Erstaunliche Übereinstimmungen?

Feinabstimmungen, mathematische Ästhetiken und Naturkonstanten sind ein häufig verwendetes Argument der Esoteriker und Kreationisten. Vor Kurzem stieß ich auf einen Artikel zum hochinteressanten Thema der Fibonacci-Zahlen (für einen wirklichen mathematischen Überblick ohne esoterische Einfärbung hier weiterlesen) auf der wenig vertrauenserweckend klingenden Seite „was-darwin-nicht-wusste.“ [1] Dem Thema Kreationismus muss man sich nicht ein weiteres mal nähern, es geht um ein bestimmtes Argument, das regelmäßig bemüht wird wenn es darum geht, hinter der Existenz einen tieferen Sinn auszumachen.

Die wunderbaren Eigenschaften der Fibonacci-Zahlen liegen in ihrer erstaunlichen Übereinstimmung mit natürlichen Vorkommnissen. Die Argumente der Seite sind insofern nicht einmal falsch (obwohl häufig einfach nur Behauptungen dargestellt werden, ohne Beweisführung, und nicht zu allen Theoremen habe ich Beweise finden können), doch der Schluss daraus ist keineswegs logisch.

„Dass die Sonnenblume so konstruiert ist, damit der Korb voll ausgefüllt ist, ist nicht irgendwie zufällig im Rahmen einer Evolution entstanden. Sondern hier sind die Fibonacci-Zahlen und der Versetzungswinkel von 137,5° genetisch exakt festgelegt.“

– Zitat, was-darwin-nicht-wusste –

Der Schluss muss zwar nicht zwangsweise falsch sein, logisch ist er aber auch nicht. Das die Sonnenblume gerade im evolutionären Wettbewerb immer effektivere Methoden hervorbringen wird, möglichst viele Samen zu platzieren und produzieren zu können, ist keineswegs abwegig, es ist sogar logisch. Die Fibonacci-Folge ist architektonisch gesehen platzsparend, eine Anordnung in dieser Folge maximiert den Verbreitungserfolg einer Pflanze. Würde man dahinter einen Schöpfer vermuten, so wäre wohl ein denkbarer Schluss, dass diese Folge nicht nur im Pflanzenreich, sondern im selben Maße auch im Tierreich auftritt. Das tut sie aber nicht, das einzige Beispiel ist die Form der Schale des Nautilus und selbst diese ähnelt nur der Fibonacci-Spirale. Die wissenschaftliche Theorie zu diesen Anordnungen sind dabei viel plausibler. Die mathematische Reihung bringt die besten Lichtausbeute hervor und die beste Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Platzes. [2]

Das Beispiel der Fibonacci-Zahlen soll hier allerdings nur die Kritik an einem weitverbreiteten Fehlschluss aus verschwörungstheoretischen und esoterischen Kreisen einleiten. Erstaunliche Übereinstimmungen sind 1) kein Beweis für einen wirklichen Zusammenhang, siehe Scheinkorrelationen [3] und 2) bei genauerer Betrachtung auch häufig nicht besonders verwunderlich. Die Mathematik weißt häufig auf den ersten Blick unmögliche Zusammenhänge mit der realen Natur auf. Das könnte aber weniger an metaphysischen Überwesen und geplanter Erzeugung des Universums, als an der abbildenden Funktion der Mathematik liegen. Diese war von Beginn an ein Modell zur Darstellung der Wirklichkeit. Insofern ist es nicht verwundernswert, das Folgen, die besondere Eigenschaften besitzen auch in der „Realität“ Merkmale haben, die sie von anderen „normalen“ Folgen unterscheiden. Kein Mensch wundert sich über Zusammenhänge aus Physik und Mathematik, weil die Physik auf Letzterer aufbaut, wieso sollte es dann in anderen Wissenschaften anders sein?

 

[1] https://www.was-darwin-nicht-wusste.de/wunder/mathematische-ueberraschungen.html

[2] http://wwwisg.cs.ovgu.de/sim/vilab/papers/02_bio_jjendersie.pdf

[3] http://de.statista.com/statistik/lexikon/definition/118/scheinkorrelation/

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