Direkte Demokratie und Diktatur

Die Radikaldemokratie erweckt den Eindruck, sie stünde für mehr Freiheit, Mitbestimmung und Emanzipation. Doch der direkte Volkswille ebnet eben nicht den Weg der Freiheit zum eigenen Lebensentwurf, sondern eine dauerhafte Unsicherheit. Wie die Krisen der Menschheitsgeschichte zeigten ist die Bevölkerung jederzeit bereit, ihre eigenen Freiheitsrechte zu beschneiden, wenn es um seinen Wohlstand fürchtet.

Man kann also erwarten, dass aufgrund dieser regelmäßigen Rückkehr zur Diktatur die Ideologie des „Volks“ autoritäre und antiindividualistische Elemente beinhaltet. Wer arm ist, der ist nicht daran interessiert, Luxus und Annehmlichkeiten zu erhalten, er möchte in erster Linie eine Grundsicherung und eine staatliche Garantie der Gleichheit erhalten. Man nimmt die obere Schicht als etwas Schlechtes und Ausbeuterisches war, womit auch deren Besitz als Negatives assoziiert wird. Eigentum ist damit für den Armen ein Werkzeug der Ungleichheit und darum ist die Vorstellung des „Volkes“ von einer gerechten Welt nicht identisch mit einer freien Welt. Konfrontiert mit dem Leid des Alltags und dem Ohnmachtsgefühl ist die Ideologie des Volkes in dem Glauben gefangen, selbst nichts ausrichten zu können, weswegen sie auch eine starken Anführer wünscht, der die Stimme der Armen hört und für sie handelt. Die Psychose des Volkes geht von diesen Kernpunkten aus:

  1. Paranoide Angst vor Übervorteilung. (Diese zeigte sich sehr stark bei den Protesten gegen TTIP [1])
  2. Vereinfachungskategorien zur Einordnung des politischen Geschehens. (Der typische Sündenbock-Mechanismus)
  3. Neid auf Erfolgreiche und die „Bonzen“ im Allgemeinen.
  4. Das Gefühl der Ohnmacht und Stimmlosigkeit. (ergibt sich logisch aus dem doch recht kleinen Einfluss eines einzelnen Bürgers)

Da das Gleiche nur selten verdächtigt wird, wenn es nicht auch ein Anderes gibt, werden die Sündenböcke nur selten in den eigenen Reihen gesucht. Dadurch kommt es zum nationalistischen Denken. Wenn es mir schlecht geht, so kann es nicht daran liegen, dass das mit mir als identisch Wahrgenommene die Ursache ist, sondern etwas Fremdes. Das Bollwerk der Gemeinschaft muss also verteidigt werden. Die Regierung wird an diesem Punkt nur selten angegriffen. Doch dadurch, dass sich faktisch die Lebenssituation nicht bessert, wird nun ein weiterer Mechanismus aktiv, der das zu sich selbst Zugehörige immer mehr verkleinert, um neue Sündenböcke und Kategorien für Schuldige zu schaffen. So werden neben Ausländern bald auch Banken, Regierungen, Geheimbünde und Ähnliches zu solchen dankbaren Schuldobjekten.

Nehmen wir an, diese Psychose ist real existent als dem Volk immanenter Reproduktionszyklus, dann ist die Radikaldemokratie diesem Einfluss unterworfen. Dadurch aber, dass die Kategorien immer kleiner werden, wird das Volk immer mehr Bemühungen unternehmen, diese Gruppen auszuschließen und sich zu Rackets verfestigen, die als Machtriege herrschen können. Die Radikaldemokratie führt also wegen des Ideologie des Volkes zum Faschismus und bietet keine Loslösung dieses Denkens. Es gilt, auch gegen Radikaldemokraten die jetzige Demokratie des indirekten Mitspracherechts zu erhalten.

 

[1] http://www.welt.de/wirtschaft/article137453475/Die-Deutschen-sind-ein-Fall-fuer-den-Psychoanalytiker.html

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