Gesundheitszwang

Raucher, Übergewichtige oder Genießer aller Couleur müssen sich heutzutage regelmäßig Anwürfe gefallen lassen. Sie wären Schmarotzer, da sie ihre Gesundheit riskieren und damit der Gesellschaft zu lasten fallen. Wenig überraschend findet sich diese Ansicht wieder vor allem in angeblich aufgeklärten Kreisen, in denen stets das Soziale betont wird. Der Widerspruch zwischen Sozialem und Faschistischem zeigt sich wiederum als ein scheinbarer. Es gibt keinen Widerspruch, der Faschismus ist eine soziale Politik für das Kollektiv. Sozial bedeutet Interaktion. Nur Psychopathen, Einzelgänger und Misanthropen, radikale Egoisten sind wirkliche Antifaschisten. Diese Erkenntnis mag gewagt klingen, allerdings tut sie es auch nur, wenn man die umgangssprachliche Verwendung mit der wahren Bedeutung gleichsetzt.

Süchtige aller Art sind laut gesellschaftlicher Norm „egoistisch.“ Ihr eigenes Wohlbefinden und ihr eigenes Leben ist für sie höher gewichtet als die Ausgaben einer ominösen Gesellschaft. Logisch betrachtet muss man sagen, dass ein Heroin-Junkie weniger kosten würde, wenn man ihm einfach sein versteuertes Geld zurückgäbe. Die eigene Entscheidung und das Recht, über das eigene Leben auch zu bestimmen, gilt aber schon fast als absurde Forderung von Idealisten. Zwang scheint schon Selbstzweck zu sein und so kommt und kam es zur Entwicklung des Gesundheitswahns.

Der Trend zu absurden Diäten, Lustverweigerung und Vorsorgeuntersuchungen muss ja nicht einmal falsch sein. Wenn ein Mensch gesund sein will ist das verständlich, positiv und ohnehin seine Entscheidung. Aber kein Raucher würde jemals ein Nichtraucher-Abteil fordern, da ihm Leute, die nicht rauchen, lästig sind. Weswegen nehmen sich die Gesundheitsfanatiker das Recht heraus, zu entscheiden, welche Lebensform die beste ist und gelebt zu werden hat? Ganz einfach, weil sie die Legitimation der Gesellschaft besitzen. Diese hat sich nicht aufraffen können, Steuern und Autoritäten zu hinterfragen, hinterfragt aber wohl die Verwendung dieser. Steuern muss es geben, aber man sollte sie niedrig halten. Absurderweise werden für hohe Beiträge schwache Sündenböcke gesucht und nicht das Problem angegriffen. In einer Metapher könnte man das abstruse derzeitige Bild am besten verdeutlichen: Eine Gruppe von Dieben bestiehlt regelmäßig die Bewohner eines Dorfes und kauft sich vom Erbeuteten bei einem Händler, worauf sie eben gerade Lust haben. Nach besonders ergiebigen Raubzügen beschweren sich die Dorfbewohner, aber nicht über die Diebe, sondern darüber, dass der Händler seine Preise erhöhte und darum mehr geklaut werden musste.

Von dieser Warte aus kann sich der Gesundheitswahn ausbreiten. Bleibe gesund, sonst liegst du uns auf der Tasche. Denke nicht an dich und dein Befinden, entscheide nach der geringsten Kostenentwicklung für die Gesellschaft. Gerade wenn man sich mit Themen wie Drogenpolitik beschäftigt, gerät man schnell in das Kreuzfeuer dieser Argumentation. Man sollte aufpassen, dass sich das Ich sich nicht selbst irgendwann auf ein Mittel zur Steuerreduktion reduziert.

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