Drogendebatte bei Maischberger – die hypokritische Huml

Nachdem ich die Talkshow „Menschen bei Maischberger“ (Sendung vom 22.03.2017) gesehen hatte und vor allem die Beiträge von Frau Huml konnte ich es mir nicht verkneifen, dazu einen Text zu schreiben

Die Debatte startet schon mal mit einem absolut unnötigen Einstiegsspruch von Maischberger: „gibt es dann das Kokain aus der Apotheke?“ Was hier so unglaublich polemisch klingt und Otto Normalverbraucher in Angst versetzt ist schon lange Realität, zwar nicht mit Kokain, aber wenn man bedenkt, dass Codein, Tilidin, DXM, MPh usw. schon lange erhältlich sind, so würde Kokain weit weniger auffallen als man erwarten würde. Der Blödsinn in der Ansage legt ein rasantes Thema hin, schon bei 00:35 bei der Vorstellung der Gäste gibt uns der Sprecher eine lehrreiche Rhetorikstunde, wie man vor 10 Jahren aus der Bild-Zeitung aufgeschnappten Unfug mit der Stimme eines Experten an den Fernsehkonsumenten (der neurotoxisch wohl am schwersten gefährdete Abhängige) bringt: „Der Fernsehmoderator hat vor der Kamera wochenlang harte Drogen wie LSD getestet.“ Falls mit harten Drogen Substanzen gemeint sein sollen, die besonders gefährlich sind, dann könnte er nicht weiter daneben liegen. Was er sonst gemeint haben könnte erschließt sich mir leider nicht ganz. Bei Minute 01:33 zeigt Maischberger ihre Inkompetenz, als sie Speed und Ritalin implizit als Dinge bezeichnet, „die man gar nicht kennt.“

Ab der Minute 05:05 darf nun Frau Huml demonstrieren, wie wenig sie von der Thematik versteht. Sie äußert, dass der LSD-Trip von Herrn Jenke lediglich darum so erleuchtend und positiv verlaufen sei, weil er ein gewisses Setting befolgt hat und einen Tripsitter bei sich hatte. Der normale Gebrauch von Süchtigen sehe anders aus. Als ich das gehört habe ist mir vor Schreck fast die LSD-Spritze abgerutscht. Diese Aussage beinhaltet gleich zwei Fehler auf einmal. Zum ersten, es gibt keine LSD-Abhängigkeit! Zum zweiten, Tripsitter und gutes Setting sind in der Konsumentenszene absoluter Konsens! Die wenigsten konsumieren alleine und wenn dann nur, wenn sie selbst schon sehr erfahren sind. Der Arzt und Journalist Bartens konnte Ersteres zum Glück souverän als Unsinn entlarven und wieß zudem darauf hin, dass Psychedelika wie LSD vor allem unter Intellektuellen und Akademikern konsumiert werden – die ignorante Mimik der CSU-Politikerin beweist, dass sie zumindest zur Gruppe der Ersteren nicht gehört. Allerdings schien auch er überzeugt zu sein, dass Setting unter Psychonauten keine Bedeutung hätte, da Statistiken hierzu nicht zu finden sind kann ich nur mit meiner Erfahrung dagegenhalten.

Bei 10:40 behauptet Jenke, mit MDMA und Speed das ganze Wochenende durchgemacht zu haben. Ganz bestreiten will ich das nicht, allerdings ist bei der Mischung MDMA + Speed von Ersterem die spezifische Wirkung gar nicht mehr vorhanden. Ein so krasses Down wie mit dem Mischkonsum ist mit dem Einzelkonsum nur schwer zu erreichen und weswegen überhaupt Menschen diese Substanzen mischen wird mir für immer ein Rätsel sein. Da er allerdings auch aussagt, dass Alkohol die so ziemlich gefährlichste Droge ist, ist diese kleine Fragwürdigkeit zu verzeihen.

Ab 15:50 darf man einem wahren Feuerwerk der Floskelhaftigkeit lauschen. Frau Huml erläutert, dass Prävention wichtig sei und man Kontakt zu den Jugendlichen aufbauen müsse, unter anderem damit diese andere denunzieren, die schon einmal etwas konsumiert haben. Auch müsse die hohe Verfügbarkeit „auf der Straße und im Internet“ reduziert werden. Interessanter Punkt, denn schließlich ist die hohe Verfügbarkeit von einer gewissen bayrischen Toxinbrühe schon ab 16 vollkommen legal gegeben. Natürlich kritisiert sie anschließend den übermäßigen Alkoholkonsum. Nach einem Glas Bier am Abend sei dabei SCHON Schluss. Seltsamerweise gilt man als Junkie, wenn einem eine kleine Spritze Heroin am Abend reicht, aber täglicher Alkoholkonsum gilt bei der CSU wohl nicht als übermäßig. Die anschließende Antwort von Herrn Bartens darauf zerlegt diese Überdosis Konservatismus schöner als ich es könnte.

Einen weiteren weghörenswerten Beitrag liefert Frau Huml ab der 29:00 Minute. Prävention sei ihr besonders wichtig, eine der drei notwendigen Säulen neben Repression und Hilfe/Beratung. Sie begründet sie auch nicht weiter, weswegen die Frage bleibt, wie man effektiv beraten/helfen kann, wenn keiner mehr sein Problem aufgrund der Repression noch äußern kann. Natürlich darf da auch der Hinweis nicht fehlen, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei. Auch müsse man dringend aufklären, dass Drogen nicht nur schön sind, sondern auch Nebenwirkungen haben – Gott sei Dank gibt es die CSU, andernfalls wäre dieses Faktum sicher unbekannt geblieben.

Auf die Frage von Maischberger, ob Kofi Annan mit seiner Aussage, der „war on drugs“ sei gescheitert und müsse engestellt werden, Recht habe, antwortet Huml wiederum überhaupt gar nicht, sondern betont die Wichtigkeit von Therapie und Behandlung für die Menschen, die erstmalig als Konsumenten aufgefallen sind. Nur stellt sich dann hier die Frage, wieso man wegen einmaligem Konsum schon einer Behandlung bedarf. Wie viele haben als Kind schon einmal heimlich Zigaretten geklaut und sind dennoch nicht zu Rauchern geworden? Weiter erläutert sie, dass die bayrische Regierung richtig liege mit ihrem restriktiven Kurs, obwohl sie die größte Anzahl an Drogentiten zu verantworten hat. Das liege natürlich nur daran, dass der Großteil an neuen psychoaktiven Substanzen draufginge, den sogenannten Research Chemicals, weswegen man auch diese Politik weiterführen müsse, die Research Chemicals erst zum Verkaufsschlager gemacht haben. Eine solche Logik ist eigentlich schon fast einer Beauftragten für Drogenpolitik würdig, besser hätte es Frau Mortler nicht ausdrücken können. Schuld sei das Unwissen, dass diese legalen Drogen (nein, nicht die Kulturgüter Alkohol, Tabak und Kaffee) nicht ungefährlich seien (sicher, wer sich im Internet ein Tütchen 5-Meo-PCP bestellt hat keine Ahnung dass das keine Hautcreme ist …). Schleierhaft bleibt auch, warum Konsumenten im Rahmen einer Legalisierung nicht mehr aufgeklärt werden könnten.

Weiter geht’s! Das obskure Signal an die Jugend muss mal wieder herhalten. Beziehungsweise eigentlich an alle. Wenn etwas legal ist, gibt man damit das Signal, es sei harmlos. Das ist definitiv so, vor allem weil es NICHT möglich ist, Warnhinweise auf solchen Produkten anzubringen ( *Hust* Tabak). Genau genommen wird dieses obskure Signal schon dadurch widerlegt, dass in Staaten, die entkriminalisierten keine nennenswert höhere Konsumzahlen zu verzeichnen sind. Würde dadurch das Signal gegeben es sei harmlos, dann gäbe es auch mehr Konsum.

Zusammenfassend kann man sagen, die CSU arbeitet wie immer an ihren Sympathiewerten, kombiniert Faktenlosigkeit mit mütterlicher Überfürsorge und stellt damit die perfekte Heimat für alle jene da, die sich lieber von Brauereien sagen lassen, was sie denken sollen als selbst zu denken.

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