Legal Highs 3 (Dextrometorphan)

In den letzten Texten ging es um eher weniger bekannte oder verbreitete Substanzen aus der Drogenszene, dieses mal soll es um meinen absoluten Liebling gehen. Dextrometorphan oder auch DXM, enthalten in freiverkäuflichen Medikamenten wie dem Hustenstiller von ratiopharm, [1] ist ein starkes Dissoziativum, das man früher fälschlicherweise zu den Opiaten zählte. DXM hat, trotz seines morphinähnlichen Aufbaus, [2] wirkungstechnisch keine Ähnlichkeiten mit Opiaten wie Codein, Tilidin oder Heroin. Falls jemand vorhaben sollte, Dextrometorphan auszuprobieren sollte er sich aber definitiv zusätzlich noch informieren. Das hier ist in erster Linie ein Tripbericht und in dem kann ich unmöglich alle wichtigen Informationen über Wechselwirkungen unterbringen. Kombinationen mit Alkohol, MDMA, Meskalin, Antidepressiva und Speed sollte man aber definitiv bleiben lassen. Im schlimmsten Fall können sie tödlich enden.

Der Rausch an sich ist interessant, er hatte zumindest in meinem Fall etwas sehr Mathematisches an sich. Zuerst traten nach in etwa einer 3/4 Stunde die ersten Alkohol-ähnlichen Wirkungen auf, die Ähnlichkeit bestand aber vor allem im Bereich der Motorik. Auch war viel von der Euphorie zu spüren, allerdings war sie viel stärker und aktiver, weniger sediert als ich sie z. B. bei Absinth verspürte (nicht falsch verstehen, abgesehen von der Euphorie und der anfänglichen motorischen Symptome gibt es kaum wirkliche Parallelen). Bis dahin machte der Rausch auch einfach Spaß. Es gab keine sonderlich impressiven Mindtrips, Visualisierungen oder akustische Halluzination. Erst nach ca zwei Stunden als es schon dunkler wurde traten die starken dissoziativen Wirkungen in den Vordergrund. Es schien mir als würde vor allem was ich sah eine Glaswand zusammenbrechen und dann noch einmal eine und noch einmal eine … außerdem schien mein Kopf nicht zu meinem Körper zu passen und jede Bewegung nicht zu mir zu gehören. Ich empfand dieses Gefühl als sehr interessant und amüsant, kann mir aber gut vorstellen, dass dieses Fremdheitsgefühl aber auch vielen Angst macht. Falls man sich in dieser Hinsicht nicht sicher ist sollte man am besten die Finger davon lassen oder einen wirklich guten und „erprobten“ Tripsitter haben (Ich habe prinzipiell nie Tripsitter, da sie meiner Meinung nach das Erlebnis als zusätzlicher Faktor verfälschen).

Der Rausch intensivierte sich über einen gewissen Zeitraum den ich nicht genau angeben kann (zwischen 1 1/2 – 2 Stunden) immer weiter. Meine Bewegungen waren derart unkoordiniert, dass es praktisch unmöglich war zu laufen. Für mich war das in dem Moment extrem lustig, auch schien das Licht an der Decke zu rotieren. Das zwang mich, die Augen zu schließen. Hier zeigten sich auch die ersten Closed-Eye-Visuals. Über Kopfhörer hörte ich dazu auf voller Lautstärke eine Playlist mit Stücken der Djent-Band Meshuggah. Das Gefühl ist unfassbar schwer zu beschreiben, doch schien es mir als würden die schweren Rythmen der Musik wie ein dunkler Stahlkoloss über mich rollen. Dabei war es aber nicht unangenehm. Die Macht und Energie der Musik kam einfach besser zur Geltung. Auch die Visualisierungen wurden von den Stücken bestimmt, es waren meist graue symmetrische Fächer, die sich um sich drehten wie Zahnräder. Später wurden konkrete Bilder daraus. Alles war extrem düster, ich lief durch eine leere schwarze Stadt, getragen durch die brutalen Rhytmen der Musik. Oft wurden auch mathematische Symbole eingeflochten, oft tauchten Formeln in meinem Kopf auf, bzw. ich konnte sie klar vor dem inneren Auge sehen, alles andere war von klaren Geometrien dominiert.

Meine Gefühle dabei sind schwer zu beschreiben. Ich war ein Beobachter und nahm alles interessiert wahr. In gewisser Hinsicht hatte ich durchweg das Gefühl zu verstehen was vor meinen Augen passierte. Mein Körpergefühl war praktisch verschwunden, bzw. durch ein seltsames Taubheitsgefühl ersetzt, dass aber nicht wirklich unangenehm war. Eine weitere Sache die bemerkenswert ist war das stellenweise komplette Fehlen von Gedanken. Wie immer war auch bei diesem Trip eine Veränderung meiner Mimik stark erkennbar, ein „Joker-Grinsen“ das nicht kontrollierbar war und Telleraugen, die praktisch nicht zu verbergen sind (aus eigener Erfahrung … wenn man Raucher ist sollte man definitiv keine Versuche damit machen wenn man nur noch zwei oder weniger Tage hat, die man in Freizeit verbringen kann … Nikotin verursacht Flashbacks, die man in dieser Zeit noch genießen kann, am Arbeitsplatz aber eher weniger)

Zusammengefasst kann ich aus eigener Erfahrung den Versuch empfehlen. Allerdings gibt es viele andere Erfahrungsberichte die nahelegen, dass DXM bei den meisten Menschen nicht die inspirierende und amüsierende Wirkung hat, die bei mir auftrat, sondern angesichts der fast schon entstellenden Änderungen des Äußeren Panikattacken erlitten. Wer es dennoch ausprobiert sollte auf jeden Fall Sicherheitsvorkehrungen treffen.

[1] http://www.ratiopharm.de/praeparate/alle-praeparate-a-z/praeparate/praeparatedaten/detail/backpid-128/pzn-9230807.html

[2] http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=dextromethorphan

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