Logische Argumentationsfehler

Aufgrund langjähriger Diskussionserfahrungen mit Verschwörungstheoretikern soll hier eine kleine Zusammenfassung logischer Fehler zusammengetragen werden. Diese Fehler haben ein großes Potential, weil sie auf den ersten Blick logisch klingen, bei genauer Betrachtung erscheinen sie aber wenig stringent oder sogar als Gegenbeweis:

  1. Whataboutism: Whataboutism ist kein direkter logischer Fehler, sondern vielmehr einfach überhaupt kein Argument. So verweisen pro-russisch eingestellte Mitdiskutant*innen häufig auf die Fehler der USA, wenn die Fehler russischer Politik angeklagt werden. Damit soll einerseits impliziert werden, dass beide Parteien gleichwertig seien, andererseits, dass Russlandkritik prinzipiell dadurch falsch wäre, dass andere genauso schlimme Dinge tun. Der größte Fehler ist dabei der Grundgedanke, ähnliche Taten anderer würden die russischen (in diesem Fall) relativieren oder aufheben. Das das nicht der Fall ist, kann man an einem kleinen Beispiel verdeutlichen: Wenn ein Mörder drei Kinder ermordet hätte und ein anderer 5, käme dann auch nur ein Einziger auf die Idee, dem Ersteren eine Generalamnestie auszustellen? Vermutlich niemand.
  2. Cui Bono: Es ist stets die erste Frage, wenn etwas passiert. „Wer profitiert davon?“ Schon allein aufgrund der Tatsache, dass in der Politik selten nur eine einzige Partei Nutzen aus Geschehnissen ziehen kann, ist diese Fragestellung falsch. So kann man z.B. beim 11. September leicht sagen, die USA haben davon profitiert, ergo sind sie auch schuld. Viele glauben die Erklärung. Doch etwas weiter gedacht muss man sagen, dieser Gedanke ist zu kurz. Nicht nur die USA haben davon „profitiert“ (ob überhaupt ist fraglich), sondern auch Saudi-Arabien, dass das Baath-Regime entfernen wollte, ebenso Kuwait, der Iran, der internationale Terrorismus selbst, Russland, im Nachhinein der IS, Russland usw. Nun können allerdings nicht alle dafür verantwortlich sein, weil die Interessen der einzelnen Parteien teilweise konträr entgegengesetzt sind. Das Cui-Bono-Argument wird komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen nicht gerecht.
  3. Argumente ad personam: Die Anschuldigung (meist gegen Journalist*innen), sie wären gekauft, ist keines, weil es die genannten Fakten ja nicht falscher macht. Wenn ich bezahlt würde um Fakten zu verbreiten, die vollkommen richtig sind, wird die Meinung ja nicht dadurch falscher, dass ich sie selbst nicht teile. Auch der Vorwurf, ein Jude würde Israel nur verteidigen, weil er eben Jude ist, macht seine Meinung und seine genannten Realitäten dadurch nicht unglaubwürdiger oder falscher. Sie entspringen einfach einem persönlichen Interesse.
  4. Aufrechnen von Todeszahlen: Wer z.B. im Israel-„Palästina“-Konflikt die Todeszahlen von palästinensischen Zivilist*innen gegen die israelischer aufrechnet, erweckt damit leicht den Anschein, Israel würde brutaler vorgehen. Dabei werden aber Kontexte vollkommen außer Acht gelassen. Israel unternimmt nämlich jede Anstrengung, seine Zivilist*innen zu schützen, während die Hamas die Ihrigen als Schutzschilde missbraucht. Dass angesichts dieser unterschiedlichen Vorgehensweise weitaus mehr palästinensische Todesopfer zu erwarten sind, lässt im Rückblick dann aber nicht mehr den Schluss zu, Israel würde brutaler vorgehen, sondern vielmehr das Gegenteil.
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