Die Russlandfreunde

Putin ist ein Diktator, der mit brutaler Gewalt eigene Interessen durchsetzt. Daran ist nicht zu rütteln und diese Aussage ist derart häufig belegt worden, dass sie hier nicht noch einmal in jedem Detail erörtert werden soll. Dennoch hat Putin viele Freunde, vor allem unter denen, die sich selbst zu Freidenkern (v)erklären. Darunter fallen Menschen wie Ken Jebsen, Jürgen Elsässer, Sahra Wagenknecht und Gabriele Krone-Schmalz. Sie kommen vom (pseudo-)linken Flügel der radikalen Linken, den sogenannten Antiimperialisten, aus rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen, sogar aus den bürgerlichen Lagern. Was macht Putin so attraktiv für diese Menschen?

Zuerst muss man natürlich den ausgeprägten Personenkult um Putin herum beachten. Nehmen wir einen Text aus der Konkret aus dem Jahre 2012. [1]

„An der »Taz« hat’s nicht gelegen. Monatelang hat das Blatt im Einklang mit dem Rest der deutschen Medien todesmutig und entschlossen gefordert, Putin müsse endlich abserviert werden – »Zehntausende« der 140 Millionen Russinnen und Russen hätten »die Nase voll« von ihm und würden »sich seiner am liebsten sofort entledigen«. Beherzt hat die Zeitung daran erinnert, daß es längst einen »unerschrockenen Herausforderer« gebe, die »neue Kultfigur« Alexej Nawalny, der zwar Kaukasier »Kakerlaken« schimpft und sie »nicht mit der Fliegenklatsche«, sondern »mit der Pistole« bekämpfen will – aber was soll’s: Wenn’s ums Große-Ganze geht, muß man beide Augen zudrücken. Doch was geschieht? Putin gewinnt die Präsidentschaftswahl haushoch; selbst die »Taz« konnte nicht verschweigen, daß er auch ohne die Tricksereien in einigen Wahllokalen schon im ersten Wahlgang deutlich gesiegt hätte, weil er – Undank ist der Welten Lohn – nach wie vor der »beliebteste Politiker in Rußland« ist, allen Anstrengungen deutscher Aufklärer zum Trotz.“ – Jörg Kronauer und Tomasz Konicz, 2012, Konkret –

In dieser Textpassage soll allen Ernstes der Eindruck erweckt werden, Putin wäre für die Russen da und verdanke seine Popularität und große Unterstützung nicht etwa dem Fakt, dass es so gut wie keine Pressefreiheit in Russland gibt, sondern seiner umsichtigen und sozialen Politik. Zehntausende Demonstranten in einem Land, in dem man für seine Meinung ermordet oder eingesperrt werden kann, sind nicht so Wenige, wie hier suggeriert werden soll. Nach dieser Logik könnte man auch aus der Viertelmillionen, die gegen TTIP demonstriert hat, eine Minderheit machen, da in Deutschland ja 80 Millionen Menschen leben.

In Russland ist fast die komplette Medienlandschaft direkt oder indirekt in der Hand des Kreml’s, andere Meinungen werden rigoros verfolgt, mit Putin verfeindete Oligarchen landen ohne wirkliche Prozesse im Gefängnis und verlieren Großteile ihres Vermögens. Das kein ernstzunehmender Widerstand aufkommt ist dabei nicht wirklich verwundernd. Aus einem Personenkult die Richtigkeit einer Sache abzuleiten würde für ein „linkes“ Magazin spätestens im Bezug auf das 3.Reich ziemlich peinlich sein. Die Wahlen waren hochgradig manipuliert, wie viel Stimmen Putin ohne die Manipulationen bekommen hätte ist reine Spekulation. So viele können es aber auch nicht gewesen sein, sonst hätte Putin die Ergebnisse nicht fälschen müssen.

In konservativen Kreisen gilt Russland als die letzte Instanz für Traditionalismus. Putin weiß um diese Tendenz und nutzt sie geschickt aus, indem er regelmäßig dem Westen Werteverfall vorwirft. [2] Der Westen folgte lange Zeit den Trend zur immer größeren Freiheit des Individuums und trat damit in Spannung mit den konservativen Bürgern, die ihre Bestätigung bei Identitären, der amerikanischen Tea-Party-Bewegung und eben auch bei Putin fanden.

Zuletzt spielt natürlich der Antiamerikanismus und Antisemitismus der europäischen Linken und Rechten eine große Rolle. Russland und Deutschland können auf langen kulturellen Austausch zurückblicken, auch in Kriegszeiten kam dieser nie ganz zum Erliegen. In der Fehlwahrnehmung vieler, Russland wäre eine ernstzunehmende Macht gegen die USA, wird Putin zu einem Retter vor der „Krake aus Übersee.“ Amerikanischer Imperialismus wird nur darum als schlimmer bewertet als der russische Imperialismus, weil Letzterer als antiliberal gewertet wird, was er auch ist, bei den Einen führt die Interpretation zu einem rechts-faschistoiden System völkischer Homogenität, bei den Anderen zum ersehnten Frühsozialismus, der an antisemitische Vorstellung von „Bonzen“ und volksfeindlichen Eliten anknüpft.

 

[1] http://www.konkret-magazin.de/hefte/heftarchiv/jahrgang-2012/heft-42012/articles/das-andere-russland.html

[2] http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/russland-putin-supermacht-zollunion-ukraine

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