Narzissmus und NS-Charakteristik

Der Text ist nicht wissenschaftlich im Sinne einer quellenbasierten Untersuchung. Er ist eine Alltagsbetrachtung. Was maligner Narzissmus ist und wie er sich äußert.Das bedeutet natürlich nicht, dass die Wissenschaft außen vor bleibt, was eigene Spekulation und eigenes Denken ist, wird klar gekennzeichnet.

Zu Beginn die Zusammenfassung der Eigenschaften, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ausmachen. Je nach Schwere variieren sie natürlich in ihrer Ausprägung, ein gewisses Maß an Narzissmus ist auch gesund und vollkommen normal. Der offensichtlichste und auffälligste Punkt ist Verletzlichkeit, die durch Eitelkeiten, Arroganz und Selbstüberschätzung kaschiert wird. Auch wenn sie von den meisten im normalen Alltag nicht wahrgenommen wird, so fällt sie bei Kritik auf. Krankhafte Narzissten können mit Kritik nicht umgehen, sie wird nicht als konstruktive Aufforderung zum Überdenken der Aussagen und Haltungen verstanden, sondern als Angriff auf die eigene Person. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die als ein pathologischer Narzissmus begriffen werden kann und wird, hat dabei auch viele Ähnlichkeiten mit der Borderline-Störung. Zwischen diesen besteht eine Komorbidität, also ein gleichzeitiges Auftreten in ungefähr 25% der Fälle, was nicht wundert, da beide Störungen Cluster B-Störungen sind und ähnliche Symptome zeigen, wie das Gefühl, die Welt würde sich ausschließlich um das eigene Schicksal drehen, Dramatisierungen und das Bedürfnis nach dauerhafter Aufmerksamkeit. [1] Im malignen Narzissmus, der eine Kombination aus narzisstischer, paranoider und antisozialer Persönlichkeitsstörung darstellt, sieht der Gerichtspsychiater Haller gar „das Böse,“ bzw die Personifizierung des Charakters, der als abgrundtief böse empfunden wird. [2] Dabei geht er auch auf den Zusammenhang zum Nationalsozialismus ein. Das ist einer der Punkte, den ich behandeln möchte.

Von mir selbst kann ich sagen, einen weniger krassen Auswuchs dieser Form der Psychopathologie darzustellen. Doch auch für diesen Text hat es erst vieler Verletzungen meiner Eitelkeit bedurft und er stellt sozusagen wiederum nur eine trotzige Reaktion auf die Kritik dar, dass ich mich sehr wohl selbst kritisieren könne. Dabei belüge ich mich offenkundig selbst und kann sogar daran noch meiner Eitelkeit schmeicheln, dass ich mir selbst erzähle, wie genial ich mich belügen kann. Jede Schicht, die man nimmt, dient in erster Linie dazu, sich selbst zu beweisen wie extrem reflektiert man doch ist. Dennoch soll das hier aufzeigen, was in meinem Kopf vorgeht und wieso es allzu kompatibel mit dem NS ist, Verzerrungen werden enthalten sein, aber weitestgehend zurückgedrängt. Ich stehe nicht hinter diesem Weltbild und möchte es nicht gutheißen, nur glaube ich, Interessantes und vielleicht auch Neues formulieren zu können. Klar sollte sein, dass das mein emotionales Empfinden ist, ich rational betrachtet nichts daran positiv finde und die NS-Ideologie für die gefährlichste umgesetzte Ideologie der Menschheitsgeschichte halte.

Um noch etwas Weiteres deutlich zu machen, soll erklärt werden, was hier unter Ich und Selbst verstanden wird. Das Selbst ist die Kernidentität, das Wesen eines Menschen, das unveränderlich oder zumindest stark fixiert ist, während das Ich die adaptierte Rolle ist, die so festgesetzt ist, dass sie meist für die Menschen als Selbst gilt.

Wenn ich die Aufmärsche der NS-Brigaden auf den alten Schwarz-Weiß-Bildern sehe, fühle ich tiefe Begeisterung. Auch wenn die meisten es aufgrund meiner sonstigen Beiträge kaum glauben würden, aber diese Reden schaue ich des Öfteren an und fühle dabei Stolz und kann auch das Deutschland-Lied mitsingen. Die Faszination erwächst dabei aus den Reihen der Gleichen, der vollkommenen Kontrolle und der unnennbaren Macht, die sich über die Köpfe der jungen Deutschen legt und sie zu reinen Marionetten degradiert. Der Wunsch, neben Hitler zu stehen und als Hochrangiger unter Gleichen, also als Übergeordnetes im Gleichgeordneten zu stehen, ist fast magisch. Das mag widersprüchlich klingen und das ist es auch, der Narzissmus lebt von seinen Paradoxien. Mal ist man in einem wahnartigen Zustand voller Zukunftspläne und Allmachtsphantasien, daraufhin wieder am Boden zerstört, ohne Hoffnung, Wünsche, irgendein Ziel vor Augen. Stünde man aber in der Volksgemeinschaft, so wüsste man um das omnipräsente Netz, dass vor dem Sturz rettet, solange es Außenseiter gibt, die erniedrigt werden könnten. Die Todesfabriken von Auschwitz sind dabei so etwas wie Reinigungsanlagen, eine beschleunigte Selektion, die unwerte Elemente aus der Volksgemeinschaft tilgt.

Der Nationalsozialismus hat in meinen Augen genau jene paradoxe Dichotomie, die Hierarchie hat keine Bedeutung und gleichzeitig bedeutet sie alles. Man hat dem General in jedem Falle zu gehorchen, dennoch ist er Volksgenosse und nicht General. Denn der oberste Herr ist Deutschland und die arische Rasse, die in Adolf Hitler personifiziert wird. Joachim Bruhn bezeichnet Hitler als den unmittelbar allgemeinen Deutschen, also das Subjekt, dass sämtliche Elemente des Deutsch-Seins in sich vereint und das darum auch als Platzhalter für das Volk selbst steht. Laut ihm war es Hitlers eigene Psychose und da er das Volk in einer Person war, war sein Wort das Oberste, das einzig Höhere, denn es sprach nicht ein Mensch, sondern Deutschland. [3] So erklärt sich auch, warum selbst in meiner Welt, in der kein Thron zu hoch sein könnte, Hitler nach wie vor über mir stehen würde. Er ist kein Mensch. Er ist das Volkskollektiv, dass mich erst in diese Stellung heben könnte, von dem ich leben würde und deren Befehle ich ausführte. Dem Führer folgen würde heißen, sich selbst folgen, allerdings nicht im positiven Sinne einer Erkenntnis über sich selbst, sondern im Negativen, einer größenwahnsinnigen Verklärung des Selbst, bis es sich in der homogenen Masse auflöst. Dabei tritt nicht die Verkleinerung des Selbst ein, sondern es wird gigantisch und durchdringt das Volk, man versinkt nicht im Meer, man prägt das Meer.

Der NS hat eine starke Symbolik. Seine Außenwirkung ist die eines Selbstzwecks, er wirkt mystisch, natürlich und kraftvoll. Alles Dinge, die Narzissten gerne von sich hören wollen. Je mehr man sich verstellt, umso mehr will man für natürlich gehalten werden, je mehr man verrät (man kann ja kaum anders), umso mehr möchte man sich mystifizieren und je weniger Kraft man aufbringen kann im Kampf gegen die eigene Antriebslosigkeit und Aggression, umso stärker sucht man die Kraft im Äußeren. Die Symbolik eines Waldes aus Hakenkreuzen, der gleichen Uniformen und dem Verlieren im großen Ganzen übt eine starke Anziehungskraft aus. Die Masse ist aggressiv und das Volk nimmt sich, was es braucht. Genau hierin liegt die äußere Kraftquelle, die man als Narzisst sucht. (ich kann nur von mir schreiben, doch da meine Kämpfe Ähnliche sind, wird wohl auch die Kompensation ähnlich sein) Man möchte sich nehmen, worauf man Lust hat und denkt eher aus taktischer Motivation an die Gefühle anderer, als aus ehrlichem Interesse. Dieses infantile Gefühl stillt der NS, indem er eine vollständige Versorgung durch die völkische Gemeinschaft in Aussicht stellt, in der die Frau in ihrer „natürlichen Rolle“ als Mutter zur Verfügung stünde und leicht verfügbar wäre, in der man nicht durch mühsame Arbeit seinen Unterhalt erwerben müsste, in der der anstrengende Wettkampf für gewisse Zeiten aufhören würde, weiter zu gehen.

Und letztlich appellierten die Nazis, allen voran Hitler, eben genau an jenen gekränkten Narzissmus, indem sie die Ideologie doch zum Elitären erklären.

„Wir mussten als Partei in der Minorität bleiben, weil wir die wertvollsten Elemente des Kampfes und des Opfersinns in der Nation mobilisierten, die schon seit jeher nicht die Mehrheit, sondern die Minderheiten ausgemacht haben.“

Um sich zu exponieren, beginnt man auch Meinungen anzunehmen, die man selbst nicht vertritt, solange sie kontrovers genug sind, legt es sogar darauf an, Menschen zu verletzen, um sich deren Aufmerksamkeit gewiss zu sein. So ist die Ideologie des National-Sozialismus aber so aufgebaut, dass sie sich als verfolgt wähnen würde, selbst wenn sie fast keine Gegner mehr hätte. Am Wahn von Pegida und AfD, überall Lügenpresse und Komplotte gegen sich zu wittern, sieht man diese immanente Paranoia. Diese Ideologien leben vom Gedanken an die perfekte Utopie in einer reinen Volksgemeinschaft, solange die Utopie aber nicht erreicht ist, muss etwas außerhalb sie angreifen. Dabei greift auch das Prinzip des Narzissmus, der hinter allem einen Willen erkennt. Das Gute und das Gelingen ist immer eigenes Vermögen, das Schlechte stets ein Willen dunkler Mächte, die mir und den anderen Erkrankten, die ich kenne, als Feind der eigenen Person, feindselig gegenüber stehen. Im Kern zutiefst verschwörungstheoretisch, weil reduzierend. Auf den Willen, auf den Menschen, in meiner Reihung aus dem Text Die Allwissenden als der „human-bezogene Narzissmus“ bezeichnet. Psychopathologische Narzissten fallen meiner Meinung nach vor allem in den Bereich der Propheten, im selben Text erwähnt. Der Akusmatiker ist kein ausgeprägter Selbstverliebter, sondern möchte eigentlich im angegriffenen Kollektiv verschwinden, während der Prophet als Retter desselben in Erscheinung treten möchte. Da kein Narzisst sich mit einem Platz in den Reihen der Gleichen zufrieden geben würde, sondern gönnerhaft den anderen zugesteht, auch Volksgenossen sein zu dürfen, neigt er zu dieser Rolle und auch an mir kann ich diese Punkte erkennen. Zum einen die Generalspezialisierung. Ich schreibe zu vielen Themen, die nicht unbedingt zusammen gehören und nehme mir das Recht heraus, zu beurteilen, was mir fachfremd ist. Meine Recherchen sind meist gewissenhaft, weil sie keinen Anlass zur Kritik bieten sollen, kommt doch welche auf aus dem Lager, dass sie ansprechen sollen, werden keine weiteren Artikel geschrieben. Und zum anderen die Degradierung der Menschen mit höherem Bildungsabschluss. Es erscheint mir unerträglich, dass Menschen mehr wissen können als ich und auch zeitmäßig bessere Möglichkeiten haben, Wissen zu erlangen, was zu (meist privaten) Ausfällen gegen Studenten und Intellektuelle führt. So wird man in den Augen zu jener erwähnten Minorität, erhebt den eigenen Zustand der Kraftlosigkeit zur Stärke und degradiert Lebensentwürfe, die nicht in das eigene Konzept passen. Nicht, weil man sie nicht wünscht, sondern weil man sie nicht erreicht. Im Kampf der Kollektive, in die man zwangseingeordnet wird, ist die Folgerung nicht die Kritik an einem abstrakten System, denn hier greift der human-bezogene Narzissmus, sondern die Kritik, eher Hasstiraden, gegen andere Kollektive, anstelle der theoretischen Auflösung tritt eine Verfestigung und ein Determinismus der Herkunft.

„Das deutsche Volk ist glücklich in dem Bewusstsein, dass die ewige Flut der Erscheinungen nunmehr abgelöst wurde von einem ruhenden Pol.“

– Adolf Hitler, Reichsparteitagrede in Nürnberg [4] –

Die Psyche eines Narzissten schwankt zwischen den Extremen, in der Geschwindigkeit des Tornados wechselt das Selbstbild, zwischen Größenwahn, Phasen der Reflektion, tiefen Depressionen und Hassverzerrung. So ist diese Aussage von Hitler (wiederum in meinen Augen) zu verstehen, als ein Angriff auf das System des permanenten Wandels einerseits und andererseits auf die psychische Konstitution der (durch Versailles narzisstisch gekränkten) Deutschen. Auch sie schwankt zwischen den Extremen und kommt zu keiner Ruhe. Der Nationalsozialismus bietet diese Ruhe, den Pol der Erholung aber dadurch, dass das quälende Selbst zur reinen Projektionsfläche wird. Was man ist, ist, was das Volk möchte, das man sei. Narzissten sind Rollenspieler, zumindest von mir kann ich sagen, dass es eine wirkliche Identität nicht gibt. Diese ist auch von der eigenen Wahrnehmung abhängig. Da diese sich aber bei mir in rasendem Tempo ändert, gibt es nicht nur keinen einheitlichen Eindruck, von einem Moment auf den anderen ist das Selbst ein anderes und verliert sich so im gesamten Spektrum möglicher Empfindungen. Man selbst ist ein Allgemeines. Und als Allgemeines findet man seine Ruhe nur dadurch, dass man weiß, welche Rolle zu spielen und dauerhaft zu adaptieren ist. Es ist übrigens Absicht, dass vom Selbst gesprochen wird. Es geht nicht um das Ich, da dem Narzissten klar ist, dass er Rollen spielt. Doch auch das Selbst ändert sich. Was sich daran einzig nicht ändert ist der fanatische Wunsch nach Größe, Einzigartigkeit und Bewunderung. Doch lassen diese Eigenschaften keine Ruhe zu. Im Kapitalismus muss dauerhaft darum gekämpft werden, wohingegen der NS durch seinen gesellschaftlichen Determinismus verheißt, Bewunderung in bestimmten Rängen, und der Narzisst ist überzeugt, nach Naturrecht in diese zu gehören, bedürfe keiner Leistung, sondern sei selbstverständlich.

 

[1] http://www.borderlinepersonalitytreatment.com/bpd-narcissistic-personality-disorder-differences.html

[2] http://www.zeit.de/2009/44/A-Das-Boese/komplettansicht

[3] https://www.youtube.com/watch?v=gQUlWUzvU1Q

[4] https://www.youtube.com/watch?v=EV9kyocogKo

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1 Kommentar zu „Narzissmus und NS-Charakteristik“

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