Die imaginierte Unfreiheit

In diesem kurzen Text möchte ich begründen, weswegen Esoterik und Religion, Ideologien, die allwissende Mächte kennen, keinen Raum für persönliche Freiheit lassen:

Zuerst muss definiert werden, was mit allwissend gemeint ist. Verschwörungstheoretiker imaginieren Mächte, die alles kontrollieren, doch sind diese noch meistens menschlicher Natur und in unserem Zeitempfinden inbegriffen. Bei gewissen Strömungen in Religion und Esoterik dagegen, auch wenn sie mit den Verschwörungstheoretikern Vieles gemein haben, existiert ein Wesen außerhalb unserer Zeitrechnung, das unsere Existenz von Anfang bis Ende „sehen“ kann. Allwissend bedeutet in ihren Augen also, die Zukunft als Vergangenes betrachten zu können. Damit müssen aber mit separaten Zeitlinien auch klar vorgegebene Handlungsstränge existieren. Gäbe es Handlungsfreiheit, so wäre der Effekt, dass diese Wesen nur mit stochastischen Mitteln erahnen könnten, wie Personen handeln. Aber weder Esoteriker noch Religiöse wollen einen mathematischen Gott zulassen, der nur mit begrenzter Wahrscheinlichkeit richtig liegen könnte. Also muss er die Zukunft kennen und damit gibt es nur eine Handlungsmöglichkeit. Genauso, wie wir auf vergangene Ereignisse zurückblicken, können wir sie dabei nicht ändern, wir können Napoleon nicht von seinem Russland-Feldzug und die Nazis nicht von ihrer Machtergreifung abhalten.

Damit leugnet man aber die Handlungsfreiheit, was besonders in den monotheistischen Religionen, die diese voraussetzen, zu seltsamen Paradoxien führt. So sollen wir uns für Allah entscheiden, obwohl Allah die Zukunft ab unserer Geburt kennt, und damit eigentlich schon festgelegt hat, ob wir uns für ihn „entscheiden“ würden. Der „liebe“ Gott wird damit zu einem eher sadistischen Wesen, das Existenzen zulässt, die ohnehin im Höllenfeuer enden werden. Auch in der Esoterik gibt es diese, der Zeit übergeordnete, Seins-Formen und sie führen auf die gleichen Paradoxien hin.

Auch wenn viele sagen, christlicher Glaube und Spiritualität könnten eine bessere Gesellschaft schaffen, so muss man damit folgern, dass genau das nicht der Fall sein würde. Die vorgeschriebene Zukunft wird immer auf starre Gesellschaften hinführen, die keinen Aufstieg und Abstieg kennen, sondern nur eine von Gott zugewiesene Rolle, gegen die man sich auch nicht wehren kann.

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