Argumente gegen Legalisierung?

Ich bin durch einen Freund von dem ich sehr viel halte indirekt auf einen Artikel gestoßen, der mehrere Gegenargumente zur Legalisierung auflistet (den Artikel findet man hier). Recht überzeugen konnten mich die dort genannten Argumente allerdings nicht wirklich. Doch um fair zu bleiben, möchte ich sie hier noch einmal ausführlich diskutieren und einzig und alleine Belege und nachvollziehbare Logik sprechen lassen, ohne dabei provokant oder unsachlich zu werden.

Zuerst werden die möglichen Perspektiven zur Drogenpolitik unterschieden, in eine individuelle und eine gesellschaftliche.

aus der individuellen Perspektive gilt: Jeder Mensch muss selbst entscheiden, welche Drogen er konsumieren möchte. Kein außenstehender Mensch hat das Recht, diese Eigenverantwortung einzuschränken.

aus gesellschaftlicher Perspektive gilt: die Gesellschaft besteht aus einem recht engen Netzwerk. Wenn sich Personen absichtlich in Gefahr bringen und dies von der Gesellschaft „bezahlt“ werden muss, ist dies nicht akzeptabel. Jeder, dem schon einmal das Auto oder die Wohnung ausgeraubt wurde, oder der im Monat 1.000 DM an die Krankenkasse bezahlt (obwohl er immer kerngesund ist), wird dies spontan nachvollziehen können.

Es ist kein wirklich logischer Fehler, aber kritisieren möchte ich diese Anschauung dennoch. Denn „in Gefahr bringen“ ist relativ, wie schon in meinem vorigen Artikel angesprochen. Selbst wenn man mit diesem Argument Drogen wie Methamphetamin oder Alkohol verbieten könnte, so wäre es unlogisch, Reiten zu erlauben und MDMA zu verbieten (Siehe David Nutt, Equasy is more dangerous than Extasy). Die gesellschaftlichen Interessen sollten den elementaren Selbstbestimmungsrechten des Individuums auch niemals den Platz streitig machen, denn letztlich ist es das Individuum, dass das Funktionieren der Gesellschaft gewährleistet. Ein Individuum ist nicht gesellschaftsabhängig, andersrum gilt das schon.

Argument 1:
Die Zahl der Konsumenten würde steigen und damit auch die Zahl der Abhängigen.

Dieses Argument ist zumindest nach allen derzeitig verfügbaren Daten wirklich nur falsch. Zwar hat kein Land bisher alle Drogen LEGALISIERT, doch Portugal entkriminalisierte 2001 alle Drogen. Zuvor war Portugal der europäische Hardliner, vergleichbar mit den USA und hatte dadurch auch die meisten drogenbedingten AIDS-Todesfälle. Zudem war 1% der gesamten Bevölkerung heroinabhängig! (Siehe hier)

Nachdem man 2001 die Drogen entkriminalisierte, traten die Effekte ein, die im vorigen Link schon genauer erklärt wurden. Weniger Konsum, weniger Tote, weniger Süchtige, weniger HIV-Infektionen. Natürlich ging das mit anderen Veränderungen einher, z. B. einer besseren Aufklärung, doch die ließe sich ja gerade durch eine Legalisierung und damit weniger Polizeikosten/mehr Steuereinnahmen finanzieren.

Auch in den Niederlanden zeigen sich diese Effekte.

Argument 2:
Die kriminelle Szene würde weiter bestehen und möglicherweise stärker auf Einkommensquellen wie Kidnapping zurückgreifen.

Dieses Argument ist nicht ganz falsch, die allzu optimistische Ansicht, der Schwarzmarkt und die organisierte Kriminalität würden sich komplett auflösen, ist überzogen. Aber Kidnapping als Tagesgeschäft? Diese Vorstellung ist absurd, vor allem, da durch eine Legalisierung plötzlich eine große Menge von unnötiger Polizeiarbeit entfiele, die anderweitig solche Verbrechen effektiver verhindern und aufklären könnte. Durch Drogenhandel und den Handel mit Alkohol während der Prohibition ist die organisierte Kriminalität überhaupt erst groß geworden, die gesamten Kartelle in Mexiko und Südamerika existieren NUR deswegen. Klar, mit einer Legalisierung verschwinden diese Strukturen nicht, aber kein anderer Geschäftszweig ist ähnlich lukrativ wie der Handel mit verbotenen Substanzen. Wir haben es mit Gewinnspannen zu tun, die so hoch sind, dass es den Großdealern nichts ausmacht, wenn 10% ihrer Ware verloren geht!

Argument 3:
Die Kosten im Gesundheitssystem würden sich massiv erhöhen.

Da der Autor sich hier auf Argument 1 bezieht in dem behauptet wurde, der Konsum würde zunehmen, muss man hier nicht mehr weiter argumentieren, da die Basis falsch gelegt ist. Der Behauptung, dass bei mehr Menschen die konsumieren logischerweise auch mehr ein Problem damit bekämen ist aber auch davon unabhängig nicht richtig. Die Umstände eines Konsums unter legalen Bedingungen sind ganz andere und wie bei Alkohol und Tabak auch fällt problematischer Konsum dem Umfeld schneller auf. Aufklärung ist ohne Repressionen ebenso besser möglich.

Das mehr Menschen eine Therapie beginnen würden wenn Drogen legalisiert würden ist ein ziemlich wackliges Argument. Da der Konsum nicht unter Strafe steht gibt es auch unter repressiven Bedingungen für Konsumenten keinen Grund, nicht zu einer Therapie zu gehen, in solchen Fällen gibt es sogar meist Straffreiheit. Die größte Zahl der Abhängigen verteilt sich auf verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol und Tabak, die vergleichsweise wenigen Abhängigen von illegalen Substanzen werden kaum ins Gewicht fallen.

Argument 4:
Die Aufklärung würde nicht effektiver werden.

Als Beispiel müssen Tabak und Alkohol herhalten. Diese sind ja legal, darum müsste bei ihnen die Aufklärung besser funktionieren. Nun, bei Tabak tut es das auch. Die Zahl der Raucher ist rückläufig, denn hier wird auch aufgeklärt. Hinweise auf Verpackungen und Verkauf ab 18 Jahren, der zumindest einigermaßen gut funktioniert. Bei Alkohol dagegen haben wir eine Untergrenze von 16 Jahren und der Konsum darf in Fernsehen/Radio usw. grenzenlos beworben werden. Sogar viele der Aufklärungskampagnen behaupten, Alkohol gehöre auf Partys „schon irgendwie dazu“ (So erlebt bei einer „Aufklärung“ über Drogen UND Alkohol durch die Polizei. Selbst hartgesottene Legalisierungsgegner, die sich ein wenig informiert haben würden deren Äußerungen lachhaft finden). Hier wird kaum aufgeklärt, sondern eher traditionalisiert. Aufklärung funktioniert also, nur muss sie eben auch umgesetzt werden.

Argument 5:
Drogentourismus in Deutschland wäre die Folge und damit auch große Probleme.

Ja, nicht alle Menschen, die in die Niederlande zum Kiffen fahren sind freundliche Personen, die nur zum Eigenbedarf kaufen. Doch neben den Problemen profitieren viele eben auch von diesem Tourismus. Die dadurch importierte Kriminalität liegt weit unter der, die im eigenen Land „verloren geht“. Mit einfachen Regelungen, z. B. dem Vorzeigen eines Passes, der die Staatsbürgerschaft bestätigt, könnte man im schlimmsten Fall den Tourismus wieder eindämmen. Und ob man sich im eigenen oder im Ausland strafbar macht ist den (ausländischen) Kiffern vermutlich egal, die wenigsten würden so einen Aufwand also auf sich nehmen.

Argument 6:
Die Qualität der Substanzen muss nicht zwangsweise steigen.

Die genannten Beispiele überzeugen hier recht wenig. Ja, es gab Skandale wegen Rückständen in Nahrungsmitteln, Pestiziden, Antibiotika und vielem anderen. Aber diese Skandale wurden aufgedeckt, die Kontrollen verschärft und ein gewisses Maß an Kontrolle ist gegeben. Dass die Möglichkeit der Überprüfung nicht bei 100% sondern bei 80% liegt ist kein Argument, das Überprüfen sein zu lassen. Und bei schlechter Ware kann man bei einer Legalisierung den Verkäufer auf Schadensersatz verklagen und wird nicht noch weiter stigmatisiert und mit Problemen alleine gelassen. Die Qualität wird de facto steigen, sie wird nicht perfekt sein aber schon marginale Kontrollen verbessern sie im Vergleich zu gar keinen. Es ist wieder kein Argument gegen eine Legalisierung, sondern gegen zu viel Optimismus im Bezug auf diese.

Argument 7:
Eine Trennung der Märkte ist sinnlos.

Hier bezieht sich der Autor ausschließlich auf die Cannabis-Legalisierung. Und er hat Recht. Eine Legalisierung von Cannabis wird den Konsum „harter“ Drogen (was eine harte und eine weiche Droge sein soll konnte mir auch noch keiner definieren) nicht einschränken. Inwiefern das gegen eine Legalisierung spricht, wenn es weder Nach- noch Vorteile in diesem Bereich gibt, ist mir dabei schleierhaft. Eher hätte eine komplette Legalisierung Vorteile, weil der Dealer um die Ecke gar nichts mehr anbieten kann und der durchschnittliche Konsum sinkt.

Argument 8:
Die Politik würde durch eine Legalisierung nicht glaubwürdiger.

Auch hier geht’s nur um den Cannabis-Konsum. Ich erwähne das letzte Argument nur der Vollständigkeit halber, denn es ist irrelevant, ob die Politik glaubwürdiger wird oder nicht. Die Politik hat dafür zu sorgen, dass sie keinen unnötigen Schaden anrichtet und die Steuergelder sinnvoll investiert, ob es sie dabei glaubwürdiger macht oder nicht hat keine Bedeutung. Vor allem würde eine Legalisierung sie auch nicht unglaubwürdiger machen.

Fazit: Ich stimme dem Autor teilweise zwar zu, allerdings sprechen die Fakten meist nicht wirklich gegen eine Legalisierung. Einige Argumente ergeben zwar aus der Alltagslogik heraus Sinn, sind aber durch Beispiele in der Praxis vielfach widerlegt und die intuitive Logik versagt bei statistischen Aspekten ohnehin oft. Dennoch ist es gut, dass debattiert wird, je lebendiger eine Debatte, desto eher ist ein Fortschritt zu erwarten.

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Der Fluch der Volksgesundheit

Wir leben in einer Gesellschaft, die das Streben nach dem Ideal der Schönheit, der Gesundheit und der Produktivität zum höchsten Gut erhoben hat. In einer Gesellschaft, die für die anderen „unproduktiv“ lebende Menschen nur Verachtung übrig hat. In einer Gesellschaft, in der man stolz darauf ist, sich ausbeuten zu lassen und sich nur dem anzupassen was die Mehrheit von einem verlangt. Wir opfern unsere Gesundheit dem Gesundheitswahn, unsere Freiheit dem aufgezwängten Wunsch nach Selbstständigkeit und unsere Bildung dem Wunsch nach akademischen Auszeichnungen.

Ich werde in anderen Texten auf das eingehen, was zusätzlich zum Gesundheitswahn genannt wurde und mich primär dem Thema der Gesundheit und dem Umgang damit in diesem Kollektiv widmen.

Mich stört schon lange die aggressive und ignorante Haltung, die gegenüber psychotropen Substanzen in nahezu jedem konservativen Hetzblatt (ausgenommen Alkohol, das ist schließlich ein „Genussmittel“, ein „Genussmittel“, dass eben gefährlicher ist als die bösen Drogen) propagiert und gepredigt wird. Auf diese Haltung möchte ich nicht weiter eingehen, dass das Drogenverbot falsch und schädlich ist haben diverse Artikel, Studien, Portugal usw. schon bewiesen. Nur ist diese Haltung nicht auf psychotrope Substanzen beschränkt, im Gegenteil, sie wird immer schlimmer!

Ich selbst bin Ex-Raucher und müsste darum, wenn es nach der Norm ginge arrogant auf die „dummen Raucher“ herabschauen, denen ja bloß die Disziplin fehlt, diesen zutiefst bösartigen Lebensstil hinter sich zu lassen. Ich hoffe, keiner hat geglaubt, dass dieser Satz gerade ernst gemeint war, doch schaut man sich an, wie mit Rauchern umgegangen wird, wird es sicher viele geben, die mir zugestimmt haben.

Gerade beim Rauchen ist es bemerkbar, wie Menschen, die eigentlich wenig Grund zur Arroganz haben auf Raucher herabschauen. „Wie dumm diese Menschen doch sind, die ruinieren sich ihre Gesundheit und ICH muss dann deren Kosten im Krankenhaus tragen.“ So viel ekelhafter Egoismus und so viel unbegründete Überheblichkeit in einem Satz, gepaart mit so wenig Ahnung von Suchtproblematiken ist typisch für die Vertreter dieser Richtung. Man gibt sich liberal und menschenfreundlich, spendet Almosen nach Afrika, möchte aber den Nachbarn an Lungenkrebs sterben lassen, da er selber Schuld sei, schließlich habe er einmal im Jahr an einer Zigarette gezogen.

Die Vertreter dieser Geistesrichtung, die schon lange die Köpfe der meisten erobert hat, merken meist nicht, dass ihre Ideologie an und für sich schon widersprüchlich ist. Man erhöht den Druck und den Zwang auf Individuen, sich der eigenen Gesundheit für die Gesellschaft zu widmen, aber spricht dann davon, dass man selbstverantwortlich sein soll. Sie sprechen sich für Drogenverbote aus, sagen aber, Drogenkonsumenten seien an möglichen Konsequenzen selbst Schuld. Im Umkehrschluss könnte man sagen, jeder Drogentote, der aufgrund von Streckmitteln starb müsste umgehend zu einer Anzeige wegen Totschlags bei den Gesundheitsfanatikern führen, die die repressive Politik wollen. Mir ist klar, dass das absurd ist, aber auf diesem argumentativen Level befinden wir uns derzeit. Mein Vorschlag ist nicht dümmer als der Vorschlag, Menschen zur Selbstverantwortung zu führen in dem man ihnen alles verbietet.

„Aber wer raucht/trinkt/whatever soll natürlich höhere Krankenkassenbeitrage zahlen!“ Was am Anfang wie ein guter Vorschlag klingt entpuppt sich schon bald als etwas, das in einem unübersichtlichen Bürokratie- und Überwachungsmonster mündet, welches die Kosten der Behandlung von Folgeschäden durch Übergewicht, Drogenkonsum oder was man eben sonst noch dämonisiert um ein Vielfaches übersteigen würde. Und wo zieht man die Grenze? Muss man sich nach jedem MCDonalds-Besuch für höhere Krankenkassenbeiträge registrieren? Muss man die Beiträge für Cannabis-Konsumenten ohne Veranlagungen zur Psychose senken, weil die gesundheitlichen Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen, wie bei vielen anderen Psychedelika auch? Nein, natürlich nicht, dass ginge schließlich jedem zu weit (zumindest hoffe ich das). Man kann jetzt einwenden, wie übertrieben diese Beispiele doch sind und dass keiner der Gesundheitsapostel so etwas jemals gefordert hat. Nur kann man bei einer Weltanschauung nicht postulieren, dass die logischen Konsequenzen nur bis zu einem gewissen Grad befolgt werden dürfen, denn dann ist das Weltbild inkonsistent und offenkundig ungeeignet für die Anwendung.

Diese kleine Ausführung legt nahe, was ohnehin jedem klar sein sollte … Das Weltbild des Gesundheitsfanatismus, der staatlich repressiv erzwungenen Volksgesundheit ist inkonsistent und nicht ansatzweise so rational wie es sich gibt. Viele nachweißlich schädlichen Verhaltensweisen werden nicht angegangen, da sie ja Tradition seien (und auch die größten Fanatiker nicht auf ihre eigenen Süchte und Räusche verzichten wollen) und eine Ausnahme nötig sei. Oder es wird eine angebliche Notwendigkeit postuliert, dass ein Stoff/eine Verhaltensweise „normal“/“unverzichtbar“ sei. In Wirklichkeit wird nur verleugnet, dass der Lebenswandel der größten Fürsprecher oftmals nicht gesünder ist als der des Normalverbrauchers.

Der Zweck ist auch hier wieder nur die Schaffung eines gesellschaftlichen Ideals. Durch permanente (Selbst-)Überwachung werden wir zu Gesundheitszombies gemacht. Gesundheit ist hier nur leider kein Selbstzweck, schließlich ist es nicht verwerflich, wenn man sich aus Gründen der Risikominimierung von psychotropen Substanzen, fettigem Essen usw. fernhält. Es ist zum Zwecke einer Gesellschaft, die die Lebensfreude des Individuums opfert zur Kostenminimierung, die den absoluten Egoismus und die Mitleidslosigkeit predigt und einen unmündigen Menschen schafft, der sich darin sonnt, angeblich selbstbestimmt zu sein, obwohl er unfrei ist.

Lasst euch Weed verschreiben!

Der provokative Titel mag vielleicht irre führen, hier geht es nicht darum, Ärzten Symptome vorzulügen um an medizinisches Cannabis zu kommen. Doch ist Cannabis bei vielen Krankheiten eine nebenwirkungsarme Alternative, eine gute Übersicht über mögliche Indikationen liefert hier der deutsche Hanfverband. Auch Symptome können durch regelmäßigen Cannabis-Konsum gelindert werden, wie zum Beispiel chronische Schmerzen oder Spasmen als Folge von neurodegenerativen oder Krebserkrankungen, im Gegensatz zu Opiaten/Opioiden/Benzodiazepine sind die Langzeitwirkungen schwächer.

Cannabis als Mittel gegen chronische Schmerzen bietet eine neue Substanzklasse in diesem Bereich. Da zwischen Opiaten und Opioiden eine Kreuztoleranz besteht ist es dringend notwendig, eine neue wirksame Stoffklasse anwenden zu können. Ärzte können bei diesen Schmerzen abwechselnd Schmerzmittel verschreiben, sodass auf Dauer keine große Toleranz aufgebaut und das Risiko einer Abhängigkeit vermindert wird.

Dass die Cannabis-Freigabe als Nebeneffekt sogar dafür sorgt, dass die Verschreibung von gefährlicheren Medikamenten abnimmt, ist übrigens an Colorado zu sehen. Auch nimmt die Zahl der Krankheitstage im Mittel ab, Cannabis scheint also allgemein gegen viele Zivilisationserkrankungen zu helfen. Dies ist in diesem Artikel nachzulesen. Eine Verschreibung von Cannabis wäre also sogar bei sonst gesunden Menschen vernünftig, da für die Krankenkassen sonstige Behandlungskosten wegfallen würden (Entzug bei Abhängigen von Opiaten und Benzodiazepinen, viele Schmerztherapien …). Da die Begründung des Verbots von Weed und anderen Drogen vom Bundesverfassungsgericht 1994 war, dass man die „Volksgesundheit“ schützen möchte, müsste man diesem logisch folgen und damit allen Menschen den Zugriff zu legalem Gras gewähren (das ist natürlich als Begründung für eine Legalisierung Blödsinn, aber recht lustig, was man aus juristischen Haarspaltereien alles ableiten kann. Eine Legalisierung ist aus ganz anderen Gründen angebracht als juristischen).

Doch warum sollte man sich jetzt primär Weed verschreiben lassen?

  1. Je mehr Menschen medizinisches Cannabis erhalten, desto mehr Ärzte merken auch, dass es sich hier um ein nebenswirkungsarmes und vielseitiges Medikament handelt. Damit steigert sich auch ihre Bereitschaft, es zu verschreiben, ebenso die der Krankenkassen, es zu genehmigen. Da derzeit viele Schwerkranke Menschen ihre hilfreiche Cannabis-Medizin nicht erhalten, weil noch viele Ärzte Vorurteile gegen sie haben und denken, die Nebenwirkungen wären unvertretbar, kann man seinen Anteil zu deren Hilfe leisten, indem man selbst für eine solche Medikation kämpft (natürlich nur, wenn man es wirklich sinnvoll gebrauchen kann). In Colorado (wie im vorher verlinkten Artikel zum Thema der Abnahme von Krankheitstagen usw. auch geschrieben wird) ist dieser Trend zu bemerken. Die dortigen Mediziner bevorzugen mittlerweile oft  Gras gegenüber den pharmazeutischen Stoffen.
  2. Je verbreiteter Weed ist, desto mehr wird auch in der Gesellschaft über wirkliche Gefahren bekannt. So wird eine esoterische Überbewertung von Cannabis ebenso unhaltbar, wie die Verteufelungen von CSU-Politikern ohne Faktenbasis oder einen Hauch von Ahnung. Für viele Jugendliche oder andere Konsumenten ist diese allgemeine Unwissenheit besonders gefährlich. Da mittlerweile den meisten bekannt ist, dass die Verteufelungen von Seiten der CSU und Co. mehr als übertrieben sind, ist auch die Bereitschaft groß, vom Gegenteil auszugehen. Auch wenn die meisten wissen, dass Cannabis nicht komplett ungefährlich ist, so wird durch mangelnde Aufklärung, Repression von Konsumenten und die offenkundige Lächerlichkeit vieler Gras-Mythen der Konsum von vielen unterschätzt. Eine realistische Gefahreneinschätzung wird nur durch mehr offenen Konsum (bzw. mehr Akzeptanz und damit auch mehr offene Diskussionen) und Aufklärung möglich.
  3. Weed hilft oft gegen mehrere Symptome und Krankheiten gleichzeitig. Ich möchte mir auch medizinisches Cannabis verschreiben lassen, da der große Vorteil für mich ist, gleich vier Symptome/Krankheiten auf einmal behandeln zu können. Sowohl gegen ADHS, Tics, Schlafstörungen und (regelmäßige) Kopfschmerzen würde es mir helfen. Momentan nehme ich Methylphenidat gegen ADHS und es hilft mir in den meisten Fällen sehr gut, jedoch haben meine Schlafstörungen und meine Tics eher zugenommen. Klar, von meinem Fall lässt sich nicht auf die Allgemeinheit schließen, aber da so viele Indikationen möglich sind (und weitere noch erforscht werden), ist es nicht unwahrscheinlich, in Zukunft nur noch ein Medikament schlucken zu müssen, dass zudem gut verträglich ist (in den meisten Fällen).

 

Die Pharmaindustrie bekämpft nachweißlich die Legalisierung von Cannabis, so werden Gegner einer Legalisierung, egal ob zum Freizeitkonsum- oder medizinischen Zwecken, von Pharmaunternehmen finanziert. In diesem Artikel wird das erläutert und nachgewiesen. Dies wird sicher nicht aus Interesse an einer Zunahme der gesunden Menschen in unserer Gesellschaft gemacht, an gesunden Menschen verdient man in diesem Bereich nämlich nicht. Es wird getan, weil Cannabis viele Medikamente zwar nicht überflüssig, aber dennoch weniger wichtig macht.

Es ist ein Mythos, dass Schmerzmittel und andere Stoffklassen komplett überflüssig würden, das sollte hier auch erwähnt werden. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Wenn jemand Weed nicht verträgt kann ihm ein pharmazeutisches Produkt durchaus besser bekommen. Aber Cannabis ist eine gute Alternative zu vielen dieser Produkten und eben hierfür sollte man es sich auch verschreiben lassen. Um eine etablierte Alternative zu vielen bekannten Stoffen auf dem Markt zu schaffen und die Pharmaindustrie zu zwingen, ihre Produkte zu verbessern.

1,3,7-Trimethylxanthin, die Horrordroge

Schon seit Längerem hat sich eine Stimulanz auf dem Markt etabliert. Sie fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und der Anteil an den jährlich konsumierten Drogen ist hoch und übertrifft in einigen Regionen schon den Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis. Dennoch sieht weder die Drogenbeauftragte noch sonst wer einen Grund zu handeln, obwohl TMX (abgekürzt = Trimethylxanthin) viele Nebenwirkungen aufweist, süchtig machen kann und von vielen regelmäßig konsumiert wird. Während Frau Mortler sonst den Konsum von Rauschgiften schnell eindämmt, scheint diese Substanz den wachsamen Augen der Drogenbehörden entgangen zu sein.

Was sind nun die Nebenwirkungen? Schon als Reinstoff ohne Streckmittel treten diese nicht zu knapp auf. Schon nach wenigen Tagen des Konsums kommt es zur Toleranzentwicklung, die Nervenzellen arbeiten immer langsamer und man wird müder. Diese Müdigkeit muss mit neuem Konsum bekämpft werden, wodurch der Drang zum Nachlegen entsteht. Im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Stimulanzien wie Amphetamin, Methamphetamin oder MPH kann TMX auch körperlich abhängig machen. Die körperlichen Entzugserscheinungen können bis zu neun Tage andauern. Sie beinhalten grippeähnliche Symptome, starke Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Depressionen, eine Veränderung der Theta-Wellen im Gehirn und Energieverlust. Eine Überdosierung kann zum Tod führen, bei Menschen mit Vorerkrankungen kann schon eine konsumübliche Dosis tödlich sein.

TMX ist mittlerweile zur am häufigsten konsumierten Stimulanz geworden. In Speed und Methamphetamin wird es oft als Streckmittel verwendet, da es günstig herzustellen und zu kaufen ist, eine ähnliche Farbe hat und nasal praktisch sofort wirksam ist.  Das schnelle Anfluten erhöht das Suchtpotential. TMX kann allerdings auch oral konsumiert werden und theoretisch auch gespritzt, diese Konsumform ist aber eher unüblich. Gefährlich ist auch, dass die Substanz so weit verbreitet ist. Da sie oft anderen Konsummitteln hinzugefügt wird, haben die meisten Menschen, oft auch ohne es zu wissen, Erfahrung mit ihr. TMX ist in allen gesellschaftlichen Schichten eine vielverwendete stimulative Substanz, nicht selten ist der Konsum täglich. Die Sucht beginnt schleichend und wird anfangs meist nicht bewusst erlebt. Wenn man die eigene Suchterkrankung erkennt ist sie meist schon weit fortgeschritten.

Auf Dauer steigt bei Konsum das Risiko für Diabetes-Typ-2. Das Psychoserisiko ist ebenso erhöht, auch können temporär Halluzination auftreten. Durch die stimulative Wirkung steigt der Blutdruck und die Herzfrequenz an. Der Körper wird in eine Flucht oder Kampf-Reaktion versetzt, also praktisch eine künstliche Panik, was auf Dauer sicher auch nicht gesund ist.

Dies ist ein Appell an Frau Mortler. Verbieten sie diese Substanz! Sie stellt ein ernstzunehmendes Risiko für die Sicherheit und die Volksgesundheit dar. Das Fremdschädigungspotential ist mit großer Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Ein Verbot ist hier definitiv die beste Lösung um den voranschreitenden Horror noch rechtzeitig aufzuhalten.

 

 

Nun fragt sich vermutlich der Leser, der andere meiner Beiträge zur Thematik der Drogenpolitik gelesen hat, weswegen dieser Meinungsumschwung? Ganz einfach, wer die Nebenwirkungen dieser Substanz kennt, kann nicht anders als sie verbieten zu wollen. Viele stimmen mir hier sicher zu. Und dann kann ich euch nur sagen: „Glückwunsch, sie haben grade Koffein verboten …“

 

Dieser Artikel sollte eines klarstellen … eine verkürzte Darstellung von Nebenwirkungen ohne das Aufzeigen von Differenzen der Dosierung, ohne die Erwähnung der positiven Effekte und mit einer scheinbar objektiven Ausdrucksweise, die alles ins falsche Licht rückt, lässt nahezu alles gefährlich wirken. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass Koffein eine relativ harmlose Alltagsdroge ist. Und das gilt für viele illegale Drogen genauso. Bei Cannabis, LSD, Pilzen, MDMA usw. ist es nur diese Form der Darstellung, die sie riskant erscheinen lässt. Sehr viel gefährlicher als Koffein sind diese Substanzen aber auch nicht.

Legal Highs 7 (1P-LSD)

Ich hatte seit einiger Zeit vor, Alice in höherer Dosis auszuprobieren, doch dies scheiterte leider an unzuverlässigen Menschen. Darum beschloss ich, mir das legale 1P-LSD zu Forschungszwecken zu bestellen. Da die meisten Tripberichte aussagten, dass die Wirkung im Rahmen der Wissenschaft praktisch identisch sei, war dieser Unterschied auch nicht sonderlich gravierend für mich. Ich bestellte bei dem deutschen Vendor http://www.1plsd.de/, welcher mit etwas Verspätung, aber dennoch gut und zuverlässig lieferte. Auch hier gilt, dass ist keine Substanz zum Einnehmen, wir sind schließlich treue Staatsbürger und achten Recht und Gesetz.

Kurz zur Substanz. Es handelt sich bei 1P-LSD um das Molekül 1-Propionyl-D-Lysergsäurediethylamid, welches im Verdacht steht, als Pro-Drug für LSD zu funktionieren, also im Körper den Propionyl-Teil zu verlieren und dann ganz normal als LSD (=Lysergsäurediethylamid) zu wirken. Um bei den Pappen sicher zu gehen, dass es sich nicht um Stoffe der DOx- oder 25X-NBOMe-Klassen handelt gibt es technische Testverfahren. Eine andere Möglichkeit ist es, die Pappe direkt zu schlucken, denn DOx- und 25X-NBOMe-Stoffe sind ausschließlich sublingual wirksam.

Nun ja, auch diese Lieferung dauerte lange, als sie ankam war meine Freude so groß, dass ich ohne großes Nachdenken gleich eine Pappe einnahm (nur 100 Mikrogramm/das war ungefähr um 18:30) und mich in mein Zimmer verzog. Dort begann das Warten auf den Wirkungseintritt. Nach einer halben Stunde in etwa überkam mich eine seltsame Euphorie, aber darauf folgte ein Abklingen dieser, als ich mich fragte, ob die Wirkung nicht vielleicht ein reines Placebo gewesen war. Gegen 19:15 war immer noch nichts zu spüren, dass eindeutig Nicht-Placebo war. Recht enttäuscht legte ich mich auf meine Couch, machte das Licht im Zimmer aus und ein wenig Goa-Musik an, um möglicherweise doch noch eine psychedelische Wirkung herauszukitzeln. Innerhalb der nächsten zehn Minuten trat sie plötzlich ein. Mir fiel auf, dass mein Körper sich sehr aufgeladen anfühlte und sich unbedingt bewegen wollte. Die Bezeichnung Body-Load trifft es einfach perfekt, es schien, als wollte jeder Muskel unbedingt genutzt werden. Die Wachheit und Euphorie übernahmen meinen Körper und ich sprang von der Couch herunter, um zu der Musik zu tanzen. (Das muss wohl ziemlich bescheuert ausgesehen haben, Gott sei Dank lehne ich Tripsitter ab) In der Dunkelheit gestaltete sich das aber recht schwierig. Als ich den Lichtschalter gefunden hatte und anschaltete überkam mich aber zuerst wieder Enttäuschung. Anstatt krasser Optics schien der Raum nur unspektakulär normal zu wirken. Die Sicht war etwas vertieft und räumlicher, aber eben nicht in besonderem Maße. Die Intensität war vergleichbar mit der Wirkung von Waldmeister (zumindest bei mir).

Nach einer weiteren Stunde, ungefähr 20:30, in der sich Bodyload und Euphorie immer weiter steigerten, ließ der Drang, sich zu bewegen, nach. Ich setzte mich auf die Couch und schaute die Muster darauf an. Zum ersten mal wurden die Optics etwas interessanter. Alles wirkte tiefer, zwischen den einzelnen Stofffasern schien es möglich zu unterscheiden und auch, jedes Detail auf einmal wahrnehmen zu können. Das Muster faszinierte mich und zog mich in seinen Bann (es ist in der „Realität“ oder wie man den Zustand ohne Substanzeinfluss auch nennen mag ein ziemlich langweiliges Blumenmuster). Es bewegte sich immer leicht hin und her und verband sich mit irgendwelchen abstehenden Fasern immer neu zu interessanten Gebilden, die mir sehr mystisch und schön erschienen.

Nach ein paar Minuten beschloss ich, ins Badezimmer zu gehen um zu schauen, wie ich auf 1p-LSD aussehe. Meine Pupillen waren ziemlich geweitet und mein Gesicht erschien mir im Spiegel unglaublich albern. Ich lachte mehrfach los und geriet dann aber ins Nachdenken. Mir wurde bewusst, dass ich wirklich da bin. Das klingt zwar banal, aber in dem Moment war es erfüllend. Einfach nur da sein und dazu zu gehören. Es war nicht wirklich klar, wozu, es war einfach nur ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem großen Ganzen, dieses erschien mir aber leider nicht klar genug. Mir kam die Zeit unglaublich langsam vor … bisher dachte ich, auf Weed wäre die Zeit langsam, doch 1P-LSD (in Zukunft schreib ich einfach LSD, ist ja jetzt klar was gemeint ist und die Wirkung soll sowieso die gleiche sein) schlägt das Ganze noch um Welten und lässt das in meinen Augen uninteressante Cannabis noch einmal um Welten uninteressanter werden.

Das Badezimmer funkelte und die Fließen ließen sich gestochen scharf in kleinere Stücke unterteilen. Das erzeugte bei mir einen weiteren Lachanfall, weil ich mir niemals hätte träumen lassen, dass eine Fließe so interessant sein könnte. Vor der Wand zu sitzen und sie einfach anzustarren kam mir zu diesem Zeitpunkt so mystisch und dann auch wieder dämlich vor. Für einige Momente (mir kam es sehr viel länger vor, eine Uhr war leider nur im Nebenzimmer, aber vermutlich handelte es sich höchstens um eine Minute) überkamen mich dann Tränen. Aus unerfindlichen Gründen kamen mir Gedanken an Leute, mit denen ich mich vor Jahren verstritten hatte und fand es schade, dass sie nicht mehr in meinem Leben waren. Doch ich verstand, warum es so war, jeder Fehler, den sie oder auch ich begangen hatten, war plötzlich klar erkennbar. Das Gefühl war so überwältigend, dass mein Kopf sich fast brennend anfühlte, als würde er so viel denken, dass seine Kapazitäten niemals ausreichen würden. Hier begann auch der weniger schöne Teil des Trips, der aber nur kurz andauerte.

Alles schien mir klar zu werden. Meine Fehler, meine Inkonsequenz und dass kein Vorsatz, den ich gefasst hatte, bisher komplett umgesetzt wurde. Es war in der Zwischenzeit eine Stunde in etwa vergangen, bald 22:00 Uhr, was sehr hilfreich war. Nachdem ich die Musik ausgeschaltet war und das Licht ausmachte, konnte der Gedankenansturm auf mein Gehirn zwar nicht abgeschwächt werden, aber die Reizüberflutung dagegen schon. Ich lag nur da und schloss meine Augen, um dem Kreiseln und der permanenten Bewegung aller Gegenstände ein wenig entkommen zu können. Wie auch schon bei LSA versank ich dabei in mir selbst. Als würde ein Tunnel sich öffnen und mich in sich hinunterziehen, während er farbig blitzt und leuchtet (aber keine wirklichen CEV’s, es ist mehr ein Körpergefühl, dass sich automatisch visualisiert). Die Reizüberflutung hatte sich normalisiert. Mein Kopf war weiterhin elektrisiert, doch nicht mehr unangenehm. Eher, als würde man eine Wachheit und Bewusstseinsschärfe erreicht haben, für die wir eigentlich ausgelegt sind. So in etwa waren auch meine Gedanken dabei. Ich fragte mich, weswegen wir als Menschen der Meinung sind, unsere „nüchterne“ Realität wäre irgendwie „realistischer“ oder dem „Trip“ in irgendeiner Hinsicht überlegen. Sie kam mir eher langweilig und nichtssagend vor. Ich wünschte mir, dass die Drogenhasser ausnahmsweise mal Recht hätten und ich dann auf LSD (oder eben 1P-LSD) kleben bleiben könnte. (Erwartungsgemäß nicht passiert, leider)

Als die kurze, etwas überfordernde Episode vorbei war (nach ca 10 Minuten, es war kurz nach 22:00.), machte ich die Musik wieder an. Diesmal Tool, Goa fühlte sich seltsamerweise sehr unlebendig an. Da im Dunkeln tanzen aber ziemlich unmöglich war, da mein Zimmer ein einziges Chaos ist und somit viele Stolperfallen bietet, machte ich auch das Licht wieder an. Die Optics waren etwas schwächer geworden, aber dennoch blieb alles in Bewegung. Formen an der Decke bildeten wunderschöne Muster, lächelten mich an und verschwanden wieder in anderen Mustern, insgesamt war alles sehr lebendig und mir kam es auch vor als würde alles seine eigene Seele und sein eigenes Leben haben. Die Musik im Hintergrund trug mich wie von selbst in die Mitte des Zimmers und mein Körper tanzte scheinbar von alleine los, während ich alles bestaunte, was zu sehen war. Die Musik, die Bewegungen der Gegenstände, meine eigenen Bewegungen, das Licht, alles passte so zusammen, als wäre es mir Absicht so platziert worden. Das Tanzen zur Musik wurde zu einem Wirbel, als würde es synergistisch wirken und die Wirkung der einzelnen Pappe immer weiter in andere Perspektiven steigern. Alles kam mir richtig vor. Das Gefühl von zuvor, alles verstanden zu haben und die Wahrheit zu kennen, kam wieder auf und ich musste den Tanz wieder beenden, weil es so stark und präsent war, als wäre mir nichts anderes mehr möglich als zu erkennen. Die Schärfe meiner Sicht war die Schärfe meines Verstands, und dieser durchdrang mich total. Wie elektrische Impulse schoss die Erkenntnis durch mich hindurch.

Die Erkenntnis:
Im Prinzip war sie so simpel, dass es mir unglaublich schien, diesen Gedanken noch nie (außer auf anderen Psychedelika, aber dort in schwächerer, weniger „direkten“ Art) gekommen war. Jeden Tag sehen wir viel Schönes, Atemberaubendes, jeden Tag haben wir tausend Gründe zur Freude und zur Dankbarkeit, doch verschwenden wir ihn dann jedes mal, um zu jammern, wie grauenvoll unser Leben doch ist. So viele Gelegenheiten zur Freude verpasst zu haben war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Genauso wie die darauf folgende Erkenntnis. Jeder Mensch, der einem anderen wehtut, vergeht sich an sich selbst. Er widmet sich dem Hass und der Zerstörung, anstatt die Momente, die darauf verschwendet werden, für ein schönes Leben zu nutzen und etwas aufzubauen, an dem man seine Freude hat. Als mir das klar wurde, war der innere Drang, jedem Menschen, der mir Schlechtes getan hat sofort zu vergeben unwiderstehlich. Ich hatte das Gefühl, als wäre ein schwarzer Schatten aus meinem Körper verschwunden. Und dieses Gefühl ist seit einer Woche dauerhaft präsent. Ich habe diesen Teil gesondert herausgeschrieben, weil er das spirituellste Element an allem und mir am wichtigsten war. Da das mein erster ausführlicherer Tripbericht ist weiß ich nicht, was man am schwersten gewichten soll und habe darum diesen Teil ausgewählt.

Danach, also etwa drei Stunden der Wirkung, ließ der Trip etwas nach. Ich nahm einen Malblock und einige Stifte und begann zu zeichnen, während nebenher ein Hörspiel („Alice im Wunderland“) lief. Jeder Strich schien genau zu wissen, wohin er wollte und das 1P-LSD floss aufs Blatt. In der Zeichnung kombinierten sich Eindrücke aus dem Hörbuch, die eben gemachten Erfahrungen und vieles von dem, was um mich herum tanzte und in Bewegung war. Leider muss ich den Bericht hier auch schon abbrechen, weil ich bis morgens um sechs Uhr vertieft ins Zeichnen war und es darüber nur das zu sagen gibt, was schon geschrieben wurde.

Der Afterglow war interessant. Ich dachte dabei viel nach, sah hin und wieder noch ein leichter Morphen am nächsten Tag und empfand die Natur als schöner und leuchtender als je zuvor. Das Körpergefühl lässt sich vermutlich am besten mit wolkig beschreiben.

Was Drogen gefährlich macht

Drogen sind in unserer Gesellschaft per se böse, ein vernünftiger Umgang mit psychotropen Substanzen scheint den meisten ausgeschlossen. Das verrät aber mehr über unsere Gesellschaft, als über die verteufelten Stoffe.

Wir leben in einem Kollektiv der Schwarmintelligenz. 95% der Menschen hierzulande haben im Prinzip, von Details abgesehen, das gleiche Weltbild und sind in Summe staatsunkritisch. Sie mögen den Staat kritisieren, aber tun das, falls überhaupt meist anhand von Verschwörungstheorien (der gute Staat wurde von bösen Kräften übernommen) oder, indem sie sagen, er greife noch zu wenig ein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir für andere arbeiten müssen und gleichzeitig uns selbst noch permanent „verbessern“ wollen. Verbessern ist aber nicht Anpassung an das eigene Gefühl des Ich-Seins und die Verstärkung dieser Einheit, sondern eine Angleichung an die Ansprüche der Gesellschaft, um sich nach einem harten Arbeitstag noch für zwei Stunden auf die teure Designer-Couch zu schmeißen, teuren Wein zu trinken. Am nächsten Tag kommt dann die verdrängte Ernüchterung wieder auf.

Und dieser kollektive Zwang betrifft niemanden, keine Gruppe und kein Subkollektiv alleine. Er umspannt uns alle und macht uns zu Sklaven einer Vorstellung, die uns mit der Muttermilch eingeflößt wurde. Wir müssen funktionieren und uns verbessern. Aber nicht, dafür, dass wir mit uns zufrieden sind, sondern, dass es die anderen sind. Man redet sich ein, es für sich selbst zu tun, doch in Wahrheit möchte man seine Autonomie beweisen, die man aber nicht besitzt und doch glaubt, man würde sie besitzen.

Was hat das alles nun mit den bösen Drogen zu tun? Ganz einfach, die Gesellschaft ist deren Kraft nicht gewachsen, weil sie sie nicht versteht. Der Politiker, der sich für den Arbeitstag Meth gönnt, der Arbeiter, der Abends zum Einschlafen sein Bierchen braucht, sie benutzen die Stoffe nicht als Hilfsmittel, sondern lassen sie das Ruder komplett übernehmen. Der Moment des Loslassens, das Abgeben der täglichen Anstrengung auf jemand anderen sei ihnen allen gegönnt. Und er wäre auch nicht weiter schädlich, wenn sie uns nicht zeigen würden, dass mit ihrer Hilfe (vor allem bei Stimulantien) der gesellschaftliche Anspruch mit Leichtigkeit erfüllt werden kann.

Damit wird die „Droge“ zum Mittel, anderen zu entsprechen. Man gibt die Kontrolle darüber aus, konsumiert nicht mehr bewusst und lässt einen Reflex aufkommen, der Die Erwartungen der anderen mit dieser Substanz verbindet. Würde man dagegen konsumieren, um für sich selbst eine schöne Zeit zu haben und sich wirklich bewusst sein, was man tut, verlöre die Substanz schon bald an ihrem Schrecken. So aber scheint sie zuerst der Engel zu sein, der einen befreit aus dem Kampf, der Gesellschaft zu gefallen, da er „die Arbeit“ übernimmt.

Drogensucht ist ein Phänomen einer Gesellschaft, die nicht lebenswert ist. Dass die drei häufigsten legalen Substanzen Nikotin, Koffein (Stimulantien) und Alkohol (Downer) allesamt keine wirklich psychedelischen und entheogenen (Das „Göttliche“ erkennen, mit dem „Ich“ ist es weniger esoterisch beschrieben) „Drogen“ sind, weißt auch wieder darauf hin, dass wir konsumieren, um zu funktionieren. Mit diesem Anspruch hinter dem Konsum wird er auch immer gefährlich sein. Jeder Drogenuser, der einigermaßen informiert ist, wird wissen, was mit Safer Use gemeint ist. In der Szene der drogenmündigen Menschen ist es Konsens, dass Selbstmedikation (Die Entheogene wie DMT, LSD, Psilocybin usw. möchte ich hier vorerst ausklammern) gefährlich ist und die Suchtgefahr um ein Vielfaches steigert.

Doch auch für die Gesellschaft ist der Konsum gefährlich. Vor allem die Psychedelika haben das Potential, Menschen, die bisher gut funktionierten, diesen inneren Zwang ausschalten. Sie brechen bekannte Raster und Muster auf, weswegen sie auch für die Suchtmedizin geeignet scheinen oder die Psychotherapie. Unsere Gesellschaft basiert aber darauf, dass Bekanntes repetitiv ins Unterbewusstsein eingeht und dort die Person dirigiert. Es stehen auch keine geheimen Mächte dahinter, es ist ein Prozess marktwirtschaftlicher Eigendynamik, eine dauerhafte Selbstmanipulation, die uns unterbewusst gefangen und unfrei hält.

Je mehr Menschen beginnen, diese Eigendynamik zu hinterfragen, desto mehr kommt auch der gesellschaftliche Entwurf ins Wanken und verliert seine Alternativlosigkeit. Das ist die Ursache der Angst vor den meisten Substanzen. Denn auch wenn jeder an dieser gesellschaftlichen Struktur in gewisser Hinsicht leidet, weil er eine Funktion übernehmen muss und nicht primär nach eigenen Vorstellungen lebt, so verteidigen wir unbewusst diese Hierarchie und den Selbstbetrug. Würden wir ihn nicht verteidigen würden wir auch zugeben müssen, nicht für uns gelebt zu haben und nur eine Marionette der eigenen Zwänge darstellten.

Substanzen sind nicht an sich gefährlich, egal welcher Natur. Sie alle haben ihre positiven als auch negativen Seiten. Dass die Gesellschaft in diesem Fall wieder einen Sündenbock erschafft, der von Grund aus dunkel und bösartig sein soll, passt hervorragend in die Systematik. Leistung wird als gut und positiv gewertet, der Leistungsdruck aber so hoch gesetzt, dass (fast) kein Mensch diesen ganz ohne Rückgriffe auf Hilfsmittel aushalten kann. Nun werden diese „Rauschgifte“ plötzlich zum alltäglichen Helfer, um die positive Rolle in den Augen der Gesellschaft ausfüllen zu können. Der immer weiter steigende Leistungsdruck korreliert dabei auch mit der Verbreitung des Substanzmissbrauchs (zugegeben, das Wort ist schwer zu definieren, unter Missbrauch könnte man einen Umgang mit Substanzen subsummieren, der mit irreparablen Schäden an Geist und Gesundheit einhergeht oder mit einer vergleichsweise großen Wahrscheinlichkeit einhergeht).

Seit Jahrtausenden wurden viele dieser Substanzen oder pflanzliche Analoga zu diesen von den Menschen genutzt, ohne jegliche Scham und Verteufelung. Die Verwendungen von Psilocybin und DMT sind älter als das Christentum und sollen dennoch nicht zur Kultur gehören? Warum sollten sich diese Substanzen innerhalb von ein paar Jahrzehnten von Rauschmitteln, die niemals für nennenswerte Schäden in der Gesellschaft verantwortlich waren, in mörderische Gifte verwandelt haben? Der Grund ist ganz einfach. Die Substanzen haben sich nie geändert. Unsere Gesellschaft ist nur noch kränker und zerstörter geworden. Und die Entheogene, die ein Umdenken und Ausbrechen aus diesem selbstzerstörerischen Kreis ermöglichen könnten, werden dabei verbannt und kriminalisiert.

Open Mind – Der Staat bekämpft den Safer Use!

Der Youtuber Open Mind lud heute (am 19.04.2017) ein Video hoch, in dem er erklärte, dass er vom Zollamt eine Vorladung vor Gericht bekam. Auch wenn bislang noch nichts weiteres bekannt ist, zeigt das wieder, dass der deutsche Staat extrem repressiv vorgeht und auch psychische Traumata verursachen kann. Durch das Video wird vielen, die eine solche Situation wohl noch nie erlebt haben, aufgezeigt, wie krass die psychische Belastung ist, die durch Strafverfolgung verursacht wird. Man muss es sich vor Augen halten, dass Menschen verfolgt, kriminalisiert, zerstört, traumatisiert und ausgegrenzt werden, weil sie Substanzen zu sich nehmen, die um ein Vielfaches gesellschaftsverträglicher sind als zum Beispiel Alkohol. Nicht nur das, selbst wenn sie viel schädlicher als Alkohol wären, so schadet man sich als Konsument ausschließlich SELBST (wenn man Safer Use berücksichtigt schadet man sich eigentlich gar nicht/nur in Ausnahmefällen)!

Dass es den Youtuber Open Mind trifft straft aber auch die Unionspolitiker Lügen, die behaupten, ihr oberstes Ziel wäre Aufklärung und Sensibilisierung, dass Jugendliche nicht zu Drogen greifen und die Hilfe und Vorbeugung bei Sucht und Ähnlichem, denn genau dafür steht sein Kanal. Er betreibt Aufklärung im Umgang mit gebräuchlichen Substanzen, rät von gefährlichen Stoffen wie den RC’s ab und hat bei einem jüngeren Publikum einen viel besseren Zugang als zum Beispiel die Politiker der Union (oder insgesamt alle Politiker).

Der Youtube-Kanal von Open Mind ist mit seiner Reichweite einer der größten Aufklärungskanäle im deutschsprachigen Raum. Er schafft es mit seinen Videos mehr der Menschen zu erreichen, die eigentlich erreicht werden sollen. Wenn die Polizei mal wieder ihre Antidrogenlitanei an Schulen herunterspult, die von jedem Freizeitkiffer auseinander genommen werden kann, dann erreicht sie eben nicht diejenigen, die dem Thema zugeneigt sind (diese sind meist ohnehin schon (zu Recht) polizeikritisch eingestellt) oder die Konsumenten selbst (diese wissen ja, dass die Fixierung auf negative Seiten nichts anderes ist als modernes Märchenerzählen, schließlich haben sie selbst erlebt, dass sie sich nach dem ersten Zug am Joint nicht gleich auf dem Strich verkaufen mussten um an neue Drogen zu kommen).

Wenn mit dem Kanal ein wichtiges Aufklärungsmedium wegfallen sollte oder die Politik vor lauter Angst vor der Aufklärung nun beginnt, Exempel zu statuieren und härter durchzugreifen, um die Legalisierung aller Drogen noch aufzuhalten, dann wird das ein großer Rückschlag für den bewussten und verantwortungsvollen Konsum mit Substanzen. Die Regierung, der Gesetzgeber, muss sich der Frage stellen: Will er eine unaufgeklärte, verdummte Bevölkerung, die blind Traditionen nachrennt, oder will er mündige, selbstverantwortliche Bürger, wie er immer behauptet?