Wieso sind Menschen gegen Drogen?

Die häufigsten Einwände gegen die Legalisierung aller Drogen beziehen sich auf das dualistische Schwarz-Weiß-Bild, dass von Medien und Politik propagiert wurde (wobei viele, auch größere Medien mittlerweile objektiver Stellung beziehen). So hört man häufig Formulierungen wie: „Alkohol und Drogen.“ Diese Aussage erfindet einen Dualismus, als gäbe es einen Unterschied zwischen Ethanol und „Drogen.“

Dies ist die Grundlage vieler Legalisierungsgegner. Dadurch dass sie annehmen, Alkohol sei keine Droge entsteht der Gedanke, der Konsum von Alkohol sei kontrollierbar, was für andere psychotrope Substanzen nicht gelten würde. Würde man verstehen, dass Alkohol genau zu dieser (unfassbar vagen und wenig nützlichen) Gruppe der „Drogen“ gehört und nicht einmal eine der ungefährlicheren ist, so würde man auch verstehen, dass jede Substanz sowohl das Potential zum vernünftigen Gebrauch als auch zum Missbrauch birgt. Man könnte es jeden Tag beobachten. Keiner von diesen Menschen käme jemals auf die Idee, jemanden, der sich sein Feierabendbier gönnt, als Junkie zu betiteln.

Weitere Argumente dagegen basieren auf einem logisch folgenden Mechanismus, der entsteht, wenn man eine sehr vielfältige Klasse in eine Schublade presst. Man nennt es Drogen, also verfügen wohl alle „Drogen“ über ähnliches Sucht- und Gefahrenpotential. Hier geht der Unterschied unter zwischen den verschiedenen Untergruppen, während Opiate beispielsweise ein hohes Suchtpotential besitzen, hat Cannabis nur ein Mittleres, wohingegen LSD und Psilocybinpilze praktisch keines besitzen (auch nach ausführlicher Recherche habe ich keinen Fall einer Suchterkrankung gefunden). Ebenso unterscheidet sich die Gefahr körperlicher Schäden extrem. Opioide (außer bei Überdosierung oder langjähriger Sucht) und Psychedelika verursachen wenig Schaden, wohingegen Alkohol schon bei einer einmaligen Intoxikation große Schäden verursachen kann.

Große Unterschiede finden sich natürlich auch bei der Wirkung selbst. Amphetamine machen wach und wirken stimulierend, Barbiturate wirken schlaferzwingend, LSD erzeugt Trips und ein (subjektiv) erweitertes Bewusstsein, wohingegen Ketamin und DXM bis zur gefühlten Ich-Auflösung führen können. Dieser Breite an Wirkspektren wird ein einziger Überbegriff nicht gerecht. Überträgt man es auf die bereits legalen Drogen so würde man aussagen, dass ein Kaffee im Prinzip eine ähnliche Wirkung und ein ähnliches Suchtpotential wie Wodka aufweist. Interessant ist wiederum, dass jeder derjenigen, die illegale Drogen aufgrund dieser Fehlannahme ablehnen, diesen Vergleich als lächerlich empfinden würde. Warum er lächerlich ist wird seltener begründet und vernünftig begründet wird es nie.

Eine weitere Gruppe von grundsätzlichen Drogengegnern hat zumindest verstanden, dass Alkohol/Tabak (Kaffee bleibt seltsamerweise im Bewusstsein der meisten eine Nicht-Droge) auch dieser Substanzklasse zugeordnet werden müssen. Sie richten sich gegen alle Substanzen mit psychotroper Wirkung, da sie der Meinung sind, dass es eine Verfälschung der Realität sei. Betrachtet man diese Argumentation logisch muss man aber auch beachten, dass es keineswegs gesagt ist, dass die „normale“ Wahrnehmung realistisch ist. Wir wissen nicht einmal, ob das, was andere wahrnehmen auch das Gleiche ist. Da auch viele Stimmen sagen, sie hätten die Wirklichkeit durch Psychostimulanzien erkannt und würden viel klarer sehen ist es keineswegs gesagt, welche Wahrnehmung realistisch ist. Ob es überhaupt eine gibt, die unverfälscht ist, ist höchst unwahrscheinlich, denn „Drogen“ sorgen lediglich für eine Hemmung oder Mehrproduktion bestimmter Neurotransmitter (bzw. Hemmung des Abbaus o. Ä.), bedienen sich also nur der Mechanismen des Körpers, die auch so schon bedient werden. Überspitzt gesagt leben wir im dauerhaften Microdosing (an all die Gegner, „das glaubst du doch selbst nicht“ ist kein Argument und wird objektiv als intellektuelle Kapitulation interpretiert)

Die letzte mir bekannte Gruppe der Gegner besteht aus jenen, die einerseits denken, auch vernünftiger Konsum würde das Leben NUR schlechter machen und andererseits auch, dass der Staat etwas dagegen tun müsse.

Der Staat hat in der Vergangenheit (Alkoholprohibition in den USA z. B. als ein historisches Beispiel) bewiesen, dass seine aggressive Bevormundungspolitik nicht zu weniger oder gar zu sicherem Konsum führt. Auch muss man sich fragen, wie weit die Erziehungspolitik des Staates überhaupt gehen darf. Da es hierzu schon genügend publiziertes Material gibt, werde ich das nicht weiter ausführen, um den Rahmen nicht zu sprengen.

Ich selbst kann dazu nur aus eigener Erfahrung berichten. Es ist auch schwer, den reelen Nutzen, vor allem wenn es sich um eine so vielfältige Klasse handelt, zu bemessen. Meinem Leben schenkte es viel. Ich habe Erfahrungen gemacht, die meine Einstellung zu mir selbst und zu anderen grundlegend änderten. Die Droge Methylphenidat, die mir wegen meines ADS verschrieben wurde, hat mir ein vollkommen neues Leistungslevel ermöglicht, Codein schenkte mir entspannte Abende, DXM surreales Verständnis und eine neue Dimension der Phantasie. Allerdings würde mir z. B. ohne Alkohol im Gegenzug nichts fehlen. Große Bereiche der Kunst und auch der Wissenschaften gehen auf die Inspiration durch Psychedelika zurück. Man sollte den Nutzen von Bewusstseinserweiterung auch niemals leugnen. Der Rausch ist eine der ersten Erfindungen der Menschheit und hat sie nicht wenig beeinflusst. Die neue Abstinenzbewegung bekämpft etwas, dass essentiell ist für ein Zusammenleben.

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2 Kommentare zu „Wieso sind Menschen gegen Drogen?“

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