Demokratie und Nationalismus

Die Demokratie ist von ihrer Grundlage her eine kollektivistische Regierungsform. Man spricht in den seltensten Fällen vom Willen der überwiegenden Mehrheit, sondern vom Willen des Volkes. Hierbei handelt es sich aber um weit mehr als eine Redensart. Die angebliche Vielfalt, die die Demokratie garantieren möchte, entpuppt sich als weitere Form einer kollektivistischen Monokultur, denn hier legt die Mehrheit fest, was alle zu denken haben. Alle Macht soll vom Volk ausgehen. Doch kann die Macht nach dem etatistischen Grundgedanken nur von einer Institution ausgehen, würde sie sich aus vielen Individuen zusammensetzen und funktionieren, wäre die Begründung für einen Staat hinfällig. Der angebliche Individualismus, die krampfhafte Betonung einer Willkommenskultur und penetrante Hervorhebung von Vielfalt täuschen nicht darüber hinweg, dass sie eine Illusion aufrechterhalten sollen. Die Demokratie würde an mündigen und selbstverantwortlichen Individuen zugrunde gehen, da diese keines Staates bedürften und so immer mehr zu freiheitlicheren Formen der Gesellschaftsordnung tendieren würden. Der Staat würde seiner eigenen Abschaffung zuarbeiten.

Um eben jene Individuen zu verhindern, etwas, das nicht von Politikern willentlich durchgeführt wird, sondern dem demokratischen System immanent ist, wird die Summe aus Einzelpersonen zu EINEM Volk gemacht, dass EINEN, seinen, Willen äußert. Die Entscheidung dieses Volkes bestimmt auch, was diejenigen zu tun haben, die sich dem nicht anschlossen. Demokratie garantiert nicht, dass man Freiheiten hat, sondern nur eine, die Freiheit, zu bemängeln, dass man nicht frei sein darf. Wenn man dem zu folgen hat, was die Mehrheit möchte, dann folgt daraus die Auflösung individueller Eigenschaften.

Gerade in der AfD manifestiert sich die Demokratie, von ihrer schlechtesten und barbarischsten Seite. Dem Willen des Volkes haben sich auch die Bestimmungen zu unterwerfen, die gesetzlich garantiert sind. Die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und die Benachteiligung von LGBT-Personen (Letzteres trifft auch auf die CDU zu, leider) sind Ausdruck eines nationalen Begehrens des Volkes, das als Mehrheit entscheidet, was die Minderheiten nicht blockieren dürfen. Diese sind, egal wie groß die zur Schau gestellte Toleranz sein mag, immer nur geduldet und das nicht länger, als wie sie im Stande sind, die Mehrheitsentscheidungen mitzutragen.

Daraus folgt auch eine grundlegend nationalistische Einstellung. Das Einzige, was als verbindende Eigenschaft des Volkes dienen kann, ist die Nationalität. Sie dient als das Absolute und Allgemeine, das die Demokratie braucht, um sich zu legitimieren. Keine demokratische Partei konnte sich bislang von nationalistischen Phrasen trennen. Die Linke fand in Wagenknecht und Lafontaine populäre Fürsprecher für nationale Kollektive und antiamerikanische Vorurteile, die Grünen und die SPD feiern Deutschland für seine Willkommenskultur und glorifizieren ein „helles“ Deutschland, CDU und AfD müssen gar nicht erst erläutert werden. Eine Abschaffung der Nationen könnte also zwei Effekte haben. Entweder geht der supranationale Staat unter, oder er wird wieder in überschaubare Grenzen aufgeteilt, in denen ein Kollektiv sich noch auf das Gemeinsame und Allgemeine einigen kann.

Unser derzeitiges Demokratie-System, das einigermaßen leidlich funktioniert, ist eingeschränkt durch Institutionen, eine Verfassung und eine relativ gut arbeitende Presse. Doch gerade in Gestalt der AfD und der antiamerikanischen Linken zeigt sich immer mehr, dass auch in Deutschland dieses Demokratie-Verständnis um sich greift und das nationale Kollektiv sich seine totale Macht wieder erobern möchte.

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