Logische Argumentationsfehler 2

Da die derzeitige Debatte auf die Emotionen der Diskutant*innen abzielt, ist es nicht untypisch, neben den bereits genannten Fehlern noch andere Muster zu verwenden, die logisch klingen, aber nicht logisch sind.

  1. Scheinkorrelationen. So weisen Impfkritiker darauf hin, dass die großen Seuchen zeitgleich mit den Impfungen zurückgingen. Also folgern sie, je weniger Menschen impfen, desto weniger von ihnen erkranken, ergo sind Impfungen schädlich. [1] Im genannten Link weisen sie sogar noch auf die Problematik von Scheinkorrelationen hin, ohne zu merken, dass sie gerade auf eine hereinfallen. Denn Scheinkorrelationen sind Werte, die sich proportional verändern, obwohl es keinen logischen Zusammenhang zwischen ihnen gibt. So werden in den Regionen mit vielen Störchen mehr Kinder geboren. Der Zusammenhang ist dabei aber ein dritter Parameter, nämlich die ländliche Region. Auf dem Land ist die Geburtenrate höher und dort leben wegen der besseren Bedingungen auch mehr Störche. [2] Die Impfungen wurden nur deswegen weniger, weil auch die Krankheit zurückgedrängt wurde.
  2. Kausalitätsverdrehungen. Dieser Punkt ist ähnlich dem Ersten, aber nicht ganz identisch. Im Bezug auf den Angriff auf die Krim wiesen viele pro-russische Aktivist*innen auf die Unterstützung der USA für die Maidan-Proteste hin und drehten somit die Kausalitäten einfach um. So wurde die Unterstützung nicht als Hilfe gegen die russische Aggression gewertet, sondern als amerikanische Aggression, gegen die Putin und Russland sich wehren mussten.
  3. Persönliche Erfahrung. Auch Base-Rate-neglect oder Prävalenzfehler genannt. Die persönliche Erfahrung wird über die statistische Häufigkeit gesetzt. So kommt es häufig vor, dass Antifeministinnen als Argument gegen Frauenquoten ihre eigene Freude am „Mutter-Sein“ verwenden oder berichten, nur Frauen zu kennen, die keine Karriere machen wollen. Das Argument der Erfahrung ist dabei schon alleine darum falsch, weil jeder Mensch sich vor allem in Kontexten bewegt, die dem eigenen Naturell entsprechen.
  4. Argument der Natürlichkeit. Wer den Gegensatz von „Natur“ und „Technik“ schafft, der leugnet damit den natürlichen Ursprung des Menschen und damit auch, dass prinzipiell alles, was existent ist gleichzeitig auch natürlich sein muss. Dieses Argument muss also, konsequent zu Ende gedacht, einen Einschnitt in die Evolution voraussetzen, an dem der Mensch seine Natürlichkeit verloren hat und dadurch auch metaphysische Existenzen annehmen. Diese Personen können aber dadurch auch keine naturalistischen Argumente anwenden, da diese ihr eigenes Weltbild implizit widerlegen würden.

 

[1] http://www.impfkritik.de/rueckgang-der-seuchen/

[2] http://www.statistik-und-beratung.de/2013/05/von-storchen-und-babys-die-partielle-korrelation/

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