Lasst euch Weed verschreiben!

Der provokative Titel mag vielleicht irre führen, hier geht es nicht darum, Ärzten Symptome vorzulügen um an medizinisches Cannabis zu kommen. Doch ist Cannabis bei vielen Krankheiten eine nebenwirkungsarme Alternative, eine gute Übersicht über mögliche Indikationen liefert hier der deutsche Hanfverband. Auch Symptome können durch regelmäßigen Cannabis-Konsum gelindert werden, wie zum Beispiel chronische Schmerzen oder Spasmen als Folge von neurodegenerativen oder Krebserkrankungen, im Gegensatz zu Opiaten/Opioiden/Benzodiazepine sind die Langzeitwirkungen schwächer.

Cannabis als Mittel gegen chronische Schmerzen bietet eine neue Substanzklasse in diesem Bereich. Da zwischen Opiaten und Opioiden eine Kreuztoleranz besteht ist es dringend notwendig, eine neue wirksame Stoffklasse anwenden zu können. Ärzte können bei diesen Schmerzen abwechselnd Schmerzmittel verschreiben, sodass auf Dauer keine große Toleranz aufgebaut und das Risiko einer Abhängigkeit vermindert wird.

Dass die Cannabis-Freigabe als Nebeneffekt sogar dafür sorgt, dass die Verschreibung von gefährlicheren Medikamenten abnimmt, ist übrigens an Colorado zu sehen. Auch nimmt die Zahl der Krankheitstage im Mittel ab, Cannabis scheint also allgemein gegen viele Zivilisationserkrankungen zu helfen. Dies ist in diesem Artikel nachzulesen. Eine Verschreibung von Cannabis wäre also sogar bei sonst gesunden Menschen vernünftig, da für die Krankenkassen sonstige Behandlungskosten wegfallen würden (Entzug bei Abhängigen von Opiaten und Benzodiazepinen, viele Schmerztherapien …). Da die Begründung des Verbots von Weed und anderen Drogen vom Bundesverfassungsgericht 1994 war, dass man die „Volksgesundheit“ schützen möchte, müsste man diesem logisch folgen und damit allen Menschen den Zugriff zu legalem Gras gewähren (das ist natürlich als Begründung für eine Legalisierung Blödsinn, aber recht lustig, was man aus juristischen Haarspaltereien alles ableiten kann. Eine Legalisierung ist aus ganz anderen Gründen angebracht als juristischen).

Doch warum sollte man sich jetzt primär Weed verschreiben lassen?

  1. Je mehr Menschen medizinisches Cannabis erhalten, desto mehr Ärzte merken auch, dass es sich hier um ein nebenswirkungsarmes und vielseitiges Medikament handelt. Damit steigert sich auch ihre Bereitschaft, es zu verschreiben, ebenso die der Krankenkassen, es zu genehmigen. Da derzeit viele Schwerkranke Menschen ihre hilfreiche Cannabis-Medizin nicht erhalten, weil noch viele Ärzte Vorurteile gegen sie haben und denken, die Nebenwirkungen wären unvertretbar, kann man seinen Anteil zu deren Hilfe leisten, indem man selbst für eine solche Medikation kämpft (natürlich nur, wenn man es wirklich sinnvoll gebrauchen kann). In Colorado (wie im vorher verlinkten Artikel zum Thema der Abnahme von Krankheitstagen usw. auch geschrieben wird) ist dieser Trend zu bemerken. Die dortigen Mediziner bevorzugen mittlerweile oft  Gras gegenüber den pharmazeutischen Stoffen.
  2. Je verbreiteter Weed ist, desto mehr wird auch in der Gesellschaft über wirkliche Gefahren bekannt. So wird eine esoterische Überbewertung von Cannabis ebenso unhaltbar, wie die Verteufelungen von CSU-Politikern ohne Faktenbasis oder einen Hauch von Ahnung. Für viele Jugendliche oder andere Konsumenten ist diese allgemeine Unwissenheit besonders gefährlich. Da mittlerweile den meisten bekannt ist, dass die Verteufelungen von Seiten der CSU und Co. mehr als übertrieben sind, ist auch die Bereitschaft groß, vom Gegenteil auszugehen. Auch wenn die meisten wissen, dass Cannabis nicht komplett ungefährlich ist, so wird durch mangelnde Aufklärung, Repression von Konsumenten und die offenkundige Lächerlichkeit vieler Gras-Mythen der Konsum von vielen unterschätzt. Eine realistische Gefahreneinschätzung wird nur durch mehr offenen Konsum (bzw. mehr Akzeptanz und damit auch mehr offene Diskussionen) und Aufklärung möglich.
  3. Weed hilft oft gegen mehrere Symptome und Krankheiten gleichzeitig. Ich möchte mir auch medizinisches Cannabis verschreiben lassen, da der große Vorteil für mich ist, gleich vier Symptome/Krankheiten auf einmal behandeln zu können. Sowohl gegen ADHS, Tics, Schlafstörungen und (regelmäßige) Kopfschmerzen würde es mir helfen. Momentan nehme ich Methylphenidat gegen ADHS und es hilft mir in den meisten Fällen sehr gut, jedoch haben meine Schlafstörungen und meine Tics eher zugenommen. Klar, von meinem Fall lässt sich nicht auf die Allgemeinheit schließen, aber da so viele Indikationen möglich sind (und weitere noch erforscht werden), ist es nicht unwahrscheinlich, in Zukunft nur noch ein Medikament schlucken zu müssen, dass zudem gut verträglich ist (in den meisten Fällen).

 

Die Pharmaindustrie bekämpft nachweißlich die Legalisierung von Cannabis, so werden Gegner einer Legalisierung, egal ob zum Freizeitkonsum- oder medizinischen Zwecken, von Pharmaunternehmen finanziert. In diesem Artikel wird das erläutert und nachgewiesen. Dies wird sicher nicht aus Interesse an einer Zunahme der gesunden Menschen in unserer Gesellschaft gemacht, an gesunden Menschen verdient man in diesem Bereich nämlich nicht. Es wird getan, weil Cannabis viele Medikamente zwar nicht überflüssig, aber dennoch weniger wichtig macht.

Es ist ein Mythos, dass Schmerzmittel und andere Stoffklassen komplett überflüssig würden, das sollte hier auch erwähnt werden. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Wenn jemand Weed nicht verträgt kann ihm ein pharmazeutisches Produkt durchaus besser bekommen. Aber Cannabis ist eine gute Alternative zu vielen dieser Produkten und eben hierfür sollte man es sich auch verschreiben lassen. Um eine etablierte Alternative zu vielen bekannten Stoffen auf dem Markt zu schaffen und die Pharmaindustrie zu zwingen, ihre Produkte zu verbessern.

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