Islamophobie – Wo der Rassismus beginnt

In der als „antideutsch“ bezeichneten Linken wittern viele Kritiker einen antimuslimischen Rassismus. Auch wenn ich persönlich diese Kategorie für Unsinn halte, da der Islam keine Rasse darstellt, so nimmt die Islamkritik häufig die Funktion der Rasse im biologistischen Weltbild der Rechtsextremen ein. Da offener Rassismus gesellschaftlich verpönt ist, erklärt man kurzerhand alle Araber zu Muslimen (was an sich schon falsch ist) und behauptet, aus dieser Sozialisierung müsse logischerweise Frauenverachtung, Antisemitismus und Homophobie resultieren. Damit substituiert das neue Merkmal die Alten, welche nicht mehr verwendet werden „dürfen.“

Nun wird der antideutschen Linken häufig vorgeworfen, kulturdeterministischen Rassismus (antimuslimisch halte ich für zu unpräzise) zu verbreiten und zu vertreten. Auf die meisten antideutschen Kritiker trifft das definitiv NICHT zu. Auch wenn Stephan Grigat und Justus Wertmüller aufgrund ihrer radikalen Islamkritik von der radikalen Rechten rezipiert werden (z.B. in dieser Verlinkung von Wertmüller durch PI-News, allerdings ist es eine reine Verlinkung des Vortrags ohne Text.  [1]) so überzeugt der Artikel in der Bahamas Nr. 71 „Nicht so bleiben, wie man ist“ vom Gegenteil. Zitat: „Leute, bei denen die Eisdiele frequentierende Asylbewerber bereits Bedrohungsgefühle auslösen, haben kein Interesse daran, junge Männer aus fremden Ländern aufzufordern, die Spielgeräte für ihre Kinder frei zu machen und ihre Zigaretten außerhalb zu rauchen – dazu tun sich Herr Rabe und „unsere deutschen Frauen“ nicht zusammen. Ihnen sind Recht und Gesetz genauso wie der sie angeblich verbürgende Konsens der Demokraten egal: Sie wollen den Ausnahmezustand, der erst nach erfolgter Massenabschiebung wieder aufgehoben werden kann.“ Diese Aussagen beziehen sich auf ein rassistisches Posting eines CDU-Politikers. Man merkt, dass Wertmüller eben keineswegs für Abschiebungen und Grenzen ist. Wer aber weitestgehend muslimische Menschen nicht abschieben möchte, sondern ausschließlich deren Sozialisierung kritisiert, der erfüllt schon einmal das zentrale Kennzeichnen des Rassismus nicht, die Abgrenzung.

Von den meisten Vordenkenkern und Theoretikern der Antideutschen kann man einen solchen nicht annehmen, ausgeprägt ist er bei keinem. Wohl aber finden sich zum Beispiel bei Horst Pankow (Bahamas, Jungle World) doch einige „Ausrutscher,“ die in dieser Form auch bei PI zu finden wären. In dem Artikel „Mit dem Kopftuch durch die Wand“ verwendet er Formulierungen wie diese:

„Das westliche Bedürfnis, sich an den Islam anzuschmiegen, wird freilich weiter akut bleiben. Betül Ulusoy könnte also noch ein weiteres Mal zur Domina deutscher Knechtsseelen aufsteigen.“ (Rechtschreibung übernommen)

Auch wenn seine Analyse über den fingierten Kopftuchskandal nicht falsch ist, so strotzt sie vor zynischen und abwertenden Begriffen, auch die Unterstellung einer deutschen Knechtseele ähnelt der Wut rechtspopulistischer Hetzer darüber, dass es zu keiner nationalen Revolution kommt. Die Behauptung, das deutsche Wesen wäre ein Unterwürfiges ist eine häufige Argumentation derer, die den Nationalsozialismus durch die Feigheit der Menschen erklären wollen, um eine Analyse der Gesellschaft in eine genehmere Richtung zu leiten.

Die Wortwahl der Domina behauptet auch einen islamischen Willen zur Unterwerfung der europäischen Freiheit. Dabei zeigen doch die Analysen der aktuellen Bahamas im Artikel „Eine Fatwa aus Pocking“ (leider nicht online), dass der Westen sich nicht dem Islam unterwirft, sondern dessen Identität übernimmt. Domina ist insofern richtig, da die Unterwerfung auf westlichen Wunsch vonstatten geht, aber der Islam (bzw. die meisten Flüchtlinge) kommt nicht mit dieser Intention her, sondern führt die antifreiheitliche Identität mit sich, eben weil der Westen sie selbst in sich trägt.

Als Fazit kann man äußern, dass es keinen ausgeprägten Rassismus innerhalb der antideutschen Linken gibt, aber durchaus Anknüpfungspunkte. Während Wertmüller, Grigat, Scheidt und die meisten anderen es schaffen, sich klar davon abzugrenzen, gibt es Menschen wie Pankow, die sich nicht wirklich von rassistischen Interpretationen distanzieren. Ihre Islamkritik wird häufiger zu einer Moslemkritik, die die Person hinter der Ideologie schärfer angreift als die Struktur und Aussage der Ideologie selbst.

 

[1] http://www.pi-news.net/2007/11/justus-wertmueller-ueber-die-radikalen-linken/

[2] http://jungle-world.com/artikel/2015/25/52149.html

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