„Schwarzer Humor“

Die Satire wurde schon immer auch für Hetze missbraucht, gerade heute wird der schwarze Humor häufig als „Entschuldigung“ für verbale Entgleisungen verwendet. Nach der Verurteilung des Youtubers Juliensblog [1] ist eine Klärung angebracht, was man überhaupt als schwarzen Humor bezeichnen kann. Nehmen wir einfach mal die erste Quelle dazu, die die meisten zitieren würden, Wikipedia (ja, ist mir klar, dass das für eine kritische Auseinandersetzung nicht ausreicht). [2]

„Als schwarzer Humor wird Humor bezeichnet, der Verbrechen, Krankheit, Tod und ähnliche Themen, für die gewöhnlich eine Abhandlung in ernster Form erwartet wird, in satirischer oder bewusst verharmlosender Weise verwendet. Oft bezieht er sich auf Zeitthemen. Schwarzer Humor bedient sich häufig paradoxer Stilfiguren. Nicht selten löst er Kontroversen aus darüber, ob man sich über die genannten Dinge lustig machen dürfe und wo die Grenzen des guten Geschmacks lägen.“

Schwarzer Humor soll Tabus brechen, die vorhanden sind und das Denken einschränken. Holocaust- und Judenwitze dagegen gibt es bereits zuhauf, von all den Hitler-Parodien abzusehen. Ebenso sind rassistische Witze auf jedem Schulhof schon Standard und schocken in der Tat neben dem Feuilleton niemanden. Wirklicher schwarzer Humor greift tabuisierte Themen auf und genau das tun die Tiraden von Juliensblog auch nicht, sie sind massive und stumpfe Beleidigungen, die auch als nichts anderes gemeint sind als das. Bei seiner Forderung, Bahnstreikende mit dem Zug nach Auschwitz fahren zu lassen hatte er schließlich keine tiefsinnige Botschaft dahinter oder differenzierte Kritik, ja nicht einmal stumpfe Kritik, es war einfach nur eine reine Hassbotschaft.

Der Schwarze Humor, der im Morbiden und Schockierenden Tabubruch durchaus noch emanzipatorisches Potential besaß, indem er religiöse und politische Themen durch die schrägen Vergleiche und grenzwertigen Pointen lächerlich machte, ist heute eine Hülle geworden, weil der Schock schon zum gewünschten Produkt gehört. Menschen wie Juliensblog WOLLEN schocken, genau wie es Frei.Wild und Bushido wollen, wenn sie angeblich aus Versehen Grenzen überschreiten und sich dann „entschuldigen.“ Da der derzeitige Journalismus aber weitestgehend sensationsgeil ist (was vermutlich noch nie wirklich anders war) entsteht daraus eine Empörungsindustrie, die sich auf den Tabubrecher stürzt, ihm mehr Umsatz beschert, sich selbst höhere Auflagen und im Endeffekt eine Riege von berufsmäßigen Beleidigenden schafft.

Diese weitere Definition lässt besser erkennen, warum die diversen Facebook-Seiten über schwarzen Humor, Juliensblog und andere Freizeit-Tabubrecher eben nicht unter diese Definition fallen und eigentlich durchweg pointierte Geschmacklosigkeiten produzieren.

„Die schwarze Komödie als Komödientyp – im Englischen bereits auf einige Stücke Shakespeares angewandt – zeichnet sich durch einen manchmal sarkastischen, absurden und morbiden „schwarzen“ Humor aus, der sich (1) auf ernste oder tabuisierte Themen wie Krankheit, Behinderung, Tod, Krieg, Verbrechen oder (2) auf für sakrosankt gehaltene Dinge richtet und dabei auch vor politischen Unkorrektheiten, derben Späßen, sexuellen und skatologischen Anzüglichkeiten nicht zurückschreckt. Hinter der Fassade zynischer Grenzüberschreitungen steht i.d.R. ein aufrichtiges Anliegen, falsche Hierarchien, Konventionen und Verlogenheiten innerhalb einer Gesellschaft mit den Mitteln filmischer Satire zu entlarven.“ – Filmlexikon der Universität Kiel [3] –

Der letzte Punkt ist der Entscheidende. Der Schwarze Humor hat einen gesellschaftlichen Zweck, das verbale Massaker, das von genannten Gestalten hinterlassen wird, ist aber, wie erwähnt, Selbstzweck. Dadurch ist aber die Gesellschaft im Endeffekt nicht aufgeklärter, Tabus werden nicht abgebaut, vielmehr zementiert, da das Eingestehen eines Fehltritts in diesem Manöver schon enthalten ist. Das Brechen des Tabus als Formalie ist gefährlicher als ein Verbot, da nur so die Grenze als das erscheint, was sie ist. Unübertretbar und gefährlich für das gesellschaftliche Individuum.

 

 

[1] http://www.bild.de/byou/2016/youtuber/youtuber-verurteilt-44534404.bild.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Humor

[3] http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=2181

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Wagenknecht und Querfront

Sahra Wagenknecht machte schon häufig mit Äußerungen auf sich aufmerksam, die populistisch, antiamerikanisch und stalinistisch waren. Angesichts der Tatsache, dass ihr großer Hype mittlerweile in der Rechten und nicht der Linken stattfindet, dachte ich, ein ausführlicherer Text über diese Politikerin wäre einmal angebracht.  Weiterlesen „Wagenknecht und Querfront“

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Häufig wird Nietzsche in Deutschland und allgemein als Vordenker des Nationalsozialismus betrachtet. Dabei wird nicht mehr als Beweis herangezogen als der Begriff des Übermenschen. Allein schon so gesehen ist die Herleitung mehr als fraglich. Doch Nietzsche selbst hielt nichts von den nationalen Kollektivistien und homogenen Massen. Weiterlesen „Nietzsche und die Nazis“

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