Die Struktur des linken Antizionismus

In einem früheren Text bin ich bereits ein wenig auf meine eigenen Gedanken zwischen den Unterschieden und Gleichheiten des rechten, sowie des linken Antizionismus eingegangen, allerdings nicht sehr ausführlich. Dabei kann Augstein als Parade-Beispiel des links-reaktionären Lagers herhalten.

Der linke Antizionismus ist entgegen der meisten Vorstellung weniger in der radikalen, als in der bürgerlichen Linken vertreten. Während radikale Gesellschaftskritiker doch wenigstens zumeist die Wichtigkeit der Existenz eines jüdischen Staates erkannt haben, sind die reaktionären Linken der Gesellschaftskonformität im Denken der Alt-68er gefangen, die mit einer Pseudo-Befreiung nur eine neue Prüderie geschaffen haben. Während die extreme Rechte weitestgehend anti-israelisch ist, ist das konservative Bürgertum eher philosemitisch orientiert und sieht im zionistischen Staatengebilde eine Bastion gegen islamische (ausdrücklich nicht islamistische) Barbarei. Diese Umkehrung in den Lagern ist interessant.

Doch das Denken der bürgerlich-linken Sozialdemokraten ist dem rechtsextremen näher, als der Konservatismus, auch wenn das zuerst verwundern mag. Konservative zeichnen sich nämlich häufig durch ein Weltbild aus, das eine Mixtur aus objektivistischen, (Ayn Rand) neoliberalen und traditionalistischen darstellt. Der Staat hat nur die Aufgabe, den Status Quo zu bewahren und darum wird das Kollektiv einerseits im traditionalistisch-kulturellen Sinn gewünscht, andererseits der demokratische Einfluss auf das Individuum abgelehnt, wie man an den Reaktionen auf Rauchverbote und Veggie Day sehen konnte, so hysterisch diese auch sein mochten. Die links-bürgerlichen Etatisten dagegen wünschen Bevormundungsmaßnahmen, Diskriminierung von jenen, die ihren Körper nicht schützen (Raucher, Alkoholiker, Drogenkonsumenten, Übergewichtige usw.),allerdings nicht, um der „Selbstzerstörung“ dieses Individuums Einhalt zu gebieten, sondern um Schaden von der Gesellschaft abzuwenden. Rauchverbote, massive Einschränkungen für den Verkauf von Alkohol und Proteste gegen Mobilfunkmasten auf Privathäusern sind die typischen Produkte dieses Denkens. Als Verteidiger dieser Gruppe mag man den Einsatz für Homo-Ehe und Frauenrechte anführen (dieser Kampf gegen Diskriminierung bezieht sich aber meist nur auf deutsche Chauvinisten), doch diese stellen einfach nur eine andere Form von Normalität dar. Links-Bürgerliche möchten einen Lebensentwurf verordnen, der den Egoismus ausmerzt und durch ein kollektives Verantwortungsbewusstsein ersetzt wird, wie es auch am Holocaust-Gedenken zu sehen ist.

Da Israel ein konservativer Staat ist, identifiziert man sich als liberal-konservativ denkender Mensch mit ihm, denn er verteidigt die Freiheit des Individuums von einer demokratischen Diktatur, die das Privatleben unterjocht. Sie sind nicht gegen die Demokratie per se, sondern den grenzenlosen Einfluss der Gesellschaft auf das Handeln des individuellen Subjektes. Genau das repräsentiert aber der Islam nicht und deswegen bleibt der Konservative misstrauisch. Der Nahostkonflikt ist ein Konflikt zwischen zwei Ideologien, die man von ihrer Grundlage her einteilen kann in eben diese zwei Lager: emanzipatorisch-radikale Linke/konservativ-bürgerliche Rechte und extreme Rechte/links-bürgerliche Linke.

Die palästinensische Gesellschaft ist eine typisch Islamische, sie benutzt ihre Individuen zum Kampf gegen Israel und lässt Zivilisten zum Selbstzweck sterben. Sie verkörpert das sowohl rechtsextreme als auch links-bürgerliche „Ideal“ eines Lebens zum kollektiven Nutzen. Dagegen tut Israel alles um seine Bürger vor der Barbarei zu schützen und damit auch die Individuen, welche nicht zum gesellschaftlichen Zweck, sondern zur „egoistischen“ Freude leben wollen. So erklärt sich, weswegen die staatskonformen Linken der ehemals zumindest nach außen hin radikal auftretenden 68er-Bewegung nun Sympathien hegen für eine Gesellschaft, die doch das absolute Gegenteil sexueller Freizügigkeit repräsentiert.

Somit muss man klar folgern, dass das Bürgerliche linke Gewissen dem Rechtsextremen sogar näher ist als der rechte Konservatismus, der auf eigene Art unangenehme Blüten treibt. Wie es aber antideutsches und ideologiekritisches Allgemeinwissen ist, ist diese Form der Gesellschaft, die dem Individuum noch eine Privatsphäre und Entscheidungsfreiheit zugesteht, dem etatistisch-linken Traum oder der rechtsradikalen Volksverwaltung definitiv vorzuziehen.

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