Der blöde Ami

Ich kann es mittlerweile nicht mehr hören. Schon meine Lehrerin erzählt uns, wie fett die Amerikaner sind, jeder nicht-verbeamtete anderweitig unsympathische stolze Deutsche grölt voll Enthusiasmus heraus, wie kulturell überlegen doch Europa sei. Man könnte sagen, dass ich nicht wirklich dagegen argumentiere, wenn meine Antwort einfach nur aus Beleidigungen gegen antiamerikanisch Denkende besteht, aber wie soll man denn sonst antworten? Ein Klischee baut nicht auf Fakten auf, also kann man es auch damit nicht widerlegen. Denn die Begründung der Meinung ist, und das gilt für jede Gruppe von geistigen Selbstbeschränkern, im besten Fall: „Ich hab‘ jemand gesehen der ist auch Ami/schwul/Flüchtling und der hat dasunddas (hier beliebige, frei erfundene oder überzogene grausame Tat einfügen) gemacht und darum sind die jetzt alle voll blöd und informier dich mal und außerdem Lügenpresse heul wenn ein normaler armer Deutscher das macht dann würde aber (hier völlig lächerliche und nie angewendete Strafe einfügen) passieren!“ Falls jetzt irgendeiner der soeben treffend beschriebenen Gruppen meint, mich korrigieren zu müssen, weil die Satzzeichen weggelassen wurden, so etwas nennt sich Rhetorik und stellt hervorragend das unzusammenhängende Argumentieren dieser Menschen dar.

Man braucht mir übrigens auch keinen Hass oder so unterstellen. Es amüsiert mich, hochmütige Menschen zu beleidigen, die denken, aus einem kleinen Vorkommnis gleich die gesamte Realität rekonstruieren zu können.

Ich gehe jetzt trotzdem mal auf die Fakten über die populärsten Vorurteile gegen Amerikaner ein und weiß schon jetzt, dass es keinen überzeugen wird. Nicht, weil die Argumente schwach wären. Nein. Weil praktisch jeder Mensch mit Vorurteilen denkt, die Realität zu kennen und sich nicht einreden lassen will, dass er eigentlich genauso wenig Ahnung hat wie alle anderen auch:

  1. Die Amerikaner sind das „dickste“ Volk der Welt: Zuerst einmal, Grundlage der Berechnung ist der BMI. Wenn man weiß, wie dieser ausgerechnet wird, dann weiß man auch, wie viel er aussagt. Jeder Mensch, der regelmäßig Sport treibt, schafft es mit Leichtigkeit ins Übergewicht. Auch nach herkömmlicher Statistik schaffen es die USA aber lediglich auf Platz 3. Mit 0,2% Unterschied zwischen dem Anteil der Fettleibigen zu Deutschland, dass auf Platz 4 steht. [1] Tja, so kann man sich als Lästerer natürlich auch demontieren.
  2. Amerikaner sind schießwütig: Dabei wird ja immer so gerne auf die tollen Zahlen verwiesen, die besagen, wie viele Menschen in den USA durch Schusswaffen sterben. Dass davon 60% Selbstmorde sind, die eben ohne Waffe mit Tabletten oder sonst wie ausgeführt worden wären … geschenkt. [2] In Deutschland wird seltener mit Schusswaffen gemordet, aber ein Tod durch Küchenmesser wäre mir nicht unbedingt lieber. Wer allerdings eine Phobie hat vor einem Tod durch schnell beschleunigte Metallkugeln, der ist in Europa genau richtig.
  3. Amerikaner sind rassistisch: Liebes Deutschland, als ich diese Aussage gehört habe wollte ich schon gar nicht mehr argumentieren, sondern nur „Halt die Fresse“ sagen. Die USA nehmen kaum Flüchtlinge aus Syrien auf, korrekt. Schaut euch aber doch mal die Statistik über die Anzahl von illegalen Flüchtlingen aus Mexiko usw. an. [3] Klar, läppische 6,8 Millionen, das ist ja praktisch nichts. Selbst wenn man es auf die verschiedenen Bevölkerungsgrößen umrechnet haben die USA mehr aufgenommen als Deutschland. Klar, nicht wirklich aufgenommen, aber Deutschland hat auch nicht aus Großherzigkeit gehandelt.

Ich könnte das jetzt noch weiterführen, aber das muss für den Anfang reichen. Es macht keinen Sinn, jedes Klischee einzeln zu zerpflücken. Wer sich von diesen Widerlegungen nachdenklich machen ließ, wird auch den Rest hinterfragen. Wer es nicht wurde, wird es auch nicht durch hundert weitere Seiten.

 

[1] http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/deutschland-in-europa-auf-platz-eins-10626788.bild.html

[2] http://derstandard.at/1293370442701/Hintergrund-Jaehrlich-30000-Tote-durch-Schusswaffen

[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/162288/umfrage/herkunftslaender-illegaler-einwanderer-in-den-usa/

Legal Highs (2) (Blauer Lotus)

Das neue Thema hat mich motiviert, mehr zu schreiben und meine Kräutersammlung nach Pflanzen zu durchsuchen, die trotz interessanter Wirkung und legalen Erwerbsmöglichkeiten in der Psychonautik und Drogenforschung wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gerade bei dem Blauen Lotus (Nymphaea Caerulea) ist es unverständlich, wieso er nicht schon lange fester Bestandteil eines jeden Psychonautik-Sortiments ist. Da er es mir sehr angetan hat möchte ich gerne einige Informationen über diese Pflanze zusammenfassen und auch wieder die Wirkung bei mir beschreiben, dieses mal etwas ausführlicher.

Es handelt sich um eine Wasserpflanze, die im Nahen Osten (Ägypten, Jemen, früher auch Israel) heimisch ist. Historisch wurde er wohl schon im Ägypten der Pharaonen rituell genutzt, meist als Grabbeilage, allerdings auch zu Berauschungszwecken. [1] Die Wirkung wird meistens als sedierend beschrieben, beruhigend, teilweise aphrodisierend, mild psychoaktiv oder sogar halluzinogen.

Wichtig ist zu beachten, dass der Wirkstoffgehalt des blauen Lotus wie bei allen Pflanzen stark schwankt. Darum kann ein fehlgeschlagener Versuch durchaus vorkommen, dass heißt aber nicht, dass die Pflanze an sich nicht wirkt. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Rauchen des blauen Lotus sehr ineffektiv ist, Einlegen in hochprozentigen Alkohol dagegen einen angenehmen Wirkungsmix aus Ethanol und der Pflanze mit sich bringt. Hier soll es allerdings mehr um meine Erfahrung heute gehen und diese war mit einem Tee aus einem 20x-Extrakt. [2] Etwa 0,75 g gab ich in das erhitzte Wasser und kombinierte es mit etwas Lupulin (dem Wirkstoff des Hopfens), da mein Stresslevel zu diesem Zeitpunkt recht hoch war.

Die Wirkung setzte nach in etwa 20 Minuten ein. Der Lotus-Rausch ist nach meinen bisherigen Erfahrungen immer sehr mild und setzt behutsam ein. Zu Beginn merkt man lediglich eine leichte Sedierung und Euphorie, die sich immer weiter steigert. So auch dieses mal. Ich saß vor dem Laptop und wartete auf das Einsetzen der Wirkung. Nebenbei spielte eine Goa-Playlist, die mir half, die notwendige innere Offenheit für den Rausch aufzubringen. Im Allgemeinen ist es sinnvoll, zur Verstärkung eines induzierten Zustands Musik abzuspielen, die eine ähnliche Stimmung hervorruft. Nach einer halben Stunde bemerkte ich deutliche Veränderungen der Wahrnehmung. Farben wirkten heller, schärfer abgegrenzter und satter. Ich stand von meinem Platz auf und spürte wieder das typische Gefühl des Schwebens, das bei blauem Lotus in Rauschform üblich ist. Ebenso wirken die Bewegungen ungewöhnlich. Die Wirkung war cannabis-ähnlich, nur ohne das auftretende Schweregefühl, aber mit der selben euphorischen und kreativen Grundveranlagung. Unter dem Einfluss von Blauem Lotus denkt man klarer, optimistischer und fokussierter. Da ich allerdings dazu neige, egal bei welchem Wirkstoff (Speed ausgenommen) kurz darauf schlafen zu gehen, beziehungsweise ins Bett zu liegen, konnte dieser Effekt nicht ausgenutzt werden. Stattdessen schlug sich die Kreativität in Gedankengängen nieder, die teilweise interessant, teilweise absurd waren.

Genauso sanft wie sie kommt, geht die Wirkung auch wieder. Man merkt das Heraustreten aus dem Rausch kaum, irgendwann merkte ich einfach, dass er jetzt vorbei war. Das macht den Lotus in meinen Augen auch zu einer sehr attraktiven Substanz. Es kommt zu keinem Kater, der Rausch ist durchgehend angenehm und hat kaum Nebenwirkungen. Es kommt zwar nicht zu krassen Optics, kann aber durch Meditation und Ähnliches eine sehr viel tiefere Erfahrung als sonst auslösen.

 

[1] http://ethnobotanik.net/blauer-lotus/

[2] https://azarius.de/smartshop/herb_extracts/blue_lotus_extract_20x/

Legal Highs (1) (Physalis)

Ich war wieder einmal lange Zeit inaktiv und dachte mir, es wäre Zeit, einen neuen Beitrag zu schreiben. Nur fiel mir seit Wochen kein Thema ein, vor allem, weil Politik mittlerweile nur noch dazu da ist, um zu zeigen, was man doch für einen Durchblick hat. Das Ärgern von Konservativen und Untergraben der staatlichen Autorität sollte aber natürlich weiterhin Hauptaufgabe des Blogs sein. Zur Steigerung meiner Kreativität musste also ein Hilfsmittel her. Die Blütenkelche der Physalis sind schon seit einiger Zeit regelmäßig in meinen Kräutermischungen herzlich willkommen und erzeugen ein sehr angenehm-narkotisches, kreatives High. Während ich also ausschließlich zu Zwecken der Arbeitsamkeit, wie es sich für einen guten Deutschen gehört, konsumierte, fiel mir prompt ein Thema ein. Warum schreibe ich nicht einfach mal darüber, mit welchen Mitteln man den Staat ärgern und provozieren kann und selbst dabei noch Spaß haben.

Da die Physalis mir diesen wunderschönen Einfall schenkte, wird der erste Text auch ihr gewidmet, dieser orangenen Schönheit und Alkaloid-gewordenen Muse. Da sie zudem auch früher als Judenkirsche bezeichnet wurde, passt sie hervorragend in diesen Blog. Die Pflanze selbst enthält Tropan-Alkaloide, gehört also zur Familie der Nachtschattengewächse, besitzt aber im Gegensatz zu Stechapfel/ Tollkirsche/ Bilsenkraut/ Engelstrompete usw. wenig riskante Nebenwirkungen. Während bei den Genannten der Grat zwischen letaler Überdosis und berauschender (perfekter) Dosis ein schmaler ist, ist er bei der „Judenkirsche“ kaum zu verfehlen. Auch ist sie praktisch in jedem Supermarkt als Kapstachelbeere erhältlich. [1][2][3]

Da das hier aber einen Mehrwert haben soll und nicht nur Infos, die sich jeder interessierte Mensch mit Affinität zu Psychedelika selbst zusammen recherchieren kann, folgt ein Tripbericht und eine Beschreibung der Wirkung bei mir. Ich rauchte zwei Kelche zerkleinert in einer Mischung mit Tabak in einem Joint (ist alles legal, falls jemand mit einem Prohibitionsfetisch das liest) und legte mich danach hin. Die Wirkung trat schon ab dem dritten Zug ein. Es war eine subtile Elektrisierung des Körpers, man konnte klar denken, merkte aber, wie der Körper selbst unklar darauf reagierte. Auch wenn die Beschreibung negativ klingt, das Gefühl ist positiv, es fühlt sich an, als wäre der Geist vollkommen befreit von physischen Grenzen und könne sich bewegen. Weniger wie ein DMT-Rausch, bei dem man außerkörperliche Erfahrungen machen kann, sondern eher, als wäre der Geist Gast des Fleisches und könnte es zu seinem Belieben verwenden. So in etwa sah auch meine Gedankenwelt aus. Sehr buddhistisch im Allgemeinen, Liebe, Freundschaft, Hass, Wut, all das galt nicht mehr als etwas von Dauer und in dem Moment hätte ich mit stoischem Lächeln und ohne Schmerz zu empfinden alles hergeben können. Daraufhin legte ich mich ins Bett und schrieb dabei mit einem sehr wichtigen Menschen in meinem Leben. Allerdings flimmerte das Handy extrem stark, die Buchstaben verschoben sich stellenweise und meine Gedanken waren für meine Chatpartnerin scheinbar nicht immer ganz nachvollziehbar. Auch mir erschien jeder Gedanke zuerst tiefsinnig, bis er sich nach zwei Minuten entweder als vollkommen logisch, aber banal oder ganz und gar unsinnig herausstellte. Nebenbei lief Goa-Musik, die es mir erlaubte, den Rausch zu vertiefen und die Welt anders wahrzunehmen. Sie hatte etwas elektrisch Blitzendes an sich, schwer in Worte zu fassen, schien aber fast als Materie anwesend zu sein.

Insgesamt kann ich am nächsten Tag sagen, dass es praktisch keine Nebenwirkungen hat, Physalis zu rauchen. Manche empfinden den Rausch als unangenehm, bei mir war das allerdings weniger so. Nur meine Augen waren heute Morgen leicht gerötet und mein Frühstück ausgiebiger als sonst. Wie aber schon in dem unten verlinkten Video [1] der DEA gesagt wurde, nehmt auf keinen Fall die Physalis aus dem Supermarkt. Holt sie lieber aus dem eigenen Garten oder fragt einen Nachbarn, der sie besitzt. Pflanzt sie auch selbst an (man kann meiner Meinung nach nie genug davon besitzen), um sicher zu gehen, dass keine Spritzmittel verwendet werden.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Tripbericht schreibe, der daür gedacht ist, veröffentlicht zu werden. Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen, da mir klar ist, dass dieser hier alles andere als perfekt ist.

 

[1] https://www.youtube.com/watch?v=iHlfqXMgtCM (Springen zu 7:52)

[2] http://www.biothemen.de/Qualitaet/tropen/physalis.html

[3] https://drugscouts.de/de/lexikon/tropanalkaloide