Statistiken beweisen …

Nichts. Im Prinzip ist die Statistik eine Kunst für sich, wie man aus mehreren verschiedenen Datensätzen eine Korrelation herstellt ohne weitere heranzuziehen. Auch eine wirklich bestehende Korrelation kann beliebig verfälscht werden. Auf die Idee zu diesem Text kam ich dadurch, dass ich Raucher bin und mein Blick auf eine Schachtel mit der Aufschrift „Rauchen verursacht 9 von 10 Lungenkarzinomen“ fiel. Hier finden sich die „Fakten“ zu dieser seltsamen Aussage (Rauchfrei – Fakten zum Rauchen). Nun frage ich mich wie man genau rausfindet, ob ein Lungenkarzinom auf das Rauchen zurückgeht. Ist es nicht etwas fadenscheinig zu sagen, dass jemand der Raucher war seinen Lungenkrebs automatisch deswegen bekommen hat? Hier müsste schon auffallen dass die Logik dahinter irgendwie nicht aufgeht. Eine weitere Aussage der Seite ist diese:

Pro Jahr sterben etwa 30.000 Männer in Deutschland an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung. Das sind ungefähr doppelt so viele Sterbefälle wie bei Frauen. Allerdings ist die Zahl der Frauen, die an Lungenkrebs sterben, in den vergangenen Jahren stark angestiegen – eine Folge der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Raucherquoten bei Frauen. Während im Jahr 2000 noch 9.834 Frauen in Folge einer Lungenkrebserkrankung gestorben sind, stieg diese Zahl im Jahr 2014 auf 15.513 Todesfälle (Statistisches Bundesamt).

Woher nimmt man schon wieder dieses Wissen, dass es am Rauchen liegt? Sind wirklich auch alle möglichen Umweltfaktoren berücksichtigt worden? Natürlich nicht. Bspw. verändert sich die Luftbelastung in diesem Zeitraum sehr. Nun könnte man sich nach der Luftbelastung informieren und würde bemerken, dass sie in den letzten Jahren abgenommen hat … (Wirtschaftswoche Thema Schadstoffbelastung) das spricht sicher in den Augen der Ersteller der Studien für die Gefährlichkeit des Rauchens. Doch man kann sich nun auch fragen, wann die Personen geboren wurden, die nun Lungenkrebs erleiden. Da es selten 15-Jährige mit Lungenkrebs sind, sondern die meisten (zumindest bei Frauen) zwischen 35 und 55 Jahre alt sind (Artikel zur Altersverteilung bei Raucherinnen) fällt die Geburt in den Zeitraum in dem die Schadstoffbelastung der Luft ihren Höhepunkt hatte. Die Lunge eines Kindes ist weitaus empfindlicher als die eines Erwachsenen. Läge die Zunahme nur am Rauchen hätte sich dieses Verhältnis von „9 zu 10“ ja auch verschieben müssen, zu 19 von 20 o. Ä. da sie das laut dieser pseudowissenschaftlichen Aussage ja nicht getan hat muss man daraus schließen dass Rauchen überhaupt nicht schädlich ist, da die Anzahl der Raucher keinen Einfluß auf die Verteilung der Häufigkeiten hat …

Der aufmerksame Leser und auch der unaufmerksame sollte gemerkt haben, dass das ziemlicher Blödsinn ist, obwohl er logisch hergeleitet wurde. Natürlich ist Rauchen schädlich und erhöht das Lungenkrebsrisiko, das sollte auch nicht bestritten werden. Der ganze Aufwand diente eigentlich eher dem Zweck zu zeigen, dass man letztlich aus allen Datensätzen mit dem Anwenden zuvor ausgewählter Parameter sein ganz persönliches Lieblingsergebnis gewinnen kann. Statistik ist keine wirkliche Kunst und erst Recht keine Wissenschaft, sie ist Blendung mit Wissenschaft.

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