Unser Schulsystem – Selig sind die geistig Armen

Man muss gar nicht mit Statistiken um sich werfen um logisch zu erklären, warum unser Schulsystem nichts bringt. Wie erwähnt, es reicht, die gute alte Logik zu bemühen und ein anderes Fazit wird kaum zustande kommen. Aber genug der Polemik.

Stellen wir uns eine Person vor, die alles Wissen in sich vereint. Logische Schlüsse aus diesem Wissen kann er aber nicht ziehen und Verknüpfungen zwischen den Teilbereichen nicht knüpfen. Eine zweite Person kann nun in ihrem ganzen Leben niemals so viel Wissen anhäufen wie die andere, aber dafür Schlüsse ziehen und alles zu einem großen Ganzen verknüpfen. Würden Sie diese zweite Person nun zwingen, so viel wie möglich auswendig zu lernen, oder würden Sie ihr beibringen, wie man logisch schlussfolgert, aus bereitgestellten Daten einen Zusammenhang konstruiert und über das Bekannte hinausdenkt? Ich bin mir sicher, Sie würden die zweite Möglichkeit wählen.

In unserem Schulsystem läuft es nun aber andersrum. Wer auswendig lernen kann kommt weit, wohingegen Menschen, denen die Disziplin fehlt, stumpf Vokabellisten auswendig zu lernen (zum Beispiel ADS/ADHS-Erkrankte), regelmäßig schlecht abschneiden. Über die Intelligenz oder auch nur die wirklich erworbenen Fähigkeiten sagt das NICHTS aus.

Das es bei Sprachen auch ums Auswendig-Lernen geht ist nur logisch. Problematisch ist es aber, dass diese Mentalität auf Fächer wie Physik, Mathematik oder Ethik angewandt wird. Der Grund, dass Mathematik und Physik vielen schwerfällt ist, dass Formeln und Axiome auswendig gelernt werden, ohne zu verstehen WARUM sie funktionieren. Wie sehr sich zum Beispiel die Schulmathematik von der „richtigen“ Mathematik unterscheidet ist mir bewusst geworden, als ich begann, mich selbst in meiner Freizeit damit zu befassen.

Die Mathematik als aufeinander aufbauendes Gebäude KANN nur als solches verstanden werden. Was für einen Sinn ergibt es, Ableitungen zu erklären, wenn den Schülern noch nicht einmal klar gemacht wurde, was eine Funktion an sich überhaupt ist? Diese werden brav die Formel auswendig lernen, in der Klassenarbeit perfekt ableiten aber nicht wissen, was sie überhaupt gemacht haben. Jedes neue Themengebiet wird vermittelt, als wäre es etwas komplett anderes, als hätten Analysis und Geometrie nichts miteinander zu tun. Die Fähigkeit der Schüler Verknüpfungen herzustellen wird systematisch abgetötet.

Gerade im Bezug auf Mathematik erlebt man in der Schule eine Abkehr von Theorie und Abstraktheit. Alles muss praxisdienlich sein und kapitalistisch verwertbar. Genau wie schon das G8 ein Geschenk an die Industrie war, ist es die Verbannung von praktisch (noch) nicht verwertbarem Wissen. Die Gesellschaft ist mittlerweile so kapitalistisch geprägt, dass sie sofortige Ergebnisse fordert und „Effizienz“, die aber nur darin besteht, möglichst wenig Zeit aufzuwenden. Das Resultat ist, dass Wissen nicht verinnerlicht wird, sondern sofort durch den neuen Lernblock, der aufgetischt wird, verdrängt. Die Effizienz ist also auf lange Sicht ineffizient, denn das, was unser Bewusstsein ausmacht, assoziatives Denken, wird wegrationalisiert.

Das Schulsystem darf nicht nach den Maßstäben von Zeitersparnis und Rationalisierung ausgerichtet werden, wenn es wirklich Bildung vermitteln möchte. Das Bulimie-Lernen nutzt niemandem etwas, macht Abschlüsse wertlos und erschwert später den Einstieg in das Studium oder den Beruf, denn dort werden dann genau diese Kompetenzen gefordert, die zuvor wegrationalisiert wurden.

Ein weiterer großer Fehler des Systems ist, dass jede Leistung unbedingt verglichen werden muss. Pisa-Studien und Noten können höchstens näherungsweise bei der Leistungseinschätzung in einigen wenigen Disziplinen hilfreich sein. Auch hier wird aber wieder nur gemessen, was auch ein Computer leisten könnte. Jemand, der in sämtlichen abgefragten Bereichen der Mathematik gute Noten bekommt ist nicht automatisch ein guter Mathematiker. Euler, Gauß, Riemann, Cauchy, Ramanujan und andere große Mathematiker waren vor allem darum außergewöhnliche Wissenschaftler, weil sie Verknüpfungen herstellten und kreativ dachten. All das gilt auch für die anderen Wissenschaften. Das Problem ist für das System aber, dass kreatives Denken nicht in eine Zahl zu pressen ist. Mit dem Notensystem schaffte man die Grundlage einer angeblich objektiven Bewertung, darauf folgt aber, dass das wirklich Relevante verbannt werden muss, um „objektiv“ sein zu können.

Dr. Kurosch Yazdi – Lügen über Cannabis

Oder auch: Wie man mit Panikmache und Halbwahrheiten Geld verdient. Dr. Kurosch Yazdi ist der neue Star der Ewiggestrigen, ein Suchtmediziner, der seine alltägliche Erfahrung mit dem Minimalanteil der Kiffer, die ihren Konsum nicht unter Kontrolle haben, als Argumentationsbasis nutzt um über Cannabis „aufzuklären“. Ich werde hier nicht im Speziellen auf sein Buch eingehen, sondern auf Aussagen von ihm in Artikeln über dieses Thema, einem zu Cannabis und einem anderen zu Magic Mushrooms.

Zuerst einmal etwas, das einfach raus muss. Warum haben die Aussagen von Suchtmedizinern überhaupt ein solches Gewicht in der Debatte? Primär ist diese Debatte eine kriminologische, soziologische und philosophische. Ob Cannabis schädlich ist oder nicht ist ziemlich zweitrangig, denn es geht um die Frage, wie sich ein Verbot oder eine Legalisierung auf die Gefährlichkeit und die Schädlichkeit auswirken. Wie bereits im Artikel Argumente gegen Legalisierung? dargelegt gibt es keine Zunahme des Konsums durch die Legalisierung, darum ist die Schädlichkeit auch irrelevant. Wenn Menschen trotz Verbot in genau so großem Maße konsumieren und sich durch Streckmittel, Schwarzmarkt und Repression noch zusätzlichen Gefahren aussetzen, dann ist die Gefährlichkeit kein logisches Argument gegen die Legalisierung. Vor allem ergibt es gerade keinen Sinn, eine teure Politik beizubehalten, die die Probleme verschärft, anstatt Geld einzunehmen, Probleme zu lösen und zu sparen.

Allerdings scheint dieser Suchtmediziner nicht einmal wirklich über die Gefährlichkeit von Cannabis (und anderen Substanzen) Bescheid zu wissen. In einem recht unkritischen Bericht über das Buch „Die Cannabis-Lüge“ werden Aussagen daraus wiedergegeben (die folgen:

„Es darf in einigen Bundesstaaten der USA und in einigen EU-Staaten zumindest aus medizinischen Gründen konsumiert werden. Das fordern manche Ärzte, die in Cannabis ein Wundermittel zur Behandlung von Schmerzen oder Depressionen sehen, auch für Österreich. Vielerorts wird eine Legalisierung der Droge zumindest diskutiert und Kiffen als vergleichsweise harmlos betrachtet. Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin des Kepler-Universitätsklinikums in Linz, ist gegen eine solche Verharmlosung und hat darüber nun ein Buch mit dem etwas plakativen Titel „Die Cannabis-Lüge. Warum Marihuana verharmlost wird und wer daran verdient“ geschrieben. Darin räumt er mit Vorurteilen über die vermeintlich „weiche“ Droge auf. Er präsentiert Studien, die zeigen, wie sich der regelmäßige Konsum über viele Jahre hinweg auf den Intelligenzquotienten auswirken kann, und berichtet in plauderhaftem, auch für Laien leicht verständlichem Tonfall Anekdoten aus seinem Alltag als Leiter einer Suchtabteilung in Linz.“

Cannabis wird nicht als vergleichsweise harmlos betrachtet, es IST vergleichsweise harmlos, wenn es zum Beispiel mit Tabak oder Alkohol verglichen wird. Ebenso ist der Alltag als Leiter einer Suchtabteilung sicher nicht repräsentativ, denn wer keine Probleme mit Cannabis hat landet dort auch nicht. Als Wissenschaftler sollte ihm eigentlich bekannt sein, dass letzten Endes die Statistik zählt und nicht die tendenziöse Gruppe an Menschen aus seiner Alltagserfahrung. Wenn man nur Abhängige und Suchtkranke kennt, die Cannabis konsumieren ist es nicht verwunderlich, dass man einen viel zu subjektiven Blick auf die Substanz entwickelt.

Eine Minderung der Intelligenz bei exzessivem Konsum von Minderjährigen ist in meinen Augen auch keine besonders schwere Nebenwirkung. Stellt man zum Vergleich den exzessiven Amphetamin-/Alkohol-/Tabak- oder Fastfood-Konsum dar, dann muss man schlussfolgern: Lieber Kiffen als McDonald’s. Allerdings sichern die Autoren sich mit dem Wort „vergleichsweise“ gut ab, denn womit sie es vergleichen verschweigen sie. Grüntee ist sicherlich ungefährlicher und eine „weichere“ Droge als Cannabis, ebenso LSD, Pilze oder auch MDMA (nicht den gestreckten Müll vom Schwarzmarkt, in dem MDMA teilweise nur noch in Spuren oder gar nicht drin ist), aber verglichen mit den gesellschaftlich anerkannten Substanzen kommt Gras ziemlich gut weg. Zudem ist eine angebliche Intelligenzminderung 2016 widerlegt worden, ein Jahr vor Buchveröffentlichung. Wer Andersdenkenden Lügen und Manipulation vorwirft sollte vielleicht etwas genauer recherchieren, alles andere ist unmoralisch und auch unanständig, schließlich diskreditiert er viele Wissenschaftler, die viel Arbeit und Leidenschaft in die Forschung investieren als Heuchler. Wo Cannabis als Wundermittel unkritisch verherrlicht wird sollte ebenfalls einmal genauer ausgeführt werden. Dr. Kurosch Yazdi wirft mit Behauptungen um sich, die er seltenst belegt, aber wirft im Umkehrschluss Kritikern vor, sie würden nur emotional argumentieren und Fakten ignorieren.

Die Tatsache, dass von einer Legalisierung sicher viele profitieren würden ist kein Argument, um Wissenschaftler zu diskreditieren, die viel mehr Geld verdienen könnten, wenn sie sich der Pharmaindustrie anschlössen und gegen Cannabis wetterten. Denn schließlich ist die großzügige Unterstützung der Repression durch Pharmaunternehmen bekannt.

„Denn in den letzten Jahren kommen immer häufiger Menschen zu ihm, die unter den Folgen von Cannabiskonsum leiden, schreibt der Psychiater und erzählt von Patienten, die abhängig sind und im schlimmsten Fall Psychosen oder eine Cannabis-Demenz – ähnlich einer Alkoholdemenz bei langjährigen Alkoholkranken – entwickeln.“

Cannabis-Demenz? Mir ist eine solche Erkrankung nicht bekannt, auch den Untiefen des Internets scheint diese geheimnisvolle Krankheit nicht entlockbar zu sein. Nur das hier war dazu zu finden, ein Artikel, der über den gegenteiligen Effekt bei Mäusen berichtet, nämlich eine „Verjüngung“ des Gehirns. Und einen weiteren Text, der aufzeigt, dass Pfleger in israelischen Altenheimen in denen Cannabis häufig verschrieben wird beobachten, dass THC die Bewohner geistig reger macht. Auch hier äußert Yazdi eine bloße Behauptung, die entweder schlecht recherchiert, extrem subjektiv beobachtet oder einfach gelogen ist.

Die Psychose-Gefahr im Bezug auf Gras wird mittlerweile auch infrage gestellt bzw. modifiziert. Der renommierte Mediziner Dr. Franjo Grotenhermen berichtet über eine Meta-Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass das Risiko, eine Schizophrenie auszulösen, sehr gering sei. (Im Artikel wird weiter angegeben, dass die Meta-Studie die Schwäche hat, niedrig-potentes Cannabis mit hochpotentem in einen Topf zu werfen. Doch auch wenn diese Ungenauigkeiten herausgerechnet werden kommt ein niedrigeres Risiko heraus als erwartet. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass gerade psychisch belastete Personen ein höheres Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit haben, was die Gefährlichkeit von Cannabis statistisch gesehen fälschlicherweise erhöht). Natürlich lernt Herr Yazdi viele Menschen kennen, die an einer solchen Psychose erkrankt sind. Schließlich ist er Suchtmediziner und Psychiater, es ist sein Job, täglich mit diesen zu tun zu haben. Dass eine Psychiatrie mit schweren Psychosefällen wenig mit dem gesellschaftlichen Querschnitt zu tun hat sollte eigentlich einleuchtend sein.

„Was Yazdi nicht will: mit erhobenem Zeigefinger moralisieren oder Gelegenheitskiffer kriminalisieren. Gefährlich werde es, wenn regelmäßig gekifft wird. Er schreibt über erschreckende Extremfälle und warnt besonders junge Menschen. Denn bis zum 25. Lebensjahr sei das Gehirn noch im biologischen Reifungsprozess – Schäden zu dieser Zeit seien also besonders dramatisch. Umfragen hätten aber ergeben, dass in den US-Bundesstaaten, in denen legalisiert ist, die Zahl der kiffenden Jugendlichen dramatisch gestiegen ist – auch, so argumentiert Yazdi, weil der Bevölkerung damit vorgegaukelt wird, dass es sich um eine harmlose Substanz handelt.“

Yazdi möchte das Drogenverbot und die Repression erhalten. Menschen ihren Lebenswandel vorzuschreiben, weil man ihn für verwerflich hält und diese dafür zu bestrafen ist sowohl moralisierend als auch kriminalisierend. Genau das ist doch die Essenz seiner Behauptungen. Der Mensch kann nicht für sich selbst entscheiden, darum soll ihm die Entscheidungsfreiheit über seinen Körper genommen werden. Den eigenen Lebensentwurf als Absolutum vorzuschreiben ist nicht nur ein erhobener arroganter Zeigefinger, sondern auch ein Mittelfinger an all jene, die unter der Repression leiden. Und dass die Zahl der kiffenden Jugendlichen in den US-Bundesstaaten, welche legalisierten, gestiegen sei ist ebenfalls einfach nur gelogen, was man hier nachlesen kann.

Mit einer Legalisierung wird auch nicht „vorgegaukelt“, dass die Substanz harmlos sei. Würde jemand Aceton trinken, weil es legal erhältlich ist? Würde jemand behaupten, Rauchen wäre gesund, weil es legal ist? Glaubt irgendjemand, Alkohol, Aspirin, Antidepressiva usw. hätten alle keine Nebenwirkungen, weil sie legal erhältlich sind? Diese Behauptung ist grundlegend unlogisch und nur ein Vorwand, Legalisierung schlecht zu reden.

Interessant ist auch, dass die einzigen Experten, die aggressiv gegen diese Meinnung agitieren, Suchtmediziner sind, Thomasius und Yazdi gehören z. B. beide diesem akademischen Teilbereich an, der eigentlich in der Legalisierungsfrage nichts zu suchen hat. Denn Suchtmediziner profitieren von Menschen, die Probleme mit Substanzen haben. Außerdem ist bekannt, dass die Pharmaindustrie gegen die Cannabis-Legalisierung schießt und Ärzte oft gute Kontakte zu diesen Konzernen haben. Das ist natürlich eine Unterstellung, aber unwahrscheinlich ist eine kleine Motivationsfinanzspritze für den werten Herrn Yazdi auch nicht. Selbst wenn sie ausblieb, nicht abzustreiten ist, dass er an der fehlenden Aufklärung und der Drogenkatastrophe verdient und sicher nicht an Schadensminimierung interessiert ist. Falls er das nicht sein sollte und dennoch gegen die Legalisierung argumentiert, muss man ihm nämlich unterstellen, dass er von dem Gebiet der Drogenpolitik keine Ahnung hat und dennoch in schöner Dunning-Kruger-Manier renommierte Forscher auf diesem Gebiet als Heuchler und unfähig beschimpft. Wer sich über Cannabis als Medizin wirklich informieren will sollte eher das Buch „Hanf als Medizin“ von Dr. med. Franjo Grotenhermen lesen, da der Autor sich seit Jahren wirklich intensiv und vor allem objektiv mit dem Thema auseinandersetzt.

Ein weiterer Artikel derselben Zeitung ist fast schon lustig. Es geht nicht um Cannabis, sondern das therapeutische Potential und die „Gefahren“ von Magic Mushrooms. Die nachfolgenden Zitate sind diesem Artikel entnommen:

„Bei der Studie wurden 51 Krebspatienten, die unter Todesängsten und Depressionen litten, eine kleine Menge dieses Stoffes verabreicht. Diese haben sich daraufhin bis zu sechs Monate lang besser und zuversichtlicher gefühlt, ihre Lebensqualität hat sich laut Studienautoren erhöht.

Ergebnisse, die Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin des Kepler-Universitätsklinikums in Linz, „spannend“ findet. Von einer „Wunderwaffe gegen Depressionen“, wie es in Medienberichten dazu hieß, will er aber nicht sprechen: „Wir Psychiater wissen: Für jedes Medikament gibt es Studien, die angeblich aufsehenerregend sind. Aber oft schaut man sich dann die Placebo-Zahlen an und kommt darauf: Hoppala, bei denen gab es ja auch super Ergebnisse.“

Für diese schlicht und ergreifend erlogene Aussage gibt er natürlich keine Quellen an. Denn wenn nicht einmal Antidepressiva anschlagen, die ja sehr wohl einen Wirkstoff enthalten, wieso sollten Placebos dann plötzlich genauso gut anschlagen wie Psilos, vor allem weil es eine Zulassungsbedingung für ein Medikament ist, dass es besser wirkt als ein Placebo? Kurz zusammengefasst: Psilos wirken de facto um Welten besser als Antidepressiva und Antidepressiva MÜSSEN besser als Placebos wirken, um zugelassen zu werden, wie kann man dann behaupten, dass Placebos vermutlich genauso gut wirken wie das Psilocybin?

In dem verlinkten Artikel zur Psilocybin-Studie wird auch beschrieben, dass die antidepressiven Effekte monatelang anhielten, nach nur einer Einnahme und nachfolgender Auseinandersetzung mit der Erfahrung in einem psychotherapeutischen Setting. Auch wenn ich das nicht wirklich belegen kann, so sind meine Erfahrungen, dass Psychotherapie nichts oder nur wenig bewirkt. Vor allem für unsere Ärzteschaft, die größtenteils dazu dient, der Pharmaindustrie neue Aufträge zu beschaffen (die polemische Formulierung ist vielleicht übertrieben, aber auch nicht so übertrieben wie man sich wünschen würde) ist darum ein Medikament, das nach einmaliger Einnahme schon andere teure Medikamente lange überflüssig macht natürlich äußerst gefährlich. Aber nicht wegen seinen Nebenwirkungen für den Patienten, sondern wegen der zu guten Wirksamkeit, die natürlich als schwerwiegende Nebenwirkung eine Profitsenkung zur Folge hätte.

Alles Unterstellungen? Kann sein, da aber Herr Yazdi jeden Arzt, der Cannabis nicht für eine Horrordroge hält, als profitgierigen Heuchler denunziert, kann man im Gegenzug auch einmal aufzeigen, wie fair so ein Verhalten ist.

„Und noch etwas betont Yazdi: „Das Verabreichen von Psilocybin war nur eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Testpersonen behandelt wurden.“ Die Probanden seien nämlich auch psychologisch umfassend betreut worden. Was genau also zur nachhaltigen Verbesserung des Wohlbefindens geführt hat, sei nicht auf einen einzigen Faktor zurückzuführen.“

Da Therapien bei Depressionen ohnehin üblich sind und eben für gewöhnlich keinen derartig positiven Effekt haben ist wohl klar, was der Hauptfaktor gewesen ist. Das Psilocybin. Natürlich funktioniert es nicht, ein paar Gramm Pilze zu essen und eine Heilung tritt sofort ein, es braucht (oftmals) Begleitung und eine nachfolgende Auseinandersetzung mit dem erlebten, diese ändert aber nichts daran, dass nicht die Psychotherapie ausschlaggebend ist, sondern nur begleitende Funktion hat. Jeder, der sich mit Psychedelika auseinandersetzt weiß das, aber Herr Yazdi hat das wohl nicht getan, was er später im Text umso mehr beweist.

„Aber diese Substanz wirkt nur kurzfristig“, sagt Yazdi. Und nicht monatelang. Von einer solchen langfristigen Veränderung berichtete ein Forscherteam rund um Roland R. Griffiths von der Johns-Hopkins-Universität aber schon 2011: Damals wurde erforscht, dass die Einnahme des Stoffes die Persönlichkeit von Menschen über Monate hinweg verändern könnte, indem sie diese beispielsweise offener macht. Für Yazdi geht es um die Grenzerfahrung und den damit einhergehenden Perspektivenwechsel, der Menschen dauerhaft verändert und optimistischer macht – und nicht um die eingesetzten Drogen: „Manchmal ist es einfach wichtig, Menschen aus ihrem depressiven Alltag zu reißen und ihnen eine neue Perspektive zu geben.“ Einen ähnlichen Effekt könne man auch mit Bungee-Jumping erreichen, ist er überzeugt. Und auch in der Psychotherapie werde mitunter darauf gesetzt.“

  1. Sport und „Drogen“ sind keine unterschiedlichen Dinge. Sport schüttet Endorphine und Catecholamine aus, auch das genannte Bungee-Jumping hat „drogenähnliche“ Effekte (allerdings weniger stark, weniger effektiv und eine spirituelle Komponente bleibt wohl auch aus). Manche erreichen das Gefühl der Spiritualität durch (weitaus gefährlicheren Extremsport), andere durch Meditation, wieder andere durch Substanzen. Mir zum Beispiel würde ein Extremsport aber sicher nichts geben, ich erreiche diesen Zustand primär durch Substanzen. Weswegen also sollte man, nur um das subjektive Dogma Yazdi’s zu erhalten, auf Methoden zurückgreifen, die bei einem kleinen Teil der Patienten zum gewünschten Ergebnis führen, anstatt auf Methoden, die in fast 100% erfolgreich sind (Psychedelika führen bei fast jedem zu der spirituellen Einheitserfahrung, die man sich in der Therapie zu Nutze macht) und zusätzlich noch ungefährlicher?
  2. Natürlich wirkt das Psilocybin keine Monate lang, das hat auch niemand behauptet. Besser noch, die Erfahrung durch eine Substanz ist so mächtig und befreiend, dass sie noch Monate später die Lebensqualität erhöht. Das spricht nicht gegen den Wirkstoff, sondern für ihn, da er nur selten benötigt wird und damit auch keine dauerhaften Nebenwirkungen zur Folge hat, wie z. B. Antidepressiva.
  3. Es geht sehr wohl um die eingesetzten „Drogen“: Keine andere Erfahrung ist bei so vielen Menschen so verlässlich und eindrücklich. Sicher, auch Extremsport kann ähnliche Effekte haben, aber nur bei einem Bruchteil der Bevölkerung und bei chronisch Depressiven ist dieser Anteil vermutlich sogar noch geringer. Einen wirklichen Perspektivwechsel erreicht man damit auch nicht, denn es handelt sich um Situationen, die auch zuvor irgendwie vorstellbar waren. Wer noch nie geflogen ist kann dennoch ahnen, wie es sich ungefähr anfühlt, wer aber noch nie LSD genommen hat, kann sich dieses Gefühl nicht im Ansatz imaginieren. Das kann Herr Yazdi aber nicht wissen, da er offenkundig noch nie so etwas konsumiert hat.

„Was fehlt, sind größer angelegte Studien zu dem Thema. […] Es sei nun aber an der Zeit, „zurück in die Zukunft zu gehen“, hieß es dazu im Editorial der Dezemberausgabe des „Journal of Psychopharmacology“, die sich dem Thema widmete.

Für Yazdi sind derzeit aber viele Fragen offen – etwa, wie die Substanz in der breiten Bevölkerung wirken würde. Denn auch wenn die Probanden das Psilocybin nur einmalig einnahmen […] glaubt der Psychiater, dass Betroffene den Effekt replizieren wollen und dafür die Dosis nach und nach erhöhen würden.“

Gerade wegen solcher Aussagen ist die Beschuldigung, Herr Yazdi habe keine Ahnung, so angebracht. Zum ersten, wenn man keine Studien zulässt wird man auch nie wissen, wie es sich auf die Bevölkerung auswirkt. Wenn dem so wäre. De facto wurde LSD unter dem Namen Delysid von der Firma Sandoz jahrelang vertrieben und angewandt, weswegen man weiß, wie es sich auf die Bevölkerung auswirkt (hier nachzulesen). Von der Wirkung her ist der Unterschied zwischen LSD und Psilocybin nicht so groß, dass die Effekte grundsätzlich verschieden wären.

Zudem unterstellt er hier, dass eine psychedelische Erfahrung unbedingt zur Replikation führen würde. Erstens, na und? Psilocybin-Pilze sind nichts, mit dem man sich zudröhnen kann. Wer mit Pilzen eine spirituelle Erfahrung erlebte und diese wiederholen möchte, der tut das nicht, um sich zuzudröhnen, denn bei Psychedelika ergibt sich keine Realitätsverleugnung, sondern ein direkterer Kontakt zur eigenen Gefühlswelt. Wer diese Therapie somit privat weiterführt zeigt eigentlich, dass die Therapie sehr gut angeschlagen hat und von dem Patienten angenommen wird. Zweitens ergibt sich aus dem eben Beschriebenen schon eine Widerlegung der Behauptung. Ein Trip ist anstrengend, kann nicht oft hintereinander wiederholt werden wegen starker Toleranzentwicklung und ist aufgrund seiner Länge nur schwer in den Alltag zu integrieren. Diese Behauptungen zeugen also wieder von wenig Verständnis der Materie, genau genommen kommt der Eindruck auf, als hätte Kurosch Yazdi noch nie wirklich recherchiert, sondern bloß seine Meinung in ein wissenschaftliches Gewand qua akademischem Grad gepresst.

„Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: So wie alle Substanzen, die auf das Belohnungssystem wirken, macht auch der regelmäßige Konsum von Magic Mushrooms abhängig.“

Eine Psilocybin-Abhängigkeit ist in der Tat etwas furchtbar Ärgerliches. Beziehungsweise wäre sie es, wenn sie existieren würde. Denn ein Trip wirkt nicht auf unser Belohnungssystem, wie behauptet. Das Belohnungssystem baut vor allem auf dem Catecholamin Dopamin auf. Psilocybin wirkt aber nicht dopaminerg, sondern es wirkt auf den Serotonin-Rezeptor 5-HT2A, wie die meisten anderen Psychedelika auch. So schwer zu finden ist diese Information auch nicht, hätte Herr Yazdi Interesse an einer fairen Darstellung hätte er diese sicher auch gefunden. Ich bin mir sicher, dass er es auch so schon weiß.

„Aber nicht für alle: Denn wer die Veranlagung zu Psychosen hat, der könne seinem Gehirn dauerhaft Schaden zufügen, warnt Yazdi. „Auf einem Trip hängenbleiben“ sagt man dazu umgangssprachlich. „Das bedeutet, dass die Stoffwechselentgleisung im Dopaminsystem des Gehirns so gravierend war, dass es sich nicht mehr von selbst erholen kann“, erklärt der Mediziner.“

Wie bereits erwähnt, Pilze wirken praktisch gar nicht auf das Dopamin-System ein, also kann es auch nicht durch Pilze entgleisen. „Auf einem Trip hängenbleiben“ kann man ebenfalls nicht, Yazdi belebt hier einen alten Mythos wieder. Man braucht eine Veranlagung, muss noch anderen Stressoren ausgesetzt sein, muss empfindlich sein, ein schlechtes Setting und Set ist ebenfalls „wichtig“ und dann KANN eine Psychose verstärkt werden, möglicherweise auch sehr intensiv. Aber dieses Risiko besteht auch bei Alkohol und unterscheidet sich bei beiden Substanzen kaum. Das Psychoserisiko ist bei nahezu jeder illegalisierten Substanz aufgebauscht ohne Ende.

Stoffwechselentgleisungen durch Psilocybin oder andere Psychedelika sind mir ebenfalls nicht bekannt. Ich kann das Gegenteil nicht beweisen, habe danach aber im Internet viel gesucht und die einzige Quelle, die explizit ähnliches behauptet ist der Honigmann, der für seine „hochwissenschaftlichen“ Beiträge zu Chemtrails, Haarp und den Freimaurerjuden allen Skeptikern bekannt sein dürfte. Auch ist mir kein einziger Mensch bekannt, dem so etwas passiert ist, oder der jemanden kennt, dem das passierte (bis auf die Drogenhasser, von denen hat jeder schließlich zwanzig Fälle in petto, die einmal LSD/Pilze/Cannabis konsumierten und daraufhin nackt durch die Straßen gerannt sind. Vermutlich kennen sie alle die gleichen deutschlandweit zwanzig einzigen Personen, denen das zugestoßen ist). Zwar wäre theoretisch ein Serotonin-Syndrom denkbar, aber der Konsument müsste dazu Mischkonsum betreiben und sich zusätzlich noch sehr dumm anstellen. Eine dauerhafte Stoffwechselentgleisung durch Psilocybin ist aber nach jeder mir verfügbaren Datenlage unwahrscheinlich bis unmöglich.

 

Argumente gegen Legalisierung?

Ich bin durch einen Freund von dem ich sehr viel halte indirekt auf einen Artikel gestoßen, der mehrere Gegenargumente zur Legalisierung auflistet (den Artikel findet man hier). Recht überzeugen konnten mich die dort genannten Argumente allerdings nicht wirklich. Doch um fair zu bleiben, möchte ich sie hier noch einmal ausführlich diskutieren und einzig und alleine Belege und nachvollziehbare Logik sprechen lassen, ohne dabei provokant oder unsachlich zu werden.

Zuerst werden die möglichen Perspektiven zur Drogenpolitik unterschieden, in eine individuelle und eine gesellschaftliche.

aus der individuellen Perspektive gilt: Jeder Mensch muss selbst entscheiden, welche Drogen er konsumieren möchte. Kein außenstehender Mensch hat das Recht, diese Eigenverantwortung einzuschränken.

aus gesellschaftlicher Perspektive gilt: die Gesellschaft besteht aus einem recht engen Netzwerk. Wenn sich Personen absichtlich in Gefahr bringen und dies von der Gesellschaft „bezahlt“ werden muss, ist dies nicht akzeptabel. Jeder, dem schon einmal das Auto oder die Wohnung ausgeraubt wurde, oder der im Monat 1.000 DM an die Krankenkasse bezahlt (obwohl er immer kerngesund ist), wird dies spontan nachvollziehen können.

Es ist kein wirklich logischer Fehler, aber kritisieren möchte ich diese Anschauung dennoch. Denn „in Gefahr bringen“ ist relativ, wie schon in meinem vorigen Artikel angesprochen. Selbst wenn man mit diesem Argument Drogen wie Methamphetamin oder Alkohol verbieten könnte, so wäre es unlogisch, Reiten zu erlauben und MDMA zu verbieten (Siehe David Nutt, Equasy is more dangerous than Extasy). Die gesellschaftlichen Interessen sollten den elementaren Selbstbestimmungsrechten des Individuums auch niemals den Platz streitig machen, denn letztlich ist es das Individuum, dass das Funktionieren der Gesellschaft gewährleistet. Ein Individuum ist nicht gesellschaftsabhängig, andersrum gilt das schon.

Argument 1:
Die Zahl der Konsumenten würde steigen und damit auch die Zahl der Abhängigen.

Dieses Argument ist zumindest nach allen derzeitig verfügbaren Daten wirklich nur falsch. Zwar hat kein Land bisher alle Drogen LEGALISIERT, doch Portugal entkriminalisierte 2001 alle Drogen. Zuvor war Portugal der europäische Hardliner, vergleichbar mit den USA und hatte dadurch auch die meisten drogenbedingten AIDS-Todesfälle. Zudem war 1% der gesamten Bevölkerung heroinabhängig! (Siehe hier)

Nachdem man 2001 die Drogen entkriminalisierte, traten die Effekte ein, die im vorigen Link schon genauer erklärt wurden. Weniger Konsum, weniger Tote, weniger Süchtige, weniger HIV-Infektionen. Natürlich ging das mit anderen Veränderungen einher, z. B. einer besseren Aufklärung, doch die ließe sich ja gerade durch eine Legalisierung und damit weniger Polizeikosten/mehr Steuereinnahmen finanzieren.

Auch in den Niederlanden zeigen sich diese Effekte.

Argument 2:
Die kriminelle Szene würde weiter bestehen und möglicherweise stärker auf Einkommensquellen wie Kidnapping zurückgreifen.

Dieses Argument ist nicht ganz falsch, die allzu optimistische Ansicht, der Schwarzmarkt und die organisierte Kriminalität würden sich komplett auflösen, ist überzogen. Aber Kidnapping als Tagesgeschäft? Diese Vorstellung ist absurd, vor allem, da durch eine Legalisierung plötzlich eine große Menge von unnötiger Polizeiarbeit entfiele, die anderweitig solche Verbrechen effektiver verhindern und aufklären könnte. Durch Drogenhandel und den Handel mit Alkohol während der Prohibition ist die organisierte Kriminalität überhaupt erst groß geworden, die gesamten Kartelle in Mexiko und Südamerika existieren NUR deswegen. Klar, mit einer Legalisierung verschwinden diese Strukturen nicht, aber kein anderer Geschäftszweig ist ähnlich lukrativ wie der Handel mit verbotenen Substanzen. Wir haben es mit Gewinnspannen zu tun, die so hoch sind, dass es den Großdealern nichts ausmacht, wenn 10% ihrer Ware verloren geht!

Argument 3:
Die Kosten im Gesundheitssystem würden sich massiv erhöhen.

Da der Autor sich hier auf Argument 1 bezieht in dem behauptet wurde, der Konsum würde zunehmen, muss man hier nicht mehr weiter argumentieren, da die Basis falsch gelegt ist. Der Behauptung, dass bei mehr Menschen die konsumieren logischerweise auch mehr ein Problem damit bekämen ist aber auch davon unabhängig nicht richtig. Die Umstände eines Konsums unter legalen Bedingungen sind ganz andere und wie bei Alkohol und Tabak auch fällt problematischer Konsum dem Umfeld schneller auf. Aufklärung ist ohne Repressionen ebenso besser möglich.

Das mehr Menschen eine Therapie beginnen würden wenn Drogen legalisiert würden ist ein ziemlich wackliges Argument. Da der Konsum nicht unter Strafe steht gibt es auch unter repressiven Bedingungen für Konsumenten keinen Grund, nicht zu einer Therapie zu gehen, in solchen Fällen gibt es sogar meist Straffreiheit. Die größte Zahl der Abhängigen verteilt sich auf verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol und Tabak, die vergleichsweise wenigen Abhängigen von illegalen Substanzen werden kaum ins Gewicht fallen.

Argument 4:
Die Aufklärung würde nicht effektiver werden.

Als Beispiel müssen Tabak und Alkohol herhalten. Diese sind ja legal, darum müsste bei ihnen die Aufklärung besser funktionieren. Nun, bei Tabak tut es das auch. Die Zahl der Raucher ist rückläufig, denn hier wird auch aufgeklärt. Hinweise auf Verpackungen und Verkauf ab 18 Jahren, der zumindest einigermaßen gut funktioniert. Bei Alkohol dagegen haben wir eine Untergrenze von 16 Jahren und der Konsum darf in Fernsehen/Radio usw. grenzenlos beworben werden. Sogar viele der Aufklärungskampagnen behaupten, Alkohol gehöre auf Partys „schon irgendwie dazu“ (So erlebt bei einer „Aufklärung“ über Drogen UND Alkohol durch die Polizei. Selbst hartgesottene Legalisierungsgegner, die sich ein wenig informiert haben würden deren Äußerungen lachhaft finden). Hier wird kaum aufgeklärt, sondern eher traditionalisiert. Aufklärung funktioniert also, nur muss sie eben auch umgesetzt werden.

Argument 5:
Drogentourismus in Deutschland wäre die Folge und damit auch große Probleme.

Ja, nicht alle Menschen, die in die Niederlande zum Kiffen fahren sind freundliche Personen, die nur zum Eigenbedarf kaufen. Doch neben den Problemen profitieren viele eben auch von diesem Tourismus. Die dadurch importierte Kriminalität liegt weit unter der, die im eigenen Land „verloren geht“. Mit einfachen Regelungen, z. B. dem Vorzeigen eines Passes, der die Staatsbürgerschaft bestätigt, könnte man im schlimmsten Fall den Tourismus wieder eindämmen. Und ob man sich im eigenen oder im Ausland strafbar macht ist den (ausländischen) Kiffern vermutlich egal, die wenigsten würden so einen Aufwand also auf sich nehmen.

Argument 6:
Die Qualität der Substanzen muss nicht zwangsweise steigen.

Die genannten Beispiele überzeugen hier recht wenig. Ja, es gab Skandale wegen Rückständen in Nahrungsmitteln, Pestiziden, Antibiotika und vielem anderen. Aber diese Skandale wurden aufgedeckt, die Kontrollen verschärft und ein gewisses Maß an Kontrolle ist gegeben. Dass die Möglichkeit der Überprüfung nicht bei 100% sondern bei 80% liegt ist kein Argument, das Überprüfen sein zu lassen. Und bei schlechter Ware kann man bei einer Legalisierung den Verkäufer auf Schadensersatz verklagen und wird nicht noch weiter stigmatisiert und mit Problemen alleine gelassen. Die Qualität wird de facto steigen, sie wird nicht perfekt sein aber schon marginale Kontrollen verbessern sie im Vergleich zu gar keinen. Es ist wieder kein Argument gegen eine Legalisierung, sondern gegen zu viel Optimismus im Bezug auf diese.

Argument 7:
Eine Trennung der Märkte ist sinnlos.

Hier bezieht sich der Autor ausschließlich auf die Cannabis-Legalisierung. Und er hat Recht. Eine Legalisierung von Cannabis wird den Konsum „harter“ Drogen (was eine harte und eine weiche Droge sein soll konnte mir auch noch keiner definieren) nicht einschränken. Inwiefern das gegen eine Legalisierung spricht, wenn es weder Nach- noch Vorteile in diesem Bereich gibt, ist mir dabei schleierhaft. Eher hätte eine komplette Legalisierung Vorteile, weil der Dealer um die Ecke gar nichts mehr anbieten kann und der durchschnittliche Konsum sinkt.

Argument 8:
Die Politik würde durch eine Legalisierung nicht glaubwürdiger.

Auch hier geht’s nur um den Cannabis-Konsum. Ich erwähne das letzte Argument nur der Vollständigkeit halber, denn es ist irrelevant, ob die Politik glaubwürdiger wird oder nicht. Die Politik hat dafür zu sorgen, dass sie keinen unnötigen Schaden anrichtet und die Steuergelder sinnvoll investiert, ob es sie dabei glaubwürdiger macht oder nicht hat keine Bedeutung. Vor allem würde eine Legalisierung sie auch nicht unglaubwürdiger machen.

Fazit: Ich stimme dem Autor teilweise zwar zu, allerdings sprechen die Fakten meist nicht wirklich gegen eine Legalisierung. Einige Argumente ergeben zwar aus der Alltagslogik heraus Sinn, sind aber durch Beispiele in der Praxis vielfach widerlegt und die intuitive Logik versagt bei statistischen Aspekten ohnehin oft. Dennoch ist es gut, dass debattiert wird, je lebendiger eine Debatte, desto eher ist ein Fortschritt zu erwarten.

Der Fluch der Volksgesundheit

Wir leben in einer Gesellschaft, die das Streben nach dem Ideal der Schönheit, der Gesundheit und der Produktivität zum höchsten Gut erhoben hat. In einer Gesellschaft, die für die anderen „unproduktiv“ lebende Menschen nur Verachtung übrig hat. In einer Gesellschaft, in der man stolz darauf ist, sich ausbeuten zu lassen und sich nur dem anzupassen was die Mehrheit von einem verlangt. Wir opfern unsere Gesundheit dem Gesundheitswahn, unsere Freiheit dem aufgezwängten Wunsch nach Selbstständigkeit und unsere Bildung dem Wunsch nach akademischen Auszeichnungen.

Ich werde in anderen Texten auf das eingehen, was zusätzlich zum Gesundheitswahn genannt wurde und mich primär dem Thema der Gesundheit und dem Umgang damit in diesem Kollektiv widmen.

Mich stört schon lange die aggressive und ignorante Haltung, die gegenüber psychotropen Substanzen in nahezu jedem konservativen Hetzblatt (ausgenommen Alkohol, das ist schließlich ein „Genussmittel“, ein „Genussmittel“, dass eben gefährlicher ist als die bösen Drogen) propagiert und gepredigt wird. Auf diese Haltung möchte ich nicht weiter eingehen, dass das Drogenverbot falsch und schädlich ist haben diverse Artikel, Studien, Portugal usw. schon bewiesen. Nur ist diese Haltung nicht auf psychotrope Substanzen beschränkt, im Gegenteil, sie wird immer schlimmer!

Ich selbst bin Ex-Raucher und müsste darum, wenn es nach der Norm ginge arrogant auf die „dummen Raucher“ herabschauen, denen ja bloß die Disziplin fehlt, diesen zutiefst bösartigen Lebensstil hinter sich zu lassen. Ich hoffe, keiner hat geglaubt, dass dieser Satz gerade ernst gemeint war, doch schaut man sich an, wie mit Rauchern umgegangen wird, wird es sicher viele geben, die mir zugestimmt haben.

Gerade beim Rauchen ist es bemerkbar, wie Menschen, die eigentlich wenig Grund zur Arroganz haben auf Raucher herabschauen. „Wie dumm diese Menschen doch sind, die ruinieren sich ihre Gesundheit und ICH muss dann deren Kosten im Krankenhaus tragen.“ So viel ekelhafter Egoismus und so viel unbegründete Überheblichkeit in einem Satz, gepaart mit so wenig Ahnung von Suchtproblematiken ist typisch für die Vertreter dieser Richtung. Man gibt sich liberal und menschenfreundlich, spendet Almosen nach Afrika, möchte aber den Nachbarn an Lungenkrebs sterben lassen, da er selber Schuld sei, schließlich habe er einmal im Jahr an einer Zigarette gezogen.

Die Vertreter dieser Geistesrichtung, die schon lange die Köpfe der meisten erobert hat, merken meist nicht, dass ihre Ideologie an und für sich schon widersprüchlich ist. Man erhöht den Druck und den Zwang auf Individuen, sich der eigenen Gesundheit für die Gesellschaft zu widmen, aber spricht dann davon, dass man selbstverantwortlich sein soll. Sie sprechen sich für Drogenverbote aus, sagen aber, Drogenkonsumenten seien an möglichen Konsequenzen selbst Schuld. Im Umkehrschluss könnte man sagen, jeder Drogentote, der aufgrund von Streckmitteln starb müsste umgehend zu einer Anzeige wegen Totschlags bei den Gesundheitsfanatikern führen, die die repressive Politik wollen. Mir ist klar, dass das absurd ist, aber auf diesem argumentativen Level befinden wir uns derzeit. Mein Vorschlag ist nicht dümmer als der Vorschlag, Menschen zur Selbstverantwortung zu führen in dem man ihnen alles verbietet.

„Aber wer raucht/trinkt/whatever soll natürlich höhere Krankenkassenbeitrage zahlen!“ Was am Anfang wie ein guter Vorschlag klingt entpuppt sich schon bald als etwas, das in einem unübersichtlichen Bürokratie- und Überwachungsmonster mündet, welches die Kosten der Behandlung von Folgeschäden durch Übergewicht, Drogenkonsum oder was man eben sonst noch dämonisiert um ein Vielfaches übersteigen würde. Und wo zieht man die Grenze? Muss man sich nach jedem MCDonalds-Besuch für höhere Krankenkassenbeiträge registrieren? Muss man die Beiträge für Cannabis-Konsumenten ohne Veranlagungen zur Psychose senken, weil die gesundheitlichen Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen, wie bei vielen anderen Psychedelika auch? Nein, natürlich nicht, dass ginge schließlich jedem zu weit (zumindest hoffe ich das). Man kann jetzt einwenden, wie übertrieben diese Beispiele doch sind und dass keiner der Gesundheitsapostel so etwas jemals gefordert hat. Nur kann man bei einer Weltanschauung nicht postulieren, dass die logischen Konsequenzen nur bis zu einem gewissen Grad befolgt werden dürfen, denn dann ist das Weltbild inkonsistent und offenkundig ungeeignet für die Anwendung.

Diese kleine Ausführung legt nahe, was ohnehin jedem klar sein sollte … Das Weltbild des Gesundheitsfanatismus, der staatlich repressiv erzwungenen Volksgesundheit ist inkonsistent und nicht ansatzweise so rational wie es sich gibt. Viele nachweißlich schädlichen Verhaltensweisen werden nicht angegangen, da sie ja Tradition seien (und auch die größten Fanatiker nicht auf ihre eigenen Süchte und Räusche verzichten wollen) und eine Ausnahme nötig sei. Oder es wird eine angebliche Notwendigkeit postuliert, dass ein Stoff/eine Verhaltensweise „normal“/“unverzichtbar“ sei. In Wirklichkeit wird nur verleugnet, dass der Lebenswandel der größten Fürsprecher oftmals nicht gesünder ist als der des Normalverbrauchers.

Der Zweck ist auch hier wieder nur die Schaffung eines gesellschaftlichen Ideals. Durch permanente (Selbst-)Überwachung werden wir zu Gesundheitszombies gemacht. Gesundheit ist hier nur leider kein Selbstzweck, schließlich ist es nicht verwerflich, wenn man sich aus Gründen der Risikominimierung von psychotropen Substanzen, fettigem Essen usw. fernhält. Es ist zum Zwecke einer Gesellschaft, die die Lebensfreude des Individuums opfert zur Kostenminimierung, die den absoluten Egoismus und die Mitleidslosigkeit predigt und einen unmündigen Menschen schafft, der sich darin sonnt, angeblich selbstbestimmt zu sein, obwohl er unfrei ist.

Lasst euch Weed verschreiben!

Der provokative Titel mag vielleicht irre führen, hier geht es nicht darum, Ärzten Symptome vorzulügen um an medizinisches Cannabis zu kommen. Doch ist Cannabis bei vielen Krankheiten eine nebenwirkungsarme Alternative, eine gute Übersicht über mögliche Indikationen liefert hier der deutsche Hanfverband. Auch Symptome können durch regelmäßigen Cannabis-Konsum gelindert werden, wie zum Beispiel chronische Schmerzen oder Spasmen als Folge von neurodegenerativen oder Krebserkrankungen, im Gegensatz zu Opiaten/Opioiden/Benzodiazepine sind die Langzeitwirkungen schwächer.

Cannabis als Mittel gegen chronische Schmerzen bietet eine neue Substanzklasse in diesem Bereich. Da zwischen Opiaten und Opioiden eine Kreuztoleranz besteht ist es dringend notwendig, eine neue wirksame Stoffklasse anwenden zu können. Ärzte können bei diesen Schmerzen abwechselnd Schmerzmittel verschreiben, sodass auf Dauer keine große Toleranz aufgebaut und das Risiko einer Abhängigkeit vermindert wird.

Dass die Cannabis-Freigabe als Nebeneffekt sogar dafür sorgt, dass die Verschreibung von gefährlicheren Medikamenten abnimmt, ist übrigens an Colorado zu sehen. Auch nimmt die Zahl der Krankheitstage im Mittel ab, Cannabis scheint also allgemein gegen viele Zivilisationserkrankungen zu helfen. Dies ist in diesem Artikel nachzulesen. Eine Verschreibung von Cannabis wäre also sogar bei sonst gesunden Menschen vernünftig, da für die Krankenkassen sonstige Behandlungskosten wegfallen würden (Entzug bei Abhängigen von Opiaten und Benzodiazepinen, viele Schmerztherapien …). Da die Begründung des Verbots von Weed und anderen Drogen vom Bundesverfassungsgericht 1994 war, dass man die „Volksgesundheit“ schützen möchte, müsste man diesem logisch folgen und damit allen Menschen den Zugriff zu legalem Gras gewähren (das ist natürlich als Begründung für eine Legalisierung Blödsinn, aber recht lustig, was man aus juristischen Haarspaltereien alles ableiten kann. Eine Legalisierung ist aus ganz anderen Gründen angebracht als juristischen).

Doch warum sollte man sich jetzt primär Weed verschreiben lassen?

  1. Je mehr Menschen medizinisches Cannabis erhalten, desto mehr Ärzte merken auch, dass es sich hier um ein nebenswirkungsarmes und vielseitiges Medikament handelt. Damit steigert sich auch ihre Bereitschaft, es zu verschreiben, ebenso die der Krankenkassen, es zu genehmigen. Da derzeit viele Schwerkranke Menschen ihre hilfreiche Cannabis-Medizin nicht erhalten, weil noch viele Ärzte Vorurteile gegen sie haben und denken, die Nebenwirkungen wären unvertretbar, kann man seinen Anteil zu deren Hilfe leisten, indem man selbst für eine solche Medikation kämpft (natürlich nur, wenn man es wirklich sinnvoll gebrauchen kann). In Colorado (wie im vorher verlinkten Artikel zum Thema der Abnahme von Krankheitstagen usw. auch geschrieben wird) ist dieser Trend zu bemerken. Die dortigen Mediziner bevorzugen mittlerweile oft  Gras gegenüber den pharmazeutischen Stoffen.
  2. Je verbreiteter Weed ist, desto mehr wird auch in der Gesellschaft über wirkliche Gefahren bekannt. So wird eine esoterische Überbewertung von Cannabis ebenso unhaltbar, wie die Verteufelungen von CSU-Politikern ohne Faktenbasis oder einen Hauch von Ahnung. Für viele Jugendliche oder andere Konsumenten ist diese allgemeine Unwissenheit besonders gefährlich. Da mittlerweile den meisten bekannt ist, dass die Verteufelungen von Seiten der CSU und Co. mehr als übertrieben sind, ist auch die Bereitschaft groß, vom Gegenteil auszugehen. Auch wenn die meisten wissen, dass Cannabis nicht komplett ungefährlich ist, so wird durch mangelnde Aufklärung, Repression von Konsumenten und die offenkundige Lächerlichkeit vieler Gras-Mythen der Konsum von vielen unterschätzt. Eine realistische Gefahreneinschätzung wird nur durch mehr offenen Konsum (bzw. mehr Akzeptanz und damit auch mehr offene Diskussionen) und Aufklärung möglich.
  3. Weed hilft oft gegen mehrere Symptome und Krankheiten gleichzeitig. Ich möchte mir auch medizinisches Cannabis verschreiben lassen, da der große Vorteil für mich ist, gleich vier Symptome/Krankheiten auf einmal behandeln zu können. Sowohl gegen ADHS, Tics, Schlafstörungen und (regelmäßige) Kopfschmerzen würde es mir helfen. Momentan nehme ich Methylphenidat gegen ADHS und es hilft mir in den meisten Fällen sehr gut, jedoch haben meine Schlafstörungen und meine Tics eher zugenommen. Klar, von meinem Fall lässt sich nicht auf die Allgemeinheit schließen, aber da so viele Indikationen möglich sind (und weitere noch erforscht werden), ist es nicht unwahrscheinlich, in Zukunft nur noch ein Medikament schlucken zu müssen, dass zudem gut verträglich ist (in den meisten Fällen).

 

Die Pharmaindustrie bekämpft nachweißlich die Legalisierung von Cannabis, so werden Gegner einer Legalisierung, egal ob zum Freizeitkonsum- oder medizinischen Zwecken, von Pharmaunternehmen finanziert. In diesem Artikel wird das erläutert und nachgewiesen. Dies wird sicher nicht aus Interesse an einer Zunahme der gesunden Menschen in unserer Gesellschaft gemacht, an gesunden Menschen verdient man in diesem Bereich nämlich nicht. Es wird getan, weil Cannabis viele Medikamente zwar nicht überflüssig, aber dennoch weniger wichtig macht.

Es ist ein Mythos, dass Schmerzmittel und andere Stoffklassen komplett überflüssig würden, das sollte hier auch erwähnt werden. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Wenn jemand Weed nicht verträgt kann ihm ein pharmazeutisches Produkt durchaus besser bekommen. Aber Cannabis ist eine gute Alternative zu vielen dieser Produkten und eben hierfür sollte man es sich auch verschreiben lassen. Um eine etablierte Alternative zu vielen bekannten Stoffen auf dem Markt zu schaffen und die Pharmaindustrie zu zwingen, ihre Produkte zu verbessern.

1,3,7-Trimethylxanthin, die Horrordroge

Schon seit Längerem hat sich eine Stimulanz auf dem Markt etabliert. Sie fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und der Anteil an den jährlich konsumierten Drogen ist hoch und übertrifft in einigen Regionen schon den Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis. Dennoch sieht weder die Drogenbeauftragte noch sonst wer einen Grund zu handeln, obwohl TMX (abgekürzt = Trimethylxanthin) viele Nebenwirkungen aufweist, süchtig machen kann und von vielen regelmäßig konsumiert wird. Während Frau Mortler sonst den Konsum von Rauschgiften schnell eindämmt, scheint diese Substanz den wachsamen Augen der Drogenbehörden entgangen zu sein.

Was sind nun die Nebenwirkungen? Schon als Reinstoff ohne Streckmittel treten diese nicht zu knapp auf. Schon nach wenigen Tagen des Konsums kommt es zur Toleranzentwicklung, die Nervenzellen arbeiten immer langsamer und man wird müder. Diese Müdigkeit muss mit neuem Konsum bekämpft werden, wodurch der Drang zum Nachlegen entsteht. Im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Stimulanzien wie Amphetamin, Methamphetamin oder MPH kann TMX auch körperlich abhängig machen. Die körperlichen Entzugserscheinungen können bis zu neun Tage andauern. Sie beinhalten grippeähnliche Symptome, starke Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Depressionen, eine Veränderung der Theta-Wellen im Gehirn und Energieverlust. Eine Überdosierung kann zum Tod führen, bei Menschen mit Vorerkrankungen kann schon eine konsumübliche Dosis tödlich sein.

TMX ist mittlerweile zur am häufigsten konsumierten Stimulanz geworden. In Speed und Methamphetamin wird es oft als Streckmittel verwendet, da es günstig herzustellen und zu kaufen ist, eine ähnliche Farbe hat und nasal praktisch sofort wirksam ist.  Das schnelle Anfluten erhöht das Suchtpotential. TMX kann allerdings auch oral konsumiert werden und theoretisch auch gespritzt, diese Konsumform ist aber eher unüblich. Gefährlich ist auch, dass die Substanz so weit verbreitet ist. Da sie oft anderen Konsummitteln hinzugefügt wird, haben die meisten Menschen, oft auch ohne es zu wissen, Erfahrung mit ihr. TMX ist in allen gesellschaftlichen Schichten eine vielverwendete stimulative Substanz, nicht selten ist der Konsum täglich. Die Sucht beginnt schleichend und wird anfangs meist nicht bewusst erlebt. Wenn man die eigene Suchterkrankung erkennt ist sie meist schon weit fortgeschritten.

Auf Dauer steigt bei Konsum das Risiko für Diabetes-Typ-2. Das Psychoserisiko ist ebenso erhöht, auch können temporär Halluzination auftreten. Durch die stimulative Wirkung steigt der Blutdruck und die Herzfrequenz an. Der Körper wird in eine Flucht oder Kampf-Reaktion versetzt, also praktisch eine künstliche Panik, was auf Dauer sicher auch nicht gesund ist.

Dies ist ein Appell an Frau Mortler. Verbieten sie diese Substanz! Sie stellt ein ernstzunehmendes Risiko für die Sicherheit und die Volksgesundheit dar. Das Fremdschädigungspotential ist mit großer Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Ein Verbot ist hier definitiv die beste Lösung um den voranschreitenden Horror noch rechtzeitig aufzuhalten.

 

 

Nun fragt sich vermutlich der Leser, der andere meiner Beiträge zur Thematik der Drogenpolitik gelesen hat, weswegen dieser Meinungsumschwung? Ganz einfach, wer die Nebenwirkungen dieser Substanz kennt, kann nicht anders als sie verbieten zu wollen. Viele stimmen mir hier sicher zu. Und dann kann ich euch nur sagen: „Glückwunsch, sie haben grade Koffein verboten …“

 

Dieser Artikel sollte eines klarstellen … eine verkürzte Darstellung von Nebenwirkungen ohne das Aufzeigen von Differenzen der Dosierung, ohne die Erwähnung der positiven Effekte und mit einer scheinbar objektiven Ausdrucksweise, die alles ins falsche Licht rückt, lässt nahezu alles gefährlich wirken. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass Koffein eine relativ harmlose Alltagsdroge ist. Und das gilt für viele illegale Drogen genauso. Bei Cannabis, LSD, Pilzen, MDMA usw. ist es nur diese Form der Darstellung, die sie riskant erscheinen lässt. Sehr viel gefährlicher als Koffein sind diese Substanzen aber auch nicht.

Legal Highs 7 (1P-LSD)

Ich hatte seit einiger Zeit vor, Alice in höherer Dosis auszuprobieren, doch dies scheiterte leider an unzuverlässigen Menschen. Darum beschloss ich, mir das legale 1P-LSD zu Forschungszwecken zu bestellen. Da die meisten Tripberichte aussagten, dass die Wirkung im Rahmen der Wissenschaft praktisch identisch sei, war dieser Unterschied auch nicht sonderlich gravierend für mich. Ich bestellte bei dem deutschen Vendor http://www.1plsd.de/, welcher mit etwas Verspätung, aber dennoch gut und zuverlässig lieferte. Auch hier gilt, dass ist keine Substanz zum Einnehmen, wir sind schließlich treue Staatsbürger und achten Recht und Gesetz.

Kurz zur Substanz. Es handelt sich bei 1P-LSD um das Molekül 1-Propionyl-D-Lysergsäurediethylamid, welches im Verdacht steht, als Pro-Drug für LSD zu funktionieren, also im Körper den Propionyl-Teil zu verlieren und dann ganz normal als LSD (=Lysergsäurediethylamid) zu wirken. Um bei den Pappen sicher zu gehen, dass es sich nicht um Stoffe der DOx- oder 25X-NBOMe-Klassen handelt gibt es technische Testverfahren. Eine andere Möglichkeit ist es, die Pappe direkt zu schlucken, denn DOx- und 25X-NBOMe-Stoffe sind ausschließlich sublingual wirksam.

Nun ja, auch diese Lieferung dauerte lange, als sie ankam war meine Freude so groß, dass ich ohne großes Nachdenken gleich eine Pappe einnahm (nur 100 Mikrogramm/das war ungefähr um 18:30) und mich in mein Zimmer verzog. Dort begann das Warten auf den Wirkungseintritt. Nach einer halben Stunde in etwa überkam mich eine seltsame Euphorie, aber darauf folgte ein Abklingen dieser, als ich mich fragte, ob die Wirkung nicht vielleicht ein reines Placebo gewesen war. Gegen 19:15 war immer noch nichts zu spüren, dass eindeutig Nicht-Placebo war. Recht enttäuscht legte ich mich auf meine Couch, machte das Licht im Zimmer aus und ein wenig Goa-Musik an, um möglicherweise doch noch eine psychedelische Wirkung herauszukitzeln. Innerhalb der nächsten zehn Minuten trat sie plötzlich ein. Mir fiel auf, dass mein Körper sich sehr aufgeladen anfühlte und sich unbedingt bewegen wollte. Die Bezeichnung Body-Load trifft es einfach perfekt, es schien, als wollte jeder Muskel unbedingt genutzt werden. Die Wachheit und Euphorie übernahmen meinen Körper und ich sprang von der Couch herunter, um zu der Musik zu tanzen. (Das muss wohl ziemlich bescheuert ausgesehen haben, Gott sei Dank lehne ich Tripsitter ab) In der Dunkelheit gestaltete sich das aber recht schwierig. Als ich den Lichtschalter gefunden hatte und anschaltete überkam mich aber zuerst wieder Enttäuschung. Anstatt krasser Optics schien der Raum nur unspektakulär normal zu wirken. Die Sicht war etwas vertieft und räumlicher, aber eben nicht in besonderem Maße. Die Intensität war vergleichbar mit der Wirkung von Waldmeister (zumindest bei mir).

Nach einer weiteren Stunde, ungefähr 20:30, in der sich Bodyload und Euphorie immer weiter steigerten, ließ der Drang, sich zu bewegen, nach. Ich setzte mich auf die Couch und schaute die Muster darauf an. Zum ersten mal wurden die Optics etwas interessanter. Alles wirkte tiefer, zwischen den einzelnen Stofffasern schien es möglich zu unterscheiden und auch, jedes Detail auf einmal wahrnehmen zu können. Das Muster faszinierte mich und zog mich in seinen Bann (es ist in der „Realität“ oder wie man den Zustand ohne Substanzeinfluss auch nennen mag ein ziemlich langweiliges Blumenmuster). Es bewegte sich immer leicht hin und her und verband sich mit irgendwelchen abstehenden Fasern immer neu zu interessanten Gebilden, die mir sehr mystisch und schön erschienen.

Nach ein paar Minuten beschloss ich, ins Badezimmer zu gehen um zu schauen, wie ich auf 1p-LSD aussehe. Meine Pupillen waren ziemlich geweitet und mein Gesicht erschien mir im Spiegel unglaublich albern. Ich lachte mehrfach los und geriet dann aber ins Nachdenken. Mir wurde bewusst, dass ich wirklich da bin. Das klingt zwar banal, aber in dem Moment war es erfüllend. Einfach nur da sein und dazu zu gehören. Es war nicht wirklich klar, wozu, es war einfach nur ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem großen Ganzen, dieses erschien mir aber leider nicht klar genug. Mir kam die Zeit unglaublich langsam vor … bisher dachte ich, auf Weed wäre die Zeit langsam, doch 1P-LSD (in Zukunft schreib ich einfach LSD, ist ja jetzt klar was gemeint ist und die Wirkung soll sowieso die gleiche sein) schlägt das Ganze noch um Welten und lässt das in meinen Augen uninteressante Cannabis noch einmal um Welten uninteressanter werden.

Das Badezimmer funkelte und die Fließen ließen sich gestochen scharf in kleinere Stücke unterteilen. Das erzeugte bei mir einen weiteren Lachanfall, weil ich mir niemals hätte träumen lassen, dass eine Fließe so interessant sein könnte. Vor der Wand zu sitzen und sie einfach anzustarren kam mir zu diesem Zeitpunkt so mystisch und dann auch wieder dämlich vor. Für einige Momente (mir kam es sehr viel länger vor, eine Uhr war leider nur im Nebenzimmer, aber vermutlich handelte es sich höchstens um eine Minute) überkamen mich dann Tränen. Aus unerfindlichen Gründen kamen mir Gedanken an Leute, mit denen ich mich vor Jahren verstritten hatte und fand es schade, dass sie nicht mehr in meinem Leben waren. Doch ich verstand, warum es so war, jeder Fehler, den sie oder auch ich begangen hatten, war plötzlich klar erkennbar. Das Gefühl war so überwältigend, dass mein Kopf sich fast brennend anfühlte, als würde er so viel denken, dass seine Kapazitäten niemals ausreichen würden. Hier begann auch der weniger schöne Teil des Trips, der aber nur kurz andauerte.

Alles schien mir klar zu werden. Meine Fehler, meine Inkonsequenz und dass kein Vorsatz, den ich gefasst hatte, bisher komplett umgesetzt wurde. Es war in der Zwischenzeit eine Stunde in etwa vergangen, bald 22:00 Uhr, was sehr hilfreich war. Nachdem ich die Musik ausgeschaltet war und das Licht ausmachte, konnte der Gedankenansturm auf mein Gehirn zwar nicht abgeschwächt werden, aber die Reizüberflutung dagegen schon. Ich lag nur da und schloss meine Augen, um dem Kreiseln und der permanenten Bewegung aller Gegenstände ein wenig entkommen zu können. Wie auch schon bei LSA versank ich dabei in mir selbst. Als würde ein Tunnel sich öffnen und mich in sich hinunterziehen, während er farbig blitzt und leuchtet (aber keine wirklichen CEV’s, es ist mehr ein Körpergefühl, dass sich automatisch visualisiert). Die Reizüberflutung hatte sich normalisiert. Mein Kopf war weiterhin elektrisiert, doch nicht mehr unangenehm. Eher, als würde man eine Wachheit und Bewusstseinsschärfe erreicht haben, für die wir eigentlich ausgelegt sind. So in etwa waren auch meine Gedanken dabei. Ich fragte mich, weswegen wir als Menschen der Meinung sind, unsere „nüchterne“ Realität wäre irgendwie „realistischer“ oder dem „Trip“ in irgendeiner Hinsicht überlegen. Sie kam mir eher langweilig und nichtssagend vor. Ich wünschte mir, dass die Drogenhasser ausnahmsweise mal Recht hätten und ich dann auf LSD (oder eben 1P-LSD) kleben bleiben könnte. (Erwartungsgemäß nicht passiert, leider)

Als die kurze, etwas überfordernde Episode vorbei war (nach ca 10 Minuten, es war kurz nach 22:00.), machte ich die Musik wieder an. Diesmal Tool, Goa fühlte sich seltsamerweise sehr unlebendig an. Da im Dunkeln tanzen aber ziemlich unmöglich war, da mein Zimmer ein einziges Chaos ist und somit viele Stolperfallen bietet, machte ich auch das Licht wieder an. Die Optics waren etwas schwächer geworden, aber dennoch blieb alles in Bewegung. Formen an der Decke bildeten wunderschöne Muster, lächelten mich an und verschwanden wieder in anderen Mustern, insgesamt war alles sehr lebendig und mir kam es auch vor als würde alles seine eigene Seele und sein eigenes Leben haben. Die Musik im Hintergrund trug mich wie von selbst in die Mitte des Zimmers und mein Körper tanzte scheinbar von alleine los, während ich alles bestaunte, was zu sehen war. Die Musik, die Bewegungen der Gegenstände, meine eigenen Bewegungen, das Licht, alles passte so zusammen, als wäre es mir Absicht so platziert worden. Das Tanzen zur Musik wurde zu einem Wirbel, als würde es synergistisch wirken und die Wirkung der einzelnen Pappe immer weiter in andere Perspektiven steigern. Alles kam mir richtig vor. Das Gefühl von zuvor, alles verstanden zu haben und die Wahrheit zu kennen, kam wieder auf und ich musste den Tanz wieder beenden, weil es so stark und präsent war, als wäre mir nichts anderes mehr möglich als zu erkennen. Die Schärfe meiner Sicht war die Schärfe meines Verstands, und dieser durchdrang mich total. Wie elektrische Impulse schoss die Erkenntnis durch mich hindurch.

Die Erkenntnis:
Im Prinzip war sie so simpel, dass es mir unglaublich schien, diesen Gedanken noch nie (außer auf anderen Psychedelika, aber dort in schwächerer, weniger „direkten“ Art) gekommen war. Jeden Tag sehen wir viel Schönes, Atemberaubendes, jeden Tag haben wir tausend Gründe zur Freude und zur Dankbarkeit, doch verschwenden wir ihn dann jedes mal, um zu jammern, wie grauenvoll unser Leben doch ist. So viele Gelegenheiten zur Freude verpasst zu haben war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Genauso wie die darauf folgende Erkenntnis. Jeder Mensch, der einem anderen wehtut, vergeht sich an sich selbst. Er widmet sich dem Hass und der Zerstörung, anstatt die Momente, die darauf verschwendet werden, für ein schönes Leben zu nutzen und etwas aufzubauen, an dem man seine Freude hat. Als mir das klar wurde, war der innere Drang, jedem Menschen, der mir Schlechtes getan hat sofort zu vergeben unwiderstehlich. Ich hatte das Gefühl, als wäre ein schwarzer Schatten aus meinem Körper verschwunden. Und dieses Gefühl ist seit einer Woche dauerhaft präsent. Ich habe diesen Teil gesondert herausgeschrieben, weil er das spirituellste Element an allem und mir am wichtigsten war. Da das mein erster ausführlicherer Tripbericht ist weiß ich nicht, was man am schwersten gewichten soll und habe darum diesen Teil ausgewählt.

Danach, also etwa drei Stunden der Wirkung, ließ der Trip etwas nach. Ich nahm einen Malblock und einige Stifte und begann zu zeichnen, während nebenher ein Hörspiel („Alice im Wunderland“) lief. Jeder Strich schien genau zu wissen, wohin er wollte und das 1P-LSD floss aufs Blatt. In der Zeichnung kombinierten sich Eindrücke aus dem Hörbuch, die eben gemachten Erfahrungen und vieles von dem, was um mich herum tanzte und in Bewegung war. Leider muss ich den Bericht hier auch schon abbrechen, weil ich bis morgens um sechs Uhr vertieft ins Zeichnen war und es darüber nur das zu sagen gibt, was schon geschrieben wurde.

Der Afterglow war interessant. Ich dachte dabei viel nach, sah hin und wieder noch ein leichter Morphen am nächsten Tag und empfand die Natur als schöner und leuchtender als je zuvor. Das Körpergefühl lässt sich vermutlich am besten mit wolkig beschreiben.