Was ist ein Nazi?

Heutzutage herrscht eine große Verwirrung darüber, wer als Nazi bezeichnet werden kann, wer als Faschist und daraus resultiert eine Mentalität, jeden als Nazi zu bezeichnen, der die eigene Meinung nicht teilt oder kritisiert. Da der Nationalsozialismus auf die deutschsprachigen beschränkt blieb, kann er als die typisch „deutsche“ Ausprägung des Faschismus gesehen werden, ohne heute noch dieses geographischen Einschränkungen unterworfen zu sein. Das 25-Punkte-Programm der NSDAP kann als grobe Richtlinie dienen, was damals nationalsozialistisch war und kurz in Schlagwörter zusammengefasst wird (komplett zu lesen hier: 25-Punkte-Programm):

  • Anerkennung des deutschen Volkes und ein Groß-Deutschland zur Ernährung desselben.
  • Staatsbürger darf nur sein, wer Volksgenosse und damit von „deutschem Blute“ ist. Nicht-Staatsbürger (explizit Juden) sind nur unter zusätzlichen Einschränkungen geduldet.
  • Jeder Staatsbürger muss für das Allgemeinwohl sorgen. Der Staat hat dabei dafür zu sorgen, dass dieser Arbeit und Lebensgrundlage hat.
  • Der unproduktive Kapitalerwerb muss aufgehoben und bekämpft werden. Hier findet man wieder die gedanklichen Übereinstimmungen zwischen Freiwirtschaftslehre und Nationalsozialismus. („Brechung der Zinsknechtschaft“)
  • Soziale Maßnahmen wie Zugang zur Bildung für alle und bessere Altersvorsorge durch den Staat.

Natürlich muss nicht jeder Punkt exakt so vertreten zu werden, um nationalsozialistisch zu denken. Denn die Ideologie basiert in jedem Fall nicht auf dem Feindbild selbst, sondern dem Denkmuster dahinter. So ist die islamische Ideologie in vielen Punkten identisch mit der Wahrnehmung von Zusammenhängen, ohne auf gleiche Ergebnisse zu kommen. Reines Blut wird durch reinen Glauben ersetzt, ohne den man nicht zur Gemeinschaft gehören kann, und diese Gemeinschaft wird von „kranken Elementen“ gesäubert. Jedes Individuum hat sich dem Kollektiv zu unterwerfen und mit Produktivität für das Wohl der Allgemeinheit zu sorgen. Ebenso gilt die Floskel von der Vernichtung der Möglichkeiten zur unproduktiven Kapitalerwerbungen und ein starker Sozialstaat, der bis in das Privatleben regelt.

Der Nationalsozialismus hat die Kernpunkte des eliminatorischen Antisemitismus (oder die Stellvertretung durch andere Minderheiten wie beim Antiamerikanismus, der Dämonisierung von „Zockern“ und der Börse, regressive Kapitalismuskritik im Allgemeinen), die Homogenisierung der Massen, um sie für einen Zweck arbeiten zu lassen und nicht um ihrer Selbst willen, einen radikalen Nationalismus oder zumindest ein Misstrauen gegen Internationalisierung und das Aufbrechen alter Kollektive (wie auch bei der Globalisierungskritik und identitären Bewegungen) und Wertbemessung des Menschen nach dem Nutzen für die Allgemeinheit.

Allerdings sollte noch einmal klar darauf hingewiesen werden, dass eine „Nazi-Keule“ nicht existiert. Der inflationäre Gebrauch des Wortes ist eher darauf zurückzuführen, dass Faschismus und Nationalsozialismus nicht als identisch erkannt werden und jeder faktenresistente Fanatiker damit zum Nazi wird, selbst wenn er konträre Punkte vertritt.

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