Warum ich mich nicht mehr für Politik interessiere

Seit einiger Zeit zähle ich mich zu den Libertären. Keine Handlung, mit der niemand Anderem Schaden zugefügt wird darf verboten werden. Diese Art zu denken ist die konsequenteste antipolitische Haltung, auch wenn sie sich als politisch versteht. Doch im Gegensatz zu den anderen Strömungen ist die Lösung der Anarchisten keine allgemeine, sondern ein Zugeständnis an die Menschen, ihre Probleme selbst lösen zu können, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, all ihr Potential auszuschöpfen.

In diesem evolutionären Wettbewerb der Systeme werden sich Menschen immer wieder zu Gruppen zusammenfinden und ihre Vorstellungen umsetzen. Theoretisch gesehen könnten in zwei nebeneinanderliegenden Dörfern komplett unterschiedliche Gesellschaften koexistieren. Was mich an der politischen Debatte im Allgemeinen stört ist die fehlende Falsifizierbarkeit von Ideologien. Antikapitalisten argumentieren damit, dass der Wohlstand der westlichen Nationen von der Ausbeutung der Länder der 3.Welt käme, die Pro-Kapitalisten sagen, dass diese lediglich arm sind, weil sie nicht kapitalistisch organisiert sind. Und auch wenn man noch so viele Belege sammelt, Beweise gibt es nicht und auch kaum Möglichkeiten zur Falsifikation.

Sämtliche Utopien und Systementwürfe scheitern an ihrer Unzulänglichkeit, ihrer fehlenden Variabilität und absoluten Bestimmung. Der Libertarismus ist darum kein System. Und darum ist er auch apolitisch. Er verkörpert nicht den Wunsch, für die Gesellschaft das Beste zu tun und mit diesem allgemeinen Anspruch zu scheitern, sondern die Hoffnung, in Ruhe gelassen zu werden, nicht gegen seinen Willen für eine Gesellschaft zu leben und arbeiten zu müssen,mit der man möglicherweise nichts zu tun haben will. So ist aber der Libertarismus auch kein Widerspruch zu sozialistischen Systemen, solange sie regional bleiben und kein Zwang herrscht, teilzunehmen, im Prinzip kann jeder eine Gesellschaft nach eigenen Regeln oder auch ganz ohne Regeln mit Gleichgesinnten gründen und wenn er nicht mehr mit diesen übereinstimmt, diese wieder verlassen. Ich bin nicht mehr politisch interessiert, weil der gesamte Diskurs eine redundante Wiederholung von hohlen Phrasen und Floskeln darstellt, die ausschließlich in einem libertären Wettstreit mit Leben gefüllt werden können. Das System, das die Menschen am glücklichsten macht, setzt sich durch.

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Der Unsinn der Drogenprohibition 2

Womit nimmt der Staat sich das Recht heraus, mündigen Bürgern vorzuschreiben, ob sie sich berauschen oder nicht? Angesichts der Tatsache, dass die Drogenprohibition es nicht einmal schafft, den Konsum zu senken, sondern ihn nur gefährlicher macht und ganze Karrieren zerstört, ist es wohl fraglich, ob sie auf Faktenbasis basiert. [1] Sie ist vielmehr ein ideologisches Konzept einer staatlich verordneten und nationalistischen Volksgesundheit. Verschwörungstheorien hierzu wollen dem Markt Interessen unterjubeln und sprechen den Staat und seine Hierarchie indirekt von jeder Verantwortung frei.

Wer eine leistungsfähige Gesellschaft wünscht, die sich nach kapitalistischen Prinzipien verwerten muss, gleichzeitig aber nie in egoistische Individuen, sondern in primär kollektive Wesen zerlegbar sein soll, der muss auch den Gedanken der Volksgesundheit verfolgen. Die Ablehnung von Konsum wird selten damit begründet, dass er dem Individuum, sondern der Gesellschaft eine Last werden könnte. Das faschistische Denken ist gegen den Rausch und der Rausch gegen den Faschismus. Das bedeutet nicht, dass faschistisch denkende Personen sich nicht berauschen würden, sie selbst nehmen sich als Individuen war. Nur ist damit schon klar, dass sie selbst Ausnahmeregeln besitzen, da ihr Empfinden nicht Allgemeines, sondern Eigenes ist, eine Tatsache, die sie anderen nicht zugestehen.

Der Widerspruch des faschistischen Denkens, das sich selbst schon eingesteht, auf die eigene Person nicht zuzutreffen, ist der gleiche Widerspruch, den die Drogenprohibition beinhaltet. Alkohol und Tabak fallen aus obskuren Gründen nicht darunter, genauso wenig wie Kaffee oder grüner Tee. Bei Letzteren ist es möglich, mit Gefährlichkeit zu argumentieren, Alkohol und Tabak dagegen sind zwei der tödlichsten Substanzen mit starker Suchtwirkung. Um das Scheitern der Alkohol-Prohibition zu erklären, wird die kulturelle Verankerung angeführt, man kann schon sagen, dass der Alkoholrausch kulturalisiert wird und damit eine privilegierte Stellung einnimmt.

Dennoch macht der Wahn der Volksgesundheit auch vor dem Alkohol nicht halt. Die Befürworter eines Sozialstaats nach kapitalistischen Regeln sind auch die Ersten, die fordern, dass Raucher, Übergewichtige, Konsumenten von illegalen und auch legalen Drogen höhere Beiträge zahlen müssen. Für ihren Individualismus müssen sie die Gesellschaft entschädigen.

Der Unsinn der Drogenprohibition besteht aus weit mehr als nur statistischen Fakten. Diese entlarven die Restriktivität der Gesetzgebung schon aus praktischer Sicht als Dummheit. Er ist aber auch darum falsch, weil er auf individuelle Probleme oder Bedürfnisse eine allgemeine Lösung finden will. „Drogen sind immer falsch.“ „Drogen lösen keine Probleme.“ Diese Aussagen stimmen nicht und sie versuchen, ein Verbot der Freiheit logisch zu begründen. Auch wenn sie stimmen würden, womit hat die Gesellschaft das Recht, jemandem etwas zu verbieten, was nichts weiter tut als die eigenen Probleme nicht zu lösen? Auch die „zerstörerische Kraft“ tritt nicht bei einmaligem Konsum auf. Letztlich ist die Prohibition ein Teufelskreis. Sie kriminalisiert die Individualität, entmündigt das Individuum und wundert sich dann, weswegen die Entmündigten nicht so handeln, als wären sie mündig. Gerade der sorglose und unbedachte Umgang mit Substanzen geht darauf zurück, dass sie aus der Gesellschaft verbannt wurden, was nicht wundert, wenn jede objektive Aufklärung gleich als Werbung diffamiert wird.

 

[1] Der Unsinn der Drogenprohibition

Der Unsinn der Drogenprohibition

Da ich vor etwas über einer Woche auf kalten Entzug gesetzt wurde konnte ich nichts veröffentlichen, möchte mich aber gerade deswegen mit der Drogenprohibition und ihren Lügen auseinandersetzen. Meine schlechte Laune könnte sich etwas auf meine Objektivität auswirken, darum ist Kritik auch erwünscht und meine Aussagen sind nicht so versöhnlich gehalten wie sonst.

Unsere Gesellschaft agiert in wenigen Themen derart paradox wie dem Thema des Drogenkonsums. Schon in den Köpfen wird eine Trennung vorgenommen zwischen gefährlichen und ungefährlichen Drogen, die meist dadurch bestimmt wird, ob die Substanz legal ist, oder nicht. Im Bezug auf Cannabis gibt es zwar derzeit eine Welle der Akzeptanz, aber auch nur, weil Cannabis als ungefährliche Droge verschrien ist. (An Cannabis ist noch nie einer gestorben, kann also nicht gefährlich sein. Jeder, der hier den offenkundigen Fehler nicht sieht, hat vermutlich den einen oder anderen Kopf zuviel geraucht)

Aber zuerst einmal soll die Frage geklärt werden, ob die Gefährlichkeit einer Substanz überhaupt ein Argument für ein Verbot sein kann. Der erste Punkt wäre, zu überprüfen, ob der Staat eine solche Erziehungslegitimation überhaupt hat. Den hat er nicht, § 7 des GG legt nämlich nur einen Erziehungsauftrag für die Schulen fest. [1] Ob der Staat überhaupt eine Legitimation besäße, irgendjemandem irgendetwas  vorzuschreiben ist natürlich eine andere Frage, zumindest ich habe nie einen Gesellschaftsvertrag unterschrieben.

Der zweite Punkt wäre, ob die Prohibition überhaupt den Effekt eines Rückgangs des Konsums hat. In einem Bericht der europäischen Union wird aber aufgezeigt, dass auch 2015 eine große Anzahl von Menschen Drogen konsumierten. [2] Fast ein Viertel aller Befragten gab an, Cannabis schon mindestens einmal konsumiert zu haben. Im Gegenteil, Portugal entkriminalisierte alle Drogen im Jahre 2001 und gilt heute als das Land mit den niedrigsten Missbrauchszahlen weltweit, als Folge des Endes der Prohibition. [3] Und eine andere Hardliner-Nation, die USA, ist heute führend im Bereich der Cannabis-Legalisierung. [4]

Wer für die Cannabis-Legalisierung argumentiert und zugibt, dass durch eine Legalisierung ein offener Wettbewerb stattfinden kann, bei dem dem Kunden die Möglichkeit gegeben ist, nach eigenen Wünschen zu entscheiden, der muss auch zugeben, dass es sich mit anderen Substanzen wohl kaum anders verhält.

Eine Frage, die sich jeder stellen sollte, hat nichts mit Schädlichkeit zu tun. Wieso darf der Staat mündigen Bürgern vorschreiben, welche Substanzen sie nehmen dürfen und welche nicht? Mit Gesundheit hat es eben nichts zu tun, da Alkohol und Tabak zu den gefährlichsten Drogen gehören und ein Verbot nicht für weniger Konsum sorgt. Auch nimmt der Konsum nicht ab. Vielmehr wird eine Substanz scheinbar dann als gefährlich wahrgenommen, wenn sie nicht als traditionell verankert gilt. Bei Cannabis ändert sich die derzeitige Einschätzung der Öffentlichkeit dadurch, dass es mittlerweile als normal gilt, Alkohol und Tabak waren „schon immer“  Teil der nationalen Identität.

Demokratie und Staatlichkeit führen damit wohl zur Durchsetzung von moralischen Normen, die die Mehrheit für richtig hält. Damit ist aber auch schon die Definition eines Rechtsstaates nicht mehr erfüllt, sondern die eines faschistischen. Was eine Gesellschaftsgruppe wünscht ist allgemeines Gesetz.

 

[1] http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_7.html

[2] http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/20150616STO66706/Europäischer-Drogenbericht-2015

[3] https://www.zamnesia.com/de/blog-entkriminalisierung-portugal-14-jahre-spater-n631

[4] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/marihuana-in-usa-immer-mehr-bundesstaaten-legalisieren-cannabis-a-942124.html