Die Kriegsparteien des Nahen Ostens

Die Überschrift mag anmaßend sein, weil es sich laut herrschender Meinung um einen sehr komplexen Konflikt handelt, den man gar nicht wirklich verstehen könne. Es geht hierbei nicht einmal nur um den israelisch-palästinensischen, sondern um sämtliche Konflikte in der Region. Denn im Kern kann man grob einige wenige Interessengruppen ausmachen:

  • Die Wahhabiten, die vor allem in Saudi-Arabien und Katar die Mehrheit der Muslime darstellen (Selbstbezeichnung „Salafis“). Sie stellen eine extrem konservative Variante des sunnitischen Islam dar und bekämpfen alle shiitischen, alawatischen oder säkularen Ausformungen der Religion, sowie natürlich auch Nicht-Muslime. Der IS legt die Grundideologie des Kalifats in deren Sinne aus und wurde darum lange durch Saudi-Arabien/Kuwait/Katar unterstützt. [1] [2] [3]
  • Die Shiiten und deren Verbündete. Shiitisch dominierte Staaten sind die islamische Republik Iran und der Restirak (von dem man wohl nicht mehr in einem anderen Terminus sprechen kann). Ebenso ist die Terrororganisation Hizbollah Anhänger der Shia, Assad ist darüber hinaus ein Verbündeter dieser Achse, trotz seiner säkular-alawitischen Autokratie. Obwohl der IS sein Regime bekämpfen sollte, herrscht zwischen dem Kalifat und Assad ein Zweckbündnis, dass sich in erster Linie gegen die Kurden und „moderate“ Rebellengruppen richtet. [4] [5] [6]
  • Die Türkei unter Erdogan. Erdogan verfolgt das Ziel eines groß-osmanischen Reiches und unterstützte darum lange Zeit den IS gegen die Kurden. Durch die Anschläge von IS-Militanten in der Türkei selbst wurde diese Hilfe auf Eis gelegt, bzw. minimiert. Erdogan bekämpft das Regime Assads und ist darum im Konflikt mit Russland, dass diesen unbedingt an der Macht behalten möchte. [7] [8] [9]
  • Das putinistische Russland. Russland möchte unbedingt Assad an der Macht behalten, um den eigenen Einfluss zu stärken, der nach dem Zerfall der Sowjetunion verloren ging. Darüber hinaus dient die russische Militärpräsenz VERMUTLICH auch der propagandistischen Außenwirkung als starker und hart durchgreifender Staat. [10]
  • Der demokratische und jüdische Staat Israel und die Kurden. Aufgrund der Unterstützung der Achse Iran-Restirak-Syrien für die Hizbollah fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe auf Syrien. Durch den IS und den Kampf der Hizbollah gegen diesen waren die meisten Milizen gegen Israel lange Zeit in anderen Konflikten gebunden, was für diesen Staat eine Ruhephase bedeutete. Durch eine Häufung radikal-palästinensischer Anschläge gegen jüdische Zivilist*innen und Soldat*innen trat nun aber eine Verschärfung der Innenpolitik in Kraft. Der Islamische Staat hat sich darüber hinaus im Gazastreifen festgesetzt und bedroht dort die Hamas durch noch radikalere antisemitische Forderungen. [11] [12] [13] [14]
  • Der „Westen.“ Darunter subsummiert man alles, was gerne von Freiheit redet, sie aber nicht verteidigen möchte. Deutschland, Frankreich und die kriegsmüden USA glänzten bislang vor allem mit Halbherzigkeit und häufig wechselnden Bündnispartnern. Die USA unterstützen wenigstens die Kurden und sind nach wie vor Schutzmacht Israels, dennoch ist in Obamas Außenpolitik das Trauma mehrerer verheerender Kriege leicht zu entdecken. [15]

Da es noch tausende kleinere Milizen und Fronten gibt, sollten diese hier erst einmal reichen, vor allem, weil es sich um die zentralen Lenker in diesen Konflikten handelt. Die Kurden und Israel stellen die demokratisch-liberalen Kräfte dar und sollten eigentlich für den Westen Priorität besitzen. Dieser steht aber weniger hinter den weltanschaulichen als den monetären Gründen und so bleibt die Unterstützung nur halbherzig. Im Moment gilt wohl für die meisten Parteien die Priorität, den Islamischen Staat zu besiegen, mit welchen Mitteln und Bündnissen ist dabei eher weniger wichtig. Zwar verweigerte sich Obama einer Zusammenarbeit mit Assad, was vernünftig ist, wie lange diese Vernunft aber anhalten wird ist noch unklar, man erinnere sich an andere Versprechen wie die rote Linie bei chemischen Waffen. [16] Frankreich dagegen sagte klar, dass eine Zukunft mit Assad für Syrien nicht möglich ist, schließt aber eine temporäre Zusammenarbeit nicht aus. [17]

Fakt ist, der Islamische Staat ist eine Gefahr für alle Nationen um ihn herum. Durch seine Benennung zum Kalifat hat er nämlich klar gemacht, dass er keine Herrscher neben sich dulden wird. Mit dieser Ernennung hat er sich Saudi-Arabien und andere Unterstützerstaaten zu Feinden gemacht, die auch prompt mit Verhaftungswellen gegen die islamistischen Zellen in ihren eigenen Ländern antworteten. [18] Doch trotz dieser Bedrohung für alle missbrauchen die umliegenden Länder den IS als Vollstrecker gegen die eigenen Gegner. Assad provozierte die Entstehung einer solchen Organisation bewusst, indem er die nicht-islamistischen Rebellen bombardierte, tausende Islamisten entließ und den IS bis heute nur halbherzig bekämpft. Somit ist auch klar, dass Assad und Russland als Urheber des Terrors NICHT seine Lösung sein können und eine Ablehnung von Interventionen an seiner Seite die erste Pflicht sein muss. Assad und IS dürfen keine Möglichkeit haben, Hegemone zu werden. Israel hat dagegen ein Interesse daran, dass über den Kampf gegen den IS nicht der Iran eine internationale Bedeutung erlangt und Teil der Koalition wird, da dieser antizionistische Fronten finanziert und Israel mehrfach mit der Vernichtung bedrohte.

Um es kurz zu machen: Die Türkei kämpft gegen die Kurden und Assad und ging dabei ein Zweckbündnis mit dem IS ein, welcher gegen Kurden, Israel, die westlichen Staaten, die Schiiten und nun auch die Golfstaaten kämpft. Die Golfstaaten unterstützten den IS lange, nach dessen offener Kriegserklärung gingen sie zum Gegenangriff über. Der Iran finanziert die Huthi-Rebellen im Jemen, um die wahhabitischen Staaten in Bedrängnis zu bringen und baut seinen Einfluss im Restirak weiter aus, während er den IS zurückdrängt. Assad ist mit dem Iran und Russland verbündet und bekämpft in erster Linie die Kurden, sowie halbherzig den islamischen Staat. Der Westen kann sich dabei nicht zu einer wirklichen Unterstützung der Kurden durchringen, bombardiert aber den IS, weigert sich dabei aber (noch) mit Putin und Assad zusammen zu arbeiten.

 

[1] http://www.zeit.de/2001/47/200147_wahabismus-kaste.xml

[2] http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/islamischer-staat-gotteskrieger-finanzierung-syrien-irak

[3] http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-terrorgruppe-isis-veroeffentlicht-regeln-fuer-menschen-in-mossul-a-974766.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Schia

[5] http://www.taz.de/!5022185/

[6] http://www.taz.de/!5049323/

[7] http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/tuerkei-wahl-recep-tayyip-erdogan

[8] http://www.spiegel.de/politik/ausland/anschlag-von-ankara-tuerkei-ermittelt-gegen-is-und-pkk-a-1057806.html

[9] https://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-syrien-105.html

[10] http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-verstaerkt-militaerhilfe-fuer-baschar-al-assad-a-1064935.html

[11] http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-israel-bombardiert-ziele-auf-den-golanhoehen-a-1049137.html

[12] http://www.n-tv.de/politik/Es-geht-nicht-um-Freundschaft-zu-Assad-article15296906.html

[13] http://www.welt.de/politik/ausland/article147157222/Die-dritte-Intifada-der-Palaestinenser-ist-laengst-da.html

[14] http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/28771/Default.aspx

[15] http://www.welt.de/debatte/kommentare/article144436294/Der-Westen-verraet-die-Kurden-fuer-den-IS.html

[16] http://www.welt.de/politik/ausland/article146936404/Zwischen-Obama-und-Putin-steht-Diktator-Assad.html

[17] http://www.n-tv.de/politik/Russen-wollen-Syriens-Gemaessigte-schonen-article16443336.html

[18] http://www.faz.net/aktuell/politik/mehr-als-400-kaempfer-verhaftet-is-verhaftungswelle-in-saudi-arabien-13710273.html

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