Brauchen wir eine Willkommenskultur?

Ganz Deutschland ist stolz. Die Rechten sind es wegen der deutschen Geschichte und Tradition, die Linken neuerdings auf die Willkommenskultur. Dabei verstehen sie nicht einfach humanistisches Denken darunter und Empathie, sondern eine Form der Kultivierung eines neuen „Deutsch-Seins.“ Somit verkommt die Linke, die es niemals schaffte, anti-identitär zu werden, zu einem Haufen antirassistischer Patrioten.

Willkommenskultur bedeutet schon vom Begriff her nicht das empathische Reagieren eines Individuums auf eine Notlage, sondern eine traditionalisierte Form von Hilfsbereitschaft des kulturellen Kollektivs. Flüchtlinge werden dabei zu friedliebenden und armen Seelen romantisiert, um diese Traditionalisierung überhaupt zu ermöglichen. Diese kann nicht damit umgehen, dass Flüchtlinge nichts als ganz normale Menschen sind, die sowohl das Potential zum Empathischen wie zum Antisozialen besitzen. Und so war es auch kaum verwunderlich, dass nach erster Euphorie diese schnell durch die Wirklichkeit verdrängt wurde. Das grundlegend Nötige, eine geradezu engelsgleiche Vorstellung des Flüchtlings musste an der Realität scheitern. Und damit leistete auch die deutsche Linke einen großen Beitrag zum Rechtsruck.

Anstatt von Beginn an eine Kritik der kollektiven Identität zu formulieren und darauf hinzuweisen, dass der Nationalismus und Rassismus schon allein daran scheitern muss, dass die geschaffenen Kategorien in der Realität gar nicht definierbar sind, lehnte man diese Schubladen ab, um einige Neue zu erschaffen. Die Folge war linker Populismus, der „die Flüchtlinge“ plötzlich zu Opfern des Westens machen wollte. (unzweifelhaft sind sie das auch, aber eben nicht ausschließlich) Also stand „der Westen“ als das Schlechte gegen den hilflosen Flüchtling, der nur in Frieden leben wollte. Man könnte nun einwenden, dass auch einige der Schlächter Assads unter den Flüchtlingen sind oder Anhänger islamistischer Radikalismen, doch eben genau das muss geleugnet werden, um eine KULTUR des Willkommens zu etablieren.

Wir brauchen nicht nur keine Willkommenskultur, wir müssen sie strikt ablehnen. Ihre Konsequenz mag eine kurzfristige Solidarität mit Flüchtlingen sein, auf Dauer wird sie aber durch die nationalen Identitäten, die sie verstärkt reproduziert den Rassismus und Chauvinismus noch stärker etablieren. Durch die albernen Zuschreibungen von durchweg positiven Eigenschaften, die die meisten Flüchtlinge angeblich haben sollten geschah eben so das Gegenteil dessen, was bezweckt wurde. Die radikale Rechte hat sich Teilwahrheiten zu eigen gemacht und kann sich nun als Stimme der Vernunft verklären, obwohl sie weiter nur Stimme des dumpfen Ressentiments ist.

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