Wie mich LSA verändert hat

Ich habe vor Kurzem einen LSA-Artikel hochgeladen, seitdem aber einen weiteren „Trip“ durchgeführt, bei dem ich acht Samen verwendete und diese in Alkohol eingelegt verwendete. Schon der erste wirklich bewusst wahrgenommene Trip schärfte dauerhaft meine Wahrnehmung, mein Empathiegefühl und veränderte meine Prioritäten. Ich fühlte mich glücklicher und erfüllter, so ausgeglichen wie noch nie zuvor. Es war mir nicht mehr wichtig, von anderen anerkannt zu sein und mich mit Erfolgen zu profilieren, vielmehr erkannte ich die Schönheit in den Dingen, die schon existierten, in der Natur und in den Wolken. Das Gefühl, viel mehr verstanden zu haben als zuvor mischt sich seltsamerweise aber mit einer neuen Bescheidenheit, der Erkenntnis, dass ich das neue Verständnis und das neue Glück, sowohl in der Liebe als auch der Selbstliebe, nicht einer herausragenden Intelligenz oder einer Überlegenheit verdanke, sondern dem Einfluß einer Substanz.

Dies wertet die Erkenntnis und das neue Lebensgefühl aber nicht ab, im Gegenteil. Es war, als hätte ich mich in einem dunklen Raum gefunden und selbst Jahre nach diesem Gefühl gesucht, den Lichtschalter und damit den weiteren Weg aber immer verfehlt. Das LSA schien wie eine Kerze gewesen zu sein und ermöglichte es mir, diesen Lichtschalter selbst zu finden. Substanzen haben meiner Erfahrung an sich nicht die Kraft, dieses Glückgefühl ohne eigenes Zutun zu implementieren, man muss sich ihrer Auswirkungen, ihres „Werkzeugs“ bedienen, um das zu finden, was das eigene Leben blockiert und stört.

Dieser letzte Trip aber (und es wird auch auf längere Zeit hinweg vermutlich der letzte bleiben, ein mächtiges Werkzeug inflationär zu gebrauchen raubt auf Dauer vermutlich sowohl das Interesse daran als auch die Wirksamkeit) war noch weitaus intensiver als alles jemals zuvor erlebte. Nach dem Einsetzen der Wirkung kam wieder dieses wolkige Gefühl auf und ich begann zu malen. Mein Farbenverständnis schien intuitiver zu sein, die Formen schienen sich selbst zu ziehen und meine Hand kam mir wie ein Werkzeug vor, um dem LSA zu ermöglichen, seine Visionen zu verbildlichen. Es war unmöglich, die Arbeit zu beenden. Nebenher lief das Tool-Video „Vicarious“ und ich hatte plötzlich das Gefühl, es komplett verstanden zu haben. Die Interpretation musste natürlich sofort aufgeschrieben werden, nachdem mein zweites Bild für meine Freundin fertiggestellt war. Es dauerte eine weitere Dreiviertelstunde und danach sank ich zurück auf die Couch. Mein Gehirn schien fast zu platzen, mir wurde schlecht, ein Gewitter aus Lichtblitzen feuerte hinter meinen Augenlidern und es blieb keine andere Option als das Licht und die Musik auszumachen und mich auf der Couch hinzulegen. Der unangenehme Zustand verflog aber sehr schnell wieder. Ich machte wieder Musik an und hörte Tool, Lucid Planet, Puscifer, Meshuggah und praktisch alles mögliche, das eine psychedelische Note aufwieß. Jedes Lied schien unglaublich viel Sinn zu ergeben und eine pulsierende Energie zu beinhalten.

Da es sich um eine extrem hohe Dosis gehandelt hat, waren meine Überlegungen weniger geleitet von der gesellschaftlichen Logik als von einem tiefen Bedürfnis. Entgegen aller Safer-Use-Regeln verließ ich nachts um drei alleine das Haus und begann, kaum dem Dorf entkommen, zu der Musik zu tanzen, die über Kopfhörer lief. Jeder Schritt und jede Bewegung kam mir wie geplant vor, geschmeidig, weich, irgendwie überirdisch und kraftvoll. Meine Eltern besitzen einen größeren Garten voll von Kirschbäumen außerhalb des Dorfes und zu diesem tanzte ich ekstatisch. Die Wolken und Äste, alles verband sich zu geometrischen Formen, nichts wirkte noch zufällig, sondern geplant (soll nicht bedeuten, dass ich jetzt an intelligent design oder so glaube). Diese Wahrnehmung spiegelte sich auch in meinem Inneren, nichts an meinem Denken oder Handeln kam mir noch unterbewusst vor und ich erkannte, dass es damit zu tun hatte, dass meine inneren Verletzungen nach Erfüllung von Außen verlangt hatten.

Ich legte mich ins Gras. Wolken, Äste, Gräser, Musik, die Kälte an meiner Haut, das Gefühl von Erkenntnis und Einheit mit allem war zu einer Symphonie verschmolzen, die mit allen Sinnen wahrgenommen wurde. Gewalt und Hass kam mir so fremd und unnatürlich, eigentlich richtiggehend widerlich und krank vor.

Die Visionen vertieften sich und die geometrische Wahrnehmung wurde unglaublich eindrucksvoll. Es war ein vertieftes 3D-Sehen. Die Bäume standen hintereinander und es wurde mir so klar wie noch nie zuvor, dass meine Sicht räumlich konstruiert ist. Das Universum ist grenzenlos und je nach Definition kann man seinen Mittelpunkt überall setzen. Mir kam es so vor, als würde es sich um mich drehen (nicht im narzisstischen Sinne) und die Ferne wurde erst wirklich zur Ferne. Gegenstände hoben sich so scharf wie noch nie zuvor voneinander ab, doch diese Trennung war nur so scharf um dabei deren Verbindung zu verdeutlichen. Alles kam mir getrennt vor und gleichzeitig eins.

Als mir kalt wurde ging ich wieder nach Hause, konnte aber nicht einschlafen. Die Gedanken rasten, der mentale Zustand schien so komplett und gesund zu sein wie nie zuvor. Mir wurde auch klar, dass dieses Erlebnis mich auf immer verändern würde. Seit diesem Trip, dessen direkte Einwirkung natürlich schon verschwunden ist, kommt mir die Welt viel interessanter vor, mein Interesse an allem möglichen ist einfach aus dem Nichts wieder aufgeflammt. Hat mich eine Blume zuvor nicht interessiert, so bestaune ich nun ihre Schönheit und ihre geometrische Struktur. Der schon zuvor extrem reduzierte Narzissmus ist verschwunden und Selbstkritik geht mir leicht von der Zunge, als wäre es ein Eigenlob.

Um einem Missverständnis vorzubeugen, LSA ist nicht ungefählich, sondern sollte mit Vorsicht probiert werden, wie alle Substanzen. Sie ist legal und kann auch legal konsumiert werden. Aber beachtet auf jeden Fall Set und Setting. Wenn es jemand bereits probiert hat, würde ich mich freuen, ob er/sie Ähliches zu berichten hat.

Legal Highs 6 (LSA)

Heute soll es um die natürliche Substanz Lysergsäureamid, eine Vorstufe des LSD’s, gehen. Der Trip soll dem LSD sehr ähnlich sein, nur weniger optisch, wohingegen der Mind Trip sogar stärker ausfallen kann (ich berichte hier natürlich nur von den Erfahrungen anderer, schließlich ist LSD eine illegale Droge und sollte aus Respekt vor unserer wohltätigen Regierung und der Polizei, dem Freund und Helfer, nicht konsumiert werden).

LSA selbst ist in Deutschland legal erhältlich als Bestandteil von frei verkäuflichen Pflanzen (Morning Glory, Hawaiianische Babyholzrose o. Ä. Weiterführende Literatur) und induziert eine sehr intensive „spirituelle“ Erfahrung. Wie auch bei anderen Tryptaminen wie Psilocin, DMT oder LSD können die Erfahrungen zu Erkenntnissen führen, die den Konsumenten langfristig und oft positiv verändern. Zu einem solchen Fall kam es bei meinem letzten LSA-Konsum in Form der hawaiianischen Holzrosen und vor allem von diesem Trip will ich berichten. Näheres zu LSA (auch Ergin genannt) erfahrt ihr hier.

Meine eigene Konsumerfahrung ist vielfältig, während mein erster Trip ausschließlich aus Übelkeit und seltsamen Sinnesempfindungen bestand, die schwer zu beschreiben sind, war der Letzte eine Erfahrung, die für mich seelisch und psychisch extrem heilsam war. Der Unterschied lag vor allem darin, dass ich beim Letzteren statt einer Dosis von 8 Samen der hawaiianischen Holzrose nur 6 nahm (bei potenten Samen immer noch eine hohe Dosis, fangt am besten mit 2 an!!!) und 5 Stunden lang davor nichts aß. Auch ist es wichtig, die flaumige Hülle um die Samen zu entfernen, diese selbst zu zerkleinern und 24 Stunden in Wasser/Alkohol einzulegen. Ergin ist wasserlöslich, die Flüssigkeit sorgt dafür, dass die Samen den Magen schneller passieren und minimieren dadurch die Übelkeit.

Da diese Tricks bei meinem ersten Konsum nicht bedacht wurden, werde ich ihn zur Beschreibung der Wirkung der hawaiianischen Holzrose auch nicht zu Rate ziehen. Er ist vielmehr ein Beispiel für die Unfähigkeit, die bekannten Safer Use-Regeln auch umzusetzen, da man es selbst ja „eh immer besser weiß.“

Ich konsumiert die sechs Samen abends und legte mich dann hin, über Kopfhörer lief das Album „Lucid Planet“ von der gleichnamigen Band. Erste Effekte traten nach etwas über einer halben Stunde auf, der Körper fühlte sich irgendwie „wolkig“ an und alles wirkte leichter. Die Musik erschien mir tiefsinniger, an der Decke waren Muster erkennbar, die schnell hin und her jagten. Was aber besonders beeindruckend war, war der Mind Trip, der sehr spirituelle und schöne Gedanken einbrachte, mich allerdings auch sehr schonungslos, gleichzeitig aber freundlich mit mir selbst konfrontierte. Mir wurde klar, wie ungesund mein ausufernder Konsum von Coffein, Downern und Tabak war, wie all das mich angriff und mir selbst im Weg stand. Ich fühlte mich sehr glücklich und erfüllt und hatte auf einmal auch die Gabe, den Menschen die ich hasste und die mich verletzt hatten, zu vergeben. Diese Gedanken traten in etwa eine Stunde nach dem Wirkungseintritt auf und dauerten an, bis ich nach einer weiteren einschlief.

Der interessanteste Teil begann aber erst mit dem Aufwachen am nächsten Tag. Ich lief draußen herum und sah in jeder Blume ein Kunstwerk der Natur, fühlte mich innerlich so ausgeglichen wie noch nie zuvor. Die Farben waren intensiv, doch nicht stechend scharf, sondern eher mild überzeichnet. Geräusche von überall schienen sich zu einem großen Musikstück zu ergänzen und das Gefühl einer All-Einheit dominierte meinen Verstand. Jede Pflanze und jedes Geräusch schien mir dabei aber Einsichten in mich selbst zu ermöglichen und erlaubte mir zu verstehen, was ich in meinem täglichen Leben falsch mache. Seit diesem Trip sind nun schon mehrere Tage vergangen und diese Einsichten halten auch nach dessen Abklingen an. Mein nicht unerheblicher Narzissmus und die selbstzerstörerischen Tendenzen treten nicht mehr auf seitdem und meine Fähigkeit zu Empathie und dem Eingestehen eigener Fehler ist wie potenziert.

Hier sehe ich auch das wertvolle therapeutische Potential psychoaktiver Tryptamine. Man bekommt einen gänzlich anderen Zugang zu sich selbst, wenn dieser genutzt wird, was in meinem Fall schon im Voraus geplant war, kann dieser verwendet werden um das an sich zu verstehen, was zuvor verborgen blieb.

Safer Use – es gibt keine risikofreie Nüchternheit

Der Titel ist zweifellos äußerst provokant gewählt. Doch ist es ein faktisch richtiger und überlegenswerter Einwand gegen die Propaganda der Gegner des Substanzkonsums. Tatsächlich hat jede Droge ihr Risiko, die einen mehr, die anderen weniger. Allerdings hat auch Nicht-Konsum seine Risiken. In der Welt beschreibt beispielsweise ein Artikel, dass regelmäßiger Koffeinkonsum das Alzheimer-Risiko senkt. Cannabis, besonders der Inhaltsstoff CBD (siehe http://amzn.to/2nh0l2w) oder auch als Gesamtes (siehe http://amzn.to/2mBewCl) wirkt krebsvorbeugend, blutdrucksenkend, antibiotisch usw. von den extremen Vorteilen des reinen CBD’s wollen wir dabei gar nicht erst anfangen (wen es doch interessiert, der sei noch einmal auf den vorigen Link zum CBD verwiesen oder auf das Video von Open Mind zu diesem Thema.) MDMA und LSD werden von vielen Psychiatern und Neurologen schon als mögliche Allheilmittel der Psychiatrie in Erwägung gezogen (Allheilmittel ist natürlich etwas übertrieben, zur Anwendung von MDMA in der Psychiatrie empfehle ich allerdings folgenden Vortrag zur medizinischen Anwendung von MDMA).

Diese Liste lässt sich noch ewig weiterführen, mit der Bekämpfung von Sucht mit Ibogain (http://amzn.to/2nh5kQG) das mögliche Potential (noch nicht ausreichen belegt, aber sehr wahrscheinlich) von Psilocybin-Pilzen bei Menstruationsbeschwerden, Clusterkopfschmerzen und psychischen Erkrankungen, sowie die traditionelle medizinsche Anwendung nahezu jeder psychoaktiven Substanz (definitiv die Lektüre wert! http://amzn.to/2nSWEmW).

Nun ist aber den meisten bekannt, dass Drogen und Medikamente eigentlich identisch sind von ihren Möglichkeiten her und allein die Tatsache dass Erstere verboten und Zweitere erlaubt sind unterscheidet diese Gruppen. Dennoch ist die Floskel auch unter drogenmündigen Menschen allgegenwärtig, es gäbe keinen risikofreien Konsum. Falsch ist das auch nicht, aber falsch ist die Annahme, dass das Nüchtern-Sein automatisch gesünder und risikofreier sei. Wäre dem so, wäre die Menschheit schon lange ausgestorben, denn der Konsum unserer Vorfahren kann mit Fug und Recht als ausufernd und exzessiv beschrieben werden.

Ich selbst bin es Leid, Menschen, die nichts konsumieren und das nach außen tragen mit einem Selbstverständnis, dadurch irgendwie disziplinierter zu sein, als vernünftiger und stärker zu verklären. Solche Menschen sind nicht stark. Sie sind meist uninformiert, weil sie 1. die Definition von Drogen meist nicht kennen und nicht wissen, dass auch der abendliche Fencheltee, das Baldriandragee und der Kaffee am Morgen dazu gehören, 2. nicht wissen, dass Drogen und Medikamente weitestgehend das Gleiche sind und 3. nicht wissen, dass viele Substanzen bei der Prävention von Krankheiten extrem hilfreich sind. Wir konsumieren täglich Drogen. Und nebenbei, gerade diejenigen, die so vehement gegen diese effektiven Hilfsmittel wettern schwören oft auf grünen Tee, zumindest meiner Erfahrung nach.

Die Menschheit hat von Beginn an begonnen, Pflanzen, Pilze und auch Tiere zu Rauschzwecken zu konsumieren. Substanzen ermöglichen Grenzerfahrungen und Perspektivwechsel, visionäres Verstehen der Gegenwart und sind damit die effektivste Triebfeder des Fortschritts. LSD und andere Psychedelika werden so auch oft verwendet, um intellektuelle Fragen unkonventionell zu lösen, wie in diesem Artikel berichtet wird. Leichte Upper wie Kaffee, die Kolanuss, der Teestrauch oder Mate erhöhen die Konzentration, Leistungsfähigkeit und beugen vielen demenzähnlichen Erkrankungen vor, da die später betroffenen Gehirnareale so mehr gefordert werden und dadurch vom Körper auch gestärkt. CBD wirkt neuroprotektiv, hat also sogar einen schützenden Effekt auf unser Gehirn. Die Menschen leben seit ihrer Entstehung in einer symbiontischen Beziehung zu psychoaktiven und anders wirksamen Substanzen, eine Beziehung, die auch nicht einfach aufgehoben werden kann. Wären diese Stoffe so körperfremd und unnatürlich (dies gilt AUCH für synthetische Drogen, natürlich heißt NICHT besser), dann würden sie gar keine Wirkung auslösen.

Wer komplett nüchtern sein will und auf jegliches Hilfsmittel verzichtet, der verzichtet auf Dinge, an die sich unser Körper im Laufe der Evolution anpasste. Ein Gehirn, dass z.B. über Jahrtausende dem Einfluß von Koffein ausgesetzt war (in nahezu jedem Kulturkreis) wird sich dessen Wirkung angepasst haben, vor allem auch, da die meisten Substanzen (im Gegensatz zum legalen Gift Alkohol) nicht von vorneherein aggressive Nervengifte sind. Es ist wie eine Symbiose … der Mensch braucht die Drogen. Die Drogen aber den Menschen nicht. Wir sollten nicht das bekämpfen, was den Menschen überhaupt zivilisiert machte.

Der Tumor des Verschwörungsglaubens

Wer sich von der Überschrift getriggert gefühlt hat, hat damit auch durchaus recht. Er bedient abstrahiert gesehen eine antisemitische Vorstellung, die gewisse Teile der Gesellschaft als krankhaft und ausselektierenswert betrachtet. Versteht man es dagegen eher bezogen auf das Wachstum, so wird auch klar, weswegen der moderne Verschwörungsglaube tatsächlich einem Tumor gleichkommt, er verbreitet sich aggressiv und schnell und lässt vom ursprünglichen „Gewebe“ nichts übrig. Denn bei Verschwörungstheorien handelt es sich genauso wie beim religiösen Fanatismus nicht um eine Meinung, sondern ein abgeschlossenes und pathologisches Weltbild (hiermit ist natürlich nicht jeder Esoteriker usw. gemeint, sondern wirkliche verbohrte Härtefälle). Einem Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen würde keiner eine wirkliche Meinung unterstellen, denn dieser ist de facto nicht in der Lage, seine Weltsicht zu überdenken, er hat sie auch nie angezweifelt.

Man tut diesen Menschen keinen Gefallen, wenn man sie unter dem Deckmäntelchen der Demokratie einfach Spinner sein lässt die man hin und wieder argumentativ abfertigen kann um der Welt zu demonstrieren wie gebildet und intellektuell man ist. Religiöser Wahn z. B. ist eine anerkannte Erkrankung und Richard Dawkins nannte eines seiner lehrreichen und interessanten Bücher nicht umsonst „The god delusion“ ( http://amzn.to/2mt4q6F ). In diesem Buch legt er das in sich selbst abgeschlossene und unwiderlegbare Weltbild religiöser Fundamentalisten dar und damit nicht nur die Grundlagen des Glaubens, sondern auch das Weltbild der Verschwörungstheoretiker. Ob es nun Freimaurer, Satanisten, Juden, Reptiloiden usw. sind, im Zentrum steht immer diese eine Macht, die alles kontrolliert. Also den ersten wichtigen Punkt des monotheistischen Glaubens, eine Konzentration aller Macht und allen Einflußes auf eine einzelne Kausalität.

Während Dawkins aus der fundamentalistisch-religiösen Sicht auf die Welt ihre Form der Immunisierung herausarbeitet, „die Wege des Herrn sind unergründlich“ und „Gott gehorcht keiner irdischen Logik“, so findet man diese in anderer Form auch wieder in Verschwörungstheorien. Hier verschleiern die Verantwortlichen durch grenzenlose Macht über die Medien und teilweise sogar Manipulation und Gedankenkontrolle (Das Gefühl nicht Herr der eigenen Gedanken zu sein ist oftmals Symptom einer paranoiden Schizophrenie) ihre Untaten und belügen die dumme Masse. Wieder sind die Ähnlichkeiten zwischen den Gedankensystemen bestechend und oftmals überschneiden sie sich auch. Vor allem im amerikanischen Raum besteht zwischen Evangelikalen und Verschwörungsgläubigen eine große Schnittmenge, beispielhaft könnte man Ron Paul und Alex Jones nennen, die einen großen Einfluß auf die dortige „Truther“-Bewegung haben.

Weswegen zog ich nun aber die Analogie zu einem Tumor? Die „Truther“-Bewegung und fanatische religiöse (monotheistische) Bewegungen haben eines gemeinsam: Ihren Anspruch, die alleinige Wahrheit zu vertreten und andere Ansichten zu verdrängen. Die verschwörungsgläubigen Weltbilder beruhen meist auf einer angenommenen Verschwörung gegen die breite Masse, die dem Untergang geweiht ist, falls sie nicht umkehrt, die Wahrheit erkennt und gegen „das Böse“ rebelliert. Jede entgegengesetzte Meinung wird darum nicht akzeptiert und KANN auch nicht akzeptiert werden, denn sie führt nach dieser Logik dazu, dass Millionen ins Verderben gestürzt werden. So gilt es auch im religiösen Weltbild. Der Tumor verdrängt gesundes Gewebe und setzt auf Ausbreitung ohne Rücksicht auf Verluste (die Analogie unterstellt einem reelen Tumor natürlich keinen bösen Willen), so auch der Verschwörungsglauben. Breitet er sich nicht aus, sondern trifft stattdessen auf Skeptiker, merkt der „Gläubige,“ dass er nicht als Retter gefeiert sondern als Spinner verlacht wird, so wird das Ganze gefährlich. Denn der Wahn, wirklich etwas Gutes zu tun und gegen reeles Unrecht vorzugehen macht sämtliche gesellschaftlichen Vorstellungen von moralischem und ethischem Miteinander zunichte. Die Vereinsamung radikalisiert, das Unverständnis verbittert … verschwörungstheoretische Überzeugungen können tatsächlich eine bloße Meinung sein, doch sie kippt leicht ins Pathologische. Eine Haltung, die sich jeder Diskussion enthält und allen „einfach ihre Meinung lässt“ kann in solchen Fällen dazu führen, dass ganze Leben zerstört werden.

Weltbilder und „Pizza“

Wie man sich denken kann geht es hier nicht wirklich um Pizza an sich, sondern um den neuen Track der von mir heißgeliebten Antilopen Gang.(Antilopen Gang – „Pizza“) Viele reagierten darauf als sei es ein reiner Spaßtrack ohne wirklichen Inhalt. Meiner Meinung nach setzt er sich aber durchaus ernsthaft mir verkürzten Weltbildern auseinander, wofür auch diverse Anspielungen im Video sprechen. Das Symbol der „heiligen Pizza“ ähnelt extrem dem der Church of Scientology, Koljah tritt am Anfang als Jonathan Frakes auf und der Pizza wird praktisch die Allmacht zugesprochen. Auch die Heilungsszene mit den „italienischen Oblaten“ deutet auf Sekten hin.

Was hier spaßeshalber mit Pizzen gemacht wird ist typisch für Menschen die die ganze Welt auf eine Kausalität reduzieren wollen. Ob Freimaurer, Illuminaten, das Weltjudentum, sie alle unterscheiden sich nennenswert von dem Thema des Tracks, sie besitzen nämlich jeden Einfluß und können die Welt retten oder zerstören, je nach Lust und Laune. Wer der Antilopen Gang Kommerzialisierung vorwirft versteht nicht, dass sie als mittlerweile bekannte Band auch andere Bilder verwenden müssen, zumindest ist es schlau das zu tun. Denn diese versteckte Bedeutung zeigt, dass mehr in ihrem neuen Album steckt als der partymäßige Klang erwarten lässt. Schon auf ihrem vorher veröffentlichten Track „Das trojanische Pferd“ spielen sie deutlich auf Verschwörungstheorien an, indem sie sich selbst als Metapher verwenden. Statt freimaurerischer Infiltrierung des Staates steht hier die Machtübernahme der Hörnergang.

All das scheint darauf hinzudeuten dass sich der Fokus des neuen Albums weniger auf die plumpen rechten Schreier sondern die pseudoaufgeklärten Neurechten richtet und gegen diese schießt. Gerade Koljah hat sich bereits oft diesem Thema gewidmet, so zum Beispiel in seinem Part des Tracks „Beate Zschäpe hört U2,“ in dem er allerdings sehr viel deutlichere Worte findet … das löste eine Welle des Internet-hates aus, dem man dieses mal dadurch entging, dass die Botschaft sehr viel verschlüsselter verpackt wurde. Nichtsdestotrotz zeigt auch „Pizza“ sehr deutlich, wie lächerlich es ist, Problemlösungsstrategien und Kausalitäten so simpel zu gestalten.

Nicht nur gegen die Verschwörungstheoretiker schießt der Track, sondern auch gegen jene, die nur ein Mittel kennen, um die „Welt zu retten.“ Diejenigen, die bei jedem Schlagloch, das nicht gestopft wurde, gleich rufen, dass die Flüchtlinge und deren Kosten Schuld daran sind, merken gar nicht, wie albern ihre monokausale Weltsicht ist. „Pizza“ ist sicherlich eine interessante Art, sich mit diesem Realitätssinn humorvoll auseinander zu setzen. Sehr schön und überraschend ist es, dass sich trotz des „Ankommens im Mainstream“ keine Tendenz zu weniger Biss und Scharfsinnigkeit abzeichnet. Darum ein großes Lob an die Antilopen.

Die böse Gentechnik

Naturschützer, Esoteriker, Faschisten und Linksradikale sind sich weitestgehend einig, was menschliche Eingriffe in den Verlauf der Evolution angeht. Sie wären durchweg falsch. Wie die meisten absoluten Aussagen ist auch diese falsch und einige richtige Argumente, wie sie z.B. in diesem Greenpeace-Artikel benannt werden, kann man auch von Kritikern hören. [1] Nichtsdestotrotz schafft es auch dieser recht gut recherchierte und argumentierende Text, sich selbst zu widersprechen.

„Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen beweisen bisher, dass jeweils genau das Gegenteil eingetreten ist. Mit der Verwendung von genmanipuliertem Saatgut konnten keine Ertragssteigerungen erzielt werden, und der Pestizideinsatz steigt mittelfristig sogar an.“

„Durch die Hintertür bekommen wir die Gentechnik allerdings doch aufgetischt. Denn: Lebensmittel wie Milch, Eier, Fleisch von Tieren, die gentechnisch verändertes Futter bekommen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden.“[1]

Man könnte sich fragen, wieso Landwirte gentechnisch veränderte Futterstoffe verwenden, wenn diese doch mehr Pestizide benötigen würden und darum teurer würden. Da scheinbar gen“manipuliertes“ Futter in einem Bereich verwendet wird, in dem es auf große Mengen zu günstigen Preisen ankommt, scheint der Effekt doch nicht so negativ zu sein. Eine Auswertung von 147 Studien zu diesem Thema kommt dabei zum gleichen Schluss wie die gerade angewandte Alltagslogik. [2]

Auch interessant ist die Frage, weswegen lediglich der menschliche Eingriff gefährlich sein soll. Mutationen sind alltäglich und Greenpeace schießt sich auch hier mit einer Aussage ins eigene Knie:

„So stimmt schon eine der Grundannahmen  der Gentechnik nicht: ein Gen habe nur eine Wirkung. Die Wissenschaftler können weder den genauen Ort, wo das Gen in die Erbsubstanz der Pflanze eingebaut wird, noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen und Proteinen gezielt steuern. Kein Wunder, dass es beim Anbau von Gen-Pflanzen immer wieder zu überraschenden Nebenwirkungen kommt: Die Stängel von Gen-Soja platzen bei Dürre und Hitze auf oder Gen-Pappeln blühten zum falschen Zeitpunkt.“ [1]

Erstens konnte ich keinen Wissenschaftler bei meinen Recherchen finden, der jemals behauptet hat, ein Gen hätte nur eine Wirkung. Aber selbst wenn man diese Aussage stehen lässt, so fragt man sich doch, worin die große Gefahr labortechnischer Mutationen besteht, wenn jeden Tag das Millionenfache auf natürlichem Weg passiert? Die Natur bedenkt Wechselwirkungen noch weitaus weniger als der Mensch, der sich unter anderem in freier Wildbahn vorkommender Bakterien zur Genmanipulation bedient. [3] In Süßkartoffeln wurde dieses Bakterium bei fast allen kultivierten Arten nachgewiesen, was bedeutet, dass deren Kultivierung auf eine „natürliche“ Form des Gentransfers zurückgeht. Eine ursprüngliche Infektion wilder Kartoffelarten führte zu ihrer Nutzbarkeit. Die Forscher hinter diesem Nachweis schrieben dazu:

„…This finding draws attention to the importance of plant–microbe interactions, and given that this crop has been eaten for millennia, it may change the paradigm governing the “unnatural” status of transgenic crops.“ [4]

Dabei legen sie den Finger in die Wunde, die die Gentechnik vermutlich trifft. Der ewige und falsche Gegensatz von „chemisch“ (gemeint ist eigentlich synthetisch) und natürlich. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, gezielte Mutationen seien gefährlicher als zufällige. Der Mensch weiß sogar etwas mehr als der Zufall über die Funktionsweisen der Gene, was die Sicherheit eher noch steigert, wenn auch nur ein bisschen.

Andere Argumente gegen die Gentechnik sind allgemeiner Art und können gegen fast jede Technologie in Anschlag gebracht werden. Das Potential zum Missbrauch ist sowohl bei Gentechnik vorhanden, als auch bei dem Bremsenreiniger Butandiol 1,4 (Ersatzstoff zu GBL/GHB, Liquid Ecstasy und im Gegensatz zu diesen legal erhältlich), sowie bei jeder Forschung an pathogenen Bakterien (man kann mit den Ergebnissen sowohl heilen, als auch waffenfähige Erreger herstellen). Wenn Monsanto seinen Einfluss ausnutzen kann, hat das nichts mit Gentechnik zu tun, sondern mit einer Monopolisierung.

 

[1] https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/gentechnik

[2] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gentechnik-eine-ueberraschende-auswertung-von-147-studien-13250070.html

[3] http://www.spektrum.de/wissen/was-sie-ueber-gentechnisch-veraenderte-pflanzen-wissen-sollten/1347171

[4] http://www.pnas.org/content/112/18/5844

Der kiffende Aluhut

Cannabis, genauer gesagt das Verbot von THC, erobert sich derzeit eine Vorreiterstellung im „Big-Pharma“-Bashing. Ein „interessanter“ Artikel zu diesem Thema stammt von dem bekannten Verschwörungs-Blog „Schall-und-Rauch.“ [1] Wie es für Verschwörungstheoretiker typisch ist, sind auch hier die gewöhnlichen logischen Fehler zu finden, so wird von einer geheimen Unterredung der profitgierigen Firmenbosse geschrieben, bei der aber weder geklärt wird, wie sie davon erfahren konnten, noch weiterführende Quellen. Dagegen werden zuhauf Aussagen belegt, die ohnehin niemand bestritten hat.

Das Interessante aber dabei sind nicht die Verschwörungstheorien selbst, die sind so wie immer, eine Hand voll kaltherziger Bonzen achtet weder Natur noch Gewissen und beutet das arme Volk aus. Interessanter ist vielmehr das Verhältnis von Verschwörungstheorien zu psychedelischen Drogen.

„In den Filmen wurden gewalttätige Drogensüchtige gezeigt, unheilbare Wahnsinnige, Seelen zerstörende Folgeerscheinungen, unter dem Einfluss von Drogen die Ermordung ganzer Familien mit einer Axt, und es wurde behauptet Marihuana wäre tödlicher und zerstörerischer als Heroin und Kokain!

Der Film „Reefer Madness“ schloss nicht wie üblich mit dem Wort ENDE, sondern zeigte plakativ ganz gross: SAGT ES EUREN KINDERN.

Genau wie heute waren die Menschen in den 30ger Jahren sehr naiv, bis hin zur totalen Ignoranz. Die Massen waren wie Schafe, die von der kleinen Gruppe an der Macht geführt wurde, genau wie heute. Sie haben nicht die Obrigkeit in Frage gestellt, genau wie heute. Was in der Zeitung stand und im Radio kam, glaubten sie aufs Wort, … ja genau wie heute. Sie erzählten diese Schauergeschichten ihren Kindern, die es wiederum ihren Kindern erzählten, so wurde eine Generation nach der anderen gegen Marihuana, bzw. Hanf komplett Gehirn gewaschen.“ [1]

Erstens einmal wieder die selbstgerechte Behauptung darüber, wie naiv doch alle anderen sind. In einer Zeit, in der die Masse schon über die „Lügenpresse“ jammert, noch zu behaupten, die Mehrheit würde alles aus den Medien glauben, erfordert eine Realitätsentfremdung, deren Grund man schon als die Affinität zu Cannabis deuten könnte. Natürlich ist Marihuana nicht die Killerdroge, nach deren einmaligem Konsum man seine Zukunft verbaut, doch ungefährlich sind sie auch nicht. Die Gefahr einer Cannabispsychose besteht [2], auch wenn eine Risikoverdoppelung bei einem Erkrankungsrisiko von 1% erst einmal dramatischer klingt, als es ist, bei stärkeren Sorten kann es sich auch auf 3% erhöhen [3].

„Auch die Medizin könnte große Heilerfolge mit Hanf bewirken, so wie es über die Jahrtausende war. Aber dagegen sind selbstverständlich die Pharmakonzerne, welche uns mit Chemiebomben lieber als Dauerpatienten nicht heilen, sondern nur behandeln will. Dabei hat Hanf beindruckende Heilungseigenschaften. Das wäre viel zu einfach und würde Big-Pharma die Profite schmälern. [1]“

Sehr amüsant nur, dass aber gerade die Krankenkassen die Legalisierung von medizinischem Hanf blockieren, also die Gegenspieler der Unternehmen und der Apothekerverband, der schließlich die vertritt,die das Geld mit diesen „Chemiebomben“ machen, dafür kämpfen. [4] Auch Tetrahydrocannabinol ist eine Chemikalie und ob sie nun im Labor hergestellt und als Tablette verabreicht oder auf einer Pflanze wächst und vaporisiert wird ist im Endeffekt egal. Weswegen sollte die Pharmaindustrie etwas dagegen haben, ein neues Medikament auf den Markt zu bringen?

Cannabis wirkt in den meisten Bereichen als palliatives oder vorbeugendes Medikament. [5] Vermutlich wirkt es antikanzerogen, das Risiko auf Lungenkrebs und Lebertumore wurde tatsächlich gesenkt. Ein bereits wachsender Tumor oder gar Metastasen sprechen aber wahrscheinlich nicht mehr darauf an. Eher wird das Wachstum verlangsamt.

Die Konzerne könnten in der Tat einen großen Profit aus der Legalisierung ziehen. Die Preisentwicklung hatte auch noch nie etwas mit den realen Herstellungskosten zu tun, sie wurde nach der Intensität der Nachfrage bemessen.

Verschwörungstheoretiker sind häufig auch esoterisch veranlagt, zwischen den Glaubenssystemen herrschen rege Überschneidungen. In ihrer Ideologie und Denkweise fällt ein logischer Fehler schnell auf, der Gedanke, dass „chemisch“ und „natürlich“ Gegensätze wären, was sie aber nicht sind. Ein THC-Molekül aus dem Labor entspricht vollkommen einem THC-Molekül, dass von einer Pflanze synthetisiert wurde. Auf diesem Wiederspruch baut aber ihr System auf. Das Künstliche steht gegen das Natürliche, das Künstliche ist dabei kapitalistisch, es ist abstrakt und global, das  Natürliche frühsozialistisch, verständlich, national und klein. So erklärt sich auch die Angst vieler Menschen vor synthetischen Drogen. Dabei ist reines Chrystal Meth (Pervitin) vermutlich leichter zu handhaben als der überaus natürliche Fliegenpilz, der ein starkes Delirantium ist.

 

[1] http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2009/05/warum-die-wunderpflanze-hanf-verboten.html

[2] http://www.drugcom.de/aktuelles-aus-drogenforschung-und-drogenpolitik/11-03-2011-langzeitstudie-cannabis-foerdert-psychotische-symptome/

[3] http://www.spektrum.de/news/foerdert-ausschweifender-cannabiskonsum-psychosen/1333477

[4] https://hanfverband.de/nachrichten/news/gesetzentwurf-zu-cannabis-als-medizin-die-widerstaende-der-interessenverbaende

[5] http://www.spektrum.de/wissen/heilung-und-wahn-cannabis-als-droge-und-medizin/1341586