Der kabarettistische Aluhut 3

Max Uthoff ist der zweite Anstaltsleiter und im Kern ist seine Linie die Gleiche wie die Claus von Wagners. In einem Interview kritisiert er das Weltbild der Pegida-Demonstranten auf die selbe Art wie sein Kollege, indem er ihnen Besorgnis und Angst zugesteht, im selben Atemzug ihre „Sorge“ sogar als berechtigt, aber etwas übertrieben darstellt. [1]

„Jemand, der für 72 Jungfrauen bereit ist, sich selbst und seine Verwandtschaft in die Luft zu sprengen, macht mir deutlich mehr Angst. Erschreckend finde ich aber die falsche Einschätzung der Realität von beiden Seiten. Pegida ist auch eine Form von Angst. Es ist erstaunlich, dass man dies Menschen in einem Bundesland wie Sachsen einreden kann, in dem nur 4000 Muslime leben. Dass gegen die jede Woche 10 000 Leute demonstrieren, ist ein bizarres Missverhältnis. Es würde mich freuen, wenn die doppelte Anzahl für andere Sachen auf die Straße ginge.“

Man könnte nun daran erinnern, dass Pegida aktiv Anschläge ausnutzt, um Stimmung zu machen oder auch falsche Gerüchte zu diesem Zweck in Umlauf bringt. [2] [3] Das zeigt auf, dass es sich mitnichten um Besorgnis handelt. Das Verhalten der Pegida-Anhänger ist auch keine Neuheit, schon zu Zeiten der Pro-Bewegung war das Verbreiten von Gerüchten eine typisch rechte Aktionsform.

Der Antiamerikanismus von Uthoff ist extrem ausgeprägt und kann als Lehrbeispiel herhalten. Um nur einige Zitate zu nennen:

„Der Deutsche, er lebt die Gemeinschaft und deswegen tötet der Deutsche auch am Liebsten im Kollektiv, während in Amerika, dem Land der Individualisten der Amoklauf die beliebteste Art ist, um auf seine Mitmenschen zuzugehen. Auch die amerikanische Armee besteht im Grunde ja nur aus einem Haufen von Amokläufern.“ [4]

Der typisch deutsche Populismus, der im Waffenrecht und Individualismus das Problem sieht, kann der Faktenbasis nicht entsprechen, schon allein, weil die Zahl der Toten durch Waffenbesitz in den USA immer weiter zurückgeht, obwohl immer mehr Waffen im Umlauf sind. [5] Uthoff stellt die Amerikaner als Kollektiv dar, das aus einer homogenen Masse mit gleicher Mentalität besteht, wie man an der Formulierung „der Amerikaner“ sieht. Genau wie einst Hitler von „dem Juden“ sprach, so sieht man hier die strukturell antisemitische Unterstellung einer Wesensgleichheit jedes Amerikaners, der Teil des „unmittelbar allgemeinen“ Amerikaners ist.

 

„Seien wir nicht zu streng. Die Amerikaner, sie waren immer lausige Soldaten. Den einzigen Krieg, den sie je gewonnen haben war ihr eigener Bürgerkrieg und den auch nur zur Hälfte. Was der Amerikaner aber richtig gut kann, dass ist das Duell, vor allem, wenn der Gegner unbewaffnet ist, dunkle Hautfarbe hat und die falsche Kleidung trägt.“

Uthoff nimmt hier eine Trennung vor. Rassistische Vorurteile werden zum rein amerikanischen Phänomen degradiert. Man gewinnt aus seinen Ausführungen den Eindruck, bei den Amerikanern würde es sich allesamt um schießwütige Idioten handeln, die permanent Krieg beginnen, aber jedes mal verlieren. (historisch nicht haltbar. Hätten sie jeden Krieg verloren, wären sie wohl kaum unabhängig.) Uthoff stellt das Amerikanische als einen Gegensatz zum Zivilisierten dar, damit auch den Individualismus, den er das ganze Programm (Link 4 zeigt den hierfür relevanten Ausschnitt) hindurch mit Herablassung und Verachtung behandelt. Daraus kann man folgern, dass er das amerikanische Wesen, dass untrennbar mit dem Individuum verbunden ist, ihm zuwider ist.

Uthoff denkt kollektivistisch. Seine Pointen zielen nie auf den Bäcker von nebenan, den Handwerker, all die Alltagskapitalisten, sie greifen regelmäßig das Internationale an. Typisch für das Weltbild der Querfront ist diese Trennung in den „produktiven Kapitalismus des kleinen Mannes“ und dem „zerstörerischen Kapitalismus des Internationalen.“ Uthoff ist nicht nur Querfront-kompatibel, er verkörpert diese. Außer einigen Alibi-Pointen über Pegida geht sein Themenspektrum über Finanzkapital, Ukraine-Krise und das heilige Mütterchen Russland nicht heraus. Nicht umsonst wurde seine „Analyse“ zur Ukraine-Krise in der Frankfurter Rundschau als Ken-Jebsen-Stammtisch bezeichnet.

 

[1] http://www.hna.de/kultur/kabarettist-uthoff-meine-groesser-geworden-4541618.html

[2] http://www.mimikama.at/allgemein/facebook-polizei-dementiert-kindes-vergewaltigung-durch-flchtlinge/

[3] http://www.mimikama.at/allgemein/wurde-eine-13-jhrige-in-nordhausen-thringen-von-einem-flchtling-vergewaltigt/

[4] https://www.youtube.com/watch?v=GOsa4lkDHM4

[5] http://www.welt.de/vermischtes/article143346240/Immer-mehr-Waffen-immer-weniger-Morde.html

[6] http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik–neues-aus-der-anstalt-ken-jebsen-stammtisch-im-zdf,1473344,29300110.html

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