Kreationistische Denkfehler

Der Kreationismus verbreitet sich immer weiter in Deutschland, er ist fester Bestandteil der fundamental-christlichen Ideologie und ein Symptom extremen Misstrauens gegen die Wissenschaft selbst. Einzelne Wissenschaftler mit kreationistischen Ansichten existieren zwar, doch sind sie eine kleine Minderheit und kam meist über den Glauben und nicht über Fakten zu diesem Weltbild.

Das Schwierige an der Widerlegung dieser Hypothese ist das krasse Missverständnis im Bezug auf die wissenschaftlichen Argumentationsformen. Empirik, eigene Erfahrungen, Fakten und die Unterscheidungen von Hypothese und Theorie werden durcheinander geworfen. So z.B. im Argument der „spezifizierten Komplexität“ der Denkfehler enthalten, dass die fehlende Erklärung für etwas schon ihre Widerlegung bedeuten würde. [1] Das Argument selbst wird meist in dieser Form vorgebracht: „Merkmal xy basiert auf mehreren Mechanismen, die auf den ersten Blick keine Funktion haben, aber zusammen wichtig für den gesamten Organismus sind (beispielsweise das Immunsystem). Da die Entstehung aller Merkmale auf einmal unwahrscheinlich ist und sie für sich allein keinen Selektionsvorteil bedeuten, kann das System nicht durch Zufall entstanden sein.“ Falsch daran ist einerseits, dass ein Merkmal nur positiv oder negativ sein kann. Viele Mutationen sind neutral, sie wirken sich überhaupt nicht auf den Organismus aus. Allein beim menschlichen Hämoglobin gibt es um die hundert Mutationen, die fest im menschlichen Erbgut fixiert sind und keinerlei Auswirkungen haben. [2] Auch wird ignoriert, dass die Merkmale zuvor sehr wohl eine Funktion gehabt haben könnten, die einfach mit dem verbesserten Mechanismus nicht mehr benötigt wird oder anderweitig wegfällt.

Dieses Argument sollte hier als Beispiel fungieren, um auf den zugrundeliegenden Fehler zu kommen. Die Kreationisten übertragen ihr Weltbild eines schaffenden Gottes auf den Evolutionsprozess und unterstellen diesem Sinnhaftigkeit. Da diese Sinnhaftigkeit aber eben nicht evolutionär ist, scheitert diese Theorie in ihren Augen daran und muss falsch sein. Doch die Evolution ist nicht als Prozess mit Hintergedanken zu verstehen, sondern basiert auf der logischen Tatsache, dass in einem Wettkampf der Bessere gewinnt, bzw. der, dessen Fähigkeiten am besten auf die Tätigkeit abgestimmt sind. So treten quasi verschiedene Gene gegeneinander an. Keines von ihnen ist pauschal besser oder schlechter, denn sie werden an verschiedenen Ansprüchen gemessen. So ist die Sichelzellenanämie prinzipiell in „normaler“ Umgebung schädlich, weniger Hämoglobin kann transportiert werden und der Betroffene verstirbt meist viel früher und ist weniger belastbar. In stark von Malaria betroffenen Gebieten hilft die Mutation allerdings und verhindert eine Infektion, was im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt die Lebensdauer erhöht. [3] So trifft die Behauptung von pauschal gut oder schlecht benennbaren Mutationen schon einmal nicht wirklich zu. Sobald sich nur begrenzte Ressourcen in einer Umgebung befinden, werden die Organismen um sie kämpfen müssen und daraus resultiert die Verbesserung der Überlebenstaktiken.

Die Übertragung des eigenen Weltbildes ist typisch für Fanatiker. Religionen bauen darauf auf, ein geschlossenes Logiksystem aufzubauen, darum ergibt die Evolution innerhalb von Religionen keinen Sinn. Sie muss zu einem lenkenden Gott umgemünzt werden und scheitert an diesem Anspruch, allein, weil sie ihn nie erhoben hat. Die Fehler der Evolution beruhen also darauf, dass sie grundlegend missinterpretiert werden und nicht auf realen Widersprüchen.

Die Wissenschaft ist von ungeklärten Fragen abhängig. WIE die Evolution genau vonstatten ging ist noch teilweise ungeklärt, ob sie stattgefunden hat ist aber vollkommen klar. Der Prozess wurde vielfach nachgewiesen. [4] [5]

 

[1] http://www.heise.de/tp/artikel/20/20757/1.html

[2] http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/mutation/44508

[3] http://www.zv.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/nachrichten.html?ifab_modus=detail&ifab_id=4104

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/E._coli_long-term_evolution_experiment

[5] http://www.ag-evolutionsbiologie.net/html/2010/evolutionsbeweis-retroviren.html

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