Der freundliche Populist

Xavier Naidoo, bekannt als mäßig begabter Sänger und für seine phantasie- und sinnfrei zusammengestückelten Texte, wurde als deutscher Vertreter für den ESC auserkoren und mittlerweile wieder ausgeladen. *1 *2 Dieser Text ist jetzt wohl eher rein polemisches Nachtreten und Schadenfreude als differenzierte Betrachtung, dennoch soll er eine Auseinandersetzung mit der Ideologie des Sängers sein. Zum Beginn erst einmal eine Reihung von Zitaten:

„Nicht nur Amerika. Auch Frankfurt ist Babylon, London und Tokio. Babylon ist überall. Aber Amerika und Tokio sind ganz oben auf der Abschußliste.“  – Naidoo im Interview mit Musik-Express, 1999 – *3

 

„Ich bin zum Beispiel kein großer Mathematiker, der all die Zahlen, die in der Bibel stehen, genau zusammenführen kann. Aber mich wundert es nicht, daß man herausgefunden hat daß das ganze Buch zahlenmäßig codiert ist. Alles, was ich daraus lesen kann, bestätigt mich in meinem Wissen, daß es kurz vor knapp ist.“ – Siehe Quelle *3 des vorigen Zitats –

 

„Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Grösse und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?“ -Songtext seines Liedes „Wo sind“ aus dem Album „gespaltene Persönlichkeit“ – *4

 

„Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer?
Wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

– Zitat aus dem bereits zitierten Lied, siehe Quelle *4 –

Das Naidoo sich damit schon früh (spätestens 1999, laut ihm selbst 1993) in religiös-fundamentalistischen Dunstkreisen bewegt hat, ist wohl unstrittig. Ein Zitat von Markus Steiger aus der ZEIT umreißt recht gut die Ideologie, die Naidoos Texte transportieren:

„Auch die hinlänglich aus besagtem Hidden Track zitierten Zeilen „Wo sind unsere starken Männer / Wo sind unsere Führer / Wo sind sie jetzt?“ können nicht wirklich überraschen, wenn man die Texte der beiden Künstler etwas aufmerksamer studiert hat. Durchweg huldigen sie einer gewissen Highlander-Romantik, einem völkischen Heroismus, in dem unentwegt einer aufsteht, einer sich erhebt, eine messianische Lichtgestalt, der Eine, der von der Vorsehung Auserwählte, der die Massen mitreißt und in die Schlacht führt und am Ende das Dunkle vernichtet.“ – Markus Steiger in dem Zeit-Artikel „Satan weiche“ *5-

Naidoo sehnt sich einen starken Herrscher herbei, der als reine und durchweg gute Figur gegen das Böse kämpft und es letztlich zerschmettert. Diese Darstellung und Idealvorstellung folgt dabei dem national-sozialistischen Ideal des reinen Ariers, wie es auch in der Kunst des dritten Reichs aufzufinden ist. In dieser war das zentrale Thema die Darstellung des naturverbundenen Familienstandes, eine Idealisierung des Bauern und darüber hinaus der Krieg, bzw. der Kampf gegen den „Feind,“ der dabei regelmäßig nicht als Akteur auftrat, sondern als undefiniertes „Dunkles.“ *6 Dieses „Dunkle“ sieht auch Naidoo und benennt das seiner Meinung nach „Böse“ auch, z.B. in seinem Lied „raus aus dem Reichstag.“ *7 Hier wirft er an verschiedenen Stellen den Politikern vor, von Krisen gewusst zu haben und einen tiefen Hass gegen das Volk zu hegen. (da es dazu keine schönen Zitate aus dem Lied gibt, die diese Aussage prägnant zusammenfasst, sollte man sich den Text als Ganzes durchlesen) Das Wort „Volksverräter“ wird somit geradezu explizit mitgeteilt. Seine Anzeige wegen Hochverrats gegen einige Politiker, darunter auch Horst Köhler, unterstreicht diesen Anspruch alleiniger Wahrheit und die absolute Selbstgerechtigkeit. *8 Sein Antisemitismus kommt in dem bereits genannten Lied ebenso vollkommen zur Geltung:

„Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken
Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken
Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel
Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel“ – Xavier Naidoo, raus aus dem Reichstag *9-

Auch wenn Naidoo aus christlich-fundamentalistischen Gründen ein Zionist sein muss, (die evangelikalen Bewegungen sind durch einen religiösen Zionismus geprägt, der in seiner reaktionären Form dem Klerikalfaschismus der Islamisten in nichts nachsteht) so ist seine Form der Kapitalismuskritik nichts anderes als struktureller, teilweise sogar offener Antisemitismus. Die Verschwörungstheorien um die Bankiersfamilie Rothschilds sind judenfeindlicher Natur, ebenso die Vorstellung, dass Banken im Allgemeinen einer naturbezogenen Freiheit im Wege stehen.

Da bereits viel über strukturellen Antisemitismus geschrieben wurde, soll hierbei nicht weiter darauf eingegangen ist. Nur sollte anhand des hier genannten klar gemacht werden, dass Naidoo kein Mensch ist, dem nur der Frieden am Herzen liegt. Er ist ein antistaatlicher Hetzer, der nicht zu Unrecht in die „rechte Ecke gestellt wurde.“

 

*1) https://www.eurovision.de/news/Nachrichten-zum-ESC,news129.html

*2) http://www.tagesschau.de/eilmeldung/eilmeldung-415.html

*3) http://www.musikexpress.de/xavier-naidoo-im-interview-ich-bin-ein-rassist-aber-ohne-ansehen-der-hautfarbe-150829/2/

*4) http://genius.com/Xavas-wo-sind-sie-jetzt-lyrics/

*5) http://www.zeit.de/kultur/musik/2012-11/xavier-naidoo-savas-homophobie/komplettansicht

*6) http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek/kunst/kunstgeschichte/biographien/nolde/nolde_und_nationalsozialismus/material/Kunst_im_Nationalsozialismus-1.pdf

*7) http://www.songtextemania.com/raus_aus_dem_reichstag_songtext_xavier_naidoo.html

*8) http://kurier.at/kult/xavier-naidoo-steigt-auf-die-barrikaden/715.318

*9) http://www.huffingtonpost.de/2014/10/16/xavier-naidoo-antisemitismus_n_5994710.html

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