Das amerikanische Wesen

Zu einem grundsätzlichen Verständnis des Antiamerikanismus gehört auch eine klare Definition dessen, was man überhaupt als „amerikanisch“ bezeichnen kann. Im Zentrum ein jeder Ideologie steht das Menschenbild und darum werde ich auf den Begriff des Individuums und seine Stellung in der Gesellschaft eingehen, wie das bedeutendste Dokument der Geschichte der USA, die Verfassung, es propagiert.

„Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, die Gerechtigkeit zu verwirklichen, die Ruhe im Innern zu sichern, für die Landesverteidigung zu sorgen, das allgemeine Wohl zu fördern und das Glück der Freiheil uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren, setzen und begründen diese Verfassung für die Vereinigten Staaten von Amerika. “

– Präambel der amerikanischen Verfassung –

Das Kollektiv wird betont, doch durch die Einbindung des „Wir“ tritt eines deutlich zutage. Es ist klar, dass das Volk der Vereinigten Staaten aus vielen Individuen besteht und das Kollektiv, bestehend aus diesen, hat den Zweck der Bewahrung dieser autonomen Existenz eines Subjekts. Während im nationalsozialistischen 25-Punkte-Programm ein Bild vertreten wird, dass das Individuelle als Konstruktion zur Fragmentierung des Kollektivs versteht, dreht das Amerikanische dieses Bild um. Nicht das Individuelle gilt als Konstruktion, sondern das Kollektiv, welches geschaffen wird, um die grundlegende Freiheit des Einzelnen zu garantieren.

„Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“

„Erste Pflicht jeden Staatsbürgers muss sein, geistig oder körperlich zu schaffen. Die Tätigkeit des Einzelnen darf nicht gegen die Interessen der Allgemeinheit verstoßen, sondern muss im Rahmen des gesamten und zum Nutzen aller erfolgen.“

– die Punkte 4 + 10 aus dem 25-Punkte-Programm –

„Die Einwanderung oder Hereinholung solcher Personen, deren Zulassung einer der derzeit bestehenden Staaten für angebracht hält, darf vom Kongress vor dem Jahre 1808 nicht verboten werden, doch kann eine solche Hereinholung mit Steuer oder Zoll von nicht mehr als zehn Dollar für jede Person belegt werden.“

„Das Wahlrecht der Bürger der Vereinigten Staaten darf von den Vereinigten Staaten oder einem Einzelstaat nicht auf Grund der Rassenzugehörigkeit, der Hautfarbe oder des vormaligen Dienstbarkeitsverhältnisses versagt oder beschränkt werden.“

„Das Wahlrecht der Bürger der Vereinigten Staaten darf von den Vereinigten Staaten oder einem Einzelstaat nicht auf Grund des Geschlechts versagt oder beschränkt werden.“

– Artikel 9, erster Abschnitt, der Zusatzartikel 15 und 19 der amerikanischen Verfassung –

Der erwähnte Unterschied zeigt sich hier wieder in der Gesetzgebung. Die Nationalsozialisten KENNEN ein Individuum, nur hat es sich in jeder Hinsicht dem angeborenen Kollektiv zu unterwerfen. Dagegen kennt das amerikanische Wesen im Sinne der Verfassung sehr wohl eine Unabhängigkeit von der Geburt. Sie leugnet zwar nicht das Kollektiv, doch leugnet sie einen Determinismus der Herkunft, Geschlecht, Herkunft und Klasse verlieren die Wertigkeit, weil sie keinen Einfluss auf die Mündigkeit haben, die ihnen zugestanden wird.

Im Nationalsozialismus, der als die diametrale Ideologie zum Amerikanischen gesehen werden kann, ist der Staat Selbstzweck, das „Vaterland“hat einen unbegründeten Anspruch auf die vollkommene Aufopferung jedes Volksgenossen. So kommt es zu einem Verständnis des Staates als natürlicher Hierarchie innerhalb einer Volksgemeinschaft. Während das amerikanische Wesen anhand der Erklärung die Hierarchie zu einer reinen Verwaltungsmaßnahme macht und eine Fetischisierung/Mythologisierung des Konstruktes verhindert, kann es dadurch auch die Möglichkeit einräumen, dass der Volkswille nicht homogen ist.

„Zur Durchführung alles dessen fordern wir die Schaffung einer starken Zentralgewalt des Reiches. Unbedingte Autorität des politischen Zentralparlaments über das gesamte Reich und seine Organisationen im allgemeinen.
Die Bildung von Stände- und Berufskammern zur Durchführung der vom Reich erlassenen Rahmengesetze in den einzelnen Bundesstaaten.“

– Punkt 25 des 25-Punkte-Programms –

„Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Keiner der Einzelstaaten darf Gesetze erlassen oder durchführen, die die Vorrechte oder Freiheiten von Bürgern der Vereinigten Staaten beschränken, und kein Staat darf irgend jemandem ohne ordentliches Gerichtsverfahren nach Recht und Gesetz Leben, Freiheit oder Eigentum nehmen oder irgend jemandem innerhalb seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz durch das Gesetz versagen.“

– Zusatzartikel 14 Abschnitt 1 der amerikanischen Verfassung –

Das unterschiedliche Denken über das Individuum an sich hat auch eine unterschiedliche Vorstellung von staatlicher Fürsorge zur Folge. Ist das Individuum, also das autonom agierende Subjekt für die erwünschte Gesellschaft eine Gefahr, so muss ein starker Staat die Menschen in das Kollektiv zurück zwingen und benötigt darum Autorität. Die Tatsache, dass Faschismus nirgendwo funktioniert hat und er sich auf Dauer immer selbst durch Widerstand in den eigenen Reihen erodierte zeigt auf, dass die Vorstellung einer natürlich und organisch entstandenen volksgemeinschaftlichen falsch ist. Das amerikanische Wesen dagegen sieht die Notwendigkeit des Individualismus und gesteht dem Staat nur eine Rolle der Sicherung der Voraussetzungen dazu zu.

Eigentum gilt im amerikanischen Wesen als zentrale Voraussetzung für Individualität und Freiheit. So wurde im Homestead-Act das Recht jedes Bürgers über 21 festgelegt, sich unbebautes Land zu nehmen und so selbstverantwortlich für sich zu sorgen. Der Staat hatte auf unbebautes Land kein Recht, erst durch die Übernahme eines Bürgers der Vereinigten Staaten, als der man das Land in Anspruch nehmen konnte, durfte die Regierung Steuern erheben. Die Nazis taten auch hier das Gegenteil, Land wurde zwangsbesiedelt um dem Staat zugute zu kommen. So verwundert der aggressive Antiamerikanismus der Nazis auch nicht.

„Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden. “

– Zusatzartikel 2 der amerikanischen Verfassung –

Mit diesem Artikel gesteht der amerikanische Staat seinen eigenen Bürgern die Möglichkeit zu, sich gegen seine Willkür und die Willkür anderer zu verteidigen. So schafft man nicht nur eine Verteidigung der Freiheit nach außen hin, sondern versichert sich auch nach innen gegen einen Bevormundungsstaat. So bezieht sich Edward Snowden auf die amerikanische Verfassung, Chelsea Manning ebenso, die Whistleblower-Bewegung geht größtenteils auf Amerikaner zurück. Auch wenn viele Antiamerikaner den Eindruck zu vermitteln versuchen, Amerikaner wären schießwütige Idioten, so missverstehen sie die Legalität der Waffen grundsätzlich. Diese dient nicht dazu, AKTIV anzugreifen, sie dient der Verteidigung. Auch die Fakten sprechen diese Sprache. Die Waffen, mit denen in den USA Morde begangen werden sind nämlich zumeist illegal Erworbene.

Zusammengefasst kann man sagen, dass das amerikanische Wesen ein Bild labiler Kollektive darstellt. Es leugnet nicht die Notwendigkeit dieser in einer von kollektiven Ordnungen beherrschten Welt, setzt sie aber gezielt ein, um die Individualität nach Innen hin zu bewahren. Das Misstrauen gegen diese Hierarchie in Form des Staates ist aber omnipräsent, so ist die 9/11-Truther-Szene in keinem westlichen Land größer, gleiches bei den Protesten gegen den Irak-Krieg oder die NSA-Überwachung. Das Recht auf Waffen gehört dabei dazu, im amerikanischen Sinne ist die Waffe im Privatbesitz die letzte Bastion gegen einen Staat, der seine eigenen Institutionen missbraucht. Als weitere zentrale Eigenschaft kann die Betonung des Eigentums und der Selbstverantwortung gelten, was sich vor allem in Gesetzgebungen wie dem Homestead-Act niederschlug, die die Möglichkeit eröffneten, durch eigenes Tun vollkommene Autonomie zu erlangen.

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Der kabarettistische Aluhut 3

Max Uthoff ist der zweite Anstaltsleiter und im Kern ist seine Linie die Gleiche wie die Claus von Wagners. In einem Interview kritisiert er das Weltbild der Pegida-Demonstranten auf die selbe Art wie sein Kollege, indem er ihnen Besorgnis und Angst zugesteht, im selben Atemzug ihre „Sorge“ sogar als berechtigt, aber etwas übertrieben darstellt. [1]

„Jemand, der für 72 Jungfrauen bereit ist, sich selbst und seine Verwandtschaft in die Luft zu sprengen, macht mir deutlich mehr Angst. Erschreckend finde ich aber die falsche Einschätzung der Realität von beiden Seiten. Pegida ist auch eine Form von Angst. Es ist erstaunlich, dass man dies Menschen in einem Bundesland wie Sachsen einreden kann, in dem nur 4000 Muslime leben. Dass gegen die jede Woche 10 000 Leute demonstrieren, ist ein bizarres Missverhältnis. Es würde mich freuen, wenn die doppelte Anzahl für andere Sachen auf die Straße ginge.“

Man könnte nun daran erinnern, dass Pegida aktiv Anschläge ausnutzt, um Stimmung zu machen oder auch falsche Gerüchte zu diesem Zweck in Umlauf bringt. [2] [3] Das zeigt auf, dass es sich mitnichten um Besorgnis handelt. Das Verhalten der Pegida-Anhänger ist auch keine Neuheit, schon zu Zeiten der Pro-Bewegung war das Verbreiten von Gerüchten eine typisch rechte Aktionsform.

Der Antiamerikanismus von Uthoff ist extrem ausgeprägt und kann als Lehrbeispiel herhalten. Um nur einige Zitate zu nennen:

„Der Deutsche, er lebt die Gemeinschaft und deswegen tötet der Deutsche auch am Liebsten im Kollektiv, während in Amerika, dem Land der Individualisten der Amoklauf die beliebteste Art ist, um auf seine Mitmenschen zuzugehen. Auch die amerikanische Armee besteht im Grunde ja nur aus einem Haufen von Amokläufern.“ [4]

Der typisch deutsche Populismus, der im Waffenrecht und Individualismus das Problem sieht, kann der Faktenbasis nicht entsprechen, schon allein, weil die Zahl der Toten durch Waffenbesitz in den USA immer weiter zurückgeht, obwohl immer mehr Waffen im Umlauf sind. [5] Uthoff stellt die Amerikaner als Kollektiv dar, das aus einer homogenen Masse mit gleicher Mentalität besteht, wie man an der Formulierung „der Amerikaner“ sieht. Genau wie einst Hitler von „dem Juden“ sprach, so sieht man hier die strukturell antisemitische Unterstellung einer Wesensgleichheit jedes Amerikaners, der Teil des „unmittelbar allgemeinen“ Amerikaners ist.

 

„Seien wir nicht zu streng. Die Amerikaner, sie waren immer lausige Soldaten. Den einzigen Krieg, den sie je gewonnen haben war ihr eigener Bürgerkrieg und den auch nur zur Hälfte. Was der Amerikaner aber richtig gut kann, dass ist das Duell, vor allem, wenn der Gegner unbewaffnet ist, dunkle Hautfarbe hat und die falsche Kleidung trägt.“

Uthoff nimmt hier eine Trennung vor. Rassistische Vorurteile werden zum rein amerikanischen Phänomen degradiert. Man gewinnt aus seinen Ausführungen den Eindruck, bei den Amerikanern würde es sich allesamt um schießwütige Idioten handeln, die permanent Krieg beginnen, aber jedes mal verlieren. (historisch nicht haltbar. Hätten sie jeden Krieg verloren, wären sie wohl kaum unabhängig.) Uthoff stellt das Amerikanische als einen Gegensatz zum Zivilisierten dar, damit auch den Individualismus, den er das ganze Programm (Link 4 zeigt den hierfür relevanten Ausschnitt) hindurch mit Herablassung und Verachtung behandelt. Daraus kann man folgern, dass er das amerikanische Wesen, dass untrennbar mit dem Individuum verbunden ist, ihm zuwider ist.

Uthoff denkt kollektivistisch. Seine Pointen zielen nie auf den Bäcker von nebenan, den Handwerker, all die Alltagskapitalisten, sie greifen regelmäßig das Internationale an. Typisch für das Weltbild der Querfront ist diese Trennung in den „produktiven Kapitalismus des kleinen Mannes“ und dem „zerstörerischen Kapitalismus des Internationalen.“ Uthoff ist nicht nur Querfront-kompatibel, er verkörpert diese. Außer einigen Alibi-Pointen über Pegida geht sein Themenspektrum über Finanzkapital, Ukraine-Krise und das heilige Mütterchen Russland nicht heraus. Nicht umsonst wurde seine „Analyse“ zur Ukraine-Krise in der Frankfurter Rundschau als Ken-Jebsen-Stammtisch bezeichnet.

 

[1] http://www.hna.de/kultur/kabarettist-uthoff-meine-groesser-geworden-4541618.html

[2] http://www.mimikama.at/allgemein/facebook-polizei-dementiert-kindes-vergewaltigung-durch-flchtlinge/

[3] http://www.mimikama.at/allgemein/wurde-eine-13-jhrige-in-nordhausen-thringen-von-einem-flchtling-vergewaltigt/

[4] https://www.youtube.com/watch?v=GOsa4lkDHM4

[5] http://www.welt.de/vermischtes/article143346240/Immer-mehr-Waffen-immer-weniger-Morde.html

[6] http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik–neues-aus-der-anstalt-ken-jebsen-stammtisch-im-zdf,1473344,29300110.html

Der kabarettistische Aluhut 2

Claus von Wagner

Claus von Wagner ist ein weiterer Kabarettist, dessen Argumentation äußerst einseitig ist und der der Querfront zugerechnet werden kann. Im Gegensatz zu Volker Pispers kritisiert er zwar Pegida, entschuldigt diese aber im selben Atemzug durch die wahren Schuldigen, die Politik, die angeblich ausschließlich zugunsten des freien Marktes handelt. So erklärt er die extreme Wut der Pegida für berechtigt und sagt damit indirekt aus, dass ein Lynchmob legitim sei, solange er nicht Flüchtlinge, sondern „Eliten“ träfe. [1] Die Ähnlichkeiten zu den Aussagen Wojna’s von der Truther-Band „die Bandbreite“ sticht dabei ins Auge. [2] Die klassischen Aussagen der Querfront sind dabei bei beiden vorhanden, zuerst wird die rassistische Position des rechten Blocks kritisiert, im Nachhinein aber wieder entschuldigt. Man möchte die „wahren Schuldigen“ präsentieren und so die Wut und den Hass nicht ausbremsen, sondern umlenken.

Die typischen Merkmale des Antiamerikanismus treten bei einem Auftritt in der Sendung „die Anstalt“ zutage, die von Claus von Wagner und Max Uthoff geleitet wird. Uthoff stellt dabei den Amerikaner dar, mit äußerst stereotypen Eigenschaften wie Kriegsgeilheit, Naivität, Dummheit, Gier, Hinterhältigkeit und Arroganz. [3] Mit einer Tafel versuchen sie, die Konflikte des Nahen Ostens zu erklären und beginnen mit dem Sturz Mossadeghs, wohl in der irrigen Ansicht, davor wäre die Region friedlich gewesen. Die Darstellung wirkt dabei so, als hätten die USA (und Großbritannien) nicht mit Diplomatie versucht, die Krise der Verstaatlichung eines britischen (!!) Konzerns durch den Iran zu lösen, sondern als wäre Mossadegh von einem Tag auf den anderen aus dem Amt geputscht worden. De facto hatte Mossadegh aber ohne international rechtliche Legitimation einen britischen Konzern verstaatlicht, die britischen Arbeiter des Landes verwiesen und begonnen, dass britische Öl zu verkaufen und darüber hinaus mehrere Einigungsangebote seitens der USA und Großbritanniens ohne Gespräche abzulehnen. [4]

Weiter behaupten sie, Mossadegh sei wegen des Öls weggeputscht worden. Da allerdings der Schah von Persien, der laut der Anstalt zum Zwecke des Erhaltens des Öls eingesetzt wurde, die Politik Mossadeghs fortführte und die AIOC letztlich auch verstaatlichte, allerdings in diplomatischer Absprache mit den Besitzern, ist diese VT nicht schlüssig, was weder Claus von Wagner, noch Max Uthoff zu stören scheint. [5]

Nun folgt die Behauptung, die USA hätten Saddam aufgerüstet, um die iranischen Islamisten zu bekämpfen. Eine Behauptung, die immer wieder geäußert wird, auch wenn sie sich angesichts der Fakten kaum halten lässt. Die USA haben an den Irak zwar Technologie geliefert, allerdings handelte es sich dabei um zivile Hubschrauber. Die meisten Exporte gingen definitiv von der Sowjetunion und Frankreich aus. [6] [7]

Auch im weiteren Verlauf werden häufig halbwahre Verschwörungstheorien geäußert, die es letztlich schaffen, dass Chaos im Nahen Osten auf den Einfluss der USA zu reduzieren. Das Denkmuster ist klar, die Vereinigten Staaten sind eine verdorbene Macht, die nach Geld und Profit strebt, dabei aber Methoden verwendet, die skrupellos und hinterhältig sind. Das ein kapitalistischer Staat des Öfteren so agieren muss ist zwar nichts Besonderes, dennoch tun die beiden Anstaltsleiter so, als wäre dieses Verhalten auf die USA beschränkt.

Claus von Wagner ist darüber hinaus ein Kritiker der verdorbenen Eliten. Seine Kapitalismuskritik ist eine ausschließliche Kritik am Finanzkapital. [8] Nicht zuletzt deswegen genießt die Anstalt hohe Resonanz in ausgewiesenen und auch expliziten Querfront-Projekten wie der Rönsch-Seite „Anonymous.“ [9] In seinem Bühnenprogramm „Theorie der feinen Menschen“ stellt er reiche Menschen als verdorbende, abgehobene, skrupellose und selbstverliebte Egoisten dar, die Rentner und Arme berauben. In seiner Funktion als Dekadenzkritiker macht er sich dabei gemein mit den antiindividualistischen Vorstellungen der neuen Rechten und ist mit seiner Verachtung des Intellektuellen und Elitären ebenso Pegida-kompatibel. Seine Vorstellungen des guten Armen und des bösen Reichen ist manichäisches Denken und strukturell antisemitisch, da jeder Vorgang der Ausbeutung auf das Internationale projeziert wird und so klare Kategorien geschaffen werden können.

 

[1] https://www.youtube.com/watch?v=IFAtCecCZcY

[2] https://www.youtube.com/watch?v=6IP8-l6gPZc

[3] https://www.youtube.com/watch?v=Uex0TJRB9Hg

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Zeittafel_zur_Verstaatlichung_der_iranischen_Ölindustrie#Premierminister_Mohammad_Mossadegh

[5] http://www.zeit.de/1972/33/teures-vergnuegen-mit-dem-schah

[6] http://armstrade.sipri.org/armstrade/page/values.php#

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg#Liste_der_Waffenverk.C3.A4ufe_an_den_Irak

[8] https://www.youtube.com/watch?v=1fF8kX0UT_I

[9] https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/videos/915776648468796/

Antizionismus und Antisemitismus

Häufig wird die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus kritisiert und auf den ersten Blick kann man sich wirklich fragen, weswegen eine Gleichheit bestehen sollte. In diesem Text möchte ich zwei Fragen beantworten, die sich ähneln. 1) Warum Antizionismus auch ohne Verwandtschaft zum Antisemitismus falsch ist. 2) Warum man beide Ideologien sehr wohl gleichsetzen kann.

1) Fasst man die Fakten zusammen, so ist Israel der einzige Staat, in dem Juden und Jüdinnen keine Verfolgung fürchten müssen und eine Schutzgarantie als Mehrheit haben, der einzige demokratische Rechtsstaat und der permanenten Bedrohung durch die arabische Liga ausgesetzt. Die Kriegshandlungen begannen mit dem Angriff der muslimischen Verbündeten (genauer Irak, Syrien, Libanon, Jordanien und Ägypten) auf den neu gegründeten Staat Israel. Der Zionismus ist die Ideologie des jüdischen Rechts auf einen eigenen Schutzraum, der als Lehre aus der Geschichte der jahrhundertelangen Judenverfolgung nötig wurde. Ein Antizionist ist also ein Mensch, der den Juden das Recht auf diesen Schutz vorenthalten möchte. Man könnte nun fragen, womit diese Ansicht begründet würde.

Also leugnet man also den Nutzen eines jüdischen Staates. Doch allein die Tatsache, dass seit der Existenz Israels keine weitere antisemitische Massenverfolgungen auftraten und Versuche der Holocaustwiederholung durch arabisch-islamistische Organisationen durch das israelische Militär verhindert wurden widerlegt dieses Argument. In den zwei verlinkten Artikeln wird einerseits die neue Bedrohung Israels sowie die rechtliche Legitimierung seiner Selbstverteidigung erläutert, in dem anderen zeigt sich, dass bislang kein Jahrhundert ohne Antisemitismus und Judenverfolgung verging, die Annahme einer gesellschaftlichen Integration aller Juden also vorerst illusionär bleibt. [1] [2]

Wenn man den Nutzen anerkennt, muss also daraus folgen, dass das Leid, das aus der Existenz Israels erwächst, größer als der Nutzen ist. Ergo folgt daraus eine Gleichsetzung der Situation der Palästinenser mit dem Holocaust und darüber hinaus die Fehleinschätzung, die Situation der Palästinenser sei in erster Linie auf Israel zurückzuführen. Beide Vorwürfe können angesichts der Faktenlage nicht aufrechterhalten werden, denn die Palästinenser erhalten internationale Hilfen, hatten schon mehrfach die Möglichkeit zur Gründung eines eigenen Staates und brachen selbst Friedensverhandlungen ab. [3] [4]

Antizionismus muss also eine andere Grundlage haben als die logischer Schlüsse aus objektiv richtiger Faktenlage. Damit wären wir beim zweiten Punkt, was Antizionismus mit Antisemitismus gemein hat:

2) Antizionismus richtet sich als solcher gegen einen einzigen Staat, der grob gesagt die (im Vergleich zu anderen Staaten besonderen) Eigenschaften, ein Jüdischer zu sein, künstlich und vor allem mit einem Ziel geschaffen zu sein. Israel wurde nicht gegründet, um Machtansprüche zu sichern, sondern um das Überleben der Juden zu garantieren. Da Antizionismus sich ausschließlich gegen diesen Staat richtet, muss es an einer dieser abweichenden Eigenschaften wirken. Ist die Begründung die jüdische Prägung, so muss der Antisemitismus nicht mehr hergeleitet werden, sondern er ist offenkundig. Ist es dagegen die künstliche Schaffung, dann ist man offenkundig Anhänger der Theorie, der Staat sei mehr als ein konstruierter Verwaltungsapparat, sondern er entstehe organisch. Nur folgt aus der Ansicht eines staatlichen Wesens logischerweise auch die Möglichkeit, als wachsendes Wesen zu erkranken und man muss trennen zwischen dem Gesunden und Kranken in der Gesellschaft. Also setzt diese Ablehnung des Zionismus voraus, dass man in völkischen Kategorien denkt und eine Volksgemeinschaft zugrunde legt. Die Volksgemeinschaft ist die homogenisierte Menge aller Individuen, die ihr Selbst aufgeben um für das große Ganze zu sein, Abweichungen, Aufklärung, kritisches Denken, all das ist nicht mehr erwünscht. So folgt aus der Volksgemeinschaft die Xenophobie und die Ablehnung von Eliten als verderbend.

Diese Kausalkette ist zugegebenermaßen lang und mag darum abwegig erscheinen, doch sind die Folgerungen logisch. Kurz zusammengefasst ist der offenkundige Zusammenhang auch schneller zu begreifen.

  1. Die Ablehnung erfolgt aus der „Künstlichkeit“ des Staates Israel.
  2. Ergo müssen die anderen Staaten „organisch“ sein und bilden mehr als eine konstruierte Hierarchie, also ein einheitliches Wesen, dass irgendwie zusammen gehört, geeinigt durch Kultur und Tradition.
  3. Ergo ist diese Gesellschaft als ein Einziges zu fassen. Jedes Individuum dient als Schraube im Gewinde, hat seine eigene Funktion ohne dabei ein Selbst zu haben.
  4. Als Resultat muss es aber auch Gruppen geben, die dem Ideal der Homogenität nicht entsprechen, da das Weltbild des Völkischen auf Kategorien beruht, die die Welt in einfachere Schubladen verteilt. Diese Gruppen werden als schädlich für den Volkskörper empfunden.
  5. Im Allgemeinen ist dieses Denken strukturell antisemitisch, da von Lenkungen und gezielten Angriffen auf die völkische Gemeinschaft ausgegangen wird.
  6. Im Falle des Antizionismus bezieht es sich dabei auf einen „störenden Fremdkörper,“ der jüdisch ist. Struktureller Antisemitismus bedeutet, gleiche Denkmuster wie der Antisemitismus zu bedienen. Beziehen diese Muster sich auf Juden, ist es natürlich nicht mehr nur strukturell, sondern vollkommen ausgeprägter Judenhass.

 

[1] http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/israels-selbstverteidigungsrecht-option-praeventivschlag-11712357.html

[2] http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37951/von-der-antike-bis-zur-neuzeit?p=0

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Palästinensisches_Flüchtlingsproblem

[4] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/RegionaleSchwerpunkte/NaherMittlererOsten/IsraelPalaestinensischeGebiete/geschichte-des-nofp_node.html

Der kabarettistische Aluhut 1

Im hiesigen Kabarett lässt leider nicht erst seit gestern eine Tendenz zum Verschwörungstheoretischen erkennen. Auch sind es nicht nur die Newcomer, die reaktionären Wind in die Angelegenheit bringen, auch alte und mittlerweile sich im Ruhestand befindende Kleinkünstler verließen sich auf antiwestliche Argumentationsstrukturen. Über einige Zeit werde ich einzelne bekannte Künstler analysieren.

Volker Pispers

Volker Pispers ist für seinen Antiamerikanismus bekannt, seine Zuhörerschaft kann, zumindest nach den Kommentaren unter Youtube-Videos zu schließen, größtenteils der Querfront, zugeordnet werden. Für seine Analyse beziehe ich mich weitestgehend auf die aktuellste Version seines Dauerprogramms „Bis neulich,“die vermutlich auch die Letzte sein wird. [1]

Schon nach weniger als 2 Minuten macht er sich über die Berichterstattung zum Thema Flüchtlinge lustig und behauptet, diese wäre eine Nebelkerze, wie zuvor die verschiedenen Grippepandemien. Zwar soll nicht bestritten werden, dass diese hysterisch war, doch Pispers leitet diese Kritik mit einigen Sätzen ein, die all das in einem anderen Licht erscheinen lassen:

„Unsere Medien sind dazu da, um uns zu beschäftigen. Der Deutsche regt sich wirklich gerne auf, aber diese Aufregung muss in Bahnen gelenkt werden. Wir sollen uns nicht über das aufregen, wo man was ändern könnte. Wir sollen uns auch nicht über Dinge aufregen, bei denen man etwas ändern müsste, wir sollen uns über Dinge aufregen, bei denen man gar nichts machen kann.“ (aus dem verlinkten Programm)

Pispers legt also eine mediale Verschwörung nahe, eine Lenkung der Presse durch staatliche und ökonomische Interessen. Um die zu erwartende Kritik vorwegzunehmen, es ist klar, dass Unternehmen und Staaten auf Berichterstattung Einfluss nehmen wollen, doch Einflussnahme und Lenkung sind qualitativ unterschiedliche Dinge. Wenn Pispers nun behauptet, die Medien hätten einzig den Zweck, uns zu beschäftigen, dann müsste er auch erklären können, wieso Unternehmen des Marktes, die im Wettbewerb stehen, auf populistische Schlagzeilen gegen die Regierung verzichten sollten, wenn diese reißenden Absatz versprechen.

Pispers verzichtet aber im Gegensatz zu vielen Querfront-Linken wie Sahra Wagenknecht nicht auf scharfe Kritik an rassistischen Bewegungen und argumentiert klar für eine Flüchtlingsaufnahme. Zwar scheint bei ihm die klassische Fehleinschätzung durch, die Flüchtlinge gingen einzig und allein auf das Konto gieriger Westkonzerne, dennoch muss man ihm diese „mangelnde Kooperation“ mit den rechten Amerika-Feinden zugute halten.

In einem anderen aktuellen Beitrag „analysiert“ Pispers den Ukrainekonflikt. [2]

„Keiner kann verstehen, warum Moskau im Osten der Ukraine Separatisten unterstützt, anstatt beim Aufbau eines schönen NATO-Stützpunktes mitzuhelfen. Wann hat es das jemals gegeben, dass ein Land in einem Anderen Verbrecherbanden derart unterstützt? Ich erinnere mich dunkel, dass die USA in Afghanistan die Taliban unterstützt haben im Kampf gegen die Russen.“ (Volker Pispers bei 3Sat,  Teilweise im Wortlaut verändert, inhaltlich gleich)

Jeder, der sich einigermaßen mit dem Konflikt beschäftigt hat weiß, dass sich hier mehrere glatte Lügen hintereinander gereiht befinden.

  1. Die Ukraine sollte nicht in die NATO aufgenommen werden, ihr Aufnahmeantrag wurde 2008 abgelehnt. [3]
  2. Die Russen haben selbst begonnen, auf der Krim Atomwaffen zu stationieren und Truppenstützpunkte aufzubauen. Dieses Verhalten deutet nicht auf Passivität hin. [4]
  3. Die USA haben die Taliban nicht unterstützt, die Unterstützung an die Mudschaheddin endete schon lange vor Gründung der Taliban. Außerdem ist die Gleichsetzung wieder einmal eine perfide Realitätsverdrehung, da Russland die Ukraine aktiv angreift und zu diesem Zweck auch innerukrainische Organisationen unterstützt, die USA aber innerafghanische Gruppen GEGEN einen aktiven Angreifer unterstützten. [5] (Sehr empfehlenswert ist dabei der verlinkte Verriss von Torsten Heinrich zu Pispers Thesen)

Die Tatsache, dass ein Teil eines solchen Vortrags ursprünglich von dem gesperrten rechtsextremen Kanal „Russland+Deutschland“ hochgeladen wurde zeigt aber, dass das Denken Pispers sehr wohl Querfront-kompatibel ist. [6] Wie im erstgenannten Zitat auffällt ist sein gedankliches Muster strukturell dem verschwörungstheoretischen gleich, es basiert auf dem human-bezogenen Narzissmus, also einer Reduktion jedes Vorgangs auf menschlichen oder zumindest intelligenten Eingriff. Darüber hinaus sind auch bei ihm die Kategorien ausgeprägt und es existieren klare Täter- und Opfer-Begriffe. Allerdings ist er ideologisch gesehen trotz diverser Überschneidungen NICHT der Querfront zuzuordnen, da seine Kritik an Pegida/AfD und rassistischer Propaganda im Allgemeinen nicht zahmer ausfällt als die an den USA. Pispers ist an keinem strategischen Bündnis mit der Ultra-Rechten interessiert.

Ideologisch kann man ihn wohl dem emanzipatorischeren Flügel der Alt-Linken und Antiimperialisten zuordnen. Seine Unterstützung für Putin geht nicht so weit, seine Innenpolitik zu verharmlosen, ebenso wenig blendet er islamischen Faschismus als Gefahr aus. Dennoch ist er antiamerikanisch, vertritt Verschwörungstheorien zur US-Intervention im Irak und vergleicht Israels Siedlungen mit der Annexion Tibets durch China. Die iranische Atombombe verharmlost er, weißt dabei aber auf die unrühmliche Rolle des Westens hin und verbindet das ganze zu einer Kritik am Handel mit Unrechtsregimen. [7] Schlussendlich kann man sagen, dass Pispers durchaus emanzipatorische Ansätze hat, diese aber regelmäßig selbst über den Haufen wirft und zugunsten eines populistisch-manichäischen Weltbildes aufgibt.

[1] https://www.youtube.com/watch?v=WqW0sfm0Dbg

[2] https://www.youtube.com/watch?v=YEd5zN-mYzY

[3] http://www.nato.diplo.de/Vertretung/nato/de/06/Gipfelerklaerungen/GipfelerklBukarest__Seite.html

[4] http://www.n-tv.de/politik/Nato-besorgt-ueber-Truppenaufmarsch-article14043536.html

[5] http://torstenh.de/volker-pispers-ist-ein-ekelhafter-antiwestlicher-propagandist/

[6] https://www.youtube.com/watch?v=dLaFjKqrcDk

[7] https://www.youtube.com/watch?v=ff_LjQJwGlg

Logische Argumentationsfehler 4

Wahre Verschwörungstheorien: Die Aussage, viele Verschwörungstheorien hätten sich bewahrheitet ist häufig anzutreffen und scheint auf den ersten Blick auch schwer angreifbar zu sein. Doch sie enthält gleich mehrere Fehler, die diese Aussage als eine Art Strohmann entlarven. Der erste Fehler ist die Annahme, durch die Richtigkeit ähnlicher Theorien muss die Eigene richtig sein, der Zweite ist der Fehler, Denkbares müsse auch existent sein und der Dritte besteht darin, Dinge als VT zu bezeichnen, die so nie klassifiziert wurden.

1.1 Aus dem NSA-Skandal schlossen viele, dass Deutschland in der Tat von den Amerikanern besetzt sein müsse, wenn diese schon tun könnten, was sie wollen (zumindest war das die Behauptung). So wurde aus der Tatsache der Überwachung geschlossen, dass damit die Rechtsgrundlage des Verbotes nichtig sei. Der Denkfehler liegt dabei auf der Hand, wenn es nicht verboten gewesen wäre, wäre es auch kein Skandal. Keiner würde aus der Tatsache, dass es Mörder gibt schließen, dass Mord erlaubt sei.

1.2 In der Debatte um Chemtrails wurden häufig Wetterflieger erwähnt, die Silberjodid versprühen, um Wolkentransformationen aufzulösen. Die Logik hinter dem Gedankengang verlief dabei so:

  1. Silberjodid beschleunigt das Abregnen von Wolken, ergo
  2. wird es angewandt, ergo
  3. hat es durch die Anwendung einen tieferen Sinn.

Zuerst wird aus der Möglichkeit geschlossen, dass diese Möglichkeit Anwendung finden und dann im Rückschluss, dass die nicht bewiesene Anwendung einen Grund haben muss. Also liegt der Fehler hier klar daran, dass Kausalketten vertauscht werden.

1.3 Häufig wird behauptet, die Theorie, die Erde wäre keine Scheibe gewesen (Im Mittelalter vertrat so gut wie niemand die Theorie der flachen Erde), sei auch eine VT gewesen und somit wären Chemtrails genauso wahrscheinlich wie eine runde Erde. Um dieses Argument zu widerlegen reicht es, einen Teil der Wikipedia-Definition zu zitieren:

„Prinzipiell unterschieden werden Verschwörungshypothesen, die im Grundsatz rationale und überprüfbare Aussagen über angenommene Verschwörungen machen, und Verschwörungsideologien, die ihre stereotypen und monokausalen Vorstellungen über Verschwörungen gegen kritische Revision immunisieren.“ [1]

Der Punkt ist, dass Menschen wie Kopernikus, der „Erfinder“ des heliozentrischen Weltbildes, ihre Annahmen zur Debatte stellten, falsifizierbare Aussagen trafen und damit auch Theorien im wissenschaftlichen Sinne aufbauten. Bei VT’s ist es aber häufig argumentativ schon angelegt, dass jedes Vorkommnis im Sinne der VT interpretiert werden kann. Wenn man aber sowohl mit einem Ereignis als auch mit dessen Gegenteil zum selben Ergebnis kommt, dann ist die Formel unbrauchbar.

 

Beweis das Gegenteil: Eine sehr beliebte Taktik ist die Umkehrung der Beweispflicht. [2] Unter VTr ist diese sehr beliebt und man macht sich die Tatsache zu Nutze, dass die Widerlegung nach wissenschaftlichen Kriterien länger dauert, als das Aufstellen einer These. Logisch betrachtet muss aber die Hinzunahme einer Erklärung erst bewiesen werden, bevor sie angewandt wird. Selbst Spekulationen müssen aufgrund von Fakten getroffen werden und sind nur dann diskutierbar. Wenn es aber andersrum ist und die logischen Schlüsse auf einer reinen Spekulation aufbauen, deren Basis selbst nur schwammig bleibt oder gar nicht existiert, dann handelt es sich um einen typischen Argumentationsfehler.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Verschwörungstheorie

[2] http://www.ratioblog.de/entry/beweis-mir-doch-mal-das-gegenteil-oder-die-bequeme-umkehrung-der-beweislast

Christian Anders – Psychogramm eines Allwissenden

Christian Anders habe ich schon des Öfteren als Paradebeispiel des selbsternannten Generalspezialisten verwendet, der sich in jedes Thema einmischt und dort in Selbstdarstellerei verfällt.

Er wurde am 15.Januar 1945 in Bruck an der Mur (Österreich) geboren, zog früh mit seinen Eltern nach Italien, wo er bis zu seinem zehnten Lebensjahr in einer Klosterschule unterrichtet wurde. Als er 10 war, zogen sie wieder um, in ein Asylheim bei Offenbach am Main, wo er seine mittlere Reife und eine Ausbildung zum Elektroinstallateur machte. [1]

Nach der Jungle World begann er ungefähr in der Mitte der 80er mit der Verbreitung esoterischer Inhalte, nachdem er den Namen Lanoo angenommen hat (aus dem Sanskrit = Schüler) und keine weiteren Hits mehr landen konnte. [2] So verbreitete er die Theorie der Impflüge, bezeichnete die Relativitätstheorie als Lüge, die aufgrund der jüdischen Herkunft Einsteins bekannt wurde und veröffentlichte das Lied „Der Hai,“ in dem offen antisemitische Vorurteile verbreitet wurden, unter anderem Anspielungen auf die Protokolle der Weisen von Zion, die antisemitische Hetzschrift, die trotz mehrfacher Widerlegungen weiterhin als zentrales Werk in antisemitischen Kreisen kursiert. [3] [4] [5]

Da ich bereits dargelegt habe, wie ich die Psyche des Verschwörungstheoretikers einordne und die Gruppierungen in Propheten und Akusmatiker eingeteilt habe (es bleibt nach wie vor Spekulation), soll an Christian Anders aufgezeigt werden, wie die Psyche eines Propheten genauer aufgebaut ist.

Christian Anders kam, wie erwähnt aus ärmlichen Verhältnissen (wie andere VTr aus dem musikalischen Bereich auch, so z.B. Kollegah und Xavier Naidoo). Mit seinem schnellen Aufstieg kann man auch eine Explosion des Selbstwertgefühls annehmen, wie es meistens auftritt, wenn Personen schnell zu Geld und Ruhm kommen, ohne damit umgehen zu können. So blieb er lange im Mittelpunkt des Interesses, bis er nach „es fährt ein Zug nach nirgendwo“ plötzlich in der Versenkung verschwand und keine neuen Hits platzieren konnte. Dass die esoterische Kehrtwende hiermit zusammenfällt ist wahrscheinlich kein Zufall. Eine massive Kränkung des Egos, das sich narzisstisch zusammensetzt, hat nicht die Folge kritischer Selbstreflexion, sondern führt immer zu einer Schuldauslagerung, die an konkreten Personen festgemacht werden muss. Hier greift der humano-zentrische Narzissmus, der verhindert, die Schuld am Zufall oder widrigen Umständen festzumachen. Diese Grundansicht ist darum zentral, um sich in die deterministische Parallelwelt flüchten zu können. Als nächstes greift der selbstbezogene Narzissmus (der bei den Propheten den größten Teil ausmacht), der sich selbst erhöht und die eigene Bedeutung, also einen Willen ausmachen muss hinter dem eigenen Misserfolg. Wer daraufhin als Fan diese Kehrtwende mitmacht, wird in das eigene narzisstische Schalenempfinden eingebunden.

Die Entwicklung verlief also vermutlich so:

  1. Kränkung des selbstbezogenen Narzissmus durch Misserfolge.
  2. Humano-zentrischer Narzissmus verhindert den Aufbau rationaler Erklärungen.
  3. Suche nach einem Ersatzstimulanten des Selbstwertgefühls. (Erhöhung und Witterung einer Verschwörung gegen die eigene Person, was in der Wichtigkeit bestätigt) Die Allwissenheit wird zur neuen narzisstischen „Droge.“
  4. Einbindung „treuer Fans“ in den selbstbezogenen Narzissmus, was die Herausbildung des kollektiven Narzissmus befördert. Die Entstehung erster Grundzüge einer Sekte gehen auf die Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Selbsterhöhungen zurück.

Nun fällt Anders durch eine sehr starke Internetpräsenz auf, was als weitere Bestätigung des in erster Linie selbstdarstellerischen Nutzens der Theorien gelten kann. In Interviews betont er regelmäßig die Bestätigung durch ranghohe Akademiker und tut sich als Generalspezialist zu biologischen, physikalischen, ökonomischen und medizinischen Themen hervor. All das deutet auf narzisstische Selbstüberschätzung hin, die sich aber in Form einer Sucht selbst immer weiter aus sich selbst heraus reproduziert. Durch die Bestätigung „Erleuchteter“ wird einerseits jeder kritische Einwand hinweggefegt und andererseits entsteht an Bedürfnis nach dieser Form der Bestätigung. Die Rolle des Propheten, in die Anders definitiv gerutscht ist, ist eine Rolle, die sich in sektenähnlichen Bahnen bewegt, für den Inhaber eine Parallelwirklichkeit aufbaut und schizophrene Züge annimmt. Diese Züge einer Aufspaltung bemerkt man z.B. häufig an Reichsbürgern, die Gegner vor BRD-Gerichten verklagen, oder eben bei Christian Anders, der die Medizin durchweg verdammt und Ärzte als „Kinderschänder“ bezeichnet, deren Lob aber als Bestätigung für seine Thesen annimmt. Der selbstbezogene und der kollektive Narzissmus ist an sich diametral, da Ersterer Bestätigung annimmt, egal von wem, der Kollektive sich aber ausschließlich auf Teile des Eigenen berufen kann. Konsequenz ist, dass ein klares Feindbild, ein „Für uns“/“Gegen uns“ entsteht, dass so schnell in die Gemeinschaft ausnehmen wie ausschließen kann.

Fazit wäre also, dass Christian Anders, stellvertretend für andere, eine schizophrene Psyche hat, die durch Oszillation zwischen verschiedenen Narzissmussphären entsteht. Es handelt sich hier nach wie vor um Spekulation aus induktiven Schlüssen.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Anders

[2] http://jungle-world.com/artikel/2002/51/22678.html

[3] https://www.psiram.com/ge/index.php/Christian_Anders

[4] http://www.diebewegung.com/?p=2507

[5] https://www.youtube.com/watch?v=rhQIIarTcpQ