Die falschen Freunde Israels

Die neue Rechte, die sich als patriotisch und ethnopluralistisch versteht (ein Euphemismus für „Rassenhygiene“), bekennt sich in nicht unerheblichen Teilen als pro-israelisch, besonders die stark antimuslimisch und rassistisch ausgerichteten Aktivisten. Ihre angebliche Freundschaft zu Juden ist aber mehr Produkt der Selbstvergewisserung, kein „Nazi“ sein zu wollen, als wirkliche Kritik des Antisemitismus. Eine kurze Beschreibung des Auftritts eines Israeli bei Pegida auf der rechtspopulistischen Seite PI-News zeigt dabei vor allem die Bestrebung, sich von der eigenen Geschichte reinwaschen zu wollen. [1] Um ihr eigenes Selbstbild zu stärken, zitieren sie folgenden Teil aus der Rede von Dr. Rotem Avituv:

„Ich bin Jude, meine Familie lebte 700 Jahre in Deutschland und ich sage euch, ich sehe hier keine Nazis. Die Nazis sind die Linken. Hier sehe ich nur Patrioten, die dieses Land lieben und es schützen wollen vor dem Islam, der Deutschland übernehmen will, eure Traditionen, euren Glauben, … aber wir werden das nicht zulassen. Wir sind Deutsche, wir sind stolz auf unser Erbe, wir haben ein schönes Land.“ Und er sagt: „Wir vergeben euch.““

Bei sehr rechtslastigen Bewegungen fällt auf, dass sie sich schon als Nazi diskriminiert fühlen, bevor irgendjemand etwas sagen konnte. Die Parallele zum NS ist vermutlich schon darum unangenehm, weil sie das makellose Deutschlandbild der Patrioten beschmutzt. Sie wollen den NS nicht als Teil der deutschen Geschichte. Nicht weil sie ihn schlimm fanden, eher, weil er nicht erfolgreich war. Um sich distanzieren zu können wird die Solidarität mit den früheren Feinden vor sich als Monstranz hergetragen, die jüdischen Israelis werden dadurch zum Objekt der Befreiung von Schuld.

Natürlich lösen sich Ressentiments nicht in Luft auf. Sie zeigen sich nur in neuer Form, wie dem Antiamerikanismus, besonders aber einem irrationalen Ressentiment gegen die Politik, die für sie durchweg von Korruption und hinterlistigen Verschwörungen beherrscht ist. Die Auflistung der Eigenschaften der Politiker ähnelt dabei dem klassischen Antisemitismus, Gier, Unehrlichkeit, Hinterlist. Sie paktieren mit dem Großkapital, um dem „deutschen Volk“ zu schaden und es zu schwächen. Ebenso werden auch die Medien regelmäßig als Schuldige benannt, die die Katastrophen und Krisen der Gegenwart verschleiern und mit den Eliten zusammenarbeiten.

Während sich vor allem die extreme Rechte sehr stark gegen Israel und die USA richtet, müssen diese Elemente beim bürgerlichen Rechtspopulismus nicht mehr gegeben sein. Dieser wahrt sein bürgerlich-demokratisches Profil und neigt wegen seiner demokratischen Gesinnung automatisch zur Verneinung des Individuums. [2] Also werden auch die Juden zu einem Kollektiv. Eine Gruppe von Menschen, die auch als Kollektiv angegriffen wird, muss in deren Augen auch eine einheitliche Meinung zur richtigen Lösung und Antwort auf diese Angriffe haben.

Die freundschaftlichen Bande zu den Juden und Israel bekommen aber sehr schnell Risse, wenn bspw. der Zentralrat der Juden Entscheidungen trifft, die nicht dem Weltbild rechtspopulistischer oder rechtsradikaler Fanatiker entsprechen, oder diesem sogar klar widersprechen. Wer sich von den verbalen Entgleisungen der „besorgten Bürger“ eine kleine Geschmacksprobe antun möchte, der kann unter diesem ausgezeichnet recherchierten und beneidenswert neutral formulierten kleinen Text die Kommentare durchlesen. [3] (Zur Erinnerung, das sind die Menschen, die von der „Lügenpresse“ objektivere Berichte fordern)

Dort schreibt auch eine Person, die mit einem beneidenswerten fehlenden Wissen gesegnet ist und sich dabei amüsanterweise „Kulturhistoriker“ nennt:

„Was machen die juden, wenn es eines tages/bald kein
deutsches Volk
mehr gibt?“ (Ohne Korrekturen übernommen)

Wieder offenbart sich das Selbstbild der radikalen Rechten. Sie halten sich für den Stern am Himmel der Zivilisation und gehen davon aus, dass die Europäer kultiviert sind. Das deutsche Volk sei das Einzige, dass die Juden schützen könne, ohne Deutschland wären sie hilflos (wie uns die Geschichte lehrt). Das Judentum und Israel sind für sie nicht mehr als Projektionsfläche, mit deren Hilfe sie die Nationalsozialisten aus dem Rechtsradikalen ausschließen, um sich für deren Taten nicht mehr rechtfertigen zu müssen.

 

[1] http://www.pi-news.net/2015/01/httpwww-pi-news-netp445629/

[2] Demokratie und Nationalismus

[3] http://www.pi-news.net/2015/06/zentralrat-der-juden-ehrt-gruenen-paederastenfreund-volker-beck/

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