Drachenlord und Sozialdarwinismus

Seit nun fast zwei Jahren oder sogar etwas länger verfolge ich das sogenannte „Drachengame“ und beteilige mich auch daran. Grundsätzlich geht es nur darum, einen dämlichen Youtuber auszulachen, der in jedem Video und jedem Stream vor einem Greenscreen sitzt, sich über die „Haider“ echauffiert und jedes weibliche Wesen anbaggert, dass ihm vor den 16cm-Speer läuft. So weit, so gut. Das „Drachengame“ an sich entspricht auch nicht einem wirklich Mobbing, da es sich um eine öffentliche Person handelt und Rainer Winkler (sein Reallife-Name, auch wenn er kein Reallife hat) auch zumindest Anfangs noch die Möglichkeit besaß es zu beenden.

Allerdings hat gerade auch das Drachengame die niedersten menschlichen Instinkte geweckt und einen sozialdarwinistischen Sturm an Leuten auf den Plan gerufen, die sich allesamt beschweren, dass Rainer keiner ehrlichen Arbeit nachgeht und darum keine Steuern zahlt. Sie werfen ihm Doppelmoral vor, wenn er sein Verhalten und das der „Haider“ anders gewichtet, machen aber dabei auch noch das Gleiche. Wenn Drachenlord übelste Schmerzen beklagt (die er aufgrund seines schlechten Schauspiels leicht erkennbar nicht hat) und in den Kommentaren die Leute wüten, dass es Menschen mit echten Schmerzen gäbe, die er damit verhöhne … ehrlich, diese Argumentation ist bigott, denn nahezu jeder Schüler hat mal Bauchschmerzen vorgetäuscht um nicht in die Schule zu müssen … wer sich von so etwas triggern lässt hat nicht nur einen Balken im Auge, sondern hoffentlich auch bald einen im Gebiss, denn so viel Bigotterie habe ich bislang nicht für möglich gehalten.

Drachenlord bekommt den Hass dafür ab, dass er dadurch, dass er sich lächerlich macht und demonstrativ nichts leistet, Geld bekommt.Das er beweist, dass die kindische Vorstellung von „wer mehr leistet, kriegt auch mehr“ falsch ist und dass man sich nicht konformistisch in die Gesellschaft einfügen muss um von ihr zu profitieren. Das erklärt auch den strukturell antisemitischen Touch vieler „Haider,“ vor allem jene, die das Ganze etwas zu ernst nehmen. Rainer wird zum Parasiten erklärt, obwohl er niemanden wirklich ausnutzt (oder hält ihn wirklich jemand für so schlau, dass er manipulieren könnte?), sondern von anderen Haidern noch Geld bekommt, damit er ja nicht aufhört. Jedesmal wenn es scheint als würde aufhören wird dagegen wiederum „interveniert.“ Es scheint, als bräuchten vor allem die „radikaleren Haider“ regelmäßig diesen Sündenbock. Jede seiner Handlungen, so dämlich und menschlich verwerflich sie auch gewesen sein mag, wird noch einmal um das Tausendfache aufgebauscht, damit man sich schön darüber aufregen kann. Prinzipiell ist nicht einmal etwas dagegen einzuwenden, sich über eine öffentliche Person lustig zu machen, aber in diesem Fall ist es kein reines Amüsement mehr.

Das Rainer keinen Job hat macht ihn nicht verachtenswert. Er ist auf dem geistigen Level eines pubertierenden Jugendlichen, wenn es hoch kommt, vermutlich sogar leicht geistig behindert, vollkommen unfähig, etwas durchzuziehen und sein Leben organisieren und wird aus eigener Kraft niemals seine Youtube-Illusion hinter sich lassen können. Dass die Gesellschaft auf ihm herumhackt zeugt nicht von Größe, sondern vielmehr davon, dass man sich seiner eigenen Position nicht mehr sicher ist. Die Hierarchie wird durch Rainer um einen neuen unteren Platz erweitert und stärkt damit das sozialdarwinistische Selbstbewusstsein.