Legalize it!

In Deutschland ist Cannabis nach wie vor illegal, ein niemals ermüdender Staatsapparat jagt harmlose Kiffer und setzt seinen angeblichen Erziehungsauftrag durch. Dieser Erziehungsauftrag wird aus dem Artikel 7 des Grundgesetzes *1) begründet, weil kein anderes Gesetz aus dem GG dem Staat derartig weitreichenden Eingriff in unsere Freiheit gibt. Es handelt sich hier um das Gesetz, dass im Wortlaut so klingt (Artikel 7, 1):

„Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“

Mehr Befugnisse hat der Staat im Kern nicht. Womit legitimiert man dann die Verfolgung von Menschen, welche nichts weiter verbrochen haben als den falschen Rauch zu inhalieren? Hier kommt der konservative Kulturpessimist und Schreihals ins Spiel. Cannabis sei gefährlich, wegen langfristiger Wirkungen auf die Psyche und als „Einstiegsdroge.“ Man könnte nun etwas süffisant darauf hinweisen, dass während der Alkoholprohibition in den USA Alkohol auch eine Einstiegsdroge war, seit der Legalisierung der Konsum von harten Drogen aber nicht nennenswert zunahm. Die wenigsten regelmäßigen Alkoholkonsumenten steigen auf harte Drogen um, obwohl dieser sogar als effektivere Einstiegsdroge gilt. Aber nehmen wir an, selbst wenn die Kriminalität ansteigen würde, alle Kiffer plötzlich Junkies würden und Massen sterben. Selbst dann hat der Staat kein Recht, einzugreifen. Weswegen darf ein Staat mir plötzlich vorschreiben, wie ich gesund zu leben habe oder was das richtige Leben ist? Das antifreiheitliche Lager fordert eine Durchsetzung des Rechts auf privater Ebene und damit einen Zustand des gesellschaftlich-etatistischen gläsernen Bürgers. Dieser Aspekt zeigt eine weitere Facette eines bürgerlichen Faschismus, bzw. der Kompatibilität konservativer und national-völkischer Positionen. Frau Mortler, die bislang vor allem mit Faktenlosigkeit und Ignoranz glänzte antwortete auf die Frage, weswegen Cannabis gefährlich ist mit einer schönen Tautologie.

„Weil Cannabis eine illegale Droge ist.“

und weiter auf die Frage nach einem Werbeverbot für Alkohol:

Glauben Sie, Ihr Kind sagt, wenn Sie ihm alles verbieten: ,Ja, Mama, du hast recht?“ Unser Land will und kann kein Verbotsstaat sein. Kinder und Jugendliche müssen überzeugt werden – durch Aufklärungsarbeit und Vorbilder. *2

Die blinde Rechtsgläubigkeit zeigt hier nicht nur ihre Grenzen, sondern ihre Widersprüchlichkeit im Bezug auf die Realität. Das Gesetz regelt nicht, dass reale Gefahren vermieden werden, es erklärt Dinge erst zu Gefahren und reguliert diese dann. Die Tautologie ist dabei das typische Denken des Rechtsgläubigen. Etwas ist gefährlich, weil es verboten ist und es ist verboten, weil es gefährlich ist. In der essentialistischen Formelhaftigkeit ist das Recht auch gleichzeitig etwas Kulturunabhängiges, Zeitabgekoppeltes, ein metaphysisches und irrationales Über-Ich, das dem triebhaften Menschen vorschreibt, wie er zu sein und zu denken hat. Der Konservative leugnet damit den Menschen als reflektierendes Wesen, sondern verharrt im hobbes’schen Denken des „Homo Homini lupus.“ Der treibende Moment des Faschismus ist genau der gleiche Irrglaube, die Grundannahme, der Mensch sei lediglich in der Masse und durch gesellschaftliche Konventionen vor Entwurzelung zu schützen. Cannabis ist ein „kulturfremder“ Wirkstoff, weswegen von ihm auch eine Aufweichung der hiesigen konservierten Gesellschaftsstrukturen zu erwarten ist. Alkohol und Nikotin verlieren für Mortler und andere konservative Freiheitsverächter ihre Gefahr durch ihre Eigenschaft, Teil der Kultur zu sein, womit sie schon beweisen, dass sie die Gefährdung nicht im gesundheitlichen Bereich sehen. Zusammengefasst muss man wohl zum Ergebnis kommen, dass die Legalisierung von Drogen ein antifaschistischer Akt der Individualisierung ist und den Menschen zum Volksgenossen untauglich macht, was natürlich unser aller Ziel sein sollte.

*1) https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_7_des_Grundgesetzes_für_die_Bundesrepublik_Deutschland

*2) http://hanfjournal.de/2015/01/26/die-beste-drogenbeauftragte-der-welt/

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