Der kabarettistische Aluhut 4

Hagen Rether ist seit 2003 als Kabarettist aktiv und propagiert auf der Bühne sein Weltbild, das sich aus antiamerikanischen, antiindividualistischen, reaktionären und globalisierungskritischen Elementen zusammensetzt. Sein zentrales Programm heißt „Liebe,“ähnlich wie Volker Pispers‘ „Bis Neulich“ besteht es aus alten Texten und Aktualisierungen.

Bei Hagen Rether kann man getrost von einem Ökofaschisten sprechen, auch wenn diese Bezeichnung mehr demagogisch als inhaltlich präzise ist, denn bei seinen Auftritten ist vor allem das zynisch verkleidete schlechte Gewissen omnipräsent. So muss sich das Publikum schlimmste Anwürfe gefallen lassen, wenn es um Fleischkonsum und Konsumverhalten im Allgemeinen geht. So nennt er den Einkauf bei einem Metzger schon zynisch und scheint letztlich die Ungerechtigkeiten der Welt auf das Verhalten des Einzelnen zurück zu führen, ohne Systemzwänge wahrzunehmen. [1] Dazu passt auch, dass er Mitglied bei Attac ist, einer der größten Vereinigungen von Globalisierungskritikern in Deutschland, denn er wünscht sich keinen radikalen Kurswechsel, kein Wechsel des kapitalistischen Systems, sondern eine Veränderung des Menschen im gleichbleibenden Umfeld. Attac macht die Globalisierung und das Internationale für Ungerechtigkeiten verantwortlich. Sie verstehen die Lohnarbeit für einen internationalen Großkonzern als eine Ausbeutung, weil der Ausbeuter ein Anonymes und Dunkles bleibt, was den Unterschied zur Ausbeutung durch den sichtbaren Vorgesetzten macht. Auch bei Hagen Rether blitzt diese Einschätzung durch, wenn er Globalisierungskritiker mit Nike-Schuhen kritisiert und seine Kapitalismuskritik über Adidas und McDonalds nicht hinaus kommt. [2] [3]

Hagen Rether ist des Weiteren ein großer Freund des Islams, vielleicht sollte man sogar eher von Verharmlosung als von Rassismuskritik sprechen. Während jede Missetat der katholischen Kirche in seinen Programmen Aufmerksamkeit erhält und mit dem Katholizismus gleichgesetzt wird, so gibt es islamisch motivierte Gewalt in seinen Augen nicht. Auch betrachtet er Moslembashing scheinbar als deutschen Volkssport, [4] (zugegeben ist der Auftritt von 2007, doch änderte sich seine Haltung bis heute nicht nennenswert) obwohl bei keiner anderen Religion eine Debatte existierte, ob sie überhaupt kritisiert werden dürfe. Bis heute gilt Islamkritik als rassistische Haltung, weder Christentum, noch Hinduismus, nicht einmal das Judentum genießen solch einen Welpenschutz.

„Früher hieß das Spiel „Kanaken raus!“ und kam aus der Unterschicht, heute heißt das Islamkritik und kommt von ganz oben.“ -Hagen Rether, 29.12.2007 –

Diese Gleichsetzung von dumpfem Rassismus mit dezidierter Islamkritik hält nicht nur den Fakten nicht stand (in Teilen der radikalen Linken wird scharfe Islamkritik geübt, die nicht rassistisch ist), sie ist auch die Gleichsetzung eines Gedankensystems mit der eigenen Herkunft. Wie es bei Globalisierungskritikern nicht unüblich ist versteht er die Gesellschaft als Zwang und das Kollektiv als deterministische Sozialisierung. Die Globalisierung wird als feindselig wahrgenommen, weil sie Kollektive überflüssig macht und sogar aktiv aufbricht.

Hagen Rether nimmt die moderate Interpretation des Islam als den „wahren Islam,“ obwohl klar sein müsste, dass Wahhabismus und Salafismus genauso islamisch fundiert sind. Das Problem, nämlich die Möglichkeit der Interpretation nach eigenem Geschmack, spricht er nicht an. Anhand seiner Auftritte (die Verlinkten reichen für einen Überblick aus) kann man nachvollziehen, dass islamistische Gewalt für ihn letztlich die Schuld des Westens ist. Kann ein Anschlag nicht mehr kleingeredet werden, so ist die Intervention westlicher Staaten im Nahen Osten an der Gewalt mitschuldig und die Radikalisierung junger Menschen den schlechten Lebensbedingungen geschuldet. Diese führt er wiederum auf den (westlichen) Kapitalismus, US-Interventionen und die Globalisierung zurück.

Zusammengefasst ist er Vertreter eines autoritären Staates, wie an seiner Aufforderung zur Errichtung einer Ökodiktatur (!!) unschwer zu erkennen ist, sowie an seinen resigniert-verächtlichen Äußerungen zum Thema Freiheit. [5] Kapitalismuskritik kommt bei ihm, im Vergleich zur Globalisierungskritik, selten vor, meist bleibt es bei der Verdammung des Konsums und der Eliten. Alles in allem ist er mehr Konsum- als Kapitalismuskritiker, nicht die Verwertung des Menschen wird kritisiert, sondern die Möglichkeiten des Individuums, sich dieser zu entziehen.

 

 

[1] https://www.youtube.com/watch?v=sHNY1Xt-Y-o

[2] http://www.attac.de/was-ist-attac/prominente/hagen-rether/

[3] https://www.youtube.com/watch?v=-xF8oSppilg

[4] https://www.youtube.com/watch?v=QL65dcC_UNM

[5] https://www.youtube.com/watch?v=xnuIzO0dmec

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s