Lichterketten gegen rechts?

Wenn der rechte Terror massiv anwächst und der gemütlich-bürgerliche Deutsche sich langsam in seiner Seifenblase angegriffen fühlt, so möchte er der Welt zeigen, dass er rechtschaffen ist. Lichterketten und Kerzen posten gegen rechts oder den Islamismus ist eine beliebte Praxis der Wohlfühl-Linken, die alles tun, um nach außen hin ein tolerantes Deutschland zu präsentieren. Sie dienen nicht der wirklichen Toleranz, sie dienen der Toleranzdarstellung. Wer ein Bildchen postet riskiert nichts, höchstens ein-zwei negative Kommentare, doch kann sich als guter Mensch fühlen, der sich mutig erhebt gegen Rechts. Geht es dabei aber wirklich um die Opfer der Gewalt durch Islamisten und Rechte? Nutzt es ihnen etwas? Nicht im Ansatz. Die Linken und Liberalen wollen sich vergewissern, dass sie noch da sind, dass sie noch in einer Debatte vorkommen, die von populistischen, klerikalfaschistischen und nationalistischen Kräften dominiert werden, also befriedigen sie den narzisstischen Fetisch einer identitär gebliebenen Linken. Es ist leider so, dass eine Identität immer den Gegenspieler braucht um sich nicht aufzulösen und darum kann die radikale Linke auch nicht ohne die radikale Rechte, die radikale Rechte nicht ohne den Islamismus, keine Strömung ohne ihr Gegenteil.

Zwar sind Aktionen, die den Betroffenen zeigen sollen, dass sie in ihrem Kampf nicht alleine sind nicht per se falsch, sie sollten dabei aber wenigstens auch diesem Zweck dienen. Antisemitische Straftaten durch Nazis, Islamisten und antiimperialistische „Linke“ sind Alltag, Anschläge auf Flüchtlingsheime genauso, Islamkritik, die sich letztlich über jedes Massaker freut schon die Regel. Nur hört man hier keinen Aufschrei, der den Kern des Problems treffen würde. Nur weichgespültes Pazifisten-Gerede darüber, dass der Kapitalismus am Rassismus schuld wäre, als würde Rassenhass erst seit Adam Smith existieren oder Empörung um der Empörung willen scheinen noch Gehör zu finden, allesumfassende Entschuldigungen für jedes Handeln. Lichterketten haben hierbei den Effekt, die Schande von dem angenommenen Kollektiv „Deutschland“ abzuwenden und es wieder tolerant erscheinen zu lassen, ähnlich wie das Gerede von einer angeblichen „Willkommenskultur,“die auch wieder in den Sprachgebrauch einfloss, weil sie implizierte, Menschlichkeit ginge auf eine überlegene deutsche Tradition der Freundlichkeit und Offenheit zurück.

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