Misogyne Frauenretter

Wie so oft ist das hier MEINE Meinung und soll nicht als unumstößliches Faktum behandelt werden, noch ist es so gemeint. Kritik daran ist erwünscht, sollte aber bitte auch zur Kenntnis nehmen, dass der Text nicht den Anspruch erhebt, die Wahrheit zu sein, sondern nur eine mögliche Wahrheit sein zu können. Just saying.

Nachdem es einige Aufregung gab über den Sexisten, Antisemiten und Chauvinisten Daryush Valizadeh [1], wollte ich mich dieser vorerst nicht anschließen, sondern die Sache etwas ruhiger angehen. Zuerst einmal ist dieser Mann ein extremer Sexist mit kranken Allmachtsphantasien, daran soll nicht gerüttelt werden. Seine Forderung nach Legalisierung der Vergewaltigung bezog sich zwar nur auf Privatgelände in Situationen, in denen die Frau zumindest dem Flirt zustimmte, doch erscheint diese Einschränkung angesichts sonstiger Äußerungen lächerlich, vor allem wäre auch die Forderung nach Legalisierung solcher Vergewaltigungen nur wenig besser. Ein Nein bedeutet nach wie vor Nein (natürlich kontextbezogen. Nicht jedes Nein ist als solches gemeint, nicht jedes Missverständnis gleich frauenfeindlich oder gar eine Vergewaltigung. Allerdings fällt ein Missverständnis schnell auf und es kommt eben nicht zu Handlungen, die einem der Beteiligten zuwider sind).

Was man von Daryush Valizadeh halten soll, soll hier gar nicht behandelt werden. Wer nicht einsieht, dass es sich bei ihm um weitaus mehr als lediglich konservativen Antifeminismus handelt, ist hier nicht Zielgruppe und ohnehin nicht mehr überzeugbar. Was auffällt ist die Anzahl an männlichen Frauenbeschützern, die sich in Gewaltphantasien ergehen gegen den Sexisten und Antisemiten.

„Dann bin ich Samstag in der Stadt und wenn ich was mitbekomm das so ein Schwein eine Frau belästigt dann macht mir es Spaß seinen scheiß fresse ein zu schlagen wenn die Polizei unsere Frauen nicht schützen kann dann müssen wir es selbst machen.“

„Er ist ein Grund die Todesstrafe wieder einzuführen“

„Ich wäre für eine Herde brünftiger Elch- oder Elefantenbullen. Dann wäre der Knabe von seinem Wahn und auch vom irdischen Leben geheilt.

Welcher Abstammung der Knabe ist muss man nicht erwähnen.“

– Kommentare auf Social-Media-Seiten, Rechtschreibung unverändert. –

Man sieht vor allem im letzten Kommentar die wenig ansprechende Mischung aus Rassismus und Lynchmobstimmung. Valizadeh wurde binnen Kurzem zum Feindbild der selbsternannten Frauenbeschützer, die selbst kein bisschen weniger misogyn sind. Sie nehmen sich das Recht heraus, für Menschen zu sprechen und deren Willen zu formulieren, ohne überhaupt nachzufragen. Die Frau wird in dieser Argumentation regelmäßig zu einem besonders kostbaren Objekt degradiert, sozusagen einem Kronjuwel, das schön anzusehen ist, aber nicht befähigt, eigene Gedanken zu hegen. Das soll nicht heißen, dass jeder Mann, der sich zum feministischen Diskurs äußert automatisch sexistisch ist, nur wenn der Gedanke der Selbstjustiz hinzu kommt, ohne einen Bezug zur eigenen Person.

Aus der Ansicht, Frauen wären ein kostbares Schmuckstück und keine autonomen Menschen resultiert auch der Hass auf „Schlampen.“ Eine Frau, die häufig den Partner wechselt, lässt sich nicht zum Besitz machen und zeigt regelmäßig auf, dass sie autonom ist. Darum fällt die Wut und die Lynchmobstimmung auch bei alltäglichen Übergriffen auf Prostituierte nicht so stark aus. Diese sind zwar verfügbar, aber schon beruflich gesehen nicht besitzbar. Durch eine Vergewaltigung an ihnen werden sie wieder in den Bereich der Objektiviertheit gedrängt und so auch in das Gedankensystem der sonst so schnell empörten Frauenretter.

 

[1] http://www.welt.de/kultur/article151856987/Warum-will-dieser-Mann-Vergewaltigung-legalisieren.html

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