Der Irak-Krieg und seine Verschwörungstheorien

Im Bezug auf die Intervention der USA gegen das Baath-Regime unter Saddam Hussein sind viele Verschwörungstheorien im Umlauf, die in ihrer Popularität so einzigartig sind, dass diese Meinungen schon im Mainstream vertreten werden, unter anderem von reichweitenstarken Kabarettisten wie Hagen Rether und Volker Pispers. Die zwei populärsten Theorien werde ich hier kurz behandeln und hinterfragen, ob sie wirklich so plausibel sind, wie oft behauptet wird:

  1. Der Einmarsch der USA geschah wegen des irakischen Erdöls:

Eine Theorie, die zuerst einmal plausibel erscheint, verfügt der Irak doch über große Ölreserven. Doch die Importe von Erdöl aus dem Irak in die USA betrugen im Jahr 2003 175.663.000 Barrel, was, in Kombination mit den Förderungen in den Vereinigten Staaten, gerade einmal 2,68% der Menge war, die Amerika zur Verfügung stand. [1] Wäre nun der Irakkrieg wegen des Öls gewesen, so wäre zu erwarten, dass die Liefermenge in die USA nach dem Krieg rasant steigen würde. Fakt ist aber, sie stieg nicht nur nicht, sie sank sogar. Heute liegt sie bei 167.900.000 Barrel, wobei die USA nicht nur noch weniger abhängig sind von irakischem Öl (das waren sie auch nie), sie exportieren sogar mehr, als sie importieren. Zum Zeitpunkt des Irakkriegs waren die Vereinigten Staaten die 3.größte Ölnation nach Saudi-Arabien und Russland. [2] [3] [4]

Auch ist die Frage, ob billiges Öl den USA überhaupt zugute käme. Sie sind durch Fracking de facto autark und profitieren vom Export, weswegen sollten sie sich wünschen, weniger für ihre Waren zu erhalten? Die Verschwörungstheorie krankt daran, dass sie die bloße Existenz von Ressourcen schon als Beweis dafür nimmt, diese seien der Grund für eine Intervention.

2. Die USA mussten verhindern, dass der Irak sein Öl von der Dollarwährung abkoppelt.

Zwar ist es richtig, dass der Irak die Verkäufe des Öls von der amerikanischen Währung entkoppelt hat, doch geschah dies 3 (!!) Jahre vor dem Ausbruch des Irak-Krieges. Hätte eine solche Entkoppelung tatsächlich den Effekt einer Atombombe, wie einige es formulierten, so würde die US-Wirtschaft heute nicht mehr existieren. [5] Die Annahme, einzig der Verkauf in einer anderen Währung würde die Vormachtstellung des Dollars brechen ist vollkommen naiv. Auch der Iran hat ein solches Projekt aufgestellt, das 2008 in Kisch eröffnet wurde und seitdem keine weiteren Schlagzeilen produzierte. Ziel dieses Projekts war ebenso die Einführung eines europäischen Währungsmarktes, was bis heute nicht funktionierte, obwohl der Iran sogar ein noch größerer Öllieferant als der Irak ist. [6]

 

Es bedurfte keiner ausführlichen Recherche, um die Märchen um den Einmarsch im Irak widerlegen zu können. Das beweist aber leider nur, dass heutzutage aufgrund der gigantischen Informationsfülle Thesen und Theorien aus dem Internet schnell geglaubt werden, solange sie nur plausibel wirken.

 

[1] http://kriegsursachen.blogspot.de/2010/04/irakkrieg-kein-oelkrieg.html

[2] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/227058/umfrage/die-groessten-rohoellieferanten-der-usa/

[3] http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/usa-oel-fracking

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Erdöl/Tabellen_und_Grafiken#Die_drei_f.C3.BChrenden_F.C3.B6rderl.C3.A4nder

[5] http://www.spiegel.de/wirtschaft/bush-vs-iran-die-legende-vom-petro-euro-krieg-a-405160.html

[6] http://uk.reuters.com/article/uk-iran-oil-dollar-idUKDAH83366720071208

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