Die böse Gentechnik

Naturschützer, Esoteriker, Faschisten und Linksradikale sind sich weitestgehend einig, was menschliche Eingriffe in den Verlauf der Evolution angeht. Sie wären durchweg falsch. Wie die meisten absoluten Aussagen ist auch diese falsch und einige richtige Argumente, wie sie z.B. in diesem Greenpeace-Artikel benannt werden, kann man auch von Kritikern hören. [1] Nichtsdestotrotz schafft es auch dieser recht gut recherchierte und argumentierende Text, sich selbst zu widersprechen.

„Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen beweisen bisher, dass jeweils genau das Gegenteil eingetreten ist. Mit der Verwendung von genmanipuliertem Saatgut konnten keine Ertragssteigerungen erzielt werden, und der Pestizideinsatz steigt mittelfristig sogar an.“

„Durch die Hintertür bekommen wir die Gentechnik allerdings doch aufgetischt. Denn: Lebensmittel wie Milch, Eier, Fleisch von Tieren, die gentechnisch verändertes Futter bekommen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden.“[1]

Man könnte sich fragen, wieso Landwirte gentechnisch veränderte Futterstoffe verwenden, wenn diese doch mehr Pestizide benötigen würden und darum teurer würden. Da scheinbar gen“manipuliertes“ Futter in einem Bereich verwendet wird, in dem es auf große Mengen zu günstigen Preisen ankommt, scheint der Effekt doch nicht so negativ zu sein. Eine Auswertung von 147 Studien zu diesem Thema kommt dabei zum gleichen Schluss wie die gerade angewandte Alltagslogik. [2]

Auch interessant ist die Frage, weswegen lediglich der menschliche Eingriff gefährlich sein soll. Mutationen sind alltäglich und Greenpeace schießt sich auch hier mit einer Aussage ins eigene Knie:

„So stimmt schon eine der Grundannahmen  der Gentechnik nicht: ein Gen habe nur eine Wirkung. Die Wissenschaftler können weder den genauen Ort, wo das Gen in die Erbsubstanz der Pflanze eingebaut wird, noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen und Proteinen gezielt steuern. Kein Wunder, dass es beim Anbau von Gen-Pflanzen immer wieder zu überraschenden Nebenwirkungen kommt: Die Stängel von Gen-Soja platzen bei Dürre und Hitze auf oder Gen-Pappeln blühten zum falschen Zeitpunkt.“ [1]

Erstens konnte ich keinen Wissenschaftler bei meinen Recherchen finden, der jemals behauptet hat, ein Gen hätte nur eine Wirkung. Aber selbst wenn man diese Aussage stehen lässt, so fragt man sich doch, worin die große Gefahr labortechnischer Mutationen besteht, wenn jeden Tag das Millionenfache auf natürlichem Weg passiert? Die Natur bedenkt Wechselwirkungen noch weitaus weniger als der Mensch, der sich unter anderem in freier Wildbahn vorkommender Bakterien zur Genmanipulation bedient. [3] In Süßkartoffeln wurde dieses Bakterium bei fast allen kultivierten Arten nachgewiesen, was bedeutet, dass deren Kultivierung auf eine „natürliche“ Form des Gentransfers zurückgeht. Eine ursprüngliche Infektion wilder Kartoffelarten führte zu ihrer Nutzbarkeit. Die Forscher hinter diesem Nachweis schrieben dazu:

„…This finding draws attention to the importance of plant–microbe interactions, and given that this crop has been eaten for millennia, it may change the paradigm governing the “unnatural” status of transgenic crops.“ [4]

Dabei legen sie den Finger in die Wunde, die die Gentechnik vermutlich trifft. Der ewige und falsche Gegensatz von „chemisch“ (gemeint ist eigentlich synthetisch) und natürlich. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, gezielte Mutationen seien gefährlicher als zufällige. Der Mensch weiß sogar etwas mehr als der Zufall über die Funktionsweisen der Gene, was die Sicherheit eher noch steigert, wenn auch nur ein bisschen.

Andere Argumente gegen die Gentechnik sind allgemeiner Art und können gegen fast jede Technologie in Anschlag gebracht werden. Das Potential zum Missbrauch ist sowohl bei Gentechnik vorhanden, als auch bei dem Bremsenreiniger Butandiol 1,4 (Ersatzstoff zu GBL/GHB, Liquid Ecstasy und im Gegensatz zu diesen legal erhältlich), sowie bei jeder Forschung an pathogenen Bakterien (man kann mit den Ergebnissen sowohl heilen, als auch waffenfähige Erreger herstellen). Wenn Monsanto seinen Einfluss ausnutzen kann, hat das nichts mit Gentechnik zu tun, sondern mit einer Monopolisierung.

 

[1] https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/gentechnik

[2] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gentechnik-eine-ueberraschende-auswertung-von-147-studien-13250070.html

[3] http://www.spektrum.de/wissen/was-sie-ueber-gentechnisch-veraenderte-pflanzen-wissen-sollten/1347171

[4] http://www.pnas.org/content/112/18/5844

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