Liberales Waffenrecht 2

Das liberale Waffenrecht ist die Untergrabung des staatlichen Gewaltmonopols. Je mehr Privatpersonen nicht auf den Staat als schützende Kraft angewiesen sind, desto weniger Legitimation besitzt er und offenbart sich als Institution zum reinen Selbstzweck. Schon die theoretische Überlegung des liberalen Waffenrechts beweist, dass es nicht zu mehr Kriminalität führen wird unter gleichen Umständen. (Ein liberales Waffenrecht in Mexiko würde im Vergleich zu einem strikten Waffenrecht in Arlington dennoch höhere Kriminalitätsraten zur Folge haben, weil die Strukturen mafiöser ausgerichtet sind. Unter gleichen Bedingungen hieße ein Vergleich zwischen Mexiko mit liberalem und striktem Waffenrecht)

Denn der Hintergedanke, Menschen würden durch die eigene Möglichkeit zur Verteidigung diese zum Angriff missbrauchen, unterstellt, dass es bei der Staatsgewalt anders wäre. Vielmehr werden Polizisten durch diese noch geschützt und können Verbrechen begehen, ohne belangt zu werden. [1] Laut der erwähnten Statistik werden 98% der beschuldigten Polizisten freigesprochen, was nicht im Ansatz eine realistische Einschätzung der wirklichen Kriminalität unter Polizeibeamten ist. Ohne einen Generalverdacht aussprechen zu wollen, muss gesagt werden, dass Polizisten auch nur Menschen sind und ihre Neigung zur Kriminalität wohl kaum so drastisch unter dem Durchschnitt liegen dürfte. Weiter im selben Text (genauer auf Seite 3) ist auch eine weitere interessante Fragestellung zu finden:

,,Mein Glaube an den Rechtsstaat war wohl noch zu gut“, meinte Richterin Birgit Benesch in der Verhandlung gegen die Prügel-Polizisten von der Wiesn am 18. Juli 2000. Die Frau war erschüttert ob des ,,Corpsgeistes unter den Polizeibeamten“, darüber, dass Kollegen die Misshandlungen stillschweigend übergingen.

Sie selbst habe inzwischen ein ,,ausgesprochen ungutes Gefühl“, da sich Verurteilungen in vielen Fällen allein auf die Aussagen von Beamten stützten: ,,Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Unschuldige ich verurteilt habe, nur weil Beamte Anzeigen erstatten haben, um eigene Übergriffe zu vertuschen.“

Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010 [2]

Das staatliche Gewaltmonopol sorgt für eine Protektion einer „Elite,“ die Elite der Beamten. Das klingt verschwörungstheoretisch, ist es aber nicht, weil es wiederum nicht verallgemeinert werden kann. Nicht jeder Polizeibeamte (bzw. ein Bruchteil) nutzt seine Macht in wirklich fataler Art und Weise, doch könnte er es. Doch durch die Protektion gründen sich Kartelle und Monopole, die durch besonderen Schutz aufsteigen können und keine Konkurrenz befürchten müssen. Ein Artikel des deutschen Hanfverbandes fasst das Problem der Repression zwar gut, aber nicht ganz vollständig zusammen. [3] Es wird analysiert, was die Cannabis-Repression (in diesem Fall ein Beispiel) kostet und wie viel mehr eine Freigabe finanziell bringen würde. Erweitert man die Analyse aber, so fällt auf, dass der Staat, bzw. seine Beamten, mit Dealern paktieren können und damit den Grundstein für die Entstehung von Kartellen schaffen. Ein Schwarzmarkt, ausschließlich unter Repression, wäre zwar nicht kleiner, aber zersplittert. Je größer ein Kartell, umso leichter ist es auszuschalten, da es trotz seiner Größe einem noch größeren Gewaltmonopol gegenüberstünde und größere Angriffsfläche bietet. Der Grund, dass das nicht passiert, liegt darin, dass das Gewaltmonopol sich logischerweise nicht gegen jeden richtet. Um Erfolge zu präsentieren, die der Staat braucht, um sich zu legitimieren, werden die einfachen Ziele und damit die Konkurrenz zu etwas größeren Gruppen, ausgeschaltet. Also forciert staatliche Repression automatisch die Entstehung von weiteren Monopolisten, die sich des indirekten Schutzes sicher sein können.

Was hat aber die Repression von Cannabis und die Forcierung weiterer Monopole im Schwarzmarkt mit liberalem Waffenrecht zu tun? Wie eingangs erwähnt, ist das Monopol nur so lange in Kraft, wie es legitimiert ist durch die Unfähigkeit der Bevölkerung, es zu ersetzen. Die Kriminalität wird dadurch auch kaum ansteigen, schließlich wissen sich Kriminelle auch heutzutage schon zu bewaffnen, wohingegen Privatpersonen, die nicht auf den Schwarzmarkt zugreifen können oder wollen, keine Möglichkeit haben, für ihren eigenen Schutz zu sorgen. So sichert der Staat sich sein Monopol und er nutzt es nicht zum Wohle des Individuums, sondern zur Durchsetzung eigener Konventionen, wie z. B. das Betäubungsmittelgesetz beweist.

Wie Studien beweisen, hat ein liberales Waffenrecht nicht den Einfluss erhöhter Kriminalität. [4] In der Statistik über Morde mit Schusswaffen werden zum Beispiel auch Selbstmorde gezählt, die aber erstens persönliche Entscheidung sein sollten (auch hier nimmt sich der Staat heraus, Konventionen festzulegen, die nicht dem individuellen Wohl, sondern kollektiven Vorstellungen dienen) und zweitens mangels Schusswaffen eben anders durchgeführt würden. Die größten Auswirkungen auf Kriminalität haben eher ökonomische Umstände, Sozialisation und Ähnliches, was sogar die Regierung zugibt. [5] Also spricht statistisch nichts gegen eine Liberalisierung des Waffenrechts.

Der einzige Widerspruch muss, wie erwähnt, von der Basis ausgehen, dass Regierungen ihre Macht nicht missbrauchen oder irgendwie vertrauenswürdiger wären als Privatpersonen. Also geht man auch davon aus, dass der Mensch innerhalb von staatlichen Institutionen irgendwie anders und nicht egoistisch wäre. Schon in dieser Darstellung ist der Irrtum und die Widersprüchlichkeit dieser Position offensichtlich. Blindes Vertrauen in ein Monopol, dass in irgendeiner Hinsicht besser sein soll als ein wirtschaftliches, obwohl es sich kaum von ihm unterscheidet.

 

[1] http://www.sueddeutsche.de/muenchen/kriminelle-polizei-die-exekutive-und-ihre-affaeren-1.930092

[2] http://www.sueddeutsche.de/muenchen/kriminelle-polizei-die-exekutive-und-ihre-affaeren-1.930092-3

[3] https://hanfverband.de/inhalte/finanzielle-und-wirtschaftliche-auswirkungen-einer-cannabislegalisierung

[4] http://www.dsb.de/media/PDF/Recht/Waffenrecht/Aktuelles/Positionspapier.pdf

[5] http://www.bpb.de/izpb/7735/ursachen-von-kriminalitaet?p=all

Wie widerlegt man Weltbildimmunisierung?

Um das eigene Weltbild argumentativ zu immunisieren werden von Verschwörungstheoretikern (und auch anderen Ideologen) einige Taktiken verwendet, die auf Laien oftmals überzeugend wirken:

  1. Der Diskussionsgegner wird als unkritisch diffamiert. Unterstellt man dem Gegenüber, er wäre unkritisch und würde blind der „kontrollierten Presse“ glauben, so macht man dessen Argumente gleich mit unglaubwürdig. Jeder Verweis auf Quellen, die eigentlich den Verschwörungstheoretiker und seine Verschwörungstheorien widerlegen würden, wird damit im Voraus gekontert und „widerlegt,“ ohne die Aussage wirklich hinterfragen zu müssen. Hilfreich ist es, dieses „Argument“ mit Nachfragen zu seinen Quellen zu entkräften und den Gegenüber in die Ecke zu drängen, wenn er aufzeigen muss, dass seine Eigenen den Kriterien selbst nicht entsprechen. Dieser Gegen-Konter ist zwar zuerst einmal Whataboutism und könnte so angegriffen werden, man kann darüber aber klar machen, dass die Aussage über „kontrollierte Medien“ selbst aus Medien stammt, die ihre eigene Kontrolliertheit nicht widerlegen können.
  2. Der Gegenüber ist bezahlter Troll. Vor allem im Internet erfreut sich dieser Angriff hoher Beliebtheit. Wiederum muss der Verschwörungstheoretiker nichts beweisen, man selbst ist aber in der Situation, nicht mehr argumentieren zu können, da dieser Verweis jede logische Grundüberlegung ohne Basis zur Seite schieben kann. Darauf ist meistens der Konter der so Angegriffenen eine Ironisierung der Behauptung und gespielter Ärger darüber, dass die Tarife für bezahlte Trolle gesenkt wurden oder Ähnliches (was zugegebenermaßen bei Leuten Spaß macht, die man ohnehin nicht mehr überzeugen kann). In einer ernsthaften Diskussion, bei der es häufig auch eher darauf ankommt, Zuschauer oder Mitlesende auf die eigene Seite zu ziehen, ist es aber hilfreicher, das behauptete kritische Denken des Gegenübers anzugreifen und ihm im Gegenzug aufzuzeigen, dass er sein Weltbild aktiv immunisiert. Also eine direkte und konfrontative Dekonstruktion seiner Argumentationsmuster. Es mag unfair klingen, aber der Effekt ist für Zuhörende meist der Gegenteilige, da der Verschwörungstheoretiker selbst als unkritisch entlarvt wurde, wird ihm nicht mehr geglaubt. Es gilt aber auch hier, wenn der Verschwörungstheoretiker Argumente nennt, dürfen diese nicht in gleicher Manier beiseite gewischt werden. Kritisches Denken bedeutet nicht, immer die offizielle Version blind zu glauben, sondern auch die Gegentheorien einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen. Meisten stellen sie sich auch wirklich als falsch heraus.
  3. Schwarz-Weiß-Denken. Durch ein bloßes „Wir“ und „die Anderen,“ kann der Verschwörungstheoretiker leicht aus der Absurdität einiger Behauptungen der Regierung, die nachweislich falsch sind, eine allgemeine Richtigkeit seiner Verschwörungstheorien schließen. Kontern lässt sich dieses Denkmuster aber auch recht leicht. Man nimmt blödsinnige und offenkundig peinliche Verschwörungstheorien und schließt darauf ironisch auf die allgemeine Falschheit aller Verschwörungstheorien. Der Gegner wird es natürlich so widerlegen wollen, dass er diese als unsinnig bezeichnet und darauf hinweist, dass das Theorien waren, die er nie vertreten hat. Und anhand dieser unfreiwilligen Widerlegungen seiner eigenen Herleitung zeigt man mit dieser, am Besten im weitestgehend gleichen Wortlaut, dass seine eigene ebenso Unfug ist.
  4. Gedankenkontrolle. Viele Verschwörungstheoretiker nehmen eine Gedankenkontrolle durch Regierungen und Eliten an. Das Argument, das sie daraus zimmern, ähnelt dem des Ersten, der Diffamierung als Schlafschaf. Doch kann dieses noch weitaus eleganter gekontert werden. Und zwar, indem man den Gegner in solche Höhen lobt, dass jedem Zuschauer / -Hörer die Lächerlichkeit dieser Immunisierung klar wird. Durch ein Lob dafür, dass der Gegner scheinbar eine hohe geistige Überlegenheit besitzt, da er es schafft, trotz aktiver Kontrolle doch nicht kontrolliert zu sein und Gedanken haben zu können, die mit dieser gar nicht möglich sein dürften, er also ein wahrlich überlegenes Genie sein müsse, wird den meisten noch-nicht-Verblendeten klar, dass eine angebliche Gedankenkontrolle, die ihre eigene Kritik zulässt, vollkommen unlogisch ist.
  5. Die Opferrolle. Durch die Behauptung, sie würden verfolgt, stigmatisiert und ausgegrenzt, immunisieren sich viele „Truther“ gegen Kritik. Dabei wird unbewusst darauf spekuliert, dass fortan jede Kritik an ihnen als Bestätigung dieser These durch die Zuhörer wahrgenommen wird. Besonders unangenehm sind Vergleiche mit der Verfolgung der Juden im dritten Reich, die man aber schon alleine durch eine Aufzählung der Ungerechtigkeiten, Gewalttaten und Diskriminierungen gegen Juden in der NS-Zeit widerlegen kann. Einfacher ist es aber, die Opferrolle an sich zu widerlegen, bzw. sich selbst in diese hineinzubegeben. Füllt man ihren Begriff einfach mit dem eigenen und wiederholt, dass man als Linker / Libertärer / Konservativer o. Ä. verfolgt würde, und zählt dann die Kritik der großen Medien an der eigenen Position auf, so bleibt dem Verschwörungstheoretiker nicht mehr viel Kontermöglichkeit. Entweder, er widerlegt deine Darstellung und nimmt sich selbst die Grundlage für seine eigene Rolle. Darauf müsste er sich in der Diskussion neu positionieren, was die Basis für weitere Immunisierung nimmt, oder direkt auf das Sachliche ausweichen. Oder aber, er widerlegt deine Darstellung nicht und versucht mit einem Manöver auszuweichen, wobei man abwägen muss, in welchem Teil des Gespräches man grundlegender auseinandernehmen kann.

Libertäre Staatskritik und Verschwörungstheorien

Auch wenn ich mich selbst als libertär definiere, kann ich dennoch nicht jede Staatskritik, eher Staatsdämonisierung stehen lassen. Gerade die rechtslibertäre Szene neigt zu einer Weltbildreduktion, die im Staat nicht nur das sieht, was er ist, ein Gewaltmonopol, dass gesellschaftliche Konventionen festschreibt und deren Einhaltung erzwingt. Oliver Janich dürfte hierbei vermutlich jedem ein Begriff sein, der sich mit der Verschwörungsszene und deren Theorien auskennt, als populärster Rechtslibertärer Deutschlands kann man ihn auch für die Analyse heranziehen. Hierzu ein Artikel über die noch aktuellen Anschläge in Brüssel:

„Die Anschläge in Belgien waren auf jeden Fall Terror unter falscher Flagge, schon alleine aus diesem Grund:

Ohne die hochkriminelle Politik hätten sie gar nicht stattgefunden. Selbst wenn ausnahmsweise echte Terroristen die Anschläge durchgeführt hätten, so sind sie von der Machtelite bewusst herbeigeführt worden.

Wenn die Elite mit Frau Merkel als ihrer obersten Dienerin tausende von IS-Kämpfern nach Europa schleust, indem man nicht einmal mehr die Papiere kontrolliert, sind solche Anschläge die logische und unvermeidbare Folge.

Die Bevölkerung soll in Angst und Schrecken versetzt werden, damit sie einen totalitären Überwachungsstaat, die sogenannte Neue Weltordnung akzeptiert.“

– Oliver Janich; Brüssel: Terror unter falscher Flagge [1] –

Die äußerst inkonsistente Begründung bleibt wage, die Vorwürfe werden auch nicht näher beleuchtet. Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge habe ich auch schon in einem anderen Text behandelt und bin der Meinung, sie damit widerlegt zu haben. [2] Mangelnde Kontrolle ist auch eher auf die Überforderung der Grenzbehörden mit der schieren Größe der Menge der Flüchtlinge zurückzuführen als auf heimliche Pläne der Machteliten. Durch die Wortwahl verrät Janich aber sein äußerst unkomplexes Weltbild. Selbst wenn der Staat nicht dahintersteht, ist er dennoch schuldig. Ähnlich wie radikale Kommunisten jeden gesellschaftlichen Missstand auf den Kapitalismus reduzieren, reduzieren viele Libertäre jeden Missstand auf den staatlichen Eingriff in den freien Markt.

In meinem vorigen Text analysierte ich den Nutzen, den Regierungen aus Anschlägen und Terror ziehen können. [3] Dieser ist nicht wegzudiskutieren. Doch findet sich hier der typische Fehler der meisten Verschwörungstheoretiker, das typische Cui-Bono. Wer profitiert, der ist auch Urheber, selbst wenn er es gar nicht gewesen sein konnte. Diese Analyse schließt Fehler vollkommen aus. Auch wenn eine Seite, in dem Fall der Staat, besser organisiert ist, kann ein weniger professioneller Gegner dennoch diesen überlisten. Um das in eine Analogie zu verpacken: Wenn ich als begeisterter Schachspieler gegen einen Großmeister spiele, würde ich für gewöhnlich immer verlieren. Allerdings gibt es Spiele, bei denen ein Spieler gegen mehrere gleichzeitig spielt, so wie der Staat viele Bedrohungen abwehren muss. Unter diesen Bedingungen kann mein Gegner durchaus einen Fehler machen, da er viele Spiele hintereinander analysieren muss. So kann dann doch ein Gewinn für den Underdog folgen.

Libertäre sehen meist im Staat nicht nur das, was er nicht ist, sondern eine Personifizierung eines Dämons. Er erscheint allwissend, bewusst böse und durchweg hinterhältig. Die Fehler des Staates werden dabei wieder nicht aus dem Wesen der Institutionen abgeleitet, sondern wieder vermenschlicht und biologisiert. So kommt auch die regelmäßige Vermischung von okkulter Symbolik, Verschwörungstheorien, antistaatlicher Paranoia und antisemitischen Elementen:

„Wenn man weiss, dass die Elite von Numerologie besessen ist, dann ergeben sich schon aus dem Datum erste Hinweise. 3/22, wie das Datum im Amerikanischen geschrieben wird, sind beispielsweise die Zahlen der Geheimgesellschaft Skull & Bones. Die Quersumme ergibt Sieben, die des gesamten Datums (2016/3/22) ergibt 16, also auch wieder die Sieben. Die Zahl Sieben ist ja laut IWF-Chefin Lagarde eine „magische Nummer“. Eine Bombe in der Metro soll nach ersten Berichten um 9 Uhr 11 (also 9/11) hochgegangen sein.“

„Ich bin aber relativ sicher, dass wir in den kommenden Tagen noch Hinweise auf eine False Flag-Aktion sehen werden. Konsultiert dazu bitte die einschlägigen Truther-Seiten und prüft die Quellen auf Plausibilität.“[1]

Was sich hier noch kritisch nennt, zeigt nur, dass man schon gar nicht mehr nach anderen Schuldigen sucht. Angebliche Beweise werden zuerst präsentiert, daraufhin zwischen den Zeilen zugegeben, dass es nicht im Ansatz irgendetwas beweist, aber sicher bald Belege für die schon lange gefasst Meinung gefunden werden. Selbst wenn es sich als False-Flag herausstellt, ist damit vielleicht ihre Aussage belegt, widerlegt ist aber die Selbstbezeichnung als journalistisch und skeptisch.

 

 

[1] http://www.oliverjanich.de/bruessel-terror-unter-falscher-flagge

[2] Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge

[3] Der “Nutzen” des Terrors

Der „Nutzen“ des Terrors

Es dauerte nach den Anschlägen in Belgien natürlich nicht lange, bist die ersten Gerüchte über „Ungereimtheiten“ (die man wirklich nur erkennt, wenn man unbedingt welche sehen möchte) aufkamen, natürlich zuvörderst von Verschwörungstheoretiker Janich. [1] Abgesehen von den Verschwörungstheorien über angebliche Inside-Jobs, die ohnehin meistens nichts taugen, kann man durchaus einen Nutzen für die jeweiligen Regierungen behaupten.

Denn auf jeden Anschlag folgt die Panik in der Gesellschaft. Die Menschen schreien nach rigiden staatlichen Eingriffen und sind bereit, Freiheiten zu opfern, die sie sonst nie opfern würden. Dabei zeigt doch gerade das Beispiel des Hybridstaaten Türkei, (Eine Mischung aus Demokratie und totalitärem Staat, also die Vorstufe zu einer Diktatur) dass ein starker Staat nicht verhindern kann, dass Anschläge geschehen. Hier finden wir auch ein gutes Argument gegen angebliche Inside-Jobs. Würde es sich um Geheimdienstoperationen handeln, so wäre es zu erwarten, dass weniger Anschläge folgen würden, sonst wäre der rigide Staat unglaubwürdig. Wenn seine Maßnahmen nichts nutzen, werden sie auch stärker hinterfragt.

Man mag darin einen Widerspruch sehen, dass ich hier einerseits schrieb, die Bevölkerung reagiere reflexhaft auf die Angriffe mit der Sehnsucht nach einem starken Staat und die nachfolgende Annahme stärkerer Reflexion der Maßnahmen durch die Bürger des Staates. Allerdings ist der Terror in Europa etwas Neues, erst der IS konnte durch mehrere, für westliche Verhältnisse recht schnell aufeinander folgende, Anschläge den Krieg auch in die kontinentalen Metropolen tragen. Die Konsequenzen, die hierzulande sofort gezogen wurden, waren wenig überraschend. Weniger Flüchtlinge aufnehmen, teilweise sogar ein Verbot des Islam und häufig auch Stärkung von Polizei und Geheimdiensten, darauf liefen die meisten Forderungen hinaus, auch ein Ende der halbherzigen Bombardierung des IS wurde einige Male in Erwägung gezogen.

Dem Anschlag folgte nun eine allgemeine Glorifizierung der europäischen Zivilisation, die unkritisch hinnahm, dass Europa mit der Türkei paktiert, die sehr lange den IS benutzte, um die ungeliebten Kurden in die Bredouille zu bringen. Auch die sofortige Zustimmung zum Iran-Deal, allgemeines Zögern im Kampf gegen den IS und antiisraelische Außenpolitik sprechen hier eine andere Sprache.

„Gewiss wird der IS vermeintliche Rechtfertigungen für seine Morde anbieten, so wie er Paris etwa als „Hauptstadt der Sünde“ bezeichnete und die Anschläge außerdem als Rache für den französischen Einsatz gegen den IS in Syrien darstellte. Aber um zu verstehen, was der IS wirklich erreichen will, müssen wir hinter solche fadenscheinigen Pseudo-Erklärungen schauen.“

„Der IS will eine Welt, die in Schwarz und Weiß unterteilt ist, in wahre Gläubige und echte Ungläubige. Die Grauzone sind für den IS jene Millionen Muslime, die als europäische Bürger in Europa leben, sich als Teil dieser Gesellschaften fühlen und sich in ihnen engagieren.“ [2]

Das ist einerseits richtig analysiert. Der IS strebt, und das ist nicht wirklich etwas Neues, eine Welt an, die man in Schwarz und Weiß unterteilen kann, die übersichtlich ist und klare Feindbilder kennt. Doch fehlerhaft ist der Eindruck, der hinterlassen wird, nämlich dass der europäische Relativismus ein besseres Modell sei. Dieser ist geprägt von Überabstraktionen, die im Endeffekt immer dazu führen, dass kein Feind mehr ausgemacht werden kann, obwohl er doch klar ersichtlich existent ist. Der Feind ist der Islamismus, der politische Islam, vielleicht lehne ich mich sogar etwas weiter aus dem Fenster uns sage, der Islam selbst. Denn dieses Schwarz-Weiß-Bild ist nicht islamistische Utopie, es existiert längst. In einer zugegeben etwas älteren Studie stimmten 75% der befragten Muslime der Aussage zu, nur eine Auslegung des Korans sei möglich und diese müsste von allen Muslimen befolgt werden. [3] In der gleichen Studie wurde auch ermittelt, dass ein statistischer Zusammenhang von Radikalität und Diskriminierung nicht gegeben sei.

Nun führt die Glorifizierung der europäischen Idee meist zu einer Glorifizierung der EU. Diese hat mit dem liberal-demokratischen Ideal aber wenig gemeinsam. Das Geschwurbel von einer Diktatur mag falsch sein, ein Demokratiedefizit zu behaupten, ist es dagegen nicht. So kommt man von einem Loblied auf den Liberalismus zu einer Ideologie, die einen Superstaat gutheißt, der nicht einmal mehr demokratisch legitimiert ist.

 

[1] http://www.oliverjanich.de/bruessel-terror-unter-falscher-flagge

[2] http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/bruessel-anschlaege-terror

[3] https://www.wzb.eu/sites/default/files/u252/s21-25_koopmans.pdf

Liberales Waffenrecht

Je stärker das Vertrauen in den Staat, desto stärker ist auch der Wunsch nach Entwaffnung der Bevölkerung. Diese Regel kann man vielleicht nicht unbedingt verallgemeinern, doch macht sie historisch und auch logisch sind. Im dritten Reich [1] und in der UDSSR [2] war das Waffenrecht streng und das Volk weitestgehend entwaffnet. Nur für Parteiangehörige war der Waffenbesitz liberaler geregelt.

Wer in den guten Willen des Staates vertraut und ihn als notwendig erachtet, muss dafür voraussetzen, dass der Mensch selbst „sein eigener Wolf sei.“ Also müssen Institutionen (aus Menschen) diesen Zustand der gegenseitigen Übervorteilung und Unterdrückung verhindern und durch Zwang beenden. Dabei geht man davon aus, dass der Staat durch Gewaltenteilung nicht zum eigenen Wohl handelt, sondern jede Behörde durch das Misstrauen gegen die anderen verhindert, dass diese profitieren. Dieser Gedanke schließt aber vollkommen aus, dass so vielleicht der Profit einer Behörde auf Kosten einer anderen weitestgehend ausgeschlossen wird, nicht aber der Machtgewinn des Staates auf das beherrschte Individuum. Was stünde dem im Wege? Ein bürgerliches Individuum, dass sich vor staatlichem Eingriff verteidigen kann. Es ist dabei weniger staatliche Verschwörung als das typische Denken der dominierenden politischen Richtungen Deutschlands. Diese sind erstarrt in einem unreflektierten Staatsbegriff. Wirklich überzeugte Etatisten gibt es kaum, die meisten dachten noch nie darüber nach, ob man ihn in Frage stellen könnte. So ist Deutschland in einem Zustand des unreflektierten Hinnehmens. Die Wut auf Steuerhinterzieher und reiche Menschen, die weniger Steuern zahlen hat auch wenig mit Gerechtigkeitssinn zu tun, es wird nicht einmal beklagt, dass das Handeln falsch wäre, weil der Solidargemeinschaft etwas fehle, was aus sozialistischer Perspektive durchaus noch Sinn machen würde, sondern, dass der Staat beraubt würde. Der Staat hat also Anspruch auf mein Geld.

Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch ohne Staat nicht existieren kann, so muss man auch davon ausgehen, dass die Begründung ist, dass ohne diesen absolutes Chaos die Folge wäre. Die Macht muss in den Händen des Staates konzentriert sein, damit er Freiheit und Sicherheit garantieren kann. Wer diesem Denkmuster folgt, der wird nur durch Überlegung zum Schluss kommen, dass ein strenges Waffenrecht weniger Tote, Morde und eine insgesamt friedlichere Gesellschaft zur Folge hat. Die Tatsache, dass dem nicht so ist, widerlegt den etatistischen Gedanken aber von Grund auf. [3]

Die Studien, die das angebliche Gegenteil behaupten, betrachten häufig Nebensächlichkeiten nicht. So werden auch Selbstmorde als Straftaten mit Schusswaffengebrauch gelistet. In einem Land wie Deutschland greifen Selbstmörder dann aber eben auf Züge oder Medikamentenüberdosen zurück. In einem Text, der sich sogar gegen liberales Waffenrecht wettert, wird diese Tatsache sogar zugegeben. [4]

„An dem Beispiel 9 der Städte Washington D.C. und der auf der anderen Seite des Potomac River angesiedelten Stadt Arlington wird dies besonders deutlich. In Washington D.C. ist die Mordrate etwa zehnmal so hoch wie im waffenrechtlich liberalen Arlington.“ [3]

Die USA gelten als rabenschwarzes Beispiel (wie immer) gegen einen freieren Zugang zu Waffen. Liest man die deutschen antiamerikanischen Hetzblätter, dann wird dort erzählt, dass man in den USA keine Straße überqueren könne, ohne sofort von waffengeilen Amis über den Haufen geschossen zu werden. Amüsanterweise fast nur in Staaten mit rigidem Waffenrecht. (Ausnahmen gibt es allerdings, so z. B. Texas, das recht hoch gelistet ist.)

Der logische Fehler der Antiliberalen ist auch hier, dass sie denken, Verbote und Prohibition würden den Handel einschränken. So blüht eben der Schwarzmarkt. Schon die  Drogenprohibition hat gezeigt, dass Verbote nur dafür sorgen, dass der Markt intransparenter wird und nicht kleiner.

 

[1] http://www.stephenhalbrook.com/law_review_articles/entwaffnung.pdf

[2] http://www.gunboard.de/topic/15875-waffenrecht-in-der-sowjetunion/

[3] http://www.dsb.de/media/PDF/Recht/Waffenrecht/Aktuelles/Positionspapier.pdf

[4] http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/morde-unfaelle-selbsttoetung-schon-147-tote-durch-schusswaffen-in-amerika-allein-in-diesem-jahr-14000042.html

Die Wahl und unsere Demokratie

Was auch immer man über die AfD sagt, ihr triumphales Ergebnis widerlegt die Theorie von Lügenpresse und einem gelenkten Staat, der keine Kritik duldet. Insofern ist ihr „Sieg“ schon ein Argument gegen sich selbst. Sie ist ein einziges Paradoxon, als antiparlamentarische Kraft, die in Parlamente einzieht, als antieuropäische Partei, die in Brüssel Abgeordnete hat. Ihr Ergebnis ist auch weniger besorgniserregend, als viele Glauben machen wollen. Das Justizsystem lässt es nicht zu, dass eine neue NSDAP aufkommen kann, als verfassungsfeindliche Partei würde ein Verbot auch leicht zu machen sein. Doch zeigt die Wahl, dass die Demokratie hierzulande auch nicht so funktioniert, wie gerne behauptet wird, dass die Demokratie sogar in ihren Strukturen sich selbst widerlegt.

Eine wirkliche Herrschaft des „Volkes“ wäre die direkte Demokratie. Gerade der Erfolg der AfD beweist aber, dass diese Herrschaft gefährlich ist, wenn die gesichtslose Masse das Individuum in allem einschränken kann und unbegrenzten Einfluss ausübt. Darum muss man davon ausgehen, dass die Demokratie nur dann Gutes bringt, wenn sie eingeschränkt wird und damit zum Hybriden aus Autoritärem und Mitbestimmung. Schon hier erkennt man leicht, dass Wahlen nicht das Mittel sind, um etwas zu verbessern. Die Demokratie ist nicht der Weisheit letzter Schluss, etwas abstrakter könnte man auch die unbegrenzte Macht eines Kollektivs und seiner „Schwarmintelligenz“ als diktatorisch bezeichnen, was sie meiner Meinung nach auch ist.

In Krisenzeiten, wie diese Zeiten wohl leider zu nennen sind, zeigt sich, dass das Recht der Mehrheit nicht das Individuum stärkt, sondern das Gegenteil. Um überhaupt Einfluss erlangen zu können, muss ein Kollektiv gefunden, aufgebaut und propagiert werden. Die Grundlagen des Faschismus oder des etatistischen Sozialismus sind damit gelegt. Wie also soll man die Wahl anders bewerten als ein Wechsel, bei dem nichts wechselt, die Ansichten des Kollektives höchstens, nicht aber das Kollektiv? Wieder wurde gezeigt, dass der Staat in den Krisenzeiten, vor denen er schützen sollte, am deutlichsten versagt. Die Flüchtlingskrise, der Zerfall Europas und die Nationalstaaterei sind die Symptome eines bröckelnden Vertrauens in die Macht des Staates, allerdings nicht des Gebildes selbst, dass weiterhin als notwendig erachtet wird, sondern die jeweiligen Stellvertreter. Dabei wäre es Zeit, zu merken, dass nicht diejenigen, die Ämter innehaben, verantwortlich sind, sondern die Tatsache, dass solche Ämter existieren.

Ritalin-Kritik

Abseits der Ideologiekritik gibt es viele Verschwörungstheorien, denen man nicht mit logischer Kritik auf der Metaebene begegnen kann, sondern die in ihren Behauptungen widerlegt werden müssen. Ich selbst bin ADS-Patient und erhalte seit ca. einem 3/4 Jahr das Medikament Medikinet (der Wirkstoff „Methylphenidat“ ist die gemeinsame Basis von Medikinet und Ritalin). Aufgrund der Tatsache, dass es bei mir nur positive Effekte hat, war es zuerst eine große Überraschung, dass gerade dieser Wirkstoff so verteufelt wird.

Insofern lege ich den programmatischen Artikel der Seite Impfkritik zugrunde und möchte auf jede Behauptung eingehen. [1] Sie sind nicht durchweg falsch, die Schlüsse daraus sind es aber.

„Ritalin® ist eine Droge,

  • die nichts heilt.“

Das ist richtig. Methylphenidat heilt die Symptome tatsächlich nicht. Es handelt sich um (vermutlich) um eine Störung des Belohnungssystems und des Dopaminspiegels, also ein hormonelles Problem. [2] Der Logik der Ritalin-„Kritiker“ folgend müsste es aber auch bedeuten, dass bei Diabetes das Spritzen von Insulin falsch wäre, schließlich heilt es ja nicht, sondern muss regelmäßig nachdosiert werden. Wie ich später noch anhand einer Quelle nahegelegen möchte, gibt es aber Vermutungen, dass die Symptome des ADS durch langjährige Behandlung schwächer werden.

Und ja, Methylphenidat ist eine Droge. Wie jedes andere Medikament auch. Keiner würde die Wirksamkeit von Antitussiva wie Codein, Dextrometorphan oder Tillidin in Frage stellen, weil sie als Opiate missbraucht werden können. (allerdings sind Codein und Tillidin verschreibungspflichtig, wie Methylphenidat auch. Damit erkennt der Staat das Potential zum Missbrauch an. Ein Argument ist es dennoch nicht.) Lange Zeit wurde auch Heroin, Desomorphin (heute bekannt als „Krokodil“), LSD (in einigen Ländern wieder zugelassen) und MDMA (ebenfalls wieder in einigen Ländern zu Therapiezwecken zugelassen) in der Medizin eingesetzt. Die Unterscheidung von „Droge“ und „Medikament“ ist weitaus schwammiger als die meisten denken. Das unterscheidet Drogen auch von Homoöpathie, sie enthalten einen Wirkstoff.

„An der Hersteller wie Händler gewaltig verdienen.“

Ist auch eine große Frechheit, dass im Kapitalismus auf Gewinn und nicht auf Wohltätigkeit produziert werden kann. Hier handelt es sich wieder um kein wirkliches Argument, sondern eine reine Floskel. Bei der Recherche konnte ich keine Quellen für den realen Gewinn bei dem Verkauf von Methylphenidat-Medikamenten finden, weswegen sich mir die Frage stellt, woher die „Kritiker“ die Gewinnspanne kennen.

Einige Preise sind hier in der Liste enthalten:
[4] [5]
Ritalin LA 20mg 30 Kapseln 28,00€ (36,10€ ¹)
Ritalin LA 20mg 60 Kapseln 52,82€ (69,98€ ¹)
Ritalin LA 20mg 100 Kapseln 90,75€ (120,38€ ¹)
Ritalin LA 30mg 30 Kapseln 38,09€ (51,99€ ¹)
Ritalin LA 30mg 60 Kapseln 76,56€ (106,18€ ¹)
Ritalin LA 40mg 30 Kapseln 48,34€ (68,53€ ¹)
Medikinet retard 50 Kapseln 10mg 26,10€ (31,62€ ²)
Medikinet retard 50 Kapseln 20mg 44,11€ (58,21€ ²)
Medikinet retard 50 Kapseln 30mg 63,08€ (87,37€ ²)
Medikinet retard 50 Kapseln 40mg 82,31€ (117,74€ ²)

Ich bin nicht unbedingt ein Experte, allerdings gibt es bei der Herstellung von Medikamenten viele Auflagen und die Edukte sind auch nicht die billigsten. Eine deutliche Gewinnspanne ist bestimmt vorhanden (wir leben immer noch im Kapitalismus, das ist nicht verwerflich), doch gibt es teurere Medikamente. Selbst wenn sie massiv überteuert wären, wäre es dennoch kein Beweis für eine angebliche Unwirksamkeit des Wirkstoffs, beide Parameter korrelieren nicht im Geringsten. Ritalinkritiker wie Hans Tolzin sind beruflich auch nicht tiefer in der Materie, ein Milchbauer wird genauso wenig über die Gewinnspanne wissen wie ich als Realschüler.

Die, wie Speed und Kokain, in den Dopamin- und Noradrenalinhaushalt eingreifen.“

Wieder zwei Schlagwörter, die Furcht verbreiten sollen und klarstellen, dass Methylphenidat eine gefährliche Droge sei, die nach einem mal nehmen schon das Leben des Patienten zugrunde richten. Dabei wurde und wird (wenn auch selten) Kokain als Medizin verwendet und macht, wie jede Droge der Welt, nach dem ersten mal nicht abhängig. [5] Speed ist ein Oberbegriff für Amphetamine, die illegal gehandelt werden, insofern ist Kokain als Droge auch „Speed“ (Speed ist meist ein Verschnitt aus verschiedenen Wirkstoffen und Streckmitteln) und die Aufzählung kann man sich sparen.[6]

„Die auf das Bewusstsein wirkt und geistige Verbesserung absperrt.“

„Die Symptome von geistiger Krankheit erzeugt.“

„Die Sucht und Abhängigkeit erzeugen kann.“

Es gibt Momente, in denen mir Sachlichkeit schwer fällt. Dieser ist so einer.

  1. Natürlich wirkt es auf das „Bewusstsein,“ sonst könnte man sich das Medikament auch sparen. Es ist Sinn der Sache, dass eine Veränderung herbeigeführt wird, weil der Ist-Zustand schlechter ist!
  2. Wenn man ADS hat und keine Medikamente erhält, dann entwickelt man im Ideal-Fall Methoden, um mit der Erkrankung umzugehen und kann sich so „bessern.“ Bei mir selbst trat der Effekt trotz mehrjähriger Behandlung z. B. aber nicht ein. (Einzelfälle sind nicht verallgemeinerbar, allerdings widerlegen sie die allgemeine Aussage, keine Medikamente wären IMMER besser) Im bereits verlinkten Artikel [2] wird erwähnt, dass Menschen mit ADS dazu neigen, Arbeiten unmotiviert angehen, wenn sie keine direkte Belohnung nach sich ziehen. Da die Erlernung solcher Methoden langwierig ist, ist es unwahrscheinlich, dass viele Erkrankte diesen Weg gehen.
  3. Was sind Symptome geistiger Krankheit? Die Behauptung ist nicht falsch, weil sie inhaltslos ist. Seit Freud ist bekannt, dass „krank“ nicht exakt definiert ist, sondern auch sozialen Normen folgt.
  4. Suchterkrankungen sind nicht nur nicht erhöht, sie sind sogar seltener. Methylphenidat-Patienten greifen seltener zu illegalen (und legalen) Drogen. [7] Diese Behauptung kommt entweder aus dem Missverständnis, nur weil Methylphenidat als Medikament eine Droge ist, müsse sie auch abhängig machen. Der Irrtum über angebliche Einstiegsdrogen spielt vermutlich mit hinein
  • „die, wie jede andere Droge, im Körper in den Zellen eingelagert wird und noch über viele Jahre nach Absetzen auf den Verstand und damit auf geistige Prozesse wirkt.“

Tatsächlich setzen sich Drogen in Körperzellen ab, so kann THC auch noch nach Jahren in den Haaren nachgewiesen werden. Dennoch wirkt es nicht mehr auf den Organismus. Wer einmal gekifft hat, kann bezeugen, dass er nach einem halben Jahr nicht immer noch high ist. Was man schon öfter bemängeln kann, kann auch hier bemängelt werden, es gibt keinen Beleg für diese Behauptung. Der Autor, Helmut Kaeding, ist bekennender Scientologe und Softwareentwickler, dass er Zugang zu medizinischen Quellen hat, die andere Fachfremde nicht auch haben, ist recht unwahrscheinlich. Allerdings gibt in dieser Quelle eine Beteiligte an einer (damals) noch nicht abgeschlossenen Studie an, dass Methylphenidat als Langzeitwirkung keine, oder eher eine Normalisierung des Gehirns bedeutet. [8] Langzeitkonsum bedeutet, regelmäßige (in diesem Fall tägliche) Einnahme über Jahre hinweg. Mit der behaupteten Einlagerung, die einen wahrnehmbaren Effekt hätte, käme es aber auch ohne regelmäßige Einnahme dazu. Dieser Effekt tritt aber eben (soweit man weiß) nicht auf.

„Die beim Absetzten, heftige Reaktionen hervorrufen kann.“

„Die, wie jede Droge, Vitaminmangelzustände produziert. Das Entfernen der Substanz aus dem Kreislauf verbraucht Vitamine. Dies kann zu einem Mangel an Vitaminen führen. Dieser Vitaminmangel kann das Herz und das Herz-Kreislaufsystem schädigen. Methylphenidat steht im Verdacht Herzinfarkte, Schlaganfälle, Bluthochdruck, Atherosklerose und Herzschwäche zu verursachen.“

„Die die Fähigkeit einer Person grundsätzlich verringert.“

Heftige Reaktionen ist übertrieben. Der Patient verfällt in alte Muster zurück oder leidet einige Tage an Hyperaktivität. [9 – letzter Abschnitt von ‚Abhängigkeitsgefahr‘] Allerdings tritt dieser Effekt bei plötzlichem Absetzen, von einem Tag auf den anderen, auf. Da Medikamente für gewöhnlich „ausgeschlichen“ werden, also über einen gewissen Zeitraum die Dosis immer weiter reduziert wird, ist diese Behauptung für die angebliche Gefährlichkeit von Ritalin/Medikinet/Concerta unbrauchbar.

Die genannten Nebenwirkungen fallen fast ausschließlich in die Kategorie „selten“ bis „sehr selten.“Das heißt sie treten bei 0,1% – 0,001% der behandelten Patienten auf. [10] Sie sind zwar nicht erfunden, aber eben auch sehr selten. Bei ungefähr 600 000 Patienten in Deutschland heißt das, dass die Nebenwirkung des plötzlichen Herztodes bei ungefähr 6-60 Patienten auftritt. Daraus eine große Gefahr zu konstruieren ist etwas weit hergeholt.

Die Wirksamkeit ist sehr gut belegt. [11] [12] Da auch diese Behauptung wie immer unbelegt blieb, gehe ich davon aus, dass diese Aussage einfach frei erfunden wurde, um in das Weltbild zu passen. Stützen lässt sie sich jedenfalls nicht.

„Mit Drogen können Symptome behandelt werden, aber keine Ursachen in Ordnung gebracht werden. Im Falle von Ritalin® wird die Person einfach bewegungsärmer gemacht und ein bisschen betäubt (warum sonst sollte Ritalin® unter das Betäubungsmittelgesetz fallen?). Die eigentliche Ursache der Probleme bleibt bestehen.“

Seltsamerweise folgt aus dieser Aussage, dass Symptombekämpfung immer falsch wäre und ein wirkliches Medikament an die Ursache gehen müsse. Das Beispiel mit dem Insulin lässt sich auch hier wieder gut anwenden, die Krankheit KANN derzeit noch nicht in ihrer Ursache behandelt werden, Methylphenidat dient dazu, trotz dieser den Alltag bestreiten zu können. Die Unterscheidung zwischen Drogen und Medikamenten ist immer noch falsch. Keiner hat bestritten, dass Methylphenidat als Rauschmittel missbraucht werden kann, weswegen es auch nur gegen Rezept erworben werden darf. Amüsanterweise wirkt es nur bei ADS-Kranken beruhigend und fokussierend, bei „normalen“ Menschen dagegen aufputschend. Damit widerlegt der Autor aus Versehen einen weiteren Punkt seines Textes:

„Um es in aller Deutlichkeit zu sagen:

  1. es gibt ein gesellschaftliches Phänomen (Hyperaktivität etc.)“

So,so. Wenn es ein rein gesellschaftliches Phänomen wäre, dann dürfte das Medikament gar nicht anders wirken. Daraus kann man nun einen Placebo-Effekt als Erklärung stricken, der dann aber bedeuten würde, dass überhaupt kein Wirkstoff existent wäre, woraus damit wieder folgt, dass es auch nicht schädlich ist.

 

[1] http://www.ritalin-kritik.de

[2] http://www.spektrum.de/news/die-transmitterchemie-stimmt-nicht/1007330

[3] http://www.onmeda.de/Medikament/Ritalin+LA+20+mg%7C+-30+mg%7C+-40+mg–packungsgroessen+preise.html

[4] http://www.onmeda.de/Medikament/Medikinet+adult+10mg%7C+-20mg–wirkung+dosierung.html

[5] http://symptomat.de/Kokain

[6] http://www.drug-infopool.de/rauschmittel/amphetamine.html

[7] http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002733

[8] https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-sind-die-langzeitfolgen-von-ritalin

[9] http://www.chemie.de/lexikon/Methylphenidat.html

[10] http://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Nebenwirkungen-Wie-haeufig-ist-haeufig-7852.html

[11] http://www.adhs.org/therapie/

[12] http://www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/nervenheilkunde/inhalt/archiv/issue/648/manuscript/2041.html