Verjagt die Kulturfremden!

Nicht nur AfD und Pegida scheinen den Grundgedanken der Demokratie nicht verstanden zu haben, auch ihre Gegner üben sich in heiligem Zorn und besserwisserischer Bevormundung. Die Floskel „Dunkeldeutschland“ impliziert ja nichts anderes, als das gewisse Meinungen schlecht, falsch und amoralisch wären, man selbst sich aber auf der hellen Seite Deutschlands befindet. Schäuble sprach dabei von der AfD als einer „Schande für Deutschland,“ was fragen lässt, was er sich unter Deutschland überhaupt vorstellt.

Das Problem der Rechten ist nicht, dass sie nicht deutsch wären, sie sind ein Teil des deutschen Wesens und hätten ohne diese Eigenschaft auch nicht existieren können. Ihr Problem ist, dass sie in einer Republik des angemahnten Links-Bürgertums einen Schandfleck auf dem schönen, toleranten Deutschlandbild hinterlassen. Sie machen „uns“ den Willkommensweltmeistertitel madig und erkennen ihn ab. Der Nationalismus des links-bürgerlichen Denkens ist frei von Existenzängsten und kann es sich darum erlauben, als offen und liberal zu erscheinen, doch tritt seine etatistische Wut regelmäßig hervor und führt zu sinnbefreiten Verboten und massiven staatlichen Eingriffen, auch ein Merkmal von Angst. In den unteren Schichten dagegen gären andere Ängste als die vor böser „Chemie“ im Essen und behandelte Wurst. Viele fürchten durch die Flüchtlingsströme um große Konkurrenz am Markt und ihr Nationalismus, der niemals durch das Bürgertum, weder das Linke und schon gar nicht das Rechte, bekämpft oder kritisiert wurde, schlägt in den passiv-aggressiven völkischen Nationalbegriff um.

Wenn nun diejenigen aufschreien, die zuvor schon plumpen Populismus gegenüber Flüchtlingen und Einkommensschwachen praktizierten, so zeigt das die neue Angst, die das Bürgertum ergreift. Ein neues Weimar erscheint plötzlich denkbar und vor allem Zeitungen aus dem bürgerlichen Lager verzeichnen einen massiven Vertrauensverlust. Die Spaltung der Gesellschaft ist nichts Neues, auch wenn Boris Palmer sie so verklären möchte. Sie kam nicht durch die Flüchtlingskrise und nicht durch die Eurokrise zustande. Angst ist auch nicht ihr Ursprung, sondern lediglich der Indikator, der aufzeigt, dass Spaltungen existieren.

Dunkeldeutschland ist wie bereits erwähnt kein „neues“ Deutschland, sondern der Gegensatz zum Neuentwurf eines makelbefreiten Nationalstolzes. Toleranz und Offenheit werden in diesem Land nie gefordert ohne den Verweis auf „unsere“ Geschichte und Verantwortung. Damit wird nichts anderes ausgesagt als die Vorstellung, nicht Menschlichkeit und Liberalismus wären der Grund für humanistisches Verhalten, sondern im Gegenteil die nationale Rehabilitation. Diese, in Form von angeblicher Geschichtsaufarbeitung verklärte neue Patriotismus ist somit eine Form der Leugnung, die den Holocaust nicht als nicht zu tilgenden Teil deutscher Kultur begreifen möchte, sondern als „Jugendsünde.“

Da Deutschland also nicht rassistisch und fremdenfeindlich sein darf, werden Neurechte und Nazis als Dunkeldeutschland zu Kulturfremden erklärt. Die Idee des Säxit, die meist spaßeshalber war, teilweise aber durchaus auch ernst klang, ist eine fast schon strukturell rassistische Kulturbereinigungsidee, wem die deutschen Kultur der Weltoffenheit zuwider ist, den muss man des Landes verweisen. So kann man fragen, was die Gegner Pegidas, vor allem deren Forderungen nach Ausgrenzung der rechten Kreise, so anders macht als die rassistische Ideologie der „besorgten Bürger?“ Eigentlich nichts, sie sind zwei Seiten einer Medaille, so bitter das auch klingen mag.

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3 Kommentare zu „Verjagt die Kulturfremden!“

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