Logische Argumentationsfehler 3

Nach wie vor sind in der Debatte logische Fehler an der Tagesordnung, sie gehen sogar in den Mainstream über und werden nur noch selten erkannt. Insofern bin ich der Meinung, dass eine weitere Erwähnung häufiger logischer Fehler unerlässlich ist, da ein Diskurs, der schon von vorneherein allein die Emotion als Prämisse zur Richtigkeit setzt, niemals zum Ziel, sondern zum Fanatismus führt.

Das Argument des „wahren Schotten.“ Diese Bezeichnung findet sich im Buch „der Gotteswahn“ von Richard Dawkins. Das eigentliche Beispiel ist von Antony Flew. [1] Es bedeutet die Immunisierung einer Ideologie durch, man muss es so sagen, ideologische Rosinenpickerei. Diesen Fehlschluss illustriert man sehr leicht durch ein solches Beispiel:

Das „Gegenargument:“ Dann ist er kein „wahrer“ Schotte.

Die Entgegnung: Ich kenne einen Schotten, der keinen Alkohol trinkt.

Die Aussage: Jeder Schotte trinkt Whiskey.

Hier fällt sofort auf, wo der Fehler liegt. Ein Subjekt wird nicht definiert und die Definition im Nachhinein angepasst, um die eigene These zu retten. Wenn aber der Diskussionsgegenstand immer wechselt, nur damit man Recht behält, dann stellt das einen argumentativen Fehler dar. Häufig taucht diese Argumentation bei religiösen Menschen auf, die missliebige Mitglieder der eigenen Religionsgemeinschaft mit dem Verweis disqualifizieren, sie würden keine „wahren“ Gläubigen sein. So kommt es zu Paradoxien wie ein Christentum, das nichts mit christlichen Kreuzzügen zu schaffen hat und Anschläge im Namen des Islam, die nichts mit dem Islam zu tun haben. [2]

 

Weltbildimmunisierung: Auf den ersten Blick mag es nicht wie ein logischer Fehler wirken, sondern wie eine bizarre Paranoia. Gegen Menschen zu diskutieren, die hinter allem das verbrecherische Handeln einer Regierung sehen ist ermüdend, weil sie ihr Weltbild gegen jede Kritik immunisieren können. Die Paradoxie liegt dabei im Informationsbegriff. Denn abgesehen von der eigenen Meinung verfügen sie über keine Methode, zwischen, ihrer Meinung nach, seriösen oder unglaubwürdigen Nachrichten zu unterscheiden. Wer aber eine Weltverschwörung annimmt, muss auch seine eigene Ohnmächtigkeit eingestehen, würde diese nicht bestehen, könnte die Verschwörung durch einige wenige Personen schon ins Wackeln geraten. Sind sie aber machtlos, so sind sie auch informationslos, weil sie keinen Zugriff auf Erkenntnisse der „Eliten“ haben. Also müssen sie entweder eingestehen, dass die Weltverschwörung doch nur eine Gruppe mit Interessen ist, die mit anderen Konkurrenten um Erfolg wetteifert, woraus folgt, dass es eben doch keine gibt, oder man muss eingestehen, dass sie leicht zu durchschauen und zu stürzen wäre, dann ist es aber unwahrscheinlich, dass sie immer noch existiert.

Unverständnis des anthropischen Prinzips: In der Diskussion mit religiösen Menschen wird häufig die Feinabstimmung des Universums als Argument für eine Schöpfung angebracht. Der Fehler liegt hierbei darin, dass die Kausalitäten verdreht wurden. Das Universum ist nicht auf uns abgestimmt, wir sind, durch die Prozesse der Evolution, auf das Universum abgestimmt. Um es allgemeiner zu formulieren, die Existenz einer Sache kann nur dadurch zustande kommen, dass die nötigen Bedingungen vorhanden sind. Daraus folgt, die Existenz ist nach den vorhandenen Bedingungen „geschaffen,“ die Edukte sind aber unbeeinflusst. [3]

Strohmann-Argumente: Strohmann-Argumente sind ein rhetorischer Trick. Angebliche Argumente des Gegenübers werden den Eigenen gegenübergestellt, selbst (bzw. nur dann ist es auch ein Strohmann) wenn diese nie geäußert wurden. Diese angeblichen Argumente werden dabei von anderen übernommen, die eine ähnliche Meinung vertreten wie das diskutierende Gegenüber, aber von diesem möglicherweise nicht einmal geteilt werden. Der Trugschluss hinter diesem Trick ist die Annahme, politische Strömungen seien homogen und interne Meinungsverschiedenheiten wären nicht gegeben.

 

 

[1] Richard Dawkins, der Gotteswahn, 2007, Ullstein Verlag

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kein_wahrer_Schotte

[3] http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=30707608

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