Die Vorfälle von Köln und ihre Auswirkungen

Was in Köln und anderen Städten an Silvester passiert ist, genoss eine große Resonanz in den Medien, eine Resonanz, die überrascht. Damit wäre zumindest der Mythos einer medialen Verschwörung zugunsten von Flüchtlingen widerlegt (was natürlich keinen der Rechten interessiert hat, die den Vorfall instrumentalisierten). Von den großen Zeitungen schaffte es wie meistens einzig und allein die Zeit, vernünftig zu bleiben und nicht in Panikmache zu verfallen. [1]

Doch es soll hier nicht darum gehen, was nun passiert ist, ob man in Konsequenz nun alle Frauen oder lieber doch alle Flüchtlinge diskriminieren sollte (scheinbar werden nur diese Möglichkeiten noch ernsthaft diskutiert), sondern darum, was dieser erneute Vorfall mit der ohnehin schon emotional aufgeladenen Debatte machte.

Zuerst fällt die Ignoranz und Arroganz der meisten Konservativen und Rechten auf. Sie hätten es schon immer gesagt, es wird von bürgerkriegsähnlichen gesprochen. Ausnahmsweise muss man hier Augstein bescheinigen, richtig zu liegen, wenn er diagnostiziert, dass nur wenig nötig sei, um hierzulande den Firnis der Zivilisation reißen zu lassen. Denn diejenigen, die sich nun laut beschweren sind es nie gewesen, die sich über Übergriffe auf dem Oktoberfest beschwerten. Das mag man Whataboutism nennen, doch in diesem Fall zeigt es auf, dass es hier niemandem wirklich um die Frauen geht. Augstein hat die Opfer nicht verhöhnt. Er hat gezeigt, dass es in der Debatte nicht um aggressive Männer, sondern aggressive AUSLÄNDISCHE Männer geht.

Die Taz schrieb in einem Artikel vom 05.03.2014, dass 35% der Frauen in Deutschland schon Opfer sexueller Belästigung waren. [2] Ein schon lang bekanntes Faktum, dass vor der Flüchtlingskrise niemanden interessierte, jetzt aber im Kern des Interesses liegt. Kann man das denn anders als scheinheilig nennen? Wenn Pegida und AfD homophobe und sexistische Ansichten kritisieren, dann müsste man eigentlich aufmerksam werden, schließlich ist eine solche Kritik von einer Partei, die Beatrix von Storch in die Führungsriege aufnimmt, mehr als lächerlich.

Letztlich haben die Medien und einige Politiker wie Frau Reker mit unbedachten Aussagen und Spekulationen eine weitere Emotionalisierung der Debatte bewirkt und eine Aufspaltung bewirkt. Diejenigen, die nicht zu Unrecht hervorheben, dass Flüchtlinge aus extrem sexistisch geprägten Kulturen kommen stehen gegen jene, die ebenfalls nicht zu Unrecht betonen, dass Sexismus kein rein islamisches Problem ist und eine Instrumentalisierung der Vorfälle zugunsten rassistischer Demagogie keine Lösung der reaktionären Ansichten in der Gesellschaft bedeutet. Das Problem bleibt, dass die islamische Kultur frauenfeindlich ist, aber ein Tabu besteht, den Islam zu kritisieren. Die Politik hat es unterlassen, deutlich zu machen, dass Islamkritik keine Moslemkritik bedeutet und so kam es dazu, dass Islamkritiker rassistische Ansichten äußerten, weil sie eben doch nicht so freidenkerisch sind, wie sie selbst glauben. Sie nehmen diese gesellschaftliche Konvention an und vertreten einfach nur das Gegenteil, anstatt die Konvention selbst zu hinterfragen.

 

[1] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/koeln-silvester-uebergriffe-medien

[2] http://www.taz.de/!5047159/

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