Antisemitismus und Pegida

Auch wenn Pegida-Aktivisten gerne betonen, gegen Antisemitismus zu sein und den arabischen Antisemitismus auch häufig für rassistische Hetze in den Diskurs einbringen, so kann man bei genauerer Analyse den weitestgehend strukturellen, teilweise aber auch offenen judenfeindlichen Charakter der Bewegung nicht leugnen.

Ein Post der Pegida-Gruppe in NRW kann als eine der ersten offen antisemitischen Aussagen der Geschichte Pegidas gelten, wenn man die diversen Mitläufer auf den Demos nicht mitzählt (diese sprechen genau genommen nur für sich, eine Verallgemeinerung wäre also unwissenschaftlich).

Antwort auf die Frage einer (vermutlichen) Anhängerin Pegidas nach den Möglichkeiten für einen Beweis der jüdischen Abstammung Merkels:

„Es mag ja sein, dass du das erste Mal in dieser Woche davon gehört hast. Aber dem Großteil der Bevölkerung ist schon lange klar, dass Merkel jüdische Eltern hatten und diese nicht ganz richtig im Kopf waren (…) Merkel ist definitiv Honeckers letzte Rache am Kapitalismus und die hat seit dem Untergang der DDR massiv dafür gearbeitet, Deutschland an den Rand des Abgrunds zu bringen.“ [1]

Die Unterstellung hat ähnliche Komponenten wie die national-sozialistische Vorstellung der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung. Pegidas Kapitalismus ist dabei keine freie Marktwirtschaft, die als zersetzend wahrgenommen wird (wie man am Widerstand gegen TTIP erkennen kann), sondern eine trump’sche und protektionistische Vorstellung mit Verwertungslogik als Volkseigentum. Pegida ist solange gegen Antisemitismus, wie dieser als rassistische Hetzgrundlage dienen kann, wirkliche Toleranz gegenüber jüdischen Mitbürgern ist dabei aber selten, bis faktisch nicht vorhanden. [2]

Auch ein Autor des Blogs „Achse des Guten“ unternahm einen Versuch, mit Israelfahnen auf eine Demonstration zu gehen, das Resultat waren Anfeindungen und ein Demoverbot. (da das Weltbild, das von diesem Blog verbreitet wird aber nicht im Geringsten hier geteilt wird, wird auch nicht weiterverlinkt. Bei Interesse könnt ihr es googeln, allerdings verbessern Verlinkungen das Ranking bei Suchmaschinen.) Pegida, anfangs eine Bewegung latent rassistischer, nationalistischer und traditionalistischer unzufriedener Bürger, wurde sehr schnell von Neonazis übernommen. Auch wenn die Strömung zu Beginn und auch heute noch heterogen war, so bot sie genügend Anknüpfungspunkte für antisemitisches Gedankengut. Der Antiamerikanismus war in guter alter Tradition der „konservativen Revolution“ ein Kulturpessimistischer. Die Einwanderung wurde zu Beginn wegen der anderen Kultur abgelehnt, harte Strafen gegen Drogendealer, Zuhälter und auch Todesstrafe für Kinderschänder, beliebte Forderung der extremen Rechten, dienen der Reinheit der Kultur. (Zum Zusammenhang zwischen völkischem Denken und dem Lynchmob gegen „Kinderschänder“ habe ich bereits einen anderen Text verfasst [3]) Antisemitismus ist eine andere Ideologie der Volksreinheit und mit jeder kollektivistischen Anschauung damit gut verknüpfbar.

Der importierte Antisemitismus durch Muslime wird nicht kritisiert, wegen seiner homogenisierenden Ansicht in Gut und Schlecht, das Richtige und das Falsche als gefasste Kollektive, sondern, weil es die falschen Kollektive sind. Er läuft der rassischen Reinheit zuwider, weil die religiöse Reinheit als zentral bewertet wird. Darum handelt es sich auch nicht um Islamkritik, sondern Kritik an Menschen und einem biologisierten Gesamtbezug.

Darüber hinaus ist Pegida spätestens seit der Zurschaustellung eines Galgens auch ein klares Bekenntnis zum Volksmob, der die Eliten vertreibt, die dem Volk schaden wollen.[4] Der Gegensatz von „weltfremden Politikern“ und dem einfachen Deutschen ist ein strukturell antisemitischer Gedankengang, weil es dunkle Mächte sieht, die heimlich die Fäden ziehen. Der ermittelnde Staatsanwalt wurde dabei sogar mit dem Tod bedroht und die Anfeindungen waren ebenso an „Volksverräter“ gerichtet. [5] Wer Feind des Volkes ist, ist derjenige, der nicht jedem Wunsch einer radikalen Noch-Minderheit sofort folgt. Das verkürzte Demokratieverständnis ist ein Faschistoides und Völkisches, denn es wird einerseits ein kollektiver Willen „des Volkes angenommen, andererseits ist dieser IMMER richtig. Antisemitisches Gedankengut ist darum zumindest strukturell zwangsweise resultierend, weil eine dunkle Kraft des Antivolks als negatives Pendant imaginiert werden muss.

Die Ideologie Pegidas, auch wenn sie nicht der des NS entspricht, sondern ihr nur ähnelt, musste zwangsweise zu antisemitischen Vorstellungen führen. Verschwörungstheoretiker dominierten die Szene von Anfang an, eine mediale Verschwörung gegen das Volk war schon zu Beginn der Common Sense in der Bewegung. (Allumfassende) Verschwörungstheorien im Allgemeinen müssen stets strukturellen Antisemitismus beinhalten, weil sie einen menschlichen oder zumindest intelligenten Lenker benötigen.[6]

 

[1] http://www.ruhrbarone.de/pegida-nrw-der-antisemitische-irrsinn-tobt/117759

[2]http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22274

[3] https://kritischesdenkenblog.wordpress.com/2016/01/08/der-lynchmob-der-volksreinheit/

[4] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-demo-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-galgen-a-1057524.html

[5] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-demo-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-galgen-a-1057524.html

[6] http://www.ida-nrw.de/cms/upload/Ueberblick/Ueberblick_2_15.pdf

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Anti-GMO, antimoderne Massenbewegung

Zu Beginn soll klargestellt werden, dass nicht alles, was mit Gentechnik praktiziert wird, gut ist und das hier auch nicht behauptet werden soll. Doch faktisch besitzt jede wissenschaftliche Errungenschaft auch das Potenzial zum Missbrauch, das trifft genauso auf Antibiotika und Impfungen zu. Doch während nur eine Minderheit gegen die genannten Entdeckungen opponiert, sieht sich die Gentechnik einer massiven Gegnerschaft ausgesetzt. Anhand der Umfragen der letzten Jahre schwankt die Ablehnung der Gentechnik in den meisten Ländern zwischen 60%-90%, [1] eine solche Einigkeit findet man sonst eigentlich nur vor, wenn es gegen die USA geht (kleine unsachliche Polemik am Rande).

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Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge

In der rechtsextremen und rechtspopulistischen Szene hat sich die Verschwörungstheorie etabliert, Flüchtlinge würden durch gezielte US-Intervention „produziert“ und damit würden sie eine Destabilisierung Europas herbeiführen. Attraktiv ist dabei, dass man ein xenophobes Weltbild mit dem typischen Feindbild, die USA und nicht selten auch Israel/“Zionisten,“ verknüpfen kann. Querfront-Linke nutzen das Feindbild zur „Aufklärung“ aus, um den „wahren Schuldigen“ aufzudecken und pflichten damit indirekt dieser Theorie bei. Weiterlesen „Die Theorie der gelenkten Flüchtlinge“

9/11-VT’s und ihre Argumente

9/11 ist das Fest der Verschwörungstheorien. Nur wenige andere sind verbreiteter und bekannter. Auch wenn sich schon viele mit der Widerlegung befasst haben, soll hier noch ein weiterer Überblick über deren Fakten und Behauptungen veröffentlicht werden, in dem diese zusammengefasst und kritisch überprüft werden.

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Die Russlandfreunde

Putin ist ein Diktator, der mit brutaler Gewalt eigene Interessen durchsetzt. Daran ist nicht zu rütteln und diese Aussage ist derart häufig belegt worden, dass sie hier nicht noch einmal in jedem Detail erörtert werden soll. Dennoch hat Putin viele Freunde, vor allem unter denen, die sich selbst zu Freidenkern (v)erklären. Darunter fallen Menschen wie Ken Jebsen, Jürgen Elsässer, Sahra Wagenknecht und Gabriele Krone-Schmalz. Sie kommen vom (pseudo-)linken Flügel der radikalen Linken, den sogenannten Antiimperialisten, aus rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen, sogar aus den bürgerlichen Lagern. Was macht Putin so attraktiv für diese Menschen?

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Die imaginierte Unfreiheit

In diesem kurzen Text möchte ich begründen, weswegen Esoterik und Religion, Ideologien, die allwissende Mächte kennen, keinen Raum für persönliche Freiheit lassen:

Zuerst muss definiert werden, was mit allwissend gemeint ist. Verschwörungstheoretiker imaginieren Mächte, die alles kontrollieren, doch sind diese noch meistens menschlicher Natur und in unserem Zeitempfinden inbegriffen. Bei gewissen Strömungen in Religion und Esoterik dagegen, auch wenn sie mit den Verschwörungstheoretikern Vieles gemein haben, existiert ein Wesen außerhalb unserer Zeitrechnung, das unsere Existenz von Anfang bis Ende „sehen“ kann. Allwissend bedeutet in ihren Augen also, die Zukunft als Vergangenes betrachten zu können. Damit müssen aber mit separaten Zeitlinien auch klar vorgegebene Handlungsstränge existieren. Gäbe es Handlungsfreiheit, so wäre der Effekt, dass diese Wesen nur mit stochastischen Mitteln erahnen könnten, wie Personen handeln. Aber weder Esoteriker noch Religiöse wollen einen mathematischen Gott zulassen, der nur mit begrenzter Wahrscheinlichkeit richtig liegen könnte. Also muss er die Zukunft kennen und damit gibt es nur eine Handlungsmöglichkeit. Genauso, wie wir auf vergangene Ereignisse zurückblicken, können wir sie dabei nicht ändern, wir können Napoleon nicht von seinem Russland-Feldzug und die Nazis nicht von ihrer Machtergreifung abhalten.

Damit leugnet man aber die Handlungsfreiheit, was besonders in den monotheistischen Religionen, die diese voraussetzen, zu seltsamen Paradoxien führt. So sollen wir uns für Allah entscheiden, obwohl Allah die Zukunft ab unserer Geburt kennt, und damit eigentlich schon festgelegt hat, ob wir uns für ihn „entscheiden“ würden. Der „liebe“ Gott wird damit zu einem eher sadistischen Wesen, das Existenzen zulässt, die ohnehin im Höllenfeuer enden werden. Auch in der Esoterik gibt es diese, der Zeit übergeordnete, Seins-Formen und sie führen auf die gleichen Paradoxien hin.

Auch wenn viele sagen, christlicher Glaube und Spiritualität könnten eine bessere Gesellschaft schaffen, so muss man damit folgern, dass genau das nicht der Fall sein würde. Die vorgeschriebene Zukunft wird immer auf starre Gesellschaften hinführen, die keinen Aufstieg und Abstieg kennen, sondern nur eine von Gott zugewiesene Rolle, gegen die man sich auch nicht wehren kann.

Islamophobie – Wo der Rassismus beginnt

In der als „antideutsch“ bezeichneten Linken wittern viele Kritiker einen antimuslimischen Rassismus. Auch wenn ich persönlich diese Kategorie für Unsinn halte, da der Islam keine Rasse darstellt, so nimmt die Islamkritik häufig die Funktion der Rasse im biologistischen Weltbild der Rechtsextremen ein. Da offener Rassismus gesellschaftlich verpönt ist, erklärt man kurzerhand alle Araber zu Muslimen (was an sich schon falsch ist) und behauptet, aus dieser Sozialisierung müsse logischerweise Frauenverachtung, Antisemitismus und Homophobie resultieren. Damit substituiert das neue Merkmal die Alten, welche nicht mehr verwendet werden „dürfen.“

Nun wird der antideutschen Linken häufig vorgeworfen, kulturdeterministischen Rassismus (antimuslimisch halte ich für zu unpräzise) zu verbreiten und zu vertreten. Auf die meisten antideutschen Kritiker trifft das definitiv NICHT zu. Auch wenn Stephan Grigat und Justus Wertmüller aufgrund ihrer radikalen Islamkritik von der radikalen Rechten rezipiert werden (z.B. in dieser Verlinkung von Wertmüller durch PI-News, allerdings ist es eine reine Verlinkung des Vortrags ohne Text.  [1]) so überzeugt der Artikel in der Bahamas Nr. 71 „Nicht so bleiben, wie man ist“ vom Gegenteil. Zitat: „Leute, bei denen die Eisdiele frequentierende Asylbewerber bereits Bedrohungsgefühle auslösen, haben kein Interesse daran, junge Männer aus fremden Ländern aufzufordern, die Spielgeräte für ihre Kinder frei zu machen und ihre Zigaretten außerhalb zu rauchen – dazu tun sich Herr Rabe und „unsere deutschen Frauen“ nicht zusammen. Ihnen sind Recht und Gesetz genauso wie der sie angeblich verbürgende Konsens der Demokraten egal: Sie wollen den Ausnahmezustand, der erst nach erfolgter Massenabschiebung wieder aufgehoben werden kann.“ Diese Aussagen beziehen sich auf ein rassistisches Posting eines CDU-Politikers. Man merkt, dass Wertmüller eben keineswegs für Abschiebungen und Grenzen ist. Wer aber weitestgehend muslimische Menschen nicht abschieben möchte, sondern ausschließlich deren Sozialisierung kritisiert, der erfüllt schon einmal das zentrale Kennzeichnen des Rassismus nicht, die Abgrenzung.

Von den meisten Vordenkenkern und Theoretikern der Antideutschen kann man einen solchen nicht annehmen, ausgeprägt ist er bei keinem. Wohl aber finden sich zum Beispiel bei Horst Pankow (Bahamas, Jungle World) doch einige „Ausrutscher,“ die in dieser Form auch bei PI zu finden wären. In dem Artikel „Mit dem Kopftuch durch die Wand“ verwendet er Formulierungen wie diese:

„Das westliche Bedürfnis, sich an den Islam anzuschmiegen, wird freilich weiter akut bleiben. Betül Ulusoy könnte also noch ein weiteres Mal zur Domina deutscher Knechtsseelen aufsteigen.“ (Rechtschreibung übernommen)

Auch wenn seine Analyse über den fingierten Kopftuchskandal nicht falsch ist, so strotzt sie vor zynischen und abwertenden Begriffen, auch die Unterstellung einer deutschen Knechtseele ähnelt der Wut rechtspopulistischer Hetzer darüber, dass es zu keiner nationalen Revolution kommt. Die Behauptung, das deutsche Wesen wäre ein Unterwürfiges ist eine häufige Argumentation derer, die den Nationalsozialismus durch die Feigheit der Menschen erklären wollen, um eine Analyse der Gesellschaft in eine genehmere Richtung zu leiten.

Die Wortwahl der Domina behauptet auch einen islamischen Willen zur Unterwerfung der europäischen Freiheit. Dabei zeigen doch die Analysen der aktuellen Bahamas im Artikel „Eine Fatwa aus Pocking“ (leider nicht online), dass der Westen sich nicht dem Islam unterwirft, sondern dessen Identität übernimmt. Domina ist insofern richtig, da die Unterwerfung auf westlichen Wunsch vonstatten geht, aber der Islam (bzw. die meisten Flüchtlinge) kommt nicht mit dieser Intention her, sondern führt die antifreiheitliche Identität mit sich, eben weil der Westen sie selbst in sich trägt.

Als Fazit kann man äußern, dass es keinen ausgeprägten Rassismus innerhalb der antideutschen Linken gibt, aber durchaus Anknüpfungspunkte. Während Wertmüller, Grigat, Scheidt und die meisten anderen es schaffen, sich klar davon abzugrenzen, gibt es Menschen wie Pankow, die sich nicht wirklich von rassistischen Interpretationen distanzieren. Ihre Islamkritik wird häufiger zu einer Moslemkritik, die die Person hinter der Ideologie schärfer angreift als die Struktur und Aussage der Ideologie selbst.

 

[1] http://www.pi-news.net/2007/11/justus-wertmueller-ueber-die-radikalen-linken/

[2] http://jungle-world.com/artikel/2015/25/52149.html