiert nicht mehr bewusst und lässt einen Reflex aufkommen, der Die Erwartungen der anderen mit dieser Substanz verbindet. Würde man dagegen konsumieren, um für sich selbst eine schöne Zeit zu haben und sich wirklich bewusst sein, was man tut, verlöre die Substanz schon bald an ihrem Schrecken. So aber scheint sie zuerst der Engel zu sein, der einen befreit aus dem Kampf, der Gesellschaft zu gefallen, da er „die Arbeit“ übernimmt.

Drogensucht ist ein Phänomen einer Gesellschaft, die nicht lebenswert ist. Dass die drei häufigsten legalen Substanzen Nikotin, Koffein (Stimulantien) und Alkohol (Downer) allesamt keine wirklich psychedelischen und entheogenen (Das „Göttliche“ erkennen, mit dem „Ich“ ist es weniger esoterisch beschrieben) „Drogen“ sind, weißt auch wieder darauf hin, dass wir konsumieren, um zu funktionieren. Mit diesem Anspruch hinter dem Konsum wird er auch immer gefährlich sein. Jeder Drogenuser, der einigermaßen informiert ist, wird wissen, was mit Safer Use gemeint ist. In der Szene der drogenmündigen Menschen ist es Konsens, dass Selbstmedikation (Die Entheogene wie DMT, LSD, Psilocybin usw. möchte ich hier vorerst ausklammern) gefährlich ist und die Suchtgefahr um ein Vielfaches steigert.

Doch auch für die Gesellschaft ist der Konsum gefährlich. Vor allem die Psychedelika haben das Potential, Menschen, die bisher gut funktionierten, diesen inneren Zwang ausschalten. Sie brechen bekannte Raster und Muster auf, weswegen sie auch für die Suchtmedizin geeignet scheinen oder die Psychotherapie. Unsere Gesellschaft basiert aber darauf, dass Bekanntes repetitiv ins Unterbewusstsein eingeht und dort die Person dirigiert. Es stehen auch keine geheimen Mächte dahinter, es ist ein Prozess marktwirtschaftlicher Eigendynamik, eine dauerhafte Selbstmanipulation, die uns unterbewusst gefangen und unfrei hält.

Je mehr Menschen beginnen, diese Eigendynamik zu hinterfragen, desto mehr kommt auch der gesellschaftliche Entwurf ins Wanken und verliert seine Alternativlosigkeit. Das ist die Ursache der Angst vor den meisten Substanzen. Denn auch wenn jeder an dieser gesellschaftlichen Struktur in gewisser Hinsicht leidet, weil er eine Funktion übernehmen muss und nicht primär nach eigenen Vorstellungen lebt, so verteidigen wir unbewusst diese Hierarchie und den Selbstbetrug. Würden wir ihn nicht verteidigen würden wir auch zugeben müssen, nicht für uns gelebt zu haben und nur eine Marionette der eigenen Zwänge darstellten.

Substanzen sind nicht an sich gefährlich, egal welcher Natur. Sie alle haben ihre positiven als auch negativen Seiten. Dass die Gesellschaft in diesem Fall wieder einen Sündenbock erschafft, der von Grund aus dunkel und bösartig sein soll, passt hervorragend in die Systematik. Leistung wird als gut und positiv gewertet, der Leistungsdruck aber so hoch gesetzt, dass (fast) kein Mensch diesen ganz ohne Rückgriffe auf Hilfsmittel aushalten kann. Nun werden diese „Rauschgifte“ plötzlich zum alltäglichen Helfer, um die positive Rolle in den Augen der Gesellschaft ausfüllen zu können. Der immer weiter steigende Leistungsdruck korreliert dabei auch mit der Verbreitung des Substanzmissbrauchs (zugegeben, das Wort ist schwer zu definieren, unter Missbrauch könnte man einen Umgang mit Substanzen subsummieren, der mit irreparablen Schäden an Geist und Gesundheit einhergeht oder mit einer vergleichsweise großen Wahrscheinlichkeit einhergeht).

Seit Jahrtausenden wurden viele dieser Substanzen oder pflanzliche Analoga zu diesen von den Menschen genutzt, ohne jegliche Scham und Verteufelung. Die Verwendungen von Psilocybin und DMT sind älter als das Christentum und sollen dennoch nicht zur Kultur gehören? Warum sollten sich diese Substanzen innerhalb von ein paar Jahrzehnten von Rauschmitteln, die niemals für nennenswerte Schäden in der Gesellschaft verantwortlich waren, in mörderische Gifte verwandelt haben? Der Grund ist ganz einfach. Die Substanzen haben sich nie geändert. Unsere Gesellschaft ist nur noch kränker und zerstörter geworden. Und die Entheogene, die ein Umdenken und Ausbrechen aus diesem selbstzerstörerischen Kreis ermöglichen könnten, werden dabei verbannt und kriminalisiert.

Unterschätzte Treibhausgase

Im Rahmen der globalen Erwärmung hört man fast ausschließlich nur von CO2. Diese Fixierung macht die gut belegte Theorie des menschengemachten Klimawandels für Verschwörungstheorien angreifbar, die den Menschen aus seiner Verantwortung gegenüber der Natur und der Umwelt befreien, wie ich in meinem Artikel Die Klimalüge der Klimaleugner auch erwähnt habe.

Zuerst beginnen will ich mit Methan. Das Methan (CH4) als Treibhausgas wirkt und bis zu 35mal „effektiver“ als CO2 ist, wird schon in diesem Spiegelartikel aus dem Jahre 2009 erwähnt unter Bezugnahme auf eine Studie der Columbia University erwähnt. Methanaußstoß wird in großem Maße durch die Landwirtschaft verursacht, das Umweltbundesamt brachte vor wenigen Tagen einen Bericht heraus über die „vergessenen Treibhausgase,“ nämlich Methan und auch Lachgas (N2O), die allein von der deutschen Landwirtschaft ein Äquivalent von 67 Millionen TONNEN CO2 ausstießen.

Da der größte (menschengemachte) Anteil am Methanausstoß auf die Landwirtschaft zurück zu führen ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass Methan (und auch Lachgas, das häufig in Dünger zu finden ist, bzw. durch Reaktionen zwischen Stickstoff und Sauerstoff entsteht) kaum im Weltbild der meisten Aktivisten auftauchen. CO2 ist das Treibhausgas, welches vor allem auf moderne Technologie und die „Großindustrie“ zurückgeht und passt besser in das Feindbild, Moderne gegen Natur. An diesem Punkt wird wieder einmal gut belegt, dass der gewöhnliche Landwirt nicht der naturverbundene Landschaftspfleger und Naturfreund ist, sondern massiv in Ökosysteme eingreift und mit schädlichen Stoffen den eigenen Gewinn maximiert.

Dass CO2 so schädlich ist und unter seinen Konkurrenten heraussticht, 2015 und 2016 in einer Rekordkonzentration in der Atmosphäre vorlag, liegt daran, dass die früheren CO2-Neutralisierer immer weiter zerstört werden (große Wälder, Vergiftung der Meere …). Die Zerstörung großer Waldflächen für Landwirtschaft, vor allem die Viehhaltung minimiert damit einerseits die Fähigkeit des Planeten, CO2-Emissionen ausgleichen zu können und erhöht den Anteil an anthropogenem Methan, das schon jetzt zu 20% zum Klimawandel beiträgt!

Einen noch effektiveren Treibhauseffekt weißt neben dem Methan das Lachgas auf. Beliebt ist es nicht nur als Narkosemittel oder kurz wirksames Dissoziativum bei Konsumenten, sondern eben auch in der Landwirtschaft, als Dünger oder in der Viehhaltung. N20 hat eine Wirksamkeit, die der 298-fachen Wirkung von CO2 entspricht und verbleibt in der Atmosphäre für 114 Jahre, bis es effektiv abgebaut wurde. Lachgas greift daneben auch die Ozonschicht an, wie schon 2009 berichtet wurde.

Der Anteil von Lachgas am anthropogenen Klimawandel beträgt in etwa 5 – 6%, zusammen mit Methan machen nur diese beiden Stoffe schon einen Viertel des menschlichen Anteils am Klimawandel aus. Einzelne Kampagnen klären zwar über deren Gefährlichkeit aus, doch die öffentliche Fixierung auf CO2 bleibt dennoch erhalten.

Neben Lachgas und Methan gibt es allerdings noch Flourkohlenwasserstoffe, Flourchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die neben ihrem Treibhauseffekt äußerst aggressiv auf die Ozonschicht einwirken, welche zwar seit 1995 nur noch eingeschränkt verwendet werden dürfen, aber wegen ihres Potentials von bis zum 14.800fachen des CO2 und hoher Haltbarkeit noch ca. 10% zum gegenwärtigen Klimawandel beitragen (!!!). Deren Konzentration in der Atmosphäre ist allerdings seit 1999 leicht rückläufig, vor allem wegen der großen Einschränkung ihrer Verwendungsmöglichkeiten (da hier bereits gehandelt wurde, kann es aber schlecht zu den „vernachlässigten“ Klimafaktoren gezählt werden).

Die Fixierung auf CO2 birgt viele Gefahren. Zum einen macht sie die (richtige) Theorie des menschengemachten Klimawandels leicht angreifbar, da der CO2-Ausstoß eben nicht die einzige Ursache ist und dieses monokausale Weltbild von den meisten widerlegt werden kann, die mit dieser Zielsetzung beginnen, etwas zu recherchieren. Zum anderen schadet es der Umwelt, wenn man nur die politisch genehmen Faktoren bekämpft, alle anderen aber ignoriert, weil man es sich dann mit der Landwirtschaft versauen könnte.