Der kabarettistische Aluhut 5

Georg Schramm ist zwar schon länger nicht mehr aktiv, dennoch werden seine Auftritte weiterhin in sozialen Netzwerken geteilt und dort zur allumfassenden Wahrheit verklärt, was an sich schon ein Zeichen für querfrontlerische Realitätsverkürzungen ist. Er ist auch heute noch gewerkschaftsnah, jedoch kein Mitglied, teilt aber deren Ansichten eines sozialdemokratisch gezähmten Raubtierkapitalismus. [1]

Wenn er auch regelmäßig als Kapitalismuskritiker gehandelt und geadelt wird, so muss man klar sagen, dass er das nicht ist. In einem Programm zitiert er John Maynard Keynes und lobt auch dessen Werke. [2] Der Keynesianismus ist aber eine marktwirtschaftliche Schule, eine Kombination aus Erhaltung der menschlichen Unmündigkeit sowie eine Weiterführung der Verwertungslogik. Wie bereits erwähnt bekennt sich Schramm damit klar zu sozialdemokratischer Symptombekämpfung. (Was nicht bedeuten soll, dass Mindestlohn oder das BGE prinzipiell schlecht wären) Gleichzeitig macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass er Terrorismus und Gewalt gegen die reichen Eliten nicht nur nicht ablehnt, sondern auch befürwortet. In einem Interview mit der Taz sagt er aus, dass die Entführung eines Anlageberaters oder die Gewalttaten der RAF legitime Mittel des Widerstandes sind oder zumindest nicht falsch. [3] Dabei fällt wieder die gleiche verkürzte Kritik auf, die bei so vielen Kabarettisten zu finden ist. Schlechter Kapitalismus ist der Kapitalismus der Großkonzerne. Diese bilden zusammen mit (immer korrupter) Politik und den verschiedenen Medienkonzernen eine unheilige Allianz, der er z.B. auch die (angebliche) Verdummung der Menschen in Deutschland und die gezielte Züchtung einer Konsumentenklasse anlastet. [4]

Diese Ansichten sind verschwörungstheoretisch und strukturell antisemitisch. Die Tatsache, dass Medien im Kapitalismus zur schnellen und damit unsauberen Berichterstattung gezwungen sind, wenn sie weiterhin im Markt eine Bedeutung haben wollen, wird bei ihm wie bei vielen anderen ignoriert. Und das eine soziologische Analyse des Kapitalismus weniger Klicks einbringt als ein Video über Katzen, die in Badewannen fallen ist ebenso ein Faktum, dass eigentlich bekannt sein sollte. Strukturell antisemitisch sind diese Aussagen deswegen, weil es wieder nur eine Ursache und keine Zufälle gibt, des Weiteren auch keinen Platz für den Zufall, der bei so gut wie allen seinen Analysen keinen Platz findet. Dass er aber nicht nur den strukturellen, sondern auch den reinen Antisemitismus beherrscht, zeigt ein Auftritt von ihm in der Sendung „Neues aus der Anstalt,“ mit Urban Priol und Erwin Pelzig. (Das Datum der Sendung konnte ich nicht finden, da der Video-Upload aber im Jahre 2008 war und Ahmadinedschad diese Aussage Ende 2005 tätigte kann es nicht älter als 10-7 Jahre sein) [5]

Dort stellt Schramm die Behauptung auf, Israel und die USA würden einen Krieg gegen den Iran provozieren wollen und Ahmadinedschad hätte den Satz, er wolle Israel von der Karte radieren so nie gesagt. Unterstützt wird er dabei von Zeitungen wie der Süddeutschen Zeitung, die Ähnliches schrieb. Das Zitat sagte in der Tat „nur“ aus, dass zionistische Besatzungsregime müsse Geschichte werden. [6] Fakt sind aber zwei weitere Dinge: In der arabischen Welt gilt Israel selbst als das zionistische Besatzungsregime. Damit sind eben nicht die „besetzten“ Gebiete gemeint, sondern der Staat an sich. Und darüber hinaus wurde der Satz auf dem Forum „Welt ohne Zionismus“ geäußert. Wer dort eine Rede hält, der möchte keine Zwei-Staaten-Lösung, sondern eine endgültige Abschaffung Israels. Scheinbar kein Grund für Schramm, sie nicht dennoch zu unterstützen.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schramm#Leben

[2] https://www.youtube.com/watch?v=g2A4g93k0E8

[3] http://www.taz.de/!5061075/

[4] https://www.youtube.com/watch?v=RkNddCXSLvM

[5] https://www.youtube.com/watch?v=vMn4dN5_E1E

[6] http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333

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